Belgien Tourismusausblick

Belgien: Tourismusausblick

April/Mai 2021: große Corona-Müdigkeit – Kaufkraft gestiegen – Reisebudget stark gestiegen – Hoffen auf Sommerurlaub im Ausland – Inspiration und keine Werbung

Ruf nach Lockerung der Maßnahmen

Die derzeitige Stimmung der Bevölkerung lässt sich anhand des aus der Kontrolle gelaufenen Festivals „La Boum“ erahnen. Am 1. April 2021 fand ein als Aprilscherz angekündigtes Festival im Brüsseler Park Bois de la Cambre statt. Tausende Jugendliche strömten in den Park, es wurde ausgelassen, ohne Maske oder Sicherheitsabstand gefeiert. Das Zusammentreffen endete mit einem Großaufgebot der Polizei. Es dauerte mehrere Stunden, die Menge aufzulösen. Die Bevölkerung ist coronamüde und glaubt nicht an eine baldige Milderung der strengen Maßnahmen. Der Ruf, die Terrassen der Cafés und Restaurants zu öffnen, wird lauter. Es wird argumentiert, dass auf diese Weise eine Zusammenkunft von Menschen zumindest kontrolliert und unter Einhaltung von Sicherheitsmaßnahmen ablaufen könnte.

Das Verbot von nicht essenziellen Reisen innerhalb der EU wurde mit 19. April 2021 aufgehoben. Rückkehrer aus einer roten Zone müssen dennoch Test- und Quarantäneregeln einhalten. Es ist noch nicht klar, ob es Ausnahmen für bereits Geimpfte geben wird.

Am 26. April 2021 endet die Osterpause. Ab diesem Zeitpunkt können sich max. 10 Personen im Freien treffen. Geschäfte, sowie nichtmedizinische Kontaktberufe dürfen wieder öffnen.

Ab 8. Mai 2021 dürfen Außenterrassen von Restaurants und Cafés wieder öffnen.

Die gesamte erwachsene flämische Bevölkerung sollte nach aktueller Planung bis zum 11. Juli 2021 geimpft sein. Mit Stand 10. April wurden bereits 1.855.977 Menschen geimpft. Das sind 20,2 % der erwachsenen Bevölkerung. Von diesen erhielten 620.032 bereits die zweite Teilimpfung und sind somit vollständig immunisiert. Wird der Weg zum Impfzentrum öffentlich zurückgelegt, so gilt der Nachweis gleichzeitig als Gratisticket für alle öffentlichen Verkehrsmittel.

Krise verstärkte soziale Ungleichheit

Belgiens BIP bricht 2020 um 6,2 % ein, eine Erholung für 2021 wird mit 3,9 % prognostiziert. Das BIP dürfte aber erst in der zweiten Jahreshälfte 2022 wieder das Vorkrisenniveau erreichen.

Die belgische Arbeitslosenrate erreichte 2019 mit 5,4 % die niedrigste Quote seit 40 Jahren. Im Krisenjahr 2020 lag sie dank der Unterstützungsmaßnahmen der Regierung wie Kurzarbeit relativ stabil bei 5,6 %. Durchschnittlich waren 2020 monatlich etwa 514.000 Menschen in Kurzarbeit. Prognostiziert wird jedoch, dass sich diese Rate auf 7,2 % erhöhen wird, sobald das Kurzarbeitsmodell ausläuft.  

Die Kaufkraft der belgischen Haushalte nahm 2020 dank der staatlichen Unterstützungsmaßnahmen trotz der COVID-Krise zu, jedoch verstärkte die Krise die sozialen Ungleichheiten. Auch starke regionale Unterschiede sind auszumachen: Das verfügbare Einkommen der Flamen ist im Durchschnitt 17 % höher als das der Wallonen und 16 % höher als das der Brüsseler. Der „Global Wealth Report“ bescheinigt den belgischen Haushalten 2020 ein Brutto-Geldvermögen von 121.345 Euro pro Kopf (plus 7 %). Im Ranking der reichsten Länder weltweit liegt Belgien mit einem Netto-Geldvermögen von 94.804 Euro pro Kopf auf dem 11. Platz (zum Vergleich: Österreich liegt auf dem 16. Platz).

2020 haben 77 % der Flamen im Alter von 16 bis 74 Jahren Online-Einkäufe für den privaten Gebrauch getätigt – 12 % mehr als 2019. Je höher das Bildungsniveau und das Einkommen sind, desto mehr wird online gekauft. Männer kaufen häufiger online ein als Frauen. Da der Ticket- und der Reisesektor vollständig zum Erliegen gekommen sind, wurde zwar mehr gekauft, aber insgesamt weniger ausgegeben.

Anstieg bei Wohnwägen und Mobile Homes

Das Reiseverbot ins Ausland und die Schließungen einiger Hotels sind noch während der Osterferien bis zum 18. April 2021 gültig. Daher haben sich viele Menschen für Urlaub in Ferienhäusern, in Ferienparks oder am Campingplatz im eigenen Land entschieden. Dieser Trend spiegelt sich in der Vermietung und im Verkauf von Wohnwägen und Mobile Homes wider. Corona gibt Zweiflern einen Schub und die Absatzzahlen steigen seit 2020. Käufer waren früher hauptsächlich Rentner. Heute sind es vermehrt jüngere Leute und Familien mit Kindern.

Einen Ansturm gibt es auch auf Ferienhäuser: Die Anzahl der Buchungen ist um bis zu 30 % höher als im Vorjahr. Da im vergangenen Jahr wenig gereist wurde, sind Urlaubssuchende bereit, dieses Jahr mehr Geld für Urlaub auszugeben. Der Betrag beläuft sich auf rund 930 Euro pro Person für 10 Tage. Normalerweise werden dafür rund 800 Euro ausgegeben.

Auto und Wohnmobil bevorzugt

Eine Umfrage von ABTO, dem Verband der belgischen Reiseveranstalter, zeigt, dass drei von vier Belgiern dieses Jahr noch Urlaub machen wollen. Die Hälfte der Befragten hofft, diesen Sommer ins Ausland reisen zu können. Dementsprechend wenig wird im Voraus gebucht und vor allem auf last minute gesetzt. Reiseziele werden lieber mit dem Auto oder Wohnmobil bereist, da dies für viele sicherer erscheint, als öffentliche Verkehrsmittel wie Busse, Züge und auch Flugzeuge zu nutzen. Im ersten Quartal 2021 sind 2.106 Passagiere vom Flughafen Brüssel nach Österreich geflogen. Dies ist nur ein kleiner Bruchteil der Zahlen in Vor-Corona-Zeiten.

Momentan eher Inspiration als Bewerbung

Aufgrund der Reisewarnungen und Quarantäne-Bestimmungen ist eine Bewerbung derzeit nicht gerne bei Belgiern gesehen. Momentan eher auf Inspiration setzten statt auf effektive Bewerbung des Urlaubs in Österreich.