Niederlande Tourismusausblick

Niederlande: Tourismusausblick

Herbst 2022: Energiekrise – sinkende Kaufkraft 2022 – Ausbau von Bahnangebot – steigende Preise verzögern Buchungen – weiterhin hoher Informationsbedarf – Nachhaltigkeit wird wichtiger

Positive Stimmung getrübt durch Ukraine-Krieg und Energiekrise

Die Stimmung in der Gesellschaft ist grundsätzlich sehr positiv, wäre sie nicht überschattet durch den Ukraine-Krieg und die Energiekrise. Restaurants und Lokale sowie Veranstaltungen sind gut besucht. Der Flughafen Amsterdam verzeichnet einen regelrechten Reiseansturm. Lange Warteschlangen vor der Bordkartenkontrolle und der Sicherheitskontrolle sind keine Seltenheit, sondern derzeit der Normalfall. Viele Flüge müssen aufgrund des Personalmangels gestrichen werden, um weiterhin die erforderliche Sicherheit zu gewährleisten.

Getrübt wird die Stimmung derzeit vor allem von der Situation in der Ukraine, der Energiekrise und den damit einhergehenden steigenden Preisen, die viele Haushalte in finanzielle Schwierigkeiten bringen. Die Regierung spricht von einer ernsthaften Bedrohung der Stabilität in der ganzen Welt, die auch die Sicherheit der Niederlande tangiere. Viele Menschen laufen Gefahr, von der Strom- oder Gasversorgung abgeschnitten zu werden, weil sie ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können. Am 20. September werden die Budgetpläne der Regierung für 2023 in den Niederlanden bekannt gegeben. Erwartet werden deshalb finanzielle Unterstützungen der Regierung aufgrund der Energiekrise und steigender Preise v. a. für Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen.

Begonnen wurde auch schon mit den COVID-19-Auffrischungsimpfungen. Vorerst sind die Mitarbeitenden des Gesundheitswesens, Menschen über 60 Jahre und alle Risikogruppen zur COVID-19-Impfung aufgerufen. Danach gilt der Aufruf auch für alle ab dem zwölften Lebensjahr.

Unsicherheit: Die Inflation betrifft immer mehr Menschen

Die niederländische Wirtschaft ist stark aus der Coronakrise hervorgegangen, aber das Bild kippt. Immer mehr Haushalte spüren die hohe Inflation, wodurch das Konsumwachstum in den kommenden Quartalen zum Erliegen kommen wird. Dies gehe aus der jüngsten Einschätzung des Centraal Planbureau, dem „concept-Macro-Economische Verkenning“ (cMEV) hervor, schreibt das „Netherlands Bureau for Economic Policy Analysis“ (CPB) in seiner aktuellen Presseaussendung. Der zusätzliche starke Anstieg der Energiepreise kommt zu einer bereits hohen Inflationsrate hinzu. In seinem aktuell veröffentlichten „Central Economic Plan“ (CEP) prognostiziert das CPB eine Inflation von 9,9 % für 2022. Wenn die Energiekrise nicht weiter eskaliert, erwartet das CPB, dass die Inflation im nächsten Jahr auf 4,3 % zurückgehen wird. Derzeit wirken sich jedoch die steigenden Energiepreise auch auf die statistische Kaufkraft aus. Durch die hohe Inflation und das entsprechend schleppende Lohnwachstum sinkt die Kaufkraft im Jahr 2022 um durchschnittlich 6,8 %. Hinzu kommt die Inflationsungleichheit: Je niedriger das Einkommen, desto stärker macht sich die finanzielle Belastung durch die Inflation bemerkbar. Die Armut der Menschen nimmt zu. Sie werde im Jahr 2023 auf 7,6 % steigen, schreibt CPB.

Das CPB prognostiziert darüber hinaus, dass nach einer kräftigen Erholung von der Coronakrise das Wachstum nun zurückgeht. Die Wirtschaft soll 2022 um 4,6 % und 2023 nur mehr um 1,1 % wachsen. Die Inflation, die damit verbundene Unsicherheit und die Zinserhöhungen der Zentralbanken zur Eindämmung der Inflation bremsen das weitweite Wirtschaftswachstum.

