Ungarn Tourismusausblick

Ungarn: Tourismusausblick

Der Tourismusausblick mit Stand Jänner 2023: Höchste Inflation in der EU – Wirtschaft unter Druck – Ungar*innen wollen nicht auf Urlaub verzichten – Wechselkurs und Inflation beeinflussen Urlaubsplanung – Last-minute- bzw. kurzfristige Buchungen

Wirtschaft und Gesellschaft

Die Teuerungen kommen in den Brieftaschen der Menschen an. Das Jahr 2022 wurde als das wirtschaftlich herausforderndste Jahr seit 1990 eingestuft – sowohl seitens der Regierung von Ministerpräsident Viktor Orbán als auch seitens der Oppositionsparteien und eines Großteils der Bevölkerung. Von der Regierung wurden und werden besondere Anstrengungen unternommen, um nicht in eine Rezession zu schlittern. Ferner musste die Regierung den Haushalt 2023 bereits anpassen und zusätzliche Steuern einführen, um fehlende Einnahmen auszugleichen.

Ungarns Inflation betrug im November 22,5 % und gilt als Höchstwert innerhalb der EU. Im Jahresdurchschnitt 2022 beläuft sich die Inflation auf 14,45 %. Um die Teuerungsraten, speziell für Energie, Treibstoffe und Grundnahrungsmittel, abzufedern, entschied sich die Regierung für Preisdeckelungen, die nunmehr sukzessive aufgehoben werden.

Für die Periode Jänner–Oktober 2022 ermittelte das zentrale Statistikamt KSH einen Anstieg von 17,6 % der Brutto-Durchschnittslöhne. Diese Zahl wird speziell durch die Anhebung der Mindest- und Niedriglöhne verzerrt, da die Erhöhungen die Inflation nicht ausgleichen können. Speziell Preiserhöhungen für Haushaltsenergie und Lebensmittel und die Erhöhung der Kreditzinsen machen es unumgänglich zu sparen.

Der EUR-HUF-Kurs liegt seit September 2022 konstant bei oder über 1 : 400. Anfang 2022 lag der Kurs noch bei 1 : 365.

Tourismus und Trends

Die große Reiselust ist mit Vorsicht zu genießen. Bei der Urlaubsentscheidung spielen weiterhin die aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen – sowohl die des Landes als auch die der einzelnen Personen – die größte Rolle. Trotzdem, wie die bisherige Entwicklung zeigt: Auch wenn man kostenbewusster agiert, auf Urlaubsreisen per se wird nicht verzichtet.

Der Einsatz des SZÉP Kártya (Széchenyi-Freizeitkarte) wurde mit Beginn des neuen Jahres durch eine Verordnung wesentlich vereinfacht. Dieser elektronische Gutschein kann seit 2011 als Zahlungsmittel in Ungarn eingesetzt werden, und zwar für diese Zwecke: Urlaubsaufenthalt im Inland, Konsum warmer Speisen, Konsum diverser Gesundheits-, Schönheits-, Wellness- und Sportdienstleistungen sowie Kultur- und Freizeitangebote. Mit dieser Änderung sollen sowohl die rund 2,5 Millionen Karteninhaber*innen als auch die Mitgliedsbetriebe unterstützt werden und soll vor allem der Inlandstourismus in strukturschwächeren Gegenden unterstützt und gefördert werden.

Von Jänner bis Oktober 2022 erbrachte Ungarns Tourismus einen Zuwachs, sowohl was die Ankünfte als auch was die Anzahl der Nächtigungen betraf (im Vergleich zu derselben Periode im Jahr 2021). Im Oktober gingen die Zahlen der inländischen Gäste erstmals seit Pandemieende wieder zurück. Gründe hierfür sind die gestiegenen Preise im Inland, die unter anderem auch Reisen ins europäische Ausland vergleichsweise günstiger machen. (Quelle: Gergely Suppan, Leiter der makroökonomischen Analyse, Magyar Bankholding)

Urlaub in Österreich

Österreich bleibt eine der belliebtesten Urlaubsdestinationen. Außer zu den Schulferienterminen wird jedoch last minute gebucht. Die Ungar*innen haben zumindest zahlenmäßig speziell die österreichischen Adventmärkte und Skipisten genossen. Der Skiurlaub ist und bleibt gebucht. Die aktuell hohe Inflation bewirkt unter anderem auch, dass man Erspartes lieber ausgibt als anlegt. Anlegemöglichkeiten gelten im Moment als wenig attraktiv oder eben riskant. Ähnlich wie in den vergangenen zwei Jahren prägen Last-minute-Entscheidungen und kurzfristige Buchungen das Urlaubsverhalten. Faktoren, die die Urlaubsplanung aktuell beeinflussen sind:

  • die Entwicklung der Preissteigerungen im Inland und in Österreich;
  • die Schneeverhältnisse
  • die Entwicklung der EUR-HUF-Kurses*.

* Die Entwicklung des EUR-HUF-Kurses – nahezu -10 % gegenüber dem Jahresbeginn – hat in unserer Zielgruppe nur bedingt Wirkung, da viele Ungar*innen neben einem Konto in Forint auch ein Konto in Euro haben.

Lange Wochenenden werden sehr gern für Kurzurlaube unter anderem auch in Österreich genutzt. Das Jahr 2023 bietet in dieser Hinsicht aufgrund der ungarischen Feiertage insgesamt sechs Termin-Optionen für Kurzreisen.