Deutschland Tourismusausblick

Deutschland: Tourismusausblick

Sommer 2022: gratis Bürgertests verlängert – steigende Inflationsrate – aufgestaute Reiselust – steigende Verkaufszahlen bei den Reisebüros – Stornobedingungen bleiben wichtig – typisch österreichische Urlaubswerte kommunizieren

Hauptthema: Ukraine-Krieg

Weiterhin überschattet der Krieg in der Ukraine das Corona-Thema. Die Angst vor den Auswirkungen (steigende Inflation) des Ukraine-Krieges und vor einem Krieg selbst verunsichert die Bevölkerung. Nachdem kurzzeitig die Aufhebung der Isolationspflicht für Coronaerkrankte zur Sprache kam, wurde diese nun auf fünf Tage verkürzt. Die Corona-Beschränkungen in Deutschland sind weitgehend weggefallen. Der neue bundesweite Rechtsrahmen sieht nur noch einige „Basisschutzmaßnahmen“ vor, wie z. B. das Tragen von FFP2-Masken in öffentlichen Verkehrsmitteln, Arztpraxen, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Über die konkrete Ausgestaltung der Maßnahmen entscheiden die Länder mit Blick auf das regionale Infektionsgeschehen individuell. In Deutschland ist die bundesweite Maskenpflicht in Flugzeugen und Fernzügen im Infektionsschutzgesetz vorerst bis zum 23. September 2022 vorgeschrieben. Auch im Nahverkehr mit Bussen und Bahnen gilt Maskenpflicht, die jeweils die Länder anordnen.

„Vorerst ist keine Aufhebung der Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln und innerdeutschen Flügen geplant“, so der Regierungssprecher Steffen Hebestreit am 13. Mai 2022.

Die kostenlosen Bürgertests wurden bis Ende Mai verlängert. Die Quote der Grundimmunisierung liegt bei 75,8 %, die Auffrischungsquote bei 59,5 %. Bereits seit dem 15. März müssen Beschäftigte in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen nachweisen, dass sie gegen das Coronavirus geimpft oder von Corona genesen sind. Die Einführung einer Impflicht gegen Corona für Menschen ab 60 Jahren ist im Bundestag gescheitert. In Deutschland wird es vorerst keine allgemeine Corona-Impfpflicht geben. Im Juni wollen die Gesundheitsminister von Baden-Württemberg, Hessen und Bayern auf der Gesundheitsministerkonferenz nochmals über die Einführung der Impfpflicht für Menschen ab 60 Jahren im Hinblick auf den kommenden Herbst beraten.

Wirtschaftliche Entwicklung

Der Effekt des russischen Angriffskriegs in der Ukraine zeigte sich im Mai deutlich an den Konjunkturindikatoren. Die Produktion verzeichnete nach fünf Anstiegen in Folge einen markanten Rückgang. Auch die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe sind erneut merklich zurückgegangen. Die Stimmung in den Unternehmen hat sich zwar nach einem kräftigen Einbruch im März zuletzt im April wieder stabilisiert, aber der Ausblick auf die kommenden Monate fällt gedämpft aus.

Die Umsätze im Einzelhandel sind im März gegenüber dem Vormonat etwas gesunken. Damit lagen die Umsätze zuletzt deutlich um 2,7 % unter ihrem Vorjahresniveau. Grund dafür sind die stark steigenden Preise. Auch in den kommenden Monaten dürften die Inflation und die Verunsicherung wegen des Ukraine-Kriegs das Konsumklima belasten.

Die Inflationsrate hat sich von März auf April noch einmal leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 7,4 % erhöht. Energie verteuerte sich im April binnen Jahresfrist um 35,3 % (März: +39,5 %). Die Preise für Nahrungsmittel stiegen