China Tourismusausblick

China: Tourismusausblick

April 2022: Diskussion um Abgehen von Null-COVID-Strategie – kleine Unternehmen tragen die Last der Sanktionen – Lust auf Auslandsreisen wieder vorhanden – Trend: gesünder und nachhaltiger – Onlinekommunikation

Wieder strenge Lockdowns wegen Omikron

Mitte März werden in ganz China täglich mehr als 4000 Neuinfektionen gemeldet. Omikron hat sich bereits in 28 von 31 Provinzen des chinesischen Festlands ausgebreitet. Strenge Lockdowns werden über ganze Städte verhängt. Auch in Peking werden laufend lokale Lockdowns über Gebäudekomplexe, Bürogebäude und Shoppingmalls verhängt. Massentests sind die Folge. Während fast 90 % der Bevölkerung geimpft sind und viele Menschen Auffrischungsimpfungen erhalten haben, sind die Raten bei den älteren Menschen niedriger: 82 % bei den 70- bis 79-Jährigen und etwa 51 % bei den über 80-Jährigen, so die Gesundheitsbehörden Mitte März (Quelle: The Washington Post, 22.03.2022) Mittlerweile häufen sich die Stimmen, die der Meinung sind, dass es für China angesichts der steigenden Kosten und der geringeren Erfolge bei der Ausrottung des Coronavirus an der Zeit ist, einen klaren Ausstiegsplan aus der derzeitigen Null-COVID-Strategie zu finden. Während Massentests und strenge Quarantänevorschriften dem Land seit der Abriegelung von Wuhan vor zwei Jahren gute Dienste geleistet haben, erscheint dieser Ansatz angesichts der Omikron-Variante, die weniger tödlich, aber ansteckender ist, zunehmend ungeschickt. In den chinesischen Medien werden immer mehr wissenschaftliche und medizinische Berichte veröffentlicht, die belegen, dass die Gefahr von Omikron für das Leben oder die Gesundheit der Menschen viel geringer ist als die von früheren Varianten. Dies gilt besonders für geimpfte Personen. In einem inzwischen zensierten Interview sagte ein Arzt aus Peking, dass Omikron seiner Erfahrung nach weniger bedrohlich ist als die Grippe. Auch in den sozialen Medien Chinas hat die Unzufriedenheit über die Abriegelungen im Zuge der jüngsten Welle spürbar zugenommen (Quelle: SCMP, 21.03.2022). Die chinesische Regierung hat seit Beginn der Pandemie argumentiert, dass Chinas Reaktion auf COVID-19 ihre überlegene Handlungsfähigkeit demonstriert. Die derzeitige rasche Verbreitung der Omikron-Variante bringt die Regierung nun jedoch in ein Dilemma, da die strikte Null-COVID-Strategie nicht mehr erfolgreich umgesetzt werden kann. Hongkong will seine strengen Bestimmungen bereits lockern.

Die Folgen des schlimmsten Coronavirus-Ausbruchs und die damit verbundenen strengen Null-COVID-Regelungen haben die Wirtschaft Hongkongs nachhaltig geschädigt und die Bewohner*innen zur Flucht aus der Stadt veranlasst. Daher hat Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam nun einen Fahrplan für eine Lockerung der Null-COVID-Politik angekündigt. Mit 1. April werden vollständig geimpfte Einwohner*innen Hongkongs, die einen negativen PCR-Test vorweisen können, mit Flügen aus dem Vereinigten Königreich, aus Australien, Kanada, Frankreich, Indien, Nepal, Pakistan, den Philippinen und den USA wieder einreisen dürfen. Die verpflichtende Hotel-Quarantäne soll von 14 auf 7 Tage reduziert werden. Dieses Vorgehen spiegelt die Strategien anderer Länder wider, die von strengen Beschränkungen zum Leben mit dem Virus übergegangen sind, oft nachdem sie von einem Omikron-Ausbruch überwältigt worden waren (Quelle: The Guardian, 22.03.2022). Beobachter*innen gehen davon aus, dass Lam weiterhin unter Druck stehen wird, wenn es um die Frage geht, ob sich die Regierung von der strengen Null-COVID-Strategie des Festlandes abkoppeln kann.  

Kosten der Null-COVID-Politik steigen stetig

Chinas Null-COVID-Politik und die damit verbundenen Lockdowns haben das Leben der Bürger*innen stark beeinträchtigt. Schätzungen zufolge wurden 2020 mehr als 4,5 Millionen kleine Unternehmen geschlossen. 2021 dürfte die Zahl noch höher liegen. Oft sind es kleine Unternehmen und einkommensschwache Gruppen, die gefährdet sind und die Hauptlast der wirtschaftlichen Verluste tragen. Damit verbunden sind auch die Folgen für die Menschen, ihr persönliches Umfeld, Familie, Ausbildung und Gesundheit. Die Sterblichkeitsrate in China ist 2021 auf 7,18 Todesfälle pro 1 000 Einwohner*innen angestiegen, der höchste Stand seit 2000. Die hohe Sterblichkeitsrate und die zahlreichen Todesfälle hängen vermutlich mit den Folgen der Lockdowns zusammen. Zahlreiche Patient*innen mit chronischen Erkrankungen und Akutpatient*innen konnten nicht rechtzeitig behandelt werden.

