Skiausrüstung ausborgen

Alle Jahre wieder ist es ein Meisterstück, die Skier, Skischuhe und Skianzüge einer mehrköpfigen Familie bzw. einer Freundesgruppe in ein mittelgroßes Familienauto zu stopfen. Während die einen daher auf Leihgeräte umsteigen (immer passend, gut gewartet und am neuesten Stand), graut den anderen schon alleine bei der Vorstellung daran, in bereits von anderen Wintersportfans getragene Skischuhe zu schlüpfen.  Auch die „Doppel-Socke“ kann deren Ekelgefühl nicht mindern. Zu welcher Gruppe gehören Sie? Stimmen Sie ab!

Pro

Nach 10 abstinenten Jahren entsorgte ich meine 20 Jahre alten Ski endgültig. Was hat mich vom sprichwörtlichen Skivergnügen abgehalten? Unter anderem, bepackt wie ein Nomade beim Aufbruch ins Winterlager die Reise anzutreten – ich lebe ohne Auto. Früher, als ich noch in der Nähe der wunderschönen Tiroler Skigebiete wohnte, da war allein schon die Vorstellung, einen Winter nicht Ski zu fahren, schlichtweg nicht vorhanden. Wetter gut, ein bisschen Zeit? Auf geht’s. Aber in Wien ist das alles mühsam. Man kann nicht einfach so spontan Ski fahren gehen, es muss geplant werden und bis man letztendlich auf den Brettern steht, ist man schon etwas k.o. In vielen Fällen reduziert sich das Skivergnügen sowieso nur auf einen Urlaub pro Saison. Was dann heißt, dass das ganze Zubehör gerade einmal pro Jahr in Gebrauch ist. Das nächste ist: wohin damit, wenn man keinen Keller hat?

Letzten Winter ging ich das erste Mal in Wien Ski fahren. Diese Option hatte ich bis dahin vollkommen ignoriert. Hohe Wand Wiese – nein danke. Aber die herrlichen Schneeverhältnisse lockten und Freunde, die unbedingt Ski fahren lernen wollten, wirkten so inspirierend, also gab ich den Widerstand auf. Ski hatte ich ja keine mehr, da kam nur Ausleihen in Frage. Glücklicherweise muss ich sagen, denn das war ein sogenannter „eye-opener“. Eine sehr angenehme Erfahrung, die zur Gewohnheit werden wird. Einfach anziehen, hinfahren, ein paar Fragen beantworten und schon steht man am Ski. Mit geschliffenen Kanten und frisch gewachst. Wie konnte ich nur so viele Winter ohne Skifahren leben und auf all die damit verbundenen herrlichen Gefühle verzichten? Und die wurden sogar auf den 400 Metern der Hohen Wand Wiese ausgelöst. Zum Schluss noch ein Einkehrschwung in die Hütte und letztendlich das Zubehör einfach abgeben und heimfahren. Erfüllt, glücklich und befreit vom ganzen Tand.

Es bleibt mir nur zu sagen: „Wieder Ski fahren. Willkommen zurück“. Ohne Ausrüstung wohlgemerkt – das ist mein persönlicher Untertitel. bk

Contra

Es gibt Dinge im Leben, die borgt man sich einfach nicht aus: Zahnbürsten, Unterwäsche, Ehefrauen. Es gibt andere Dinge, die „borgt“ man sich aus: Kredit von der Bank, Mehl vom Nachbarn zum Kochen, ein Buch in der Bibliothek. Und dann gibt es Streitfälle. Die Skiausrüstung ist solch ein Streitfall. Aus mehreren Gründen.

Ich fahre sehr selten Ski und habe keine eigene Skiausrüstung. Fahre ich selten Ski, weil ich keine eigene Ausrüstung habe oder habe ich keine Ausrüstung, weil ich selten Ski fahre? Ich tendiere bei näherem Nachdenken zu Ersterem. Eine Investition in eine Skiausrüstung würde mich auch häufiger Skifahren lassen. So wie ich auch häufiger mit dem eigenen Auto fahre als ich mit einem Mietauto fahren würde. Zweitens rentiert sich die Anschaffung über die Jahre. Ich verzichte jetzt auf eine Amortisationsrechnung, aber mein Bauch sagt mir, dass sich über 10 Jahre solch eine Anschaffung schon lohnen würde. Und das Skifahrerkönnen von vielen Menschen ist eh nicht so hoch, dass sie laufend neue Ausrüstung benötigen würden. Drittens „lernt“ man seine Ausrüstung ja im Laufe der Zeit kennen, d.h. man stellt sich auf das Material ein. Dieser Effekt wäre beim Ausleihen futsch. Viertens sind Skier sicher ein High-Involvement-Produkt, das heißt man setzt sich im Vorfeld ausgiebig mit den Vorteilen, Nachteilen, technischen Details, etc. auseinander. Das  mache ich im Falle eines Kaufs einmal und habe dann für lange Zeit meine Ruhe.

Quintessenz: Ein Kauf spart Nerven und wahrscheinlich auch Geld. Und über muffige Skischuhe, die bereits 100 Mal in den letzten Monaten getragen wurden, habe ich noch gar nicht angefangen zu lamentieren. hs

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