Niederlande Tourismusausblick

Niederlande: Tourismusausblick

Der Tourismusausblick mit Stand Jänner 2023: Hilfen der Regierung bremsen etwas die angespannte Lage vieler Haushalte – erneuerbare Energie wird stark ausgebaut – Trend zu kurzfristigeren Buchungen – Trend zu „Urban Sports“ – Preis-Leistungs-Verhältnis noch wichtiger

Wirtschaft und Gesellschaft

Der massive Anstieg von Coronainfektionen in China ist auch in den Niederlanden ein Thema, das kontrovers diskutiert wird. Die Niederlande halten derzeit an dem angebotenen Selbsttest und der Empfehlung fest, sich bei positivem Ergebnis in Isolation zu begeben. Auch in den Niederlanden stieg die Zahl der Coronavirus-Patienten in Krankenhäusern Ende Dezember auf über 800, die höchste Zahl seit Ende Oktober 2022.

Auch das Thema nachhaltige Energie ist in den Niederlanden allgegenwärtig: Die Niederlande erzeugten 2022 um 15 % mehr nachhaltige Energie als 2021, vor allem der Anteil der Sonnenenergie hat zugenommen. Mittlerweile sind zwei Millionen Haushalte mit Fotovoltaikanlagen ausgestattet, verglichen mit 1,5 Millionen im letzten Jahr. Aber auch der Anteil der Windenergie stieg um 17 %. Die niederländische Regierung plant bis 2030 die zusätzliche Erzeugung von 10,7 Gigawatt Windkraft mit diversen Offshore-Windanlagen im nördlichen und nordwestlichen Teil der niederländischen Nordsee. Zusammen mit den bisher geplanten 11 Gigawatt werden Offshore-Windenergieanlagen um das Jahr 2030 rund 21 Gigawatt Energie liefern, was etwa 75 % des derzeitigen Stromverbrauchs der Niederlande entspricht. 2030 sollte die Windenergie die wichtigste Quelle der Stromerzeugung sein. Auch der Bau von zwei neuen Kernkraftwerken ist bis 2035 geplant. (Quelle: rijksoverheid.nl)

Getrübt wird die Stimmung weiterhin von der Situation in der Ukraine, der Energiekrise und von damit einhergehenden steigenden Preisen, die viele Haushalte in finanzielle Schwierigkeiten bringen. Viele Menschen laufen Gefahr, von der Strom- oder Gasversorgung abgeschnitten zu werden, weil sie ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können.

Maßnahmen der Regierung mildern die Auswirkungen der Energiekrise im Jahr 2023.

Die im Budgetmemorandum dargelegte neue Regierungspolitik wird die Kaufkraft des Durchschnittshaushalts im Jahr 2023 um mehr als 3 % steigern. Dies geht zulasten einer Verringerung des Staatshaushalts um 1,5 % des BIP im Jahr 2023. Die Armut wird im Jahr 2023 zurückgehen. Dies geht aus dem im Jänner 2023 vom Netherlands Bureau for Economic Policy Analysis (CPB) veröffentlichten „Macro Economic Outlook“ (MEV) hervor. Der starke Anstieg der Energiepreise kommt zu einer bereits hohen Inflationsrate hinzu. Das Kaufkraftpaket und Energiemaßnahmen für Haushalte, Kleinverbraucher*innen und energieintensivere Unternehmen entlasten vorübergehend vor allem einkommensschwache Haushalte. Sie sind auch am stärksten von den hohen Energiepreisen betroffen. Mit 1. Jänner 2023 stieg der Mindestlohn zudem in den Niederlanden um 10 %. Auch die staatliche Rente und die Sozialleistungen sind gestiegen. Die Einkommenssteuer wurde gesenkt. Ebenfalls mit 1. Jänner 2023 trat für die meisten Haushalte eine Preisobergrenze für Energie in Kraft. Die Gewinn- und Kapitalsteuern für Unternehmen wurden hingehend erhöht und die Steuern für Vermieter*innen und Kapitaltransfers stiegen. Auch ein neues Rentensystem wurde von der Regierung noch im Dezember 2022 verabschiedet.

