Mountainbikes am „Wander“weg

Ein ähnlicher Konflikt wie jener im Straßenverkehr zwischen Auto- und Radfahrern wird in der Natur von den Wanderern und Mountainebikern ausgetragen. Einer schimpft über den anderen und abhängig von der Rolle in der man sich gerade befindet, wechselt man auch schon mal gerne den Standpunkt. Wie stehen Sie zur Nutzung der Wanderwege als Mountainbike-Strecken?

Pro

Zuallererst: Ich finde Mountainbike fahren, so durch den Wald, über diverse Steinbrocken, über Wurzeln und durch Matsch wirklich halsbrecherisch. Nie in meinem ganzen Leben würde ich mich auf diese Art einen Hang hinunterstürzen. Da ginge ich eher noch Fallschirmspringen. Ich habe also keinerlei positive Assoziation zum Mountainbiken. Andererseits habe ich auch keinerlei negative, außer dass ich es nie tun würde – aber das sagt nur etwas über meinen offenbar stark ausgeprägten Selbsterhaltungstrieb aus, weniger über das Mountainbiken. Wahrscheinlich ist es mir aufgrund dieser Neutralität dem Mountainbiken gegenüber deshalb auch eher egal, wo die Mountainbiker fahren – solange sie heil wieder unten ankommen.

Vor die Wahl gestellt: „Sollen sie durch die freie Wildbahn brettern oder auf den Wanderwegen oder auf extra Mountainbike-Strecken?“, dann lautet meine persönliche Reihung: erst Mountainbike-Strecke (aber nur, wenn nicht zu viel Naturraum dafür verloren geht), dann Wanderweg und dann querfeldein. Die herkömmlichen menschlichen Trampelpfade durchpflügen sowieso schon die Natur, da fällt es nicht mehr allzu sehr auf, ob da auch noch Radfahrer ihrer Spuren ziehen oder nicht. Die Wanderer werden wohl so aufmerksam in der Natur unterwegs sein, dass sie ein Rad angefahren hören und können rechtzeitig ausweichen. Und die Mountainbiker werden wohl fähig sein ihr Tempo den Gegebenheiten anzupassen. Dass sie extrem aufmerksam fahren, davon gehe ich aus, denn egal in wessen Territorium sie unterwegs sind, sie müssen auf sehr viele andere Lebewesen Rücksicht nehmen. Und da ist es mir noch lieber, sie teilen sich mit den Wanderern einen Weg, denn die fürchten sich nicht so wie die Tiere. Die Wanderer haben nämlich den Vorteil, dass sie Fahrräder schon kennen. rr

Contra

Ich bin eine passionierte Wanderin und daher jedes Wochenende in den Wiener Alpen oder zumindest im Wienerwald unterwegs. Also in einer Gegend, in der Wanderer und Mountainbiker häufig gemeinsame Wege nutzen. Ich gehe also gerne zügigen Schrittes die Waldwege und -pfade entlang, erfreue mich der Ruhe und der schönen Ausblicke, die mich immer wieder inne halten und denken lassen „traumhaft ist es hier“ bis ZZZIIIISCCCHHHH ein Mountainbiker einige Zentimeter neben mir vorbeidonnert. Oft von einem laut gerufenen „Entschuldigung“ oder „Danke“ begleitet. Ist ja recht nett von ihnen, ich fühle mich dabei aber dennoch wie ein Fußgänger in der Wiener Innenstadt.

Besonders liebe ich ja jene, die nebeneinander fahren und selbstverständlich erwarten, dass ich als Wanderer auf die Seite trete und das Traumduo an mir vorbei radeln lasse. Ich habe beim Wandern daher ständig einen Blick nach hinten, vorne und auf die Seite gerichtet. Bei jedem Rauschen, Knacken und Rasseln suche ich genervt nach dem Geräuscheverursacher. Ich habe mir daher angewöhnt vor uneinsichtigen Stellen mit meinen Wanderbegleitern dicht aneinander gedrängt zu gehen, damit wir nicht selbst umgefahren werden oder der Mountainbiker aufgrund eines Ausweichmanövers die Böschung hinunterfliegt. Ich sag´s ganz ehrlich: mich stresst das! Unter der Woche ist das ja nicht so schlimm, aber am Sonntag kommen die Radler ja alle paar Minuten an einem vorbeigeschossen. Das Sonntags-Wandern habe ich daher bereits an den Nagel gehängt.

Ich bin  ja nicht per se gegen die Mountainbiker (außer sie zerquetschen die Blindschleichen, Eidechsen und Käfer auf den Wegen, die ich oft vorsorglich auf die andere Seite bringe, bevor ein Mountainbiker diese platt fährt), aber bitte nicht dort, wo man als Wanderer oder Spaziergänger die Natur genießen möchte. Den Verkehr habe ich in der Stadt, in der Natur möchte ich ohne ständige Alarmbereitschaft entschleunigen und einfach nur genießen. mm

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