Zu Weihnachten ins Ausland reisen

Während sich die einen die kindliche Freude an Weihnachten auch im Erwachsenenalter erhalten haben und dieses Familienfest im Kreise der Lieben zelebrieren, löst diese Vorstellung bei anderen Alpträume aus. Letztere sehen nur einen Ausweg vor den lieben Verwandten: Die Flucht ins Ausland. Wie steht es mit Ihnen? Sind Sie ein Weihnachtsmuffel oder können Sie sich dem tradtionellem Advent- und Weihnachtszauber in Österreich einfach nicht entziehen? Stimmen Sie ab!

Pro

Die richtige Frage müsste doch lauten: Warum überhaupt zu Hause bleiben zu Weihnachten? Ist nicht Weihnachten dieses seltsame Fest, bei dem jeder sich über den Besuch der buckligen Verwandtschaft beschwert? An dem Mutter gestresst am Herd steht? An dem Vater das vierte Paar Manschettenknöpfe bekommt und die Geschwister sich kurz blicken lassen, mit einem Amazon-Gutschein beglückt werden, um dann nach zwei Stunden doch wieder das Weite zu suchen? Ist Weihnachten nicht dieses Fest, bei dem man in die Kirche geht, der Priester die Chance nutzt den untreuen Schafen die Leviten zu lesen und die grantelige Feiertagslaune dann mit Kuchen und Café erstickt wird während man sich von einem Blockbuster-Film zum nächsten Weihnachts-Serien-Wiederholungs-Hit zappt? Ist Weihnachten nicht das Fest, bei dem man heute dank Globalisierung nicht mehr weiß ob der rote Weihnachtsmann (danke Coca Cola), das Christkind oder die Heiligen Drei Könige (in Spanien) die Geschenkgutscheine bringen? Also dann doch lieber gleich verreisen. Im Übrigen ist das Paradoxon ja, dass es keine Geschenke gäbe, würde der Weihnachtsmann selbst zu Weihnachten nicht verreisen.

Ich werde dieses Jahr auf jeden Fall nach Teneriffa fliegen zu meinem Bruder, seiner Freundin und meinen beiden dreijährigen Neffen, die dorthin ausgewandert sind.  Meine Eltern und mein zweiter Bruder kommen auch. Wir werden dann einen Baum mit Krippe aufstellen, besinnlich sein, uns gegenseitig etwas Schönes schenken und gemeinsam eine intensive und dann doch meist sehr harmonische Zeit verbringen. In Wahrheit geht es ja selten darum wo man gerade zu Weihnachten ist, sondern dass man mit den Lieben zusammen ist und das ist dann doch meist die liebe Familie.  hs

Contra

Zugegeben, ich habe eine romantisch-verklärte Sicht von Weihnachten. Alles ist schön, alle haben sich lieb und im Idealfall liegt auch noch Schnee. Klar entspricht das oftmals nicht ganz der Realität (vor allem die Sache mit dem Schnee). Aber auch der gute Chris Rea singt ja bekanntermaßen „Driving home for Christmas“, und nicht „Going on holiday for Christmas“. Und ist es nicht trotzdem einmalig, mit den - mittlerweile erwachsenen - Geschwistern durch den Wald zu gehen und auch nach 20 Jahren noch zu schauen, ob das Christkind auf seinem Weg nicht doch etwas verloren hat? Den Vater schimpfen zu hören, weil der Christbaum – wie jedes Jahr – eigentlich viel zu groß ist für das Zimmer und noch dazu schief steht? Gestärkt durch das eine oder andere Gläschen Eierlikör den Baum aufzuputzen? Voller Inbrunst Weihnachtslieder falsch zu singen und aufhören zu müssen, weil man den Text nicht mehr weiß? Und schließlich völlig überessen ins Bett zu fallen und sich wieder einmal zu schwören, in Zukunft doch weniger Weihnachtskekse in sich hineinzustopfen?

Der Punkt ist nämlich: wenn man es schafft, dem ganzen Trubel mit etwas Humor und Gelassenheit zu begegnen und sich vom eigenen Perfektionsanspruch zu verabschieden, bleibt etwas ganz Wunderbares übrig: eine verlässliche Konstante im sonst oft so stürmischen Leben. Weihnachten kommt jedes Jahr so sicher wie das Amen im Gebet. Oftmals ist es die seltene Gelegenheit im Jahr, liebe Verwandte wieder zu sehen, kurz innezuhalten und vielleicht auch ein bisschen über das persönlich Erreichte des vergangenen Jahres und die eigenen Wertigkeiten und Prioritäten nachzudenken. Vor allem aber ist es ein guter Zeitpunkt, um zu sehen, wie schön es eigentlich zuhause ist – sei es tatsächlich im eigenen Heim oder einfach zusammen mit seinen Lieben. Für das „normale“ Leben bleibt ja ohnehin die restlichen 364 Tage im Jahr Zeit.  ap

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