Japan Tourismusausblick

Japan: Tourismusausblick

Herbst 2022: Optimismus – noch niedrige Zinsen – Auslandstourismus steigt – längere Aufenthalte – alle Arten von Informationen sind gefragt

Optimismus spürbar

Es gibt im September einen 30%igen wöchentlichen Rückgang bei den Neuinfektionen (im August war Japan noch globaler Spitzenreiter). 81,5 % der Bevölkerung sind mittlerweile einmal geimpft, 80,4 % zweimal, und 64,9 Prozent sind bereits geboostert (Tokio 63,2 %, Osaka 58 %).

Die Grenzen für ausländische Gäste sind seit März 2020 geschlossen, nun kommt es etappenweise zu Öffnungen

Am 7. September wurde die maximale Zahl der Einreisenden von 20 000 auf 50 0000 Personen täglich angehoben.

Dreifach gegen das Coronavirus geimpfte Besucher*innen müssen vor der Abreise keinen PCR-Test mehr absolvieren. Die Einreise ist für Individualtourist*innen gestattet. Voraussetzung ist, dass die Reise über einen japanischen Reiseveranstalter oder einen Reiseveranstalter mit Partnerbüro in Japan gebucht wird. Alle Reisenden müssen weiterhin ein Visum bei den Konsulaten oder Botschaften ihres Landes beantragen. Noch in dieser Woche wird jedoch über den Wegfall der maximalen Grenze bei der Einreise sowie über den vollständigen Wegfalls des Visums diskutiert.

Durch den Wegfall des Tests können Japaner*innen wieder gänzlich barrierefrei reisen.

Schon vor dieser Vereinfachung war das Interesse an Auslandsreisen sehr hoch (Juni 2022: Anstieg von 460 % im Vergleich zum Vorjahreswert). Expedia verzeichnete einen Anstieg von Buchungen von Auslandsflügen um 120 % direkt nach der Verkündung der neuen Regelung am 24. August. Neben dem Wegfall des PCR-Tests wurden auch 55 Länder von Gefahrenlevel 2 (Vermeidung von unnötigen Reisen) auf Gefahrenlevel 1 (Reisen mit gebotener Vorsicht) hinuntergestuft.

Anzeichen einer Erholung

Die Arbeitslosenquote liegt relativ konstant bei aktuell 2,6 %. Die Zahl der Arbeitslosen sank im August den 13. Monat in Folge. Laut Tokyo Shoko Research wurden im August auch erstmalig seit vier Monaten keine Insolvenzen in der Reisebranche verzeichnet. Der private Konsum zieht moderat an, die Kapitalinvestitionen zeigen Anzeichen einer Erholung, während sich die Exportleistungen fast unverändert zeigen. Die Produktion erholt sich allmählich. In den USA beschleunigt sich nach einer Zinserhöhung durch das Federal Reserve Board die Bewegung, Dollar zu kaufen und Yen zu verkaufen (hohe Zinssätze und damit höhere erwartete Anlagengewinne). Andererseits hält Japan die Zinsen relativ niedrig. Der Zinsunterschied zwischen Japan und den Vereinigten Staaten wird größer und der Yen wertet weiter ab.

Auslandstourismus nimmt zu

Laut den von H.I.S. zusammengestellten Herbstreisetrends stiegen die Buchungen für Auslandsreisen von September bis November im Jahresvergleich um 1 374,5 %. Im Vergleich zu 2019 liegt das Niveau jedoch weiterhin nur bei 15 %. Die Anzahl der Reservierungen nach Hawaii betragen 30 %. Auf dem zweiten Platz folgen Bangkok, Seoul, Paris und Singapur. Neben Paris rangierten die europäischen Großstädte ganz oben, mit London auf Platz 6, Mailand auf Platz 8 und Rom auf Platz 9.

Der durchschnittliche Preis pro gebuchter Reise betrug 216 800 Yen, 30,5 % mehr als im Vorjahr.

Einer Statistik von JTB zufolge planen aktuell nur 11,2 % der Gesamtreisenden, ins Ausland zu reisen (Wert im Vergleich zum Vorjahr beinahe unverändert, Umfrageergebnisse allerdings vor dem Wegfall des PCR-Tests bei Einreise evaluiert), dabei ist der Wert bei jungen Menschen besonders hoch.

Bei Auslandsreisen rangiert Hawaii auf Platz eins vor Europa und Taiwan. Als wichtiges Kriterium bei der Auswahl der Destination überwiegt die Verbundenheit zum Reiseziel, die Distanz spielt dabei weniger eine Rolle.

Deutlich erkennbar ist, dass die durch COVID-19 weniger gefährdete Generation bereits jetzt wieder beginnt, Pläne zu schmieden.

Ukraine-Krieg erfordert zeit- und kostenintensives Umfliegen von Russland

Aufgrund der Flugrouten-Verlagerung über eine südliche Strecke durch Zentralasien oder über eine nördliche über Alaska, um den russischen Luftraum zu umgehen, sowie der steigenden Kerosinpreise sind die Flugpreise sehr teuer, also nur für die wohlhabende Zielgruppe erschwinglich.

Im September reiste eine Koto Gruppe (japanisches Musikinstrument), bestehend aus 50 Personen, nach Wien für eine neuntägige Performance. Hier sieht man die längeren Aufenthaltszeiten aufgrund der COVID-19 Pandemie. Hankyu Travel bietet bis März 2023 eine Acht-Tagestour nach Österreich und Deutschland an, sehr gefragt sind hierbei Reisen mit Guide, kleine Gruppen, Businessclass sowie Solotravel. JTB plant für 2023 ein Austria Mono Package mit sechs Nächten in Österreich.

Großes Informationsbedürfnis

Sicherheit und umfangreiche Informationen zu COVID-19 sind weiterhin sehr wichtig. Das Thema Nachhaltigkeit gewinnt ebenfalls an Bedeutung, steckt aber im Vergleich mit Europa noch in den Kinderschuhen.