Spanien Tourismusausblick

Spanien: Tourismusausblick

Sommer 2022: Optimismus – Inflation bremst Aufschwung ab – Städtetourismus erwartet und Sommer sehr gut gebucht – großes Interesse an Österreich

Andere Themen verdrängen COVID-19

Seit Ostern werden die Corona-Fallzahlen nur mehr in der Altersgruppe der über 60-Jährigen erfasst und zweimal pro Woche über das offizielle Portal des staatlichen Gesundheitsamtes veröffentlicht. Seit zwei Wochen sind die Zahlen schwach steigend, wobei keine Maßnahmen ergriffen bzw. ausgesprochen werden, da der Spitalsdruck in Bezug auf coronaerkrankte Patient*innen unter 3 % liegt. Das verpflichtende Tragen einer Maske im Freien wurde mit 19. April 2022 aufgehoben. Die Gesundheitsexpert*innen empfehlen jedoch, eine Maske sowohl in Innenbereichen als auch in Außenbereichen, wenn der 1,5-Meter-Abstand nicht eingehalten werden kann, zu tragen. Die Impfbereitschaft war in Spanien von jeher sehr hoch. Grundsätzlich haben 90 % der Gesamtbevölkerung zwei Impfungen erhalten und 59 % drei Impfungen. Die dritte Impfung bekommen viele Bürger*innen nicht verabreicht, da das Gesundheitsamt eine 5-Monats-Frist beginnend am letzten Tag einer COVID-19-Erkrankung vorschreibt. Demnach haben viele Gäste aus unserer Zielgruppe die dritte Impfung bisher nicht erhalten, weil von Jänner bis März eine übermäßig hohe Anzahl der zweifach geimpften Personen an Omikron erkrankte. Das Wegfallen der 3-G-Regel bei der Einreise kommt Österreich sehr zugute. Die spanische Bevölkerung ist optimistisch und lebt in einer mäßigen Aufbruchstimmung, was die vielerorts angesagten Großveranstaltungen für den Kultursommer zeigen. In den spanischen Städten erwacht erneut ein starker Tourismus.

Bald wieder „normale“ Beschäftigungsverhältnisse

Die wirtschaftliche Stimmung Spaniens war bis vor Kurzem optimistisch und im Aufschwung begriffen. Spanien kämpft seit Monaten mit rasant steigenden Energiepreisen vor allem im Bereich der Stromversorgung, welche durch den Krieg in Ukraine befeuert werden. Spanien bezieht 80 % des Gases aus Algerien und muss demnach seine diplomatischen Beziehungen im Maghreb verstärken und ausbauen.

Die Wirtschaftsdaten von Februar 2022 (Quelle: Expansion) weisen folgende Zahlen auf: Die Arbeitslosenrate liegt bei 12,7 %, der Verbraucher*innen-Index bei 7,6 % (Prognose: steigend), das Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrug im Jahr 2021 25 410 Euro pro Person, was Spanien auf Platz 33 unter 196 Ländern, die ihr BIP korrekt ausweisen, reiht. Das BIP ist in den letzten drei Monaten um 5 % gestiegen. Laut der Tageszeitung „El Pais“ erwartet man einen Anstieg von bis zu 5,3 %. Die Sparquote eines spanischen Haushaltes mit durchschnittlich drei Personen ist trotz des Krieges in der Ukraine im Vergleich zu 2021 um 4,9 % gestiegen (0,5 % Anstieg von Februar auf März). Die Sparquote bei Firmen liegt bei einer Steigerung von 7 %. Das bedeutet, dass die spanische Bevölkerung gelernt hat, in Krisenzeiten zu sparen. Die galoppierende Inflation hält den bis vor dem Ausbruch des Krieges ansteigenden Konsum spürbar zurück. (Quelle: lainformacion.com)

Reisesehnsucht

Das Urlaubsinteresse ist hoch. Fast alle namhaften Reiseveranstalter sprechen von einigen ausgebuchten Destinationen wie Griechenland und Marokko; auch exklusive Reisen nach Ost- und Südafrika, Italien (Florenz und Rom) und auf die spanischen Inseln (Balearen) sind bereits ausgebucht. Laut einiger Studien und Berichte in den Fachmedien scheinen die Spanier*innen ihre Ersparnisse aus der Corona-Zeit für den großen Sommerurlaub auszugeben. Österreich ist gut positioniert und der Wegfall der 3-G-Regeln kam im richtigen Moment. Das Interesse an Destinationen in Osteuropa ist kriegsbedingt eingebrochen. Hosteltur hat kürzlich eine Studie veröffentlicht, die besagt, dass der Städtetourismus für Rom, London, Paris, New York, Lissabon und Wien für diesen Sommer sehr hoch eingeschätzt wird. Das Bedürfnis nach Kultur und dem urbanen Erlebnis hat im Vergleich zu 2020 um 30 % aufgeholt. Natur- bzw. Aktivurlaub wird mit einem Städtetrip kombiniert, wie dies z. B. die Destinationen in Süd- und Mittelamerika anbieten: Kolumbien (Playa Blanca und Cartagena), Peru (Machu Picchu und Lima), Mexiko (Tulum und Mexiko-Stadt), Kuba (Playas del Este und Havanna), Costa Rica und Puerto Rico. Kaum sichtbar in der Angebotspräsentation sind asiatische Destinationen.

Engpässe bei Mietautos

Das Image Österreichs ist nach wie vor sehr gut. Die Aufhebung der 3-G-Regeln bei der Einreise hat eine Erleichterung in der Reisebranche erzeugt. Die Nachfrage nach Kurztrips nach Wien (in Kombination mit Salzburg oder Innsbruck) ist zufriedenstellend. Nachhaltiges Reisen mit dem Zug durch Österreich wird vermehrt über das Vertriebsnetz der Wiederverkäufer angefragt. Urlaub am Bauernhof in Tirol liegt stark im Trend. Der Radurlaub entlang der Donau gehört zu den Spitzenreitern bei den Anfragen seitens der Endkund*innen. Einige Reisemittler und Reiseagenturen melden, dass es starke Engpässe beim Bestellen der Mietautos in ganz Europa und vor allem in Österreich gibt. Der spanische Gast ist ein begehrter Rundreisengast im Sommer und entdeckt Österreich mit dem eigenen oder gemieteten Auto, wenn es um den großen Urlaub in Österreich geht. Aufgrund der knappen Mietautobestände in Europa müssen die Reiseanbieter nach Alternativen suchen, hier kommt das Reisen auf der Schiene stark zum Tragen.

Themen in der Kommunikation

Ein klar kommuniziertes Hygienekonzept kommt bei den spanischen Gästen gut an. Spanien ist ein „bargeldloses Land“, daher kann die Praxis, keine Kartenzahlung anzubieten und auf Bargeld zu bestehen, zu Verunsicherung und Missstimmung führen.