Ein durchgeführter Stresstest zeigt, dass nicht allen Haushalten ausreichend geholfen ist. In ihrem aktuellen „Central Economic Plan“ (CEP) prognostiziert das CPB eine Inflation von 9,9 % für 2022. Wenn die Energiekrise nicht weiter eskaliert, erwartet CPB, dass die Inflation durch die Maßnahmen der Regierung im Jahr 2023 auf 3,5 % zurückgehen wird. Das Wirtschaftswachstum verlangsamt sich nach einer starken Erholung von 4,2 % im Jahr 2022 auf rund 0,9 % im Jahr 2023. Die Kaufkraft werde sich aufgrund der vorübergehenden Maßnahmen der Regierung von -3,9 % im Jahr 2022 auf 0,3 % im Jahr 2023 erholen, prognostiziert CPB.

Im April 2022 erreichte die Arbeitslosenquote mit 3,2 % den niedrigsten Wert seit 2003. Im September stieg die Arbeitslosenquote dann auf 3,8 %, bevor sie im Oktober und November erneut zurückging (Quelle CBS: Centraal Bureau voor de Statistiek, Statistics Netherlands). Es gibt derzeit auch in den Niederlanden weit mehr offene Stellen als Stellensuchende. Der Arbeitsmarkt ist angespannter denn je.

Tourismus und Trends

Eine Umfrage des Reisemagazins „Columbus Travel“ unter 2 135 Befragten im November/Dezember 2022 zeigt, dass die Mehrheit der Niederländer*innen (70 %) ihren Urlaub 2023 noch nicht gebucht hat. Die Umfrage zeigt aber auch, dass der Anstieg der Lebenshaltungskosten noch keinen großen Einfluss auf die Lust und die Mittel zum Reisen hat. Die hohe Inflation wird das Reiseverhalten der Niederländer*innen demnach (noch) nicht beeinflussen. Europa bleibt mit 83 % der Favorit der Niederländer*innen bei einem Auslandsurlaub. Mai und September sind die beliebtesten Monate, dicht gefolgt von Juli und August. Rund zwei Drittel der Niederländer*innen gaben bei dieser Befragung an, dass die Nähe zur Natur ein entscheidender Faktor bei der Wahl eines Urlaubsziels ist. Weitere wichtige Faktoren sind das Wetter bzw. Klima (45 %), der Gesamtpreis der Reise (42 %) und das kulturelle Angebot (25 %). Der Gesamtpreis der Reise wiegt zwar schwer bei der Entscheidungsfindung für ein Urlaubsziel, aber der starke Anstieg der Lebenshaltungskosten hat die Reisewünsche der Mehrheit der Niederländer*innen noch nicht beeinflusst. 46 % der Befragten geben an, dass die Inflation keinen Einfluss darauf hat, wohin und wie sie im Jahr 2023 reisen möchten. Bei 39 % ist das der Fall und 15 % wissen es nicht.

Am 3. Dezember 2022 präsentierte GfK den gemeinsam mit dem ANVR, dem niederländischen Verband der Reiseunternehmer, durchgeführten „Booking Monitor“, bei dem 19 184 Niederländer*innen zu ihrem Buchungsverhalten 2023 befragt wurden. Die Studie zeigt, dass die meisten Niederländer*innen (41 %) nicht wissen, wann sie ihren Sommerurlaub 2023 buchen werden. Beinahe eine*r von zehn Befragten glaubt, dass sie*er dies im Jänner 2023 tun werde. Die Gruppe derer, die einen Urlaub kürzer als einen Monat oder bis zu zwei Monate im Voraus buchen, nimmt daher zu. Der Großteil der Befragten (54 %) bucht drei bis sechs Monate im Voraus. In Bezug auf die Mobilität zeigt sich eine Verschiebung in Richtung Auto. Während die Mehrheit der Niederländer*innen 2019 mit dem Flugzeug verreist ist (57 %), planen dies aktuell nun nur noch 32 %. Beinahe die Hälfte der Niederländer*innen, die 2023 einen Auslandsurlaub machen wollen, plant, mit dem Auto zu fahren (47 %). Beim Buchen zeigt sich bei den meisten Befragten (53 %) weiterhin die Tendenz, direkt bei der Unterkunft zu buchen. Ein Viertel bucht über eine Reiseorganisation (online), in einem Reisebüro oder einen Teil bei einer Reiseorganisation und den anderen selbst. Schließlich achtet fast ein Fünftel der Niederländer*innen bei der Buchung auf die Garantien im Hinblick auf Stornierung, Rückführung oder Umbuchung von Auslandsreisen (Quelle: www.anvr.nl).

