Deutschland Tourismusausblick

Deutschland: Tourismusausblick

Herbst 2022: Entlastungspaket – steigende Inflationsrate – kurzfristige Buchungen bleiben – solide Ausgangsbasis für Österreich-Urlaub – typisch österreichische Urlaubswerte kommunizieren

Hauptthema: Ukraine-Krieg und Auswirkungen

Energiekrise/Inflation: Die Bundesregierung hat ein drittes Entlastungspaket in Höhe von 65 Milliarden Euro beschlossen. Dieses kommt einer breiten Bevölkerungsschicht zugute. Unter anderem wird das Kindergeld erhöht, es gibt eine Einmalzahlung für Personen in Rente und Studierende, eine Reform des Wohngeldes und ein bundesweit gültiges Nahverkehrsticket zwischen 49 und 69 Euro. Die vollständige Einstellung der Gaslieferungen aus Russland haben zu erheblichen Steigerungen der Energiekosten geführt.

Krieg: Weiterhin verunsichert die Angst vor den Auswirkungen (noch weiter steigende Inflation) des Ukraine-Krieges und vor einem Krieg selbst die Bevölkerung, viele haben Existenzängste.

Corona: Bundesweite Regelungen von 1. Oktober 2022 bis 7. April 2023 in Kraft getreten: Maskenpflicht im öffentlichen Personenfernverkehr und Masken und Testpflicht in Krankhäusern, Altenheimen und Pflegeeinrichtungen zum Schutz besonders gefährdeter Menschen (ausgenommen sind u. a. Kinder unter sechs Jahren und Personen, bei denen es medizinisch geboten ist). Die Maskenpflicht in Flugzeugen entfällt.

Die Länder können darüber hinaus weitergehende Regelungen erlassen, wie z. B. eine Maskenpflicht im öffentlichen Personennahverkehr und in öffentlich zugänglichen Innenräumen und eine Maskenpflicht für Schüler*innen ab der 5. Klasse bei Präsenzunterricht. Bei konkreter Gefahr: Maskenpflicht bei Veranstaltungen im Außenbereich, wenn der 1,5-Meter-Abstand nicht einhaltbar ist, Hygienekonzepte für Betriebe, Einrichtungen und Ähnliches. (Quellen: Bundesregierung, BMfG)

Wirtschaftliche Entwicklung

Die Inflationsrate in Deutschland − gemessen als Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI) zum Vorjahresmonat – lag im August 2022 bei +7,9 %. Die Inflationsrate hat sich damit wieder leicht erhöht (Juli 2022: +7,5 %; Juni 2022: +7,6 %).

Seit Beginn des Kriegs in der Ukraine sind insbesondere die Preise für Energie merklich angestiegen und beeinflussen die hohe Inflationsrate erheblich. Im August 2022 waren die Energiepreise um 35,6 % höher als im Vorjahresmonat. Auch die Preise für Nahrungsmittel stiegen mit +16,6 % überdurchschnittlich. Deutliche Preisanstiege auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen wirken sich dabei preiserhöhend aus. Hinzu kommen die preistreibenden Effekte unterbrochener Lieferketten infolge der Coronapandemie. Sondereffekte wie die Auswirkungen des 9-Euro-Tickets und des Tankrabatts sind in den Ergebnissen enthalten. (Quelle: Statista)

Der Konsumbarometer ist im August deutlich zurückgegangen, der Wert liegt bei 86,56. In diesen Zeiten der Unsicherheit reagieren die Verbraucher*innen mit Konsumzurückhaltung. (Quelle: Handelsblatt Research Institute)

Die Arbeitslosenquote lag Ende August 2022 bei 5,6 %. Im Zuge der Sommerpause und durch die noch andauernde Erfassung ukrainischer Geflüchteter ist die Zahl der Arbeitslosen im August gegenüber dem Vormonat um 77 000 auf 2,547 Millionen gestiegen. Saisonbereinigt nahm sie um 28000 Personen zu. Verglichen mit dem August des vorigen Jahres ist die Arbeitslosenzahl um 31 000 Personen geringer. (Quellen: Statistisches Bundesamt, Bundesregierung)

Vieles hängt von der Inflation ab

Die Lust auf Urlaub ist nach wie vor vorhanden. Überschattet wird diese durch die hohe Inflation und die Energiekrise. Die Kurzfristigkeit der Buchungen wird daher weiterhin bleiben bzw. ansteigen.

Aktuell verzeichnen viele Veranstalter gute Buchungseingänge für die nächsten Tage und Wochen, verhaltenere Eingänge für die nächsten zwei Monate und kaum Buchungseingänge für längerfristige Reiseplanungen.

Die Mehrheit der Bundesbürger*innen wolle auch im kommenden Winter verreisen, erklärt TUI-Deutschland-Chef Stefan Baumert auf der Basis einer von TUI in Auftrag gegebenen Blitzbefragung. Die Kundschaft suche vor allem nach Rabatten und Budget-Sicherheit. Zudem würden sich die Preissteigerungen für den Winter noch in Grenzen halten.

Bereits heute sei mehr als jede zweite TUI-Buchung im Winter eine All-inclusive-Reise, Tendenz steigend, so der TUI-Deutschland-Chef. (Quelle: Reise vor9, 13.9.2022)

2023 könnten sich aufgrund von Kostensteigerungen und Inflation viele Haushalte „wohl keine Auslandsreise mehr leisten können“, vermutet Werner Sülberg (Chef-Marktforscher der DER Touristik). Zwar werde die Reiseintensität wohl nicht unter 60 % sinken. Aber es sei ungewiss, welche Reisen angetreten würden und ob dabei Deutschland-Urlaub oder kürzere Autoreisen ins benachbarte Ausland im Vordergrund stünden. (Quelle: Reise vor9, 9.9.2022)

Solide Ausgangsbasis für Österreich-Urlaub

Trotz der starken Wiederkehr der Mittelmeerdestinationen hat Urlaub in Österreich für den Herbst eine solide Ausgangsbasis, was durch die Nähe, die steigenden Flugpreise und auch den Wegfall aller Coronabeschränkungen in Österreich verstärkt wird.

Zu den Winterbuchungen lassen sich zum jetzigen Zeitpunkt noch keine fundierten Aussagen treffen.

Kommunikationsempfehlungen

Eine klare und einfache Kommunikation mit den wichtigsten und aktuellen Informationen für einen sicheren Urlaub wird empfohlen. Wichtig ist ein einfacher Zugang zu diesen Informationen. Bei aller Ernsthaftigkeit sollten aber die typischen österreichischen Urlaubswerte wie Gastfreundschaft, vielfältiger Genuss, Naturverbundenheit, Nachhaltigkeit sowie kulturelle Vielfalt nicht vergessen werden. Vor allem sollten auch Angebote ins Schaufenster gestellt werden, die den Bedürfnissen nach sehr kurzfristigen Buchungen gerecht werden. Wichtig ist zurzeit, die positive Grundstimmung in den Vordergrund zu stellen und nicht die Sorgen.