Schweiz Tourismusausblick

Schweiz: Tourismusausblick

Herbst 2022: Energiesparkampagne – sehr starker Franken – Diskussion um Abschaltung der Seilbahnen bei Strommangel – Winterferien in Österreich beliebt – Informationen und Inspiration erwünscht

Schweiz im Gleichklang mit EU bei Ukraine-Krieg

Ukraine-Krieg

Der Ukraine-Krieg hat in der Schweiz eine Diskussion über die Neutralität und die eigene Position in der Welt ausgelöst. Nach der Übernahme der Sanktionen der EU hat der Bundesrat am 16. September 2022 die seit einigen Jahren erleichterten Visabedingungen für russische Bürger*innen aufgehoben und sich damit auch in dieser Frage dem Vorgehen der EU angeschlossen.

Corona

Die Pandemie mit ihren Folgen und möglichen Einschränkungen ist im öffentlichen Leben und im Bewusstsein der Bevölkerung weitgehend verschwunden. Thematisiert wird sie, wenn es ums Reisen geht: Im Juni wurde entschieden, Auffrischungsimpfungen auch aus nicht medizinischen Zwecken zu ermöglichen (kostenpflichtiger „Reise-Booster“). Im September entschied das Bundesamt für Gesundheit, die Schweizer COVID-19-Zertifikat-App zu überarbeiten – vom Ablaufdatum in der Schweiz hin zur Anzahl der Tage seit der vollständigen Impfung.

Energiekrise

Die Schweiz produziert als „Wasserschloss Europas“ allein mit Wasserkraft fast 60 % ihres Stromverbrauchs. Mit den Atomkraftwerken und der Sonnen- und Windenergie könnte sie ihren ganzen Bedarf abdecken, müsste sie nicht im Winter für kurze Zeit Strom importieren. Die Politik beschäftigt sich gemeinsam mit relevanten Akteur*innen mit Maßnahmen gegen eine mögliche Energieknappheit. Diese umfassen die Einrichtung einer Wasserkraftreserve oder den Bau von mobilen Gaskraftwerken genauso wie eine groß angelegte Energiesparkampagne, die Ende August lanciert wurde.

Trotz unsicherem Umfeld boomt der Arbeitsmarkt

Der Franken ist aktuell so stark wie noch nie (1 EUR = 0,96 CHF). Im laufenden Jahr hat sich die Schweizer Wirtschaft trotz unsicherem Umfeld erstaunlich robust entwickelt. Von April bis Juni ist sie gegenüber dem Vorquartal um 0,3 % gewachsen. Ein wichtiger Grund dafür sind die Nachholeffekte nach der Aufhebung der Coronaschutzmaßnahmen. Doch seit rund einem halben Jahr geht auch in der Schweiz die Furcht vor einer Rezession um. An Zukunftssorgen mangelt es nicht, sei es aufgrund der Energiekrise, der Inflation oder der Lieferkettenprobleme. Doch ungeachtet des unsicheren Umfelds rekrutieren die Unternehmen weiterhin Mitarbeitende, der Arbeitsmarkt boomt regelrecht.

Die Coronanachholeffekte werden auslaufen. Eine Rezession im Euro-Raum wird immer wahrscheinlicher, entsprechend dürfte auch die Nachfrage nach Schweizer Produkten zurückgehen.

Für 2022 wird laut der Konjunkturforschungsstelle der ETH eine Inflation von 2,6 % erwartet.

Veranstalter blicken optimistisch auf den Herbst

Großer Gewinner bei den Urlaubsarten des abgelaufenen Sommers war der Urlaub am Meer. Nach zwei Sommern mit starkem Inlandswachstum war das Bedürfnis der Schweizer Bevölkerung nach Ferien in den Mittelmeerdestinationen – v. a. Griechenland, Balearen, Italien und Türkei – groß. Die großen Reiseveranstalter berichten von ähnlichen Umsatzzahlen wie 2019 und von vielen Reisenden, die sich mehr gönnen – z. B. mit höherwertigen Hotels oder längeren Aufenthalten. Nach der erfolgreichen Sommersaison blicken die Veranstalter nun sehr optimistisch auf die kommenden Herbstferien. Es wird noch immer kurzfristiger als vor der Pandemie gebucht. Wiederum zeichnet sich ab, dass Ferien in den Mittelmeerländern am beliebtesten sein werden.

