Italien Tourismusausblick

Italien: Tourismusausblick

Herbst 2022: weg vom russischen Gas – Sorge wegen Inflation, Klimawandel ist Thema – Preiserhöhungen bei Skipässen unvermeidlich – Interesse an authentischen Erlebnissen

Bessere Wirtschaftsentwicklung als erwartet

Es gibt keine coronabezogenen Einreisebestimmungen und sonstige Regeln mit Ausnahme der FFP2-Maskenpflicht in allen öffentlichen Verkehrsmitteln und Gesundheitszentren.

Italien plant derzeit Maßnahmen, um unabhängiger von russischem Gas zu werden. Bis November will Italien 90 % seiner Gasspeicher befüllt haben. Italien hat schon vermehrt Gas aus Algerien importiert. Italiens Exporte sind längst über dem Vor-Corona-Niveau: „Die italienische Wirtschaft hat sich im zweiten Quartal besser entwickelt als erwartet“, sagte der Ökonom Lorenzo Codogno. Das liege zum einen an der soliden Haushaltspolitik der Regierung und den Milliardengeldern des EU-Wiederaufbaufonds, zum anderen an einem Anstieg privater Investitionen und einem Boom im Tourismus. Die Regierung plant ein Hilfspaket mit Maßnahmen in Höhe von 13 Milliarden Euro, um Kleinbetriebe zu unterstützen. Die Benzinpreise sollen bis Mitte Oktober gedrückt werden. Auch einkommensschwache Familien sollen unterstützt werden. Am 25. September 2022 wählte Italien ein neues Parlament. Die besten Chancen auf eine Regierungsbildung werden dem Rechtsbündnis aus „Fratelli d’Italia“, „Lega“ und „Forza Italia“ eingeräumt. Fratelli-Parteichefin Giorgia Meloni könnte laut Umfragen damit zur ersten Premierministerin Italiens werden. Die Italiener*innen zweifeln an der Wirksamkeit ihrer eigenen Wahlentscheidung.

Liefer- und Personalengpässe, (Energie-)Preise

Italiens Familien verfügen über ein solides Nettoprivatvermögen (Geld- und Wertanlagen) in Höhe von 5,2 Billionen Euro, das entspricht dem Doppelten der gesamten Staatsverschuldung. In keinem anderen Land sind die privaten Haushalte so gering verschuldet. Laut einer neuesten Analyse sind die Spareinlagen in den vergangenen zehn Jahren um 45 % gestiegen und bleiben damit die beliebteste Form der finanziellen Absicherung der Italiener*innen. Eine aktuelle Herausforderungen bleiben die (Energie-)Preise – verschärft durch die Ukraine-Krise – sowie Liefer- und Personalengpässe. Für 2022 wird der positive Trend von 2021 durch die hohe Inflation und die geopolitischen Unsicherheiten gedämpft: Wirtschaftsforschende gehen von einem Wachstum zwischen 2 und 3 % aus. Auch in Italien wütet die Inflation: Die Prognosen für 2022 werden regelmäßig nach oben korrigiert und gehen mittlerweile von 7,4 % aus. Arbeiten allein reicht nicht mehr: Die Löhne tragen nicht die Lebenshaltungskosten. Angesichts einer unsicheren und besorgniserregenden Zukunft überprüfen viele bereits ihre Ausgaben, achten auf die Reduzierung des Verbrauchs und verzichten auf die als überflüssig erachteten Anschaffungen. Die Kürzungen wirken sich jedoch im Moment nicht auf die Ernährung aus, und die Italiener*innen scheinen trotz der wirtschaftlichen Probleme nicht bereit zu sein, auf die Qualität der Lebensmittel zu verzichten. Der Klimawandel heute und in der Zukunft ist die erste Sorge der Italiener*innen nach einem extrem dürren Sommer. (Quelle: Ufficio Studi Coop - Nomisma, „What's Next?", Consumer Survey, August 2022)

Von 16. bis 18. September werden 120 Länder Wellness als Lebensstil feiern. In Italien wird das World Wellness Weekend in Val di Fiemme im Trentino organisiert.

Urlaub in den Bergen

Die Lust auf Urlaub ist nach wie vor vorhanden. Überschattet wird diese durch die hohe Inflation und die Energiekrise. Die Kurzfristigkeit der Buchungen wird daher weiterhin bleiben bzw. ansteigen. Ein regelrechter Boom an Buchungen für den Sommer 2022 stimmt die Branche für dieses Jahr äußerst optimistisch. Laut Hoteliersverband könnte bereits das Vorkrisenniveau von 2019 erreicht werden. Große Herausforderung für die Branche bleiben Hunderttausende unbesetzte Stellen im ganzen Land. Sommerferien in den italienischen Bergen boomen.

Es werden zunehmend Anfragen für Herbst/Winter verzeichnet. Angefragt werden vor allem Meerdestinationen (auch Fernreisen ans Meer), Städte-/Kulturreisen, Silvester/ Weihnachtsmärkte, Urlaub in den Bergen. Österreichspezifisch besteht vor allem Nachfrage nach Weihnachtsmärkten über die Feiertage. Die Skisaison droht wegen der hohen Energiepreise in die roten Zahlen zu geraten. Nach Angaben des Konsortiums Dolomiti Superski sind Preiserhöhungen bei den Skipässen, die auf bis zu zehn Prozent geschätzt werden, in der Saison 2022/23 unvermeidlich. Auch Hotels planen Preiserhöhungen zwischen 20 und 30 %. Madonna di Campiglio hat die Formel der dynamischen Onlinepreise übernommen. Den Preiserhöhungen entgeht jedoch Friaul-Julisch Venetien, da die Liftanlagen der Region gehören und es einen einzigen regionalen Skipass gibt. Hier sind die Preise auf dem Stand der letzten Saison geblieben.

Weihnachtsmärkte in Österreich

Reiseveranstalter wie „Austria Vacanze“ und der Radreiseveranstalter Girolibero, aber auch der österreichische Urlaubsspezialist „L'Austria per l'Italia“ meldeten schon ein deutlich gestiegenes Interesse und konkrete Anfragen nach Sommerurlaub. Erfreulich ist, dass auch die Nachfrage nach Gruppen- und Busreisen wieder auf das Vorkrisen-Niveau zurückkehrt. Was den Herbst/Winter betrifft, besteht laut einer kleinen Umfrage bei unseren Reiseveranstaltern vor allem Nachfrage nach Weihnachtsmärkten über die Feiertage am 7. (Lombardei) und 8. Dezember und über Weihnachten.

Kommunikation

In der Kommunikation empfehlen wir, auf Bekanntes und „Klassiker“ aufzubauen und diese durch aktuelle Inhalte neu aufzuladen, um Destinationen und Angebote lebendig und dem Zeitgeist entsprechend darzustellen. Wir orten vermehrtes Interesse an authentischen Erlebnissen in der Natur, an Kultur- und Stadtentdeckungen und regionaler Kulinarik.