Belgien Tourismusausblick

Belgien: Tourismusausblick

Juli 2021: bessere Stimmung – Verpflichtung zum Homeoffice aufgehoben – Reisebüros häufiger frequentiert – Abschreckung durch Corona-Test – Ringen um Urlauber*innen

Aufbruchsstimmung

In Belgien spürt man eine gewisse Aufbruchsstimmung. Die Cafés dürfen seit 23. Juni 2021 bis 01:00 Uhr nachts offen bleiben und bis zu acht Personen können an einem Tisch sitzen. Die Aufstellung von Plexiglaswänden ist wieder erlaubt, was eine höhere Kapazität ermöglicht. Durch die Live-Übertragungen der Europameisterschaftsspiele erfreuen sich die Cafés einer großen Beliebtheit. Derzeit sind 31 % der erwachsenen Bevölkerung vollständig geimpft, 55 % haben bereits ihre erste Teilimpfung erhalten. Die Impfbereitschaft der Wallon*innen geringer ist als die der Flam*innen. Die Corona-Studie der Universität Antwerpen zeigt auf, dass sich 39 % der Menschen wieder die Hände schütteln bzw. umarmen, sofern ihr Gegenüber geimpft ist. Unter Kolleg*innen geben das nur 2 % an.

Junge Menschen im Alter von 12 bis 15 Jahren mit Grunderkrankungen können sich seit Anfang Juli mit Pfizer/Biontec gegen Corona impfen lassen.

Schnelles Wirtschaftswachstum, niedrige Inflation

Die Nationalbank erwartet ein schnelles Wirtschaftswachstum von mindestens 4 %. Aufgrund der Lockerungen bei den Corona-Maßnahmen wird erwartet, dass die Bevölkerung mehr konsumiert und sogar ein Anstieg von Investments im Immobiliensektor verzeichnet werden kann. Eine Rückkehr zur Wirtschaftstätigkeit kurz vor der Corona-Krise bedeutet jedoch nicht, dass alle wirtschaftlichen Schäden behoben sind. Darüber hinaus benötigt der Arbeitsmarkt möglicherweise mehr Zeit, um sich zu erholen. Es gibt zwar viele offene Stellen, aber es ist schwierig, geeignetes Personal zu finden. Die Fluktuation der Mitarbeiter*innen ist höher als normal, vor allem in der Hotellerie, den Reisebüros sowie der Kunst-, Unterhaltungs- und Freizeitbranche. Die Preise für Rohstoffe, Transport und Verpackung steigen weiterhin stark an, was sich auch in den Verkaufspreisen widerspiegelt.

Im Homeoffice zu arbeiten ist seit 1. Juli 2021 nicht mehr verpflichtend, wird aber dringend empfohlen. Eine große Mehrheit der Belgier*innen ist jedoch damit einverstanden, teilweise von zu Hause zu arbeiten: 84 % wollen dies nach der Lockerung noch zwei Tage oder mehr Tage in der Woche tun. Im Vergleich zum Beginn der Corona-Krise ist dieser Anteil um 19 % höher. Zudem bevorzugen mehr Mitarbeiter drei Tage Telearbeit (33 %) in der Woche statt einen Tag (12 %), während es im vergangenen Jahr umgekehrt war. Die Lebensmittelpreise sind im ersten Quartal dieses Jahres nur leicht gestiegen, bei unverarbeiteten Produkten wie Obst und Gemüse sogar gesunken. Die belgische Inflation ist mit 0,8 % deutlich niedriger als in den Nachbarländern.

Ein Viertel wird erst vollständig geimpft verreisen

Seit dem 1. Juli 2021 kann mit dem europäischen digitalen Corona-Zertifikat wieder frei innerhalb Europas gereist werden, sofern man genesen, getestet oder geimpft ist. Die Gültigkeit der Impfung besteht bereits nach zwei Wochen. Trotzdem muss bei der Rückreise das „Passenger Locator Form“ (PLF) ausgefüllt werden. 38 % der Bevölkerung sagen, dass sie ihren Sommerurlaub außerhalb der Landesgrenzen verbringen möchten, 19 % wollen nicht verreisen, 13 % bleiben im Inland. Der Juli ist der beliebteste Urlaubsmonat und 7 von 10 Belgier*innen sehen das Auto als wichtigstes Verkehrsmittel. Eine*r von vier Belgier*innen im Alter von 18 bis 35 Jahren möchte erst reisen, wenn sie*er vollständig geimpft ist. Dennoch sind 15 % der Bevölkerung nicht bereit, ihren bereits gebuchten Urlaub aufgrund eines Impftermins zu verschieben. Aufgrund der unterschiedlichen Corona-Bestimmungen im Ausland wenden sich viele Reisende häufiger an ein Reisebüro. Reiseziele außerhalb Europas werden noch nicht angeflogen, was bedeutet, dass weniger weit entfernte und damit teure Reisen gebucht werden. Am Flughafen Brüssel nimmt die Aktivität wieder zu und es ist angeraten, mindestens zwei Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein. Die Sicherheitsverfahren sowie die Überprüfungen von Dokumenten nehmen mehr Zeit in Anspruch als unter normalen Umständen, da auch der Online-Check-in nicht verfügbar ist. Die griechischen und die Kanarischen Inseln sind besonders beliebte Ziele beim Flugurlaub.

Belgier*innen kennen kaum Corona-Tests

Ein großer Wettbewerbsnachteil ist, dass in Österreich verpflichtend getestet werden muss, wenn man noch keine Impfung erhalten hat. Diese Teststrategie gibt es in Belgien nicht. Einige Belgier*innen haben seit Beginn der Pandemie noch nie einen Corona-Test gemacht, weshalb sie diese Verpflichtung abschreckt. Das Interesse, den Urlaub in Österreich zu verbringen, ist vor allem bei den Stammgästen vorhanden.

Sehr hoher Werbedruck

Der Werbedruck im Tourismussektor ist sehr hoch. Destinationen ringen um Urlauber*innen und werben mit flexiblen Stornobedingungen und Last-minute-Buchungen. Momentan ist es schwierig, aus der Flut der Werbebotschaften herauszustechen.