„Grün reisen“

Nachhaltiges Denken und Handeln hat inzwischen in allen Lebensbereichen Einzug gehalten. Es ist en vogue sich als „nachhaltig“ (ökologisch wie sozial) zu outen. Doch in wie weit ist man bereit, Nachhaltigkeit zu leben, wenn diese mit zeitlichem/finanziellem Aufwand  oder gar Einschränkungen verbunden ist? Ist man wirklich bereit, nur noch mit dem Zug oder per Rad zu verreisen? Verzichtet man tatsächlich auf Fernreisen? Wie sehen Sie das? Ist „grünes Reisen“ überhaupt realisierbar?

Pro

„Wir alle sollten uns um die Zukunft sorgen, denn wir werden den Rest unseres Lebens dort verbringen.“  Charles F. Kettering

Das Thema "Nachhaltigkeit" gewinnt im Alltag  laufend an Bedeutung. Doch die Frage ist, wie stark integriert man diesen Trend in sein Reiseverhalten? Ich würde generell zwischen Nah- und Fernreisen differenzieren. Es beginnt schon bei der Auswahl des Transportmittels. Bei Fernreisen (außerhalb Europas) ist man nahezu gezwungen das Flugzeug für den Transport zu wählen. Ganz ehrlich, keiner nimmt die Strapazen auf sich mit der Bahn zu einem größeren Hafen zu fahren und von dort dann mit dem Schiff a lá Kreuzfahrt weiterzureisen um den immensen CO² Ausstoß des Flugzeugs zu vermeiden.
Bei Nahreisen sieht das natürlich anders aus. Hier besteht die Möglichkeit per Bus oder Bahn in naheliegende Länder (Deutschland, Schweiz, Slowakei etc.) zu reisen und um den CO² Ausstoß erheblich zu reduzieren. Der Bustransport produziert nur ein Sechstel und die Bahn gerade einmal ein Zwölftel des CO² Ausstoßes im Vergleich zum Flugzeug. Bei Nahreisen macht es Sinn auf „umweltfreundlichere“ Transportmittel umzusteigen und umweltschonender zu handeln.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Verhalten am tatsächlichen Urlaubsort. Ich versuche immer so nachhaltig wie möglich zu agieren. Vor allem an Naturschauplätzen sollte man sehr rücksichtsvoll sein. „Leave nearly no footprints!“ fm

„Sammle deinen Reichtum, ohne seine Quellen zu zerstören, dann wird er beständig zunehmen.“ Siddhartha Gautama

Contra

Man kann eigentlich nicht gegen das Prinzip „grün reisen“ per se ein Contra schreiben. Das liegt mir auch fern. Natürlich ist es sinnvoll, beim Reisen auf die Natur Rücksicht zu nehmen. Das gebietet der gesunde Menschenverstand. Aber ich behaupte, wirklich grün kann man heute gar nicht reisen. Dann müsste ich wahrscheinlich mit dem Fahrrad in die Steiermark radeln und dort zelten. Aber das gehört nun mal für das Gros der Touristen nicht zur präferierten Urlaubsart.

Was heute oftmals unter „grün reisen“ verkauft wird, ist ja in Wahrheit ein kosmetisches Reisen unter dem Motto von Urlaubern „ja ich weiß eh, aber ich achte wenigstens auf …“. Dementsprechend habe ich dann auch gleich bei der Google-Suche auf der ersten Ergebnisseite ein Angebot zu „grün reisen“ gefunden mit sechs grünen Elementen und davon folgenden Highlights:  Shell FSD Dieseltreibstoffe für weniger Emissionen und geringeren Treibstoffverbrauch, Wassererhitzung mit Solarenergie, Recycling-Papier im Büro, Busreinigung ausschließlich ohne chemikalische Reinigungsmittel, Bio-Bauernhof. Ist das wirklich mit „grün reisen“ gemeint?

Ich kann auch dem freikaufen von mir verursachten Umweltbelastungen z.B. durch CO2 – Emissionsausgleich nichts abgewinnen. Das Problem fängt bei der Verursachung an. Ich recycle auch keine Nespresso-Kapseln. Ich kaufe sie gar nicht erst. Jetzt müsste ich also auf Balkonien Urlaub machen (14 Tage = 58 kg CO2, zum Vergleich 14 Tage Mexiko = 7218 kg CO2). Als Realist schließt man natürlich Kompromisse. Deshalb findet meine nächste Reise mit dem Fahrrad entlang der Donau statt und meine Unterkunft suche ich mir sehr genau aus.

 

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