Russische Föderation Tourismusausblick

Russische Föderation: Tourismusausblick

Juli 2021: dritte Welle – gute wirtschaftliche Bewältigung der Corona-Krise – Reisebedürfnis groß – gutes Preis-Leistungs-Verhältnis gefragt – genaue Kommunikation der Corona-Maßnahmen vor Ort

Dritte Welle, Lockdown-Stimmung und Impfskepsis

Russland erlebt gerade die dritte Welle der Corona-Pandemie, nachdem die Infektionszahlen Mitte Juni zunächst vor allem in Moskau sprunghaft angestiegen waren. Impfverpflichtungen für bestimmte Berufsgruppen und eine 3-G-Regel für die Gastronomie wurden erlassen. Für die Bevölkerung stellen diese Maßnahmen nach der seit über einem Jahr – trotz zwischenzeitlicher zweiter Welle – weitestgehenden Normalität ungewohnt große Einschnitte dar, auf die mit Unverständnis und Wut reagiert wird. Eine starke Impfskepsis in der Bevölkerung bremst den Impffortschritt trotz intensiver Bewerbung der drei in Russland zugelassenen Impfstoffe und Gratis-Impfungen in Parks und Einkaufszentren ohne Voranmeldung stark ein.

Gastronomie erneut auf dem Prüfstand

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der dritten Welle, die Mitte Juni 2021 begann, sind noch nicht abzusehen. Ende Juni steht zunächst die Gastronomie in Moskau auf dem Prüfstand. Über 11 000 Restaurants in Russlands Hauptstadt müssen auf Weisung des Moskauer Bürgermeisters Sergej Sobjanin unter Kontrolle der Verbraucherschutzbehörde „Rospotrebnadzor“ ihre IT-Systeme auf das Einlesen von QR-Codes umstellen. Die QR-Codes werden nach dem 3-G-Prinzip (geimpft, getestet, genesen) vergeben und sind ab Ende Juni in der Gastronomie verpflichtend. Das Gros der russischen Bevölkerung hat Umfragen des russischen Levada-Forschungszentrums zufolge sein Konsumverhalten an die neuen Gegebenheiten angepasst und seine Ausgaben gedrosselt. Finanziell gut situierte Käufer*innen-Schichten, für die regelmäßige Reisen zum Lebensstil gehören, warten jedoch bereits ungeduldig darauf, wieder ungehindert reisen zu können.

Die Russ*innen wollen reisen, aber dürfen nicht

Das Bedürfnis nach Urlaub ist nach den starken Einschränkungen 2020 und einer bis auf wenige außereuropäische Destinationen geltenden Reisesperre sehr groß. Die Bedenken, sich bei einer Auslandsreise mit COVID-19 anzustecken, sind dabei geringer, als es die derzeit noch bestehende Unsicherheit über die Reisebedingungen, das Verhalten im Krankheitsfall am Urlaubsort und die Einschränkungen bei der Rückkehr ist. Die entscheidende Frage bleibt nach wie vor: Welche Staaten ermöglichen die Einreise für russische Gäste bzw. – wenn von EU-Staaten die Rede ist – für Drittstaatenangehörige und welche nicht? Sobald für russische Gäste Klarheit über diese Faktoren herrscht, wird die Nachfrage insbesondere nach Städtereisen rasch wieder ansteigen. In den laufenden Sommerferien konzentriert sich die Nachfrage auf diverse Sun-and-Beach-Destinationen (Türkei, Montenegro etc.), die die Einreisebedingungen für russische Gäste deutlich gelockert haben. Die seit Anfang Mai bestehende Auflage, dass alle Urlaubsrückkehrer*innen nach ihrer Rückkehr aus dem Ausland nach Russland jetzt zwei (statt bis dahin einem) PCR-Tests absolvieren müssen, spielt jedoch weiterhin dem Inlandsurlaub in die Hände.

Österreichs Image bleibt gut – Fokus nach wie vor auf innerrussischen Destinationen

Das Image Österreichs als qualitativ hochwertige und sichere Urlaubsdestination ist ungebrochen. Aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wird bei der Suche nach potenziellen Urlaubsdestinationen noch mehr Wert auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis gelegt.

„Normalität“ gefragt

Russische Gäste sehnen sich vor dem Hintergrund der bestehenden Einschränkungen im eigenen Land nach möglichst weitgehender „Normalität“ im Urlaub. Da in Russland das Testen als Strategie zur Eindämmung von Corona kaum zum Tragen kommt, ist eine transparente und verständliche Kommunikation aller Maßnahmen wichtig – es darf dabei aber nicht der Eindruck entstehen, dass durch die Umsetzung der Maßnahmen die Qualität des Urlaubs in Österreich leidet. Mit viel Entgegenkommen (z. B. Gratistests, Unterstützung bei der Abwicklung etc.) können Gastgeber*innen hier sicherlich punkten.