China Tourismusausblick

China: Tourismusausblick

Nov./Dez. 2021: stärkster Ausbruch seit Ende 2019 – Folgen der Wirtschaftseingriffe – Kurztrips per Zug beliebt – Trend: gesünder und nachhaltiger – Onlinekommunikation

Wieder strengste Maßnahmen durchgesetzt

Aktuell wird China vom stärksten COVID-19-Ausbruch seit jenem in Wuhan Ende 2019 erfasst und bekämpft diesen wie gewohnt mit Massentests, der Sperre von ganzen Städten und Stadtteilen sowie staatlich angeordneter Quarantäne. Auch die Maßnahmen im täglichen Leben, wie etwa das Tragen einer Maske, das Messen der Temperatur, lückenloses Contact-Tracing mittels Gesundheits-App etc., werden streng überwacht. Aufgrund der Stärke des aktuellen Ausbruches greift die Regierung zu drastischen Maßnahmen wie beispielsweise Massentests in Freizeitparks (Disneyland Shanghai) oder Zwangsquarantäne für Tausende Student*innen aufgrund eines Falles (Provinz Liaoning). Diese Maßnahmen kommen bei einem Großteil der Bevölkerung gut an, denn diese ist der Meinung, dass die Null-COVID-Politik der Regierung das Land vor den schlimmsten Folgen der Pandemie bewahrt hat.

Damit die COVID-19-Lage auch in Hinblick auf die Olympischen Spiele im Februar 2022 unter Kontrolle bleibt, hat die Regierung verlautbart, auch weiterhin an ihrer Null-COVID-Strategie festzuhalten. In den Staatsmedien und in den sozialen Medien hält sich seit Monaten der Tenor, dass der Rest der Welt COVID-19 nicht im Griff hat. Hingegen steigt die Impfquote in China weiterhin an. Derzeit sind mehr als eine Milliarde Menschen zweimal geimpft worden und die Impfbereitschaft ist hoch. Trotzdem werden in den Medien immer wieder Stimmen laut, die die Null-COVID-Strategie der Regierung infrage stellen. Hohe Kosten, strenge Quarantäneregelungen und die Abschottung vom internationalen Geschehen sind die Hauptbedenken gegen die Fortführung der aktuellen Abschottungspolitik. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass die chinesischen Grenzen für internationale Reisen nach den Olympischen Spielen geöffnet werden, damit das Risiko von COVID-19-Ausbrüchen während der Spiele gering bleibt.

Auswirkungen der Maßnahmen und Abschottung spürbar

Chinas Wirtschaft ist weiterhin mit zahlreichen Problemen konfrontiert. Während der Immobilienmarkt aufgrund finanzieller Schwierigkeiten des Evergrande-Konzerns in Turbulenzen geraten ist, leidet die nationale Industrieproduktion unter Engpässen bei der Stromversorgung. Darüber hinaus setzen die immer härter werdenden Corona-Maßnahmen der Regierung, die bis zur kompletten Stilllegung ganzer Betrieb reichen, den betroffenen Regionen zu. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Chinas Wirtschaft im dritten Quartal nur noch um 4,9 % gewachsen ist. Nach einem Rekordzuwachs von 18,3 % im ersten und 7,9 % im zweiten Quartal 2021 ist das der bisher schwächste Wert in diesem Jahr. Aktuelle, von der chinesischen Regierung veröffentliche Daten zeigen, dass sich die Lage im Einzelhandel verbessert hat und der Umsatz im Vergleich zum Vorjahresmonat um 4,9 % gestiegen ist.

Auch Xi Jinpings Politik zur Schaffung eines „gemeinsamen Wohlstandes“, die das Ziel hat, die Lebenserhaltungskosten für einkommensschwächere Familien erschwinglicher zu gestalten, ist mit Eingriffen in die Wirtschaft verbunden. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden strenge Regeln und Eingriffe in große Konzerne implementiert. Während der Binnenkonsum floriert und die Exporte wieder angezogen haben, zeigen diese Eingriffe in die Wirtschaftsentwicklung erste Konsequenzen. Neben den von der Regierung verordneten strengen Vorschriften und Strafzahlungen für Chinas erfolgreichste Technologiekonzerne (Alibaba, Tencent etc.) sind auch zahlreiche chinesische Immobilienkonzerne (z. B. die Evergrande Group) von den neuen Regelungen betroffen. Allerdings werden nun auch Stimmen laut, dass sich China mittelfristig wieder öffnen muss, da eine zu lange Abschottung von der Weltwirtschaft einen Schaden für China bedeuten könnte. Expert*innen rechnen jedenfalls mit dem Eingreifen der Regierung und der Zentralbank im Falle eines zu stark sinkenden Wirtschaftswachstums.

Reisefreude innerhalb Chinas

Trotz der immer wieder auftretenden COVID-19-Cluster ist die Reiselust der Chines*innen groß. Während der einwöchigen Feiertage um den chinesischen Nationalfeiertag am 1. Oktober – der „Goldenen Woche“ – waren besonders Kurztrips per Zug sehr beliebt. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum über 127 Millionen Passagierfahrten mit der Bahn verzeichnet. Da die Regierung aufgrund der regionalen COVID-19-Cluster von nicht notwendigen Reisen während der Feiertage abgeraten hat, blieben die Erwartungen der Reisebranche jedoch hinter den Vorjahresergebnissen zurück.

Trends sprechen für Urlaub in Österreich 

Der Trend hin zu einem gesünderen Leben und nachhaltigeren Lifestyle hält an und ist besonders bei unserer Zielgruppe sehr beliebt. Neben den traditionellen Sightseeing- und Kulturreisen erfreuen sich auch Reisen zum Thema Umweltschutz bzw. in eine naturverbundene Umgebung großer Beliebtheit. Auf diesen Gebieten hat Österreich als Urlaubsland besonders viele Möglichkeiten anzubieten. Die Trends deuten darauf hin, dass sich auf dem österreichischen Markt neue Möglichkeiten ergeben. Chinesische Reisende interessieren sich für Outdoor-Erlebnisse und spezielle Luxusangebote. Reisen in kleinen Gruppen und ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein prägen auch den Trend des „Slow Life“, für den auch gerne mehr Geld ausgegeben wird. Auch die Art und Weise, wie die Verbraucher*innen diese Angebote auswählen, ändert sich: Die sozialen Medien sind heute wichtige Inspirationsquellen. Ein besonderes Hoch ist im Bereich des Duty-free-Shoppings zu verzeichnen. Die Kaufkraft der Chines*innen und das Interesse an Luxusartikeln wachsen stetig. Auch in diesem Bereich kann Österreich viel bieten.

Streamingdienste und soziale Medien

Chinesische Konsument*innen verbringen durchschnittlich über sieben Stunden pro Tag online. Während persönliche Empfehlungen und Massenmarketing immer noch eine wichtige Rolle spielen, sind soziale Medien und Streamingdienste die wichtigsten Inspirationsquellen auf der Suche nach neuen Reisezielen. In der Kommunikation wird Österreich als sicheres, gastfreundliches und nachhaltiges Urlaubsland präsentiert.