Die niederländische Regierung plant bis 2030 die zusätzliche Erzeugung von 10,7 Gigawatt Windkraft mit diversen Windanlagen im nördlichen und nordwestlichen Teil der Nordsee. Die anvisierte Kapazität der Windparks ist zweimal so groß wie der derzeitige Gesamtstromverbrauch aller niederländischen Haushalte und würde eine Verdoppelung von Windkraft als Energieträger auf rund 21 Gigawatt bedeuten. 2030 sollte Windenergie die wichtigste Quelle für Stromerzeugung in den Niederlanden sein.

Gute Winteraussichten mit eingeschränktem Urlaubsbudget

Eine direkte Verbindung in die Winterdestination wird laut TUI für viele Reisende immer wichtiger. Eine Umfrage von TUI hat gezeigt, dass derzeit nur 8 % mit der Bahn zu Wintersportorten reisen, 87 % aber an einer direkten Zugverbindung interessiert sind und auch eine in Anspruch nehmen würden. Dieses Interesse ist nicht auf eine Zielgruppe beschränkt, sondern gilt sowohl für jüngere als auch für ältere Reisende (Paare und Familien). Das Angebot an Bahnreisen wird daher in diesem Winter deutlich ausgebaut. TUI führt 2022 in Zusammenarbeit mit GreenCityTrip den TUI Ski Express ein. Dieser Nachtzug fährt von 23. Dezember bis 31. März jeden Freitag in österreichische Wintersportorte. Er startet in Amsterdam und fährt dann direkt über Utrecht nach Österreich. Der Zug fährt nach Wörgl und teilt sich dort in eine Strecke nach Tirol und in das SalzburgerLand auf, danach hält der Zug in verschiedenen beliebten Wintersportorten.

Die Winter-Aussichten sind gut, aber mit ein paar Unsicherheiten und externen Parametern verbunden. Fliegen wird aufgrund höherer Kerosinpreise um zwischen 10 und 20 % teurer. Hinzu kommt noch, dass die Flughafengebühren um bis zu 37 % ansteigen und auch die Flugtaxen angehoben werden, und dies bei einer abnehmenden Kaufkraft von knapp 7 % in den Niederlanden. Bei diesen erwarteten Preisanstiegen wird mit Auswirkungen auf die Urlaubspläne gerechnet, auch bei Flügen nach Österreich.

Die Preissteigerungen beeinflussen die Urlaubsstimmung und -planung. Das Preis-Leistungs-Verhältnis des Urlaubs gewinnt an Bedeutung. Mehr als 80 % der niederländischen Gäste reisen mit dem Auto nach Österreich. Zur Deckelung der Energie- und Kraftstoffpreise hat die niederländische Regierung beschlossen, die Mineralölsteuer auf Benzin und Diesel und die Umsatzsteuer auf Strom und Gas zu senken. Einkommensschwache Haushalte bekommen zudem 1300 Euro als Entschädigung für die gestiegenen Energiepreise. Die steigenden Preise schmälern das Urlaubsbudget.

Aufgrund der stark steigenden Nachfrage nach Flugreisen, der krankheitsbedingten Fehlzeiten und des Personalmangels kommt es an den Flughäfen in den Niederlanden weiterhin zu sehr langen Wartezeiten vor der Bordkartenkontrolle und bei der Sicherheitskontrolle. Manchmal erstrecken sich diese Wartezeiten am Flughafen Schiphol über drei Stunden. Fluggäste verpassen ihre Flüge, viele Flüge sind verspätet und Fluggesellschaften werden dazu aufgerufen, Flüge zu stornieren, um die Situation zu entschärfen.

Flexible Stornobedingungen weiterhin nötig

Ein großes Thema sind weiterhin Stornobedingungen. Um Planungs- und vor allem finanzielle Sicherheit zu haben, stehen flexible, großzügige und kulante Stornobedingungen an oberster Stelle der Konsument*innen-Wunschliste. Die meisten Reiseveranstalter bieten sehr flexible und kulante Storno- bzw. Umbuchungsbedingungen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis wird noch wichtiger, wobei die Qualitätsansprüche gleichbleibend hoch sind.

