Italien Tourismusausblick

Italien: Tourismusausblick

Der Tourismusausblick mit Stand Jänner 2023: Wirtschaft 2022 besser als erwartet – Optimismus in der italienischen Reisebranche – Themen sind Kultururlaub, naturnaher Urlaub, Kulinarik, Nachhaltigkeit und Mobilität – neue Nightjet-Verbindung in den Medien

Wirtschaft und Gesellschaft

Italien bleibt die viertgrößte Volkwirtschaft der Eurozone. Für 2023 ist ein geringes Wirtschaftswachstum prognostiziert. Laut dem neuesten „Bericht über die Aussichten für die italienische Wirtschaft in den Jahren 2022–2023“ des Nationalinstituts für Statistik (ISTAT) wird erwartet, dass das italienische BIP-Wachstum im Jahr 2022 +3,9 % beträgt und sich im Jahr 2023 deutlich abschwächt (+0,4 %). Die Wirtschaft hat sich 2022 besser als erwartet entwickelt. Das liegt zum einen an der soliden Haushaltspolitik der Regierung und den Milliardengeldern des EU-Wiederaufbaufonds (PNRR-Projekte), an Italiens Exporten, die bereits über dem Vor-Corona-Niveau liegen und zum anderen an einem Anstieg privater Investitionen und einem Boom im Tourismus.

Die Beschäftigung ist 2022 schneller als das BIP gewachsen. Dadurch verbessert sich auch die Arbeitslosenquote, die im Jahr 2022 auf 8,1 % gesunken ist. Es wird erwartet, dass sich die Inflation im Jahr 2023 abschwächen wird.

Am Ende des Jahres 2022 wurde das viel diskutierte Haushaltsgesetz im italienischen Senat verabschiedet. Das Haushaltsgesetz sieht vor allem ein 35 Milliarden starkes Unterstützungspaket für durch die Energiekrise besonders betroffene Unternehmen und Familien vor. Gleichzeitig wurden die bisherige Senkung der Verbrauchssteuern auf die Kraftstoffpreise in Italien mit 1. Jänner 2023 nicht mehr verlängert. Weitere wichtige Maßnahmen stellen die Erhöhung der Mautgebühren auf Italiens Autobahnen ebenso wie die Vergünstigung der Stromrechnungen für die ersten drei Monate dieses Jahres dar. So sollen Stromrechnungen für Verbraucher*innen am geschützten Markt um 19,5 % sinken. Die Gaspreise für Haushalte werden dennoch von der Energiebehörde ARERA um mehr als 23 % erhöht. Die Erhöhung der Gastarife zusammen mit der Erhöhung der Kraftstoffpreise und der Autobahnmaut führte zu Reaktionen der Opposition.

Durch den sparsamen Energieverbrauch der Haushalte und dank des milden Winters wurden fünf Milliarden Kubikmeter weniger Gas verbraucht, was Italien ermöglicht, die Gasvorräte auf einem hohen Niveau zu halten (84 %).

Zu wichtigen Schwerpunkten des Haushaltsgesetzes zählt außerdem die schrittweise Abschaffung des „Bürgergeldes“ („reddito di cittadinanza“, vergleichbar mit der Mindestsicherung). Diese Maßnahme war eines der größten Versprechen Melonis und ihrer Koalitionspartner im Wahlkampf.

Eine große Herausforderung für die neue italienische Regierung bleibt weiterhin Italiens Gesamtverschuldung, die die zweithöchste in der Eurozone ist. Die Regierung setzte daher auf einen Wachstumskurs mit Investitionen und Nachfragestimulierung.

Trotz Belastungen durch die Inflationsentwicklung verfügen Italiens Familien weiterhin über ein solides Nettoprivatvermögen. In keinem anderen Land sind die privaten Haushalte so gering verschuldet. Die Spareinlagen sind in den vergangenen zehn Jahren stark gestiegen und bleiben eine beliebte Form der finanziellen Absicherung der Italiener*innen.

Ein starker Beitrag zur Wirtschaftsentwicklung und eine Herausforderung zugleich ist die Realisierung der Projekte aus dem EU-Wiederaufbaufonds (PNRR-Projekte). Zu den wichtigen Projekten zählen vor allem jene in den Bereichen Infrastruktur, Digitalisierung, Gesundheit und Bildung.

Ein gesellschaftlich relevantes Thema ist auch die Migrationsproblematik. Unter der neuen Regierung von Ministerpräsidentin Meloni, die im Oktober 2022 eingesetzt wurde, verfolgt Italien einen harten Kurs gegenüber NGOs, die Migrant*innen retten. Die Hilfsorganisationen werden beschuldigt, Schlepperei zu unterstützen. Über 100 000 Migrant*innen sind seit Anfang 2022 über das Meer in Italien eingetroffen.

Die italienische Regierung hat ein Dekret verabschiedet, mit dem die Landung von Rettungsschiffen in Süditalien erschwert werden soll. Das Kabinett will systematische Rettungsaktionen seitens der NGO-Schiffe, die Migrant*innen nach Italien bringen, einschränken.

Tourismus und Trends

Die Reiselust und der Reisekonsum der Italiener*innen bleiben weiterhin hoch. Das Gesamtjahr 2022 und insbesondere auch das letzte Quartal 2022 (die Fenstertage im Dezember, die Ferienzeit zu Weihnachten und Neujahr) zeigten ein starkes Reiseaufkommen.

Norditalienische Skigebiete, z. B. Dolomiti Superski, das größte Skigebiet Italiens, melden einen sehr guten bisherigen Saisonverlauf.

In der italienischen Reisebranche herrscht daher auch weiterhin ein gewisser Optimismus für 2023, der aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung und vor allem aufgrund der Inflationsentwicklung mit Unsicherheiten einhergeht. Die Nachfrage nach Reisen und Urlaub bleibt hoch, allerdings ist aufgrund der schwierigen Rahmenbedingungen mit Einsparungen bei den Ausgaben, einer Verkürzung der Reisedauer und einer Bevorzugung von Nahdestinationen zu rechnen. Davon profitiert das Inlandsangebot in Italien, aber auch das österreichische Tourismusangebot.

Die Suche nach Natur, Ruhe und Erholung, aber insbesondere auch die Suche nach kulturellen Erlebnissen dominiert einmal mehr das Urlaubsinteresse der Italiener*innen. Große Aufmerksamkeit und großes Interesse zeigen die Reisebranche und die Urlaubskonsument*innen, was die Themen Kultururlaub, naturnaher Urlaub und Kulinarik anbelangt. Auch die Themen Nachhaltigkeit und Mobilität sind omnipräsent.

Urlaub in Österreich

Für Österreich ist die Nachfrage sowohl für Stadt- und Kultururlaub- als auch für Erholungsurlaub gut. Städtetrips nach Österreich, aber auch kulturelle Rundreisen mit Entdeckungen und Besuchen von Kultur- bzw. Naturattraktionen sind bei italienischen Gästen beliebt. Besondere kulturelle Anlässe (z. B. Jubiläen, Sonderausstellungen, Burgen und Schlösser) sind nachgefragte Reiseanlässe. Gesteigertes Interesse besteht auch für Spa- und Wellbeing-Angebote.

Österreich kann insbesondere aus dem einkommensstarken Norditalien als Nahdestination punkten. Darüber hinaus gibt es ausgezeichnete Flugverbindungen von allen nationalen italienischen Flughäfen nach Österreich.

Die neue Nightjet-Verbindung von Genua nach Wien findet großen medialen Niederschlag, ab Spätsommer sollen Rom und Wien mit den neuen Nightjet-Garnituren verbunden sein.