Slowakei Tourismusausblick

Slowakei: Tourismusausblick

Der Tourismusausblick mit Stand Jänner 2023: Lieferkettenproblematik durch Krieg verschärft – hohe Inflation und starke Energieabhängigkeit von Russland – Menschen sparen im Haushalt und Alltag – vertraute Urlaubsdestinationen bevorzugt

Wirtschaft und Gesellschaft

Das Vertrauen in die slowakische Wirtschaft ist nach sechs Monaten im Dezember 2022 gestiegen, darüber informierte das Statistische Amt der Slowakischen Republik. Während die Europäische Kommission davon ausging, dass das slowakische Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2022 real noch um 2,3 % zunehmen wird, waren die Regierung mit 1,9 % und die Slowakische Nationalbank mit 1,4 % vorsichtiger. Noch stärker weichen die Vorstellungen für 2023 voneinander ab, die zwischen 3,6 % und 1,9 % liegen. Der Krieg im Nachbarland hat für Firmen die Lieferkettenproblematik verschärft und fordert sie durch hohe Energiekosten heraus. Die Slowakei ist noch stark von russischem Erdöl und Erdgas abhängig, was die Anspannung erhöht. Zugleich spürt die stark exportorientierte Volkswirtschaft die Verlangsamung bei ihren Handelspartnern. Der Teile- und Materialmangel behindert die eigene Exportaktivität. Aus heutiger Sicht wird die Inflation 2022 auf fast 12 % steigen und 2023 bei 8,6 % liegen – abhängig von den Auswirkungen des Ukraine-Krieges. Die Arbeitslosenquote lag 2021 bei 7,5 %. 2022 stieg sie auf 6,2 % und für 2023 werden wieder etwa 7,5 % geschätzt. Danach wird die Arbeitslosenquote voraussichtlich wieder langsam sinken. Diese Zahlen gelten als Landesdurchschnitt, wobei in der Region Bratislava der Beschäftigungsgrad höher ist. Die Slowakei ist fast vollständig von russischem Öl, Gas und Uran abhängig: 85 % bei Gas und 100 % bei Öl und Atombrennstoffen. Mehr als die Hälfte (55 %) des Stroms der Slowakei stammt aus der Kernkraft, die zweitwichtigste Stromquelle ist Erdgas. Inzwischen wurde der dritte Reaktor im AKW Mochovce in Betrieb genommen, der für rund 17 % der slowakischen Stromproduktion verantwortlich sein wird. Die Strompreise sind in den letzten zwölf Monaten auf das Zehnfache und mehr gestiegen. In den letzten Jahren stiegen die Löhne in der Slowakei massiv, vor allem im industriellen Sektor. Die alte (linke) SMER-Regierung hatte dazu noch mehrere populäre bzw. populistische Maßnahmen gesetzt: Erhöhung der Zuschläge für Nacht-, Wochenend- Feiertags- und Schwerarbeit, verpflichtende Gutscheine für Urlaub in der Slowakei, steuerliche Begünstigungen für ein freiwilliges Weihnachts-/Urlaubsgeld. Die großen Arbeitgeber haben protestiert, abgewandert sind nur wenige Arbeitsplätze im Niedriglohnsegment. Diese Tendenzen scheinen sich nun coronabedingt zu verlangsamen: So liegt der Mindestlohn seit Anfang 2022 bei 646 Euro (3,713 Euro pro Stunde), was einer Erhöhung um 43 Euro entspricht.

Tourismus und Trends

Trotz aller Schwierigkeiten sind die Sehnsucht nach Reisen und die Reiselust nach zwei Pandemiejahren unvermindert hoch. Die Konsumgewohnheiten haben sich geändert, in unterschiedlichen Maßen sind Sparmaßnahmen bei den einzelnen gesellschaftlichen Schichten bemerkbar. Unsere Zielgruppe und die Einwohner*innen der Region Bratislava und Umgebung sind weniger krisenempfindsam als andere Teile der Bevölkerung. Man möchte bei den Erlebnissen, vor allem bei Reisen nicht sparen, sondern bei größeren Haushaltsinvestitionen und den täglichen Ausgaben. Während der Pandemie haben viele das Urlaubsgeld für den Haushalt verwendet. Die Buchungen bei den Reiseveranstaltern sind extrem stark zurückgegangen: Im Jahr 2019 haben 691 686 Personen eine Auslandsreise bei Reiseveranstaltern gebucht, im Jahr 2021 nur noch 143 195. Die Buchungen wurden sehr kurzfristig getätigt, vertraute Destination haben an Wichtigkeit gewonnen. Fernreisen werden aber in dieser Wintersaison wieder verstärkt gebucht.

Urlaub in Österreich

Österreich ist eine der beliebtesten Urlaubsdestinationen der Slowak*innen. Im Winter ist es das Land Nummer eins. Die Menschen in der Slowakei haben die Reisetätigkeit nach dem Wegfall der Einschränkungen sehr schnell und intensiv wieder aufgenommen, im Sommer hat Österreich im Vergleich zur Periode 2019 9,9 % mehr Ankünfte und 17,2 % mehr Nächtigungen registriert. Die Herbstmonate waren auch sehr vielversprechend: September +31 %, Oktober +17 %. Die Nähe des Landes ermöglicht neben Sommer- und Skiurlaub weitere Kurzurlaube und Tagesausflüge. Kurzfristige Entscheidungen sind möglich, was in dieser Situation ein Vorteil ist. Die Slowak*innen kennen Österreich bereits sehr gut, die Mehrheit der Reisen wird individuell gebucht.