Polen Tourismusausblick

Polen: Tourismusausblick

Der Tourismusausblick mit Stand Jänner 2023: COVID-19 aus dem Alltag verschwunden – Strompreisdeckel ist da, Gaspreisdeckel geplant – geringeres Wachstum 2023 prognostiziert – höchste Dichte veganer Restaurants europaweit – fast 50 % buchen nur vier Wochen und weniger vor Reiseantritt

Wirtschaft und Gesellschaft

COVID-19 ist im täglichen Leben kein Thema mehr. In Bezug auf die Ukraine ist Normalität eingekehrt und ein beachtlicher Teil der drei bis vier Millionen durch die Ukraine-Krise nach Polen gekommenen Menschen hat im Land Fuß gefasst, was auch wirtschaftlich positive Auswirkungen auf das Land hatte. Die Regierung setzt jedoch stark auf das Thema Sicherheit und den Ausbau bzw. die Absicherung der Grenzen, um ihre Wählerklientel bei Laune zu halten. Generell sind der Privatkonsum und der Produktionssektor 2022 gegenüber den Vorjahren gewachsen. Ein großes gesellschaftliches Thema ist die hohe Inflation sowie das Energiethema. Hier handelt die Regierung und führte mit Dezember 2022 einen Strompreisdeckel für private Haushalte ein. Gleiches ist für die Gaspreise geplant. Im täglichen Leben sind keine Einschnitte zu bemerken. Restaurants und Shopping-Malls sind voll wie eh und je, und auch das Urlaubsbedürfnis im Sommer war groß und wurde ausgelebt. Während das BIP-Wachstum bis Ende 2022 bei 4 % liegt, soll sich das Wachstum im Jahr 2023 auf nur 0,7 % aufgrund der erschwerten Rahmenbedingungen in Gesamteuropa verringern. Es wird jedoch mit keiner Rezession gerechnet und der Privatkonsum soll weiterwachsen, u. a. aufgrund der staatlichen Maßnahmen zur Stützung von Energiepreisen etc. Auch die derzeitige Arbeitslosenquote von rund 5 % soll nicht wesentlich steigen. (Quellen: gtai.de nbp.pl & ÖW)

Tourismus und Trends

Mit einem Plus von 18,2 % bei den Nächtigungen gegenüber 2019 konnte Österreich die beste Sommersaison bisher verzeichnen. Generell wirkt sich die Inflation innerhalb der Zielgruppe für Urlaub in Österreich weniger stark aus. Sicherheitsbedenken beim Reisen gibt es keine. Es ist allerdings ein gewisses Misstrauen gegenüber möglicher Coronabeschränkungen in Österreich im Winterurlaub zu bemerken, was den letztjährigen Last-minute Maßnahmen geschuldet ist. Winterurlaub ist weiterhin stark im Trend. Ebenso sind (COVID-bedingt) Fernreisen wieder im Steigen begriffen. Nachhaltigkeit ist im Alltag verankert. Vor allem im Kulinarik-Bereich spielen Regionalität und veganes Essen (Warschau hat die höchste Dichte veganer Restaurants europaweit) eine Rolle. Urlaubsentscheidend ist das Thema allerdings nicht. Jedoch werden die intakte österreichische Natur und die saubere Luft als etwas Besonderes empfunden. Dies ist vor allem in Winter ein zusätzliches Urlaubsmotiv, da die polnischen Großstädte in den Wintermonaten zu jenen mit der schlechtesten Luftqualität in Europa zählen. Für den Sommer bemerken wir innerhalb der Zielgruppe ein größeres Interesse an Urlaub abseits von Sun-and-Beach-Destinationen. Hier hat Österreich mit seinem Angebot und der geografischen Nähe sehr gute Karten, die Marktanteile zu steigern.

Urlaub in Österreich

Das Interesse an Winterurlaub in Österreich ist definitiv gegeben. Laut Angaben verschiedener Reiseveranstalter liegen die konkreten Buchungen zum Zeitraum Dezember 2022 gegenüber den Werten von 2021 jedoch noch unter den Werten von 2019. Dies kann allerdings auch der Tendenz zu Last-minute-Urlaubsentscheidungen geschuldet sein. Wie u. a. auch die Winterpotenzialstudie der Österreich Werbung gezeigt hat, gehört Polen zu den Ländern mit besonders kurzen Abständen zwischen Buchung und Urlaubsantritt. Knapp die Hälfte der Gäste bucht den Urlaub vier Wochen bzw. noch später vor dem Urlaubsantritt. (Quellen: Gespräche mit Reisebranche, u. a. TUI und Nekera; ÖW-Winterpotenzialstudie 2022/23)