Positive Einstellung zum Reisen nach Österreich im kommenden Winter

Winterbuchungen nach Österreich laufen bis jetzt einerseits gut bis sehr gut, aber es wird aufgrund der Unsicherheiten (Ukraine-Krieg, Energiekrise und steigende Preise) auch noch mit dem Buchen zugewartet. Steigende Preise sind der Hauptgrund für eine eventuelle Zurückhaltung bei der Urlaubsplanung. Gleichzeitig ist aber die Urlaubslust groß wie nie zuvor. Damit bleiben auch in diesem Winter Last-Minute-Buchungen eine attraktive Buchungsform.

Aufgrund der derzeitigen entspannten Coronasituation besteht, was den kommenden Weihnachtsurlaub betrifft, Zuversicht und Vertrauen, dass dieser stattfinden wird. Alle Wintermonate werden derzeit gut gebucht, vor allem Weihnachten und die Krokusferien.

Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist ein Thema unter niederländischen Winterurlauber*innen. Aufgrund der steigenden Preise wird Österreich auch mit anderen Wintersportdestinationen verglichen. Das gute Preis-Leistungs-Verhältnis des österreichischen Angebots ist beim preissensiblen niederländischen Gast mehr denn je gefragt. Es bleibt abzuwarten, wie sich die allgemeinen Teuerungen auf Urlaub und Reisen generell und auf Wintersporturlaub im Speziellen auswirken werden.

Österreich punktet weiterhin als sicheres, bekanntes und vertrautes Urlaubsland mit intakter sowie spektakulärer Natur, Berg- und Naturlandschaft. Wichtig für den niederländischen Gast bleiben Gemeinschaftserlebnisse. Gemeinsam Zeit zu verbringen ist weiterhin eine wichtige Motivation für Urlaub in Österreich, sei es mit der Familie, im Familienverband, in einer Mehrgenerationen-Konstellation oder mit Freund*innen. Zusätzlich ist die Erdgebundenheit ein erwähnenswerter Vorteil für Österreich, und zwar in puncto Flexibilität, Einfachheit und kurzfristiger Erreichbarkeit.

Laufende Kommunikation über aktuelle Situation sehr wichtig

Laufende Kommunikation über die aktuelle Situation in den Destinationen und tagesaktuelle Informationsweitergabe an die Reisebranche und Gäste sind zusammen mit authentischer Kommunikation wichtiger denn je. Hier besteht bei allen Gästen, auch bei den Stammgästen, ein hoher Informationsbedarf. Vertrauen und Zuversicht zu schaffen, Gesundheit, Hygiene und Sicherheit (Aufstellen und Kommunizieren von klaren Regeln) sowie Flexibilität zu zeigen, sind weiterhin Aspekte, die in der Kommunikation einen wichtigen Stellenwert einnehmen, da sie auch als Auswahlkriterien bei der Suche nach der richtigen Feriendestination eine bedeutende Rolle spielen.

Die niederländischen Gäste wünschen sich einen sicheren und erholsamen Urlaub in Österreich. In Bezug auf das Angebot wünschen sich niederländische Gäste, zusätzlich auch niederländisches TV in den Unterkünften zur Auswahl zu haben. Auch der Nachhaltigkeitsaspekt gewinnt beim Reisen niederländischer Gäste und bei der Kommunikation immer mehr an Bedeutung: Laut einer Umfrage von booking.com unter 1014 Niederländer*innen halten es 60 % für wichtig, nachhaltig zu reisen. 41 % der niederländischen Reisenden wollen in den nächsten zwölf Monaten sogar tatsächlich nachhaltiger reisen. 30 % gaben bei der Umfrage an, im vergangenen Jahr in nachhaltigen Unterkünften übernachtet zu haben, und 38 % entschieden sich für einen nachhaltigeren Aufenthalt, um die Umweltauswirkungen zu reduzieren.