Im Urlaub Pause vom gesunden Leben machen

Wir werden immer älter und sind daher bestrebt, Geist und Körper möglichst lange fit zu halten. Ein gesunder Lebensstil ist daher für viele Alltag. Darf man sich daher im Urlaub etwas Pause vom gesunden Leben gönnen? Faulenzen, in der Sonne liegen, bis in die frühen Morgenstunden durchtanzen und sich durch die herrlichen Köstlichkeiten naschen? Oder hat man gerade im Urlaub Zeit und Muße, dem Geist und dem Körper entspannt und ohne lästige Pflicht Gutes zu tun? Wie stehen Sie zum Thema Gesundheit im Urlaub?

Pro

Ich arbeite Vollzeit. Montags habe ich meinen Yogakurs, dienstags gehe ich ins Fitnesscenter. Jeden Freitag nutze ich die Mittagspause für ein kurzes Krafttraining. Am Wochenende sollte man dann nach Möglichkeit auch an die frische Luft, denn das tut ja dem Körper gut. Das Mittagessen sollte nicht zu schwer ausfallen, weil sonst nicht einmal mehr der Kaffee gegen das Nachmittagstief im Büro hilft. Ein allzu üppiges Abendessen ist wiederum kontraproduktiv für den Schönheitsschlaf. Das Frühstücksei wäre ja schon gut, damit hat aber wiederum der Cholesterinspiegel ein Problem. Mit Detox und Metabolic Balance sind wir auf Du und Du. Klingt das für Sie nach Urlaub? Eben.

Urlaub machen bedeutet für mich Pause machen- ganz bewusst eine Pause vom Alltag und den zugehörigen Verpflichtungen einzulegen. Wir leben zweifelsfrei in einer Leistungsgesellschaft und auch das konsequente Führen eines gesunden Lebensstils ist im Prinzip eine Leistung: bedeutet es doch einen gewissen Aufwand, sich mit richtiger Ernährung auseinanderzusetzen und/oder Sport zu treiben. Im Urlaub möchte ich eine kleine Rebellin sein. Mein Leben nicht nach Stundenplan führen. Mir nicht den Wecker stellen müssen, damit ich die nächste Wassergymnastik-Stunde nicht verpasse. Ich möchte einfach tun und lassen, wonach mir gerade ist. Wenn das frische Früchte vom Frühstücksbuffet oder eine Wanderung in der Natur bedeutet – schön! Genauso soll aber Platz sein für scheinbar „Unvernünftiges“ – länger schlafen oder gar den ganzen Tag im Bett liegen bleiben und lesen, auch wenn draußen die Sonne scheint. Die Soja-Grünkern-Laibchen am Buffet links liegen lassen, um sich am gebackenen Emmentaler satt zu essen. Vielleicht ein Achterl mehr trinken als von den Experten empfohlen, einfach weil man gerade so nett beisammen sitzt.

Abschalten vom Alltag, Stressabbau und Erholung sind die Devise. Wenn man das auch mit durchgehend disziplinierter Ernährung und einem straffen Sportprogramm schafft, super. Ich gehöre da allerdings nicht dazu.  ap

Contra

Welch Irrsinn! Wenn ich schon einmal Zeit habe mich gesund zu ernähren, ausreichend Bewegung zu machen und auszuspannen, dann mache ich das auch – egal ob Urlaub oder nicht.

Ich bin nun zugegebenermaßen nicht die Konsequenz in Person, was meinen alltäglichen Lebenswandel betrifft. Ich bewege mich so gut und so passend es geht zu Fuß weiter, aber wenn es zu aufwendig wird, steige ich auf Öffentliche oder auf das Auto um. Ich esse sowohl Obst und Gemüse als auch – wenn ich Lust dazu habe – Schokolade oder ein Schweinsbraterl. Diese Lust überkommt mich zwar nicht häufig, aber wenn sie da ist, gebe ich ihr gerne nach. Entspannen und mit der Seele baumeln könnte ich den ganzen Tag über, allein die Betonung liegt auf „könnte“, denn ich kann nicht. Ich bin ja Mitglied unserer Gesellschaft und da ist diese Zeit nicht in dem Ausmaß vorgesehen, wie ich sie gerne hätte. Was mir also bleibt, ist die Urlaubszeit um genau diesen Dingen ausgiebig zu frönen. Denn „gesundes Leben“ hat ja nun einmal wirklich nichts mit Selbstkasteiung zu tun, wie hier suggeriert wird.

Im Gegenteil: wenn ich mich wohlfühle, kann ich alles andere noch viel besser genießen. Und nun habe ich vor kurzem ein Experiment gewagt, dass dieses Prinzip auf die Spitze trieb. Meinen letzten Urlaub habe ich damit verbracht, in schöner Umgebung nichts zu essen; mich an frischer, reiner Luft so zu bewegen, wie ich es sonst nie tue (Yoga); zu schlafen, wann auch immer mich Müdigkeit überkam und diese überkam mich in den beiden ersten Tagen so oft, dass ich mir den Wecker stellen musste, um das Ausschenken des reinen Fruchtsaftes – meiner einzigen Nahrungsquelle - nicht zu verpassen. Was soll ich Ihnen sagen: “Es war herrlich!“ Ich kam wohl noch nie so voller Energie aus einem Urlaub zurück. Also weshalb sollte ich ausgerechnet meinen Urlaub damit verbringen, ungesund zu leben – dazu habe ich sonst Zeitmangel genug. rr

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