Russische Föderation Tourismusausblick

Russische Föderation: Tourismusausblick

April/Mai 2021: Impfungen und Skepsis – unerwartetes Wachstum im Handel- und Dienstleistungssektor – Reisebedürfnis groß – Vertrauen in österreichische Qualität – Zuversicht vermitteln

Impfskepsis und weitestgehende Corona-Entspannung

Das Leben in Russland ist weitestgehend zur Normalität zurückgekehrt. Bis auf die Maskenpflicht kommen nur mehr vereinzelt Einschränkungen zur Bekämpfung der Ausbreitung von COVID-19 zum Tragen. Die vonseiten des Staates betriebene Impfkampagne mit dem russischen Sputnik-V-Vektorimpfstoff stockt jedoch. Trotz zahlreicher Gratis-Impfmöglichkeiten in den Metropolen, unter anderem in Einkaufszentren und Theatern, hält sich die Bereitschaft der Bevölkerung zum Impfen im Grenzen. Derzeit sind noch weniger als 4 % der russischen Bevölkerung gegen das Coronavirus geimpft. Als Grund für die Skepsis wird neben zahlreichen Erzählungen und Gerüchten über Nebenwirkungen und Folgen der Impfung auch eine mögliche hohe Dunkelziffer an Personen, die bereits an Corona erkrankt waren, aber in keiner Statistik aufscheinen, genannt. Bürokratische Hürden und Einschränkungen im täglichen Leben halten die Menschen davon ab, ihre Erkrankung offiziell zu melden. Die Infektionszahlen liegen auf dem relativ geringen Niveau vom Sommer 2020, die Situation in den Krankenhäusern dürfte im Vergleich zu den Engpässen vom Frühjahr 2020 deutlich entspannter sein. Vielen Menschen ist eine Laissez-faire-Mentalität bei der Einhaltung der Maskenpflicht oder hinsichtlich medizinischer Empfehlungen anzumerken, die nicht zuletzt durch eine Corona-Überdrüssigkeit verstärkt wird.

Vorübergehendes Neujahrshoch von Handel und Dienstleistungen

Vor dem Jahreswechsel verzeichnete der russische Handels- und Dienstleistungssektor mit 15 % ein sogar für Experten unerwartetes Wachstum, das einmal mehr die Resilienz der russischen Verbraucher unter Beweis stellt. Die Reallöhne bleiben jedoch auch 2021 gering, und die geringe Kaufkraft des russischen Rubels im Vergleich zu Euro und Dollar beeinflusst die Nachfrage nach teuren Importprodukten. Für 2021 hat der Internationale Währungsfonds die BIP-Wachstumsprognose auf 3 % leicht nach oben korrigiert – eine erfreuliche Tendenz, die aber nicht über die insgesamt gedrosselte wirtschaftliche Aktivität und die im Frühjahr wieder äußerst geringe Kaufkraft des Rubels hinwegtäuschen darf.

Die Russen wollen reisen, aber dürfen nicht

Das Bedürfnis nach Urlaub ist nach den starken Einschränkungen 2020 und einer bis auf wenige außereuropäische Destinationen geltenden Reisesperre sehr groß. Die Bedenken, sich bei einer Auslandsreise mit COVID-19 anzustecken, sind dabei geringer, als es die derzeit noch bestehende Unsicherheit über die Reisebedingungen, über das Verhalten im Krankheitsfall am Urlaubsort und über die Einschränkungen bei der Rückkehr ist. Die entscheidende Frage bleibt nach wie vor: Welche Staaten ermöglichen die Einreise für russische Gäste bzw. – wenn von EU-Staaten die Rede ist – für Drittstaatenangehörige und welche nicht? Sobald für russische Gäste Klarheit über diese Faktoren herrscht, wird die Nachfrage insbesondere nach Städtereisen rasch wieder ansteigen.

Österreichs Image bleibt gut – Fokus nach wie vor auf innerrussischen Destinationen

Das Image Österreichs als qualitativ hochwertige und sichere Urlaubsdestination ist ungebrochen. Aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wird bei der Suche nach potenziellen Urlaubsdestinationen noch mehr Wert auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis gelegt. Die Nachricht über die Verhandlungen über mögliche Sputnik-Impfstofflieferungen von Russland nach Österreichs sorgte in den russischen Medien für eine Stärkung des positiven Österreich-Bildes. Allgemein hegen die Russen allerdings nur geringe Hoffnungen, im Sommer uneingeschränkt nach Europa reisen zu können. Für die bevorstehenden Maifeiertage – traditionell eine beliebte Zeit für Kurz- und Städtereisen – liegt der Fokus fast ausschließlich auf innerrussischen Destinationen.

„Normalität“ gefragt

Russische Gäste sehnen sich vor dem Hintergrund der bestehenden Einschränkungen im eigenen Land nach möglichst weitgehender „Normalität“ im Urlaub. Das generell sehr große Vertrauen in die Qualität und die Sicherheit in alpinen Destinationen bedingt, dass in der Kommunikation vor allem die Zuversicht vermittelt werden muss, dass das Urlaubserlebnis durch die Auflagen vor Ort in Österreich nicht eingeschränkt oder getrübt wird.