Für Aussagen zum Winter ist es noch zu früh. Prinzipiell spricht aber nichts dagegen, dass die Schweizer*innen im kommenden Winter wieder zahlreich in die Berge zum Winter(sport)urlaub fahren. Im eigenen Land konnten sie das in den beiden vergangenen Winter ohne große Einschränkungen tun – lediglich im letzten Winter waren Restaurants und Hütten geschlossen. Aktuell ist nicht damit zu rechnen, dass es in der Schweiz in den nächsten Monaten große Einschränkungen gibt. Offen ist, ob es im Falle eines tatsächlichen Strommangels zu einem Abschalten der Bergbahnen kommt. Touristiker*innen und Seilbahnen wehren sich vehement dagegen.

Entscheidend sind Coronamaßnahmen in Österreich

Österreich ist als Winterferiendestination weiterhin hoch im Kurs. Geschätzt werden unter anderem die modernen Liftanlagen, die hochwertige Hüttengastronomie, die familiengeführten Hotels und ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis, das durch den schwachen Euro verstärkt wird.

In den vergangenen beiden Wintersaisonen stellten die Coronaregeln vor allem für Familien eine große Hürde dar. Während die 3-G-Regel in der Schweiz ab 16 Jahren galt, war dies in Österreich bereits ab 12 Jahren der Fall. Viele Familien mit Kindern im Teenager-Alter verbrachten ihre Winterferien deswegen in der Schweiz. Matchentscheidend für Österreich sind demnach die Coronamaßnahmen. Dann wird sich auch zeigen, ob die verloren gegangenen Familien wieder nach Österreich zurückkehren. Die Buchungen dürften insgesamt wieder kurzfristig erfolgen und daher von der Verfügbarkeit der entsprechenden Angebote, den Sicherheitsregeln und der Schneelage abhängen.

Weihnachtsmärkte im In- und Ausland erfreuen sich bei Schweizern hoher Beliebtheit. Als ausländisches Reiseziel hat imagemäßig klar Deutschland die Nase vorn – Österreich und das grenznahe Frankreich (Elsass) können ebenfalls punkten. An Weihnachtsmärkten in Österreich schätzen Schweizer das authentische Kunsthandwerk, die stimmungsvolle Atmosphäre sowie die vielfältigen Programmpunkte rund um das Thema Advent.

Besuche von Weihnachtsmärkten werden im Nahbereich gerne als Tagesausflug oder als Pauschalreise mit Adventprogramm getätigt. In den Nächtigungsstatistiken ist ein starker Monat Dezember in den für Schweizer Gäste beliebten Landeshauptstädten Innsbruck, Salzburg und Wien erkennbar. Dieser bestätigt eine verstärkte Reisetätigkeit zum Thema Adventmärkte und Weihnachten.

Während 2021 auf den meisten Weihnachtsmärkten in der Schweiz noch Zertifikatspflicht herrschte, ist dies für 2022 unwahrscheinlich. Interessant wird das Zusammenspiel der Weihnachtsmärkte mit der Fußball-WM sein. In Zürich haben einige Märkte schon angekündigt, Screens aufzustellen und die Spiele zu zeigen.

Kommunikationsempfehlungen

Sollte es in Österreich diesen Winter wieder Coronamaßnahmen geben, ist es wichtig, diese frühzeitig, klar und einfach zu kommunizieren. Informationen dazu sollen leicht auffindbar sein – eine service- und userfreundliche Aufbereitung und eine ständige Aktualisierung sind notwendig.

Darüber hinaus soll der Fokus auf inspirierenden Inhalten liegen, die Lust auf Winterurlaub in Österreich machen und den Bedürfnissen Schweizer Gäste entsprechen: sportliche Aktivitäten auf und abseits der Piste und Loipe, gepflegte Gastfreundschaft, das Kulinarik- und Verwöhnelement, Regeneration für Körper und Geist, Angebote für Familien sowie kulturelle Erlebnisse in der Stadt.