Russische Föderation Tourismusausblick

Russische Föderation: Tourismusausblick

Nov./Dez. 2021: schleppender Impffortschritt – ungenutztes Reisebudget – Reisebedürfnis groß – Frage nach Anerkennung von Sputnik V durch EMA – genaue Kommunikation der Corona-Maßnahmen vor Ort

Warten auf 3G

Nach einem rund zweiwöchigen partiellen Lockdown in Moskau Anfang November hat das Warten auf die flächendeckende Einführung von 3-G-Zugangsbeschränkungen begonnen. Derzeit werden die technischen Voraussetzungen für einheitliche QR-Codes im ganzen Land geschaffen, im ersten Quartal 2022 sollen die Vorschriften spätestens in Kraft treten. Mit einer nach wie vor geringen Durchimpfungsrate (tagesaktuell auf www.austriatourism.com/oew-global/oew-global-dashboard/) zählt Russland zu den Nachzüglern in puncto Immunisierung. Moskau liegt nur geringfügig über dem landesweiten Durchschnitt. Wenngleich sich der Staat und die großteils staatlich gelenkten Medien mit Vehemenz um eine aktivere Durchimpfung bemühen, unterstützt die Bevölkerung diese Anstrengungen zu einer gemeinsamen Eindämmung der Pandemie kaum – vielmehr sind viele Russ*innen der Einhaltung der Maßnahmen müde, wenngleich bereits klar ist, dass in den nächsten Wochen weitere Einschränkungen zu erwarten sind.

Ungenützte Reisebudgets kaufkräftiger

Das Konsumverhalten der Russ*innen – vor allem der kaufkräftigen urbanen Zielgruppe – ist durch die coronabedingten Reiseeinschränkungen weiterhin von den Auswirkungen der Pandemie betroffen. Die Mittelschicht ist aufgrund einer hohen Inflation und einer möglichen Abwertung des russischen Rubels im Vergleich zu den Leitwährungen Dollar und Euro besorgt um ihre Ersparnisse. Von derartigen Schwankungen ist die kaufkräftige Oberschicht weniger betroffen: Da internationale Destinationen 2020 so gut wie nicht und auch 2021 nur sehr eingeschränkt bereist werden können, verfügt gerade die gut situierte Gästeschicht in den Ballungsräumen über ein ungenutztes Reisebudget. Jenen Destinationen, die sich im Herbst/Winter für russische Gäste „öffnen“, prognostizieren die Reiseveranstalter eine sprunghaft anwachsende Nachfrage.

„Wer lässt uns im Winter einreisen?“

Die Sehnsucht nach einem Winterurlaub ist innerhalb unserer Zielgruppe in Russland äußerst groß – nachdem im vergangenen Winter aufgrund der internationalen Reiseeinschränkungen fast nur innerrussische Ski-Destinationen wie z. B. Sotschi bereist werden konnten. Die zentrale Frage bleibt die nach der Einreise: Jene Staaten, die russischen Gästen die Einreise zu akzeptablen Bedingungen ermöglichen, werden in den Genuss der überaus großen Nachfrage nach klassischem Winterurlaub kommen. Geprägt von den Erfahrungen mit sich immer wieder ändernden Einreisebedingungen werden die Gäste lange mit ihrer Buchung warten. Die noch offene Frage der Anerkennung des russischen Impfstoffes Sputnik V durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) könnte – wenn der Impfstoff von der EU und den Mitgliedsstaaten anerkannt wird – die entscheidende und für die Gäste verlässliche Grundlage bilden, wie gewohnt einen Winterurlaub in den Alpen zu buchen.

Können Russ*innen in Österreich Urlaub machen?

Das Image Österreichs als qualitativ hochwertige und sichere Urlaubsdestination ist ungebrochen. Sicherheitsbedenken seitens russischer Gäste bestehen keine. Größtes Asset derzeit: Wird der Antikörper-Nachweis, den russische Gäste nach einer Impfung mit Sputnik V in der Regel vorweisen können, als Bedingung für eine Einreise ohne Quarantäne in Österreich akzeptiert? Und gelten Genesungsnachweise aus Russland auch in Österreich? Die Corona-Maßnahmen, die russische Gäste vor Ort einhalten müssen, und die Zutrittsbedingungen werden jedoch mit jenen in anderen Zieldestinationen verglichen werden. Was von russischen Gästen geschätzt wird, sind Unbeschwertheit und einfache sowie umfassende Corona-Maßnahmen, deren Einhaltung den Urlaub nicht trüben soll.

Gastgeber*innen-Qualität wichtig

Russische Gäste sehnen sich vor dem Hintergrund der bestehenden Einschränkungen im eigenen Land nach einer möglichst weitgehenden „Normalität“ im Urlaub. Da in Russland das Testen als Strategie zur Eindämmung von Corona kaum zum Tragen kommt, ist eine transparente und verständliche Kommunikation aller Maßnahmen wichtig – es darf dabei aber nicht der Eindruck entstehen, dass durch die Umsetzung der Maßnahmen die Qualität des Urlaubs in Österreich leidet, und es muss klar sein, dass die Gäste auf die gewohnte Gastfreundschaft stoßen und das Urlaubsfeeling nicht durch Maßnahmen getrübt ist. Mit viel Entgegenkommen (z. B. Gratistests, Unterstützung bei der Abwicklung etc.) können Gastgeber*innen bei russischen Gästen punkten.