Kunst und Kultur sowie Natur, Berg- und Naturlandschaft liegen weiterhin im Trend.

Österreich punktet weiterhin als sicheres, bekanntes und vertrautes Urlaubsland mit intakter sowie spektakulärer Natur, Berg- und Naturlandschaft. Wichtig für den niederländischen Gast bleiben Gemeinschaftserlebnisse. Gemeinsam Zeit zu verbringen ist weiterhin eine wichtige Motivation für Urlaub in Österreich, sei es mit der Familie, im Familienverband, in einer Mehrgenerationen-Konstellation oder mit Freund*innen. Ein Trend sind auch Communitys: Man schließt sich ohne Vereinsorganisation zusammen, wie zum Beispiel zu Wander-Communitys, Rad-Gemeinschaften, Yoga-Communitys etc., und fährt mit dieser Community auf Urlaub. Auch ein Trend zu „Urban Sports“ ist erkennbar, z. B. Stand-up-Paddeln auf urbanen Gewässern, Bootcamps in Parks. Wichtig dabei sind Freiheit und Flexibilität, wenig Materialbedarf und schnelle Verfügbarkeit. Nostalgische Reisen, gemeinsam mit der Familie oder Freund*innen „Reisen wie damals“, die den Zauber früherer Zeiten wieder aufleben lassen, gewinnen an Bedeutung. Oft sind diese Reisen verbunden mit Abenteuern und Spaß. Radfahren ist weiterhin tief in der niederländischen Gesellschaft verankert und ebenfalls ein anhaltender Trend. Ein Wachstum verzeichnen E-Bikes und auch E-Mountainbikes: Diese machen das Radfahren weiteren Zielgruppen (älteren Menschen) zugänglich, im Urlaub oder in der Freizeit sind dadurch längere Touren möglich. Auch Roadtrips mit dem Auto oder Wohnmobil sind bei Niederländer*innen beliebt und haben in den letzten Jahren ein deutliches Wachstum verzeichnet. Immer mehr Menschen wollen völlig neue und neuartige Erfahrungen auf ihren Reisen machen, aber sie wollen auch Wellness zur Verbesserung der Lebensqualität, insbesondere nach COVID-19. Dazu gehören Wellness-Reisen, Spa-, Entspannungs- und spirituelle Reisen.

Nachhaltigkeit wird zunehmend ein wichtiger Aspekt bei der Reiseentscheidung. Nachhaltiges, verantwortungsvolles und ländliches Reisen wird im Jahr 2023 weiter an Bedeutung gewinnen: mit dem Zug oder dem E-Auto auf Urlaub statt mit dem Flugzeug.

Bei den Niederländer*innen punkten im Sommer vor allem die Alpenregionen. Hier zählt Österreich zu den beliebtesten Destinationen. Themen, die Niederländer*innen im Sommer besonders interessieren, sind das imperiale Österreich, Kunst und Kultur, Natur, Landschaft und Naturattraktionen, Essen und Trinken sowie Tradition und Brauchtum. Inspirationsquellen sind für sie zumeist Empfehlungen von Familienmitgliedern, Freund*innen und Bekannten, Social Media, Google oder andere Suchmaschinen sowie Reisesendungen und Dokumentationen. Zu den bevorzugten Erlebnissen zählen bei den Niederländer*innen Entspannung, keinen Stress haben, Sonne und Wärme genießen, Natur erleben und Spaß haben. Die bevorzugten Urlaubsarten sind Wander- und Radurlaub sowie Bade- und Natururlaub. (Quelle: Studie Sommerpotenziale 2022). Vor allem das Wandern („hiking“) haben viele junge Leute entdeckt bzw. wiederentdeckt interessant sind auch das Laufen im Wald und das so genannte „achtsame Laufen“ mit Meditations- und Atemübungen. Die Atmung, Haltung und die Wahrnehmung der Umwelt spielen dabei eine zentrale Rolle.

Zusätzlich ist die Erdgebundenheit ein erwähnenswerter Vorteil für Österreich, und zwar in puncto Flexibilität, Einfachheit und kurzfristiger Erreichbarkeit.