Vorhersehbare Erholung in der Reisebranche

Die Reisebranche wartet immer noch auf eine baldige Wiederaufnahme des In- und Auslandstourismus. Prognosen sind aufgrund der derzeitigen Omikron-Welle kaum möglich. Trotzdem kann auch weiterhin ein anhaltend großes Interesse an internationalen Reisezielen beobachtet werden. Der Wunsch nach In- und Auslandsreisen wird zunehmend stärker.

Das Vertrauen in die Erholung Chinas wächst – das Vertrauen der Verbraucher*innen in die Wirtschaft ist auf dem höchsten Stand seit Beginn der Pandemie. Im Februar 2020 lag das Vertrauen bei 43 %. Im Oktober 2021 gaben 67 % der Befragten an, dass sie glauben, dass sich die chinesische Wirtschaft innerhalb von zwei bis drei Monaten erholen wird. Mit dem wachsenden Vertrauen steigen auch die Ausgaben der Verbraucher*innen. Die jüngste Umfrage zu den Einstellungen chinesischer Tourist*innen zeigt, dass die Mehrheit der Befragten, 77 % der Haushalte, davon ausgeht, dass ihr Einkommen in naher Zukunft konstant bleiben wird und dass sowohl die lebensnotwendigen als auch die Ausgaben für Freizeitaktivitäten seit März 2021 gestiegen sind und sich stabilisieren. Die Reiselust in China nimmt je nach Intensität und Anzahl lokaler COVID-19-Ausbrüche zu und ab. Es wurde davon ausgegangen, dass das Wiederaufleben des Inlandsreiseverkehrs die allgemeine Erholung der chinesischen Reisebranche unterstützen würde. Die immer zahlreicher werdenden lokalen Ausbrüche haben das Vertrauen in Inlandsreisen jedoch beeinträchtigt. Eine aktuelle McKinsey-Umfrage zum Reiseverhalten zeigt nun aber, dass COVID-19-Ausbrüche die Reiselust nur etwa zwei Monate lang dämpfen und das Vertrauen in die inländische Reisesicherheit danach schnell wieder zunimmt (McKinsey 02/22). Auslandsreisen sind nach wie vor attraktiv, aber kaum möglich. Chinesische Reisende äußern den Wunsch zu reisen, sowohl im Inland als auch ins Ausland. Obwohl internationale Reisen eingeschränkt sind, die Mehrheit der Befragten internationale Reisen immer noch als unsicher empfindet und in naher Zukunft keine internationalen Reisen plant, zeigt die Umfrage ein anhaltend großes Interesse an internationalen Reisezielen. Der Wunsch nach Auslandsreisen hat wieder das Niveau von vor der Pandemie erreicht.

Trends sprechen für Urlaub in Österreich 

Eine aktuelle McKinsey-Umfrage zeigt, dass das Interesse am Besuch kultureller oder historischer Stätten im Rahmen von Freizeitreisen von 39 % auf 44 % gestiegen ist und somit an zweiter Stelle der bevorzugten Aktivitäten steht. Am beliebtesten sind nach wie vor landschaftlich reizvolle Ziele in der freien Natur. Strand- und Urlaubsreisen sind nach wie vor beliebt. Shopping- und Feinschmeckerreisen, die in früheren Umfragen zu den beliebtesten Reisethemen gehörten, sind nicht mehr unter den ersten fünf bevorzugten Aktivitäten. (McKinsey 2/22)

Der Trend hin zu einem gesünderen Leben und nachhaltigeren Lifestyle hält weiterhin an und ist besonders bei unserer Zielgruppe sehr beliebt. Neben den traditionellen Sightseeing- und Kulturreisen erfreuen sich auch Reisen zum Thema Umweltschutz bzw. in eine naturverbundene Umgebung großer Beliebtheit. Auf diesen Gebieten hat Österreich als Urlaubsland besonders viele Möglichkeiten anzubieten. Die Trends deuten darauf hin, dass sich auf dem österreichischen Markt neue Möglichkeiten ergeben. Chinesische Reisende interessieren sich für Outdoor-Erlebnisse und spezielle Luxusangebote. Reisen in kleinen Gruppen und ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein prägen auch den Trend des „Slow Life“, für den auch gern mehr Geld ausgegeben wird. Auch die Art und Weise, wie die Verbraucher*innen diese Angebote auswählen, ändert sich: Die sozialen Medien sind heute wichtige Inspirationsquellen. Ein besonderes Hoch ist im Bereich des Duty-free-Shoppings zu verzeichnen. Die Kaufkraft der Chines*innen und das Interesse an Luxusartikeln wachsen stetig. Auch in diesem Bereich kann Österreich viel bieten. Wie die Ergebnisse des Projekts „Winter Wonderland“ in Peking und die Auswertung der ÖW-Aktivitäten auf den chinesischen Social-Media-Plattformen gezeigt haben, ist das Interesse an Österreich weiterhin groß. In erster Linie werden Kunst und Kultur geschätzt, nun wurde jedoch auch Österreichs Kompetenz im Winterbereich erfolgreich und nachhaltig beworben.

Streamingdienste und soziale Medien

Chinesische Konsument*innen verbringen durchschnittlich über sieben Stunden pro Tag online. Während persönliche Empfehlungen und Massenmarketing immer noch eine wichtige Rolle spielen, sind soziale Medien und Streamingdienste die wichtigsten Inspirationsquellen auf der Suche nach neuen Reisezielen. In der Kommunikation wird Österreich als sicheres, gastfreundliches und nachhaltiges Urlaubsland präsentiert. Besonders die erfolgreiche Positionierung Österreichs als Wintersportdestination im Rahmen der Olympiade konnte viel Aufmerksamkeit erregen.