Schweiz Tourismusausblick

Schweiz: Tourismusausblick

Sommer 2022: Maßnahmen gefallen – Wirtschaft bleibt robust – In- und Auslandsurlaube gefragt – Bewegung in der Natur – Informationen und Inspiration erwünscht

Normalisierung des täglichen Lebens

Mit 1. April 2022 wurde die COVID-19-Verordnung außer Kraft gesetzt. Seitdem gibt es keinerlei Einschränkungen oder Maßnahmen wie etwa eine Maskenpflicht, eine Isolationsplicht oder Vorgaben bei der Einreise in die Schweiz.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) aktualisiert verfügbare Daten zur weiteren Entwicklung nur noch wöchentlich. Eine Betrachtung der Neuinfektionen muss mit Vorsicht genossen werden, da sich viele Menschen trotz Symptomen nicht mehr testen lassen. Ein besseres Indiz sind die Krankenhausaufenthalte. Hier ist der 7- bzw. 14-Tage-Schnitt stark abfallend. Es ist anzunehmen, dass ein Großteil der Bevölkerung in den letzten Monaten durchseucht wurde. Mindestens doppelt geimpft sind rund 70 % der Bevölkerung.

Die mediale Präsenz von COVID-19 hat insgesamt stark abgenommen. Das liegt einerseits an einer Normalisierung des täglichen Lebens, andererseits an aktuell dominanteren Themen wie den Krieg in der Ukraine samt allen Auswirkungen und Folgen für die Schweizer Bevölkerung.

Vorläufige Abkühlung der Schweizer Wirtschaft

Nach einem vielversprechenden Start ins Jahr ist die gesamtwirtschaftliche Erholung der Schweiz seit März mit einem leichten Rückgang des Wirtschaftswachstums unterbrochen. Die Gründe für die ökonomische Abkühlung haben mit den Folgen des Ukraine-Kriegs zu tun, etwa mit gestiegenen Energiepreisen. Weitere Risikofaktoren spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle, darunter die globalen Lieferkettenprobleme aufgrund der flächendeckenden Lockdowns in China. Doch die stabile Binnenwirtschaft wirkt weiterhin stützend für das Schweizer Bruttoinlandsprodukt (BIP). Damit könnte sich der gegenwärtige Dämpfer als vorübergehend herausstellen. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) senkte seine Wachstumsprognose für die Schweiz im Jahr 2022 auf 2,8 %.

Die Stimmung der Konsument*innen hat sich der April-Umfrage des Seco zufolge stark eingetrübt. Insbesondere werden die Erwartungen zur zukünftigen Wirtschaftsentwicklung markant negativer beurteilt. Zudem lasten die steigenden Preise auf der finanziellen Lage der Haushalte. Dagegen hat sich die Einschätzung der Lage am Arbeitsmarkt abermals verbessert.

Interesse an Urlaub im In- und Ausland

Die abgelaufene Wintersaison war für die Schweiz ein Erfolg. Die Hotellerie wird ein deutliches Nächtigungsplus im Vergleich mit letzten beiden Wintern melden. Das Vor-Pandemie-Ergebnis ist zum Greifen nah, bei den inländischen Gästen wurde dieses bereits übertroffen. Die April-Zahlen sind zwar noch ausständig, allerdings wurde zu Ostern beispielsweise von einem „vollen“ südlichen Ferienkanton Tessin und von Rekordstaus auf den Nord-Süd-Autobahnen berichtet.

Für den Sommer wird sich zeigen, ob die Schweiz die Inlandsurlauber*innen der beiden vergangenen Jahre zu Stammgästen machen kann oder ob die Sehnsucht nach Auslandsreisen doch größer ist. Der Ferienheimanbieter Interhome meldet zum Beispiel, dass Urlaub in der eigenen Heimat nach wie vor gefragt ist, es aber viele wieder ins Ausland zieht.

Insgesamt schreckt der Krieg in der Ukraine viele Leute vom Reisen ab. Zudem werden zentraleuropäische Länder wie das Baltikum, Rumänien, Tschechien etc. aktuell gemieden. Die großen Veranstalter in der Schweiz berichten dennoch von einem seit Anfang des Jahres anhaltenden, nachhaltigen Buchungsplus – auch nach Ausbruch des Krieges. Teilweise sind die Neubuchungen in den Monaten März bis Mai bereits höher als im gleichen Zeitraum 2019. Badeferien sind weiterhin sehr beliebt – auf der Kurzstrecke vor allem die Destinationen Griechenland, Balearen und Türkei, auf der Mittelstrecke Ägypten, die Kanaren und Madeira und auf der Langstrecke die Malediven, Mauritius und die Karibik. Die USA und Kanada stehen aktuell bei Städte- und Rundreisen hoch im Kurs.

Positiver Ausblick auf den Sommer

Eine Ad-hoc-Befragung der Österreich Werbung im Frühling zeigte, dass 79 % der Befragten in der Schweiz planen, im Sommer 2022 zu verreisen. Als Auslandsreiseziele wurden vor allem Italien und Spanien, aber auch Österreich genannt. Neben Badeurlaub am Meer ist das Bedürfnis nach Erholungsurlaub, Städteurlaub, Natururlaub, Badeurlaub am See und Urlaub in den Bergen groß. Bewegung in der Natur steht insgesamt hoch im Kurs. Neben steigenden Preisen beschäftigten die Befragten die politische Unsicherheit wegen des Ukraine-Krieges und der Klimawandel (Stichwort: nachhaltiges Reisen). Die COVID-19-Situation lag auf Platz 4. So wurde bei der Unterkunft dem Preis-Leistungs-Verhältnis die höchste Bedeutung zugemessen. Flexible Stornobedingungen waren weiterhin wichtig, Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen (COVID-19) wurden hingegen als weniger entscheidend beurteilt.

Viele Schweizer*innen haben ihren Urlaub in den letzten zwei Jahren daheim verbracht. Die Statistiken zeigen einen starken Zuwachs bei den Hotelübernachtungen im eigenen Land. Vor allem für Familien stellten die Regeln in Österreich zuletzt eine große Hürde dar, da in der Schweiz bis zum Alter von 16 Jahren keine Einschränkungen galten. Mit der Aufhebung fast aller Maßnahmen sollte Österreich in der Schweiz Marktanteile zurückgewinnen. Buchungen im Nahbereich dürften weiterhin kurzfristig erfolgen.

Kommunikationsempfehlungen

Weiterhin wichtig bleibt, klar und einfach Informationen zu noch gültigen Corona-Maßnahmen zu kommunizieren. Diese sollen leicht auffindbar sein – eine service- und userfreundliche Aufbereitung und eine ständige Aktualisierung sind notwendig. Darüber hinaus soll der Fokus auf inspirierenden Inhalten liegen, die Lust auf Sommerurlaub in Österreich machen und den Bedürfnissen der Schweizer Gäste entsprechen: leichte sportliche Aktivitäten in einer schönen Landschaft, gepflegte Gastfreundschaft, das Kulinarik- und Verwöhnelement, Regeneration für Körper und Geist, Angebote für Familien sowie kulturelle Erlebnisse in der Stadt und auf dem Land.