Urlaub in Österreich

Eine direkte Verbindung ohne Umsteigen wird laut TUI für viele Reisende immer wichtiger. Die Sommerflugpläne sind noch nicht veröffentlicht. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Anzahl der Flüge in etwa unverändert bleiben wird. Derzeit gibt es Nonstop-Flüge von Amsterdam nach Innsbruck mit easyJet und Transavia, nach Salzburg mit easyJet, nach Wien mit Austrian Airlines sowie KLM und nach Graz mit KLM. Von Rotterdam gibt es Nonstop-Flüge nach Innsbruck und Salzburg sowie Klagenfurt mit Transavia. Von Eindhoven bestehen Nonstop-Flugverbindungen nach Innsbruck und nach Salzburg mit Transavia sowie nach Wien mit Ryanair. Von Amsterdam gibt es die Nightjet-Verbindung direkt nach Innsbruck und nach Wien.

Der jährliche Reisetrend-Bericht der Metasuchmaschine Skyscanner zeigt, dass die Niederländer*innen 2023 aufstrebende Reiseziele zu einem günstigen Preis besuchen wollen. 47 % der Niederländer*innen planen, im Jahr 2023 ebenso viele Urlaube zu machen wie im Jahr 2022, und 35 % denken sogar darüber nach, 2023 noch mehr zu reisen. In der Umfrage gaben 75 % der niederländischen Urlauber*innen an, dass sie 2023 dasselbe, wenn nicht mehr für Auslandsreisen ausgeben möchten, während nur 14 % planen, weniger Geld auszugeben. 58 % der Befragten gaben an, dass sich steigende Kosten auch auf ihre Reisepläne auswirken, jedoch gaben sie auch an, dass sie 2023 den Urlaub gegenüber anderen größeren Ausgaben priorisieren (26 %). 40 % der Befragten führten an, dass die Lebenshaltungskosten ihre Finanzen noch nicht beeinträchtigt haben. Als die beliebtesten drei Reiseaktivitäten nannten die niederländischen Befragten Wandern, historische Touren und Wildwasserschwimmen. Wandern im Freien und die Verbindung mit der Natur gehören zu wichtigen Bestandteilen der Reisepläne 2023. Die Umfrage zeigte auch, dass die Generation Z auf ihren Reisen im Jahr 2023 nach Abenteuern sucht. (Quelle: skyscanner.nl, Umfrage von OnePoll, November 2022, 1 000 Befragte in den Niederlanden)

Positive Einstellung zum Reisen nach Österreich im kommenden Sommer

Die Sommerbuchungen nach Österreich laufen bis jetzt noch verhalten an, da mit dem Buchen aufgrund der Unsicherheiten wie des Ukraine-Kriegs, der Energiekrise und der steigenden Preise zugewartet wird. Steigende Preise sind der Hauptgrund für eine eventuelle Zurückhaltung bei der Urlaubsplanung bei den Niederländer*innen, die bis jetzt noch nicht gebucht haben. Es zeichnet sich auch im kommenden Sommer ein Trend zu kurzfristigeren Buchungen ab. Damit bleiben die Last-minute-Buchungen eine attraktive Buchungsform. Die Sommer-Aussichten sind jedoch gut, da die Urlaubslust der Niederländer*innen groß wie nie zuvor ist. Fliegen wird aufgrund der Flugsteuererhöhung in den Niederlanden um 20 Euro pro Ticket teurer. Damit zahlt jeder Fluggast 28,58 Euro an Fluggaststeuer pro Ticket. Auch die gestiegenen Benzinkosten schmälern das Urlaubsbudget. Mehr als 80 % der niederländischen Gäste reisen im Sommer mit dem Auto nach Österreich. Preissteigerungen beeinflussen die Urlaubsstimmung und -planung. Das Preis-Leistungs-Verhältnis des Urlaubs gewinnt bei den niederländischen Urlaubern an Bedeutung. Aufgrund der steigenden Preise wird Österreich auch mit anderen Destinationen verglichen. Das gute Preis-Leistungs-Verhältnis des österreichischen Angebots ist beim preissensiblen niederländischen Gast deshalb mehr denn je gefragt. Es bleibt abzuwarten, wie sich die allgemeinen Teuerungen auf Urlaub und Reisen generell auswirken werden.

Ein großes Thema sind weiterhin flexible Stornobedingungen. Um Planungs- und vor allem finanzielle Sicherheit zu haben, stehen flexible, großzügige und kulante Stornobedingungen an oberster Stelle der Konsument*innen-Wunschliste. Die meisten Reiseveranstalter bieten sehr flexible und kulante Storno- bzw. Umbuchungsbedingungen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis wird noch wichtiger, wobei die Qualitätsansprüche gleichbleibend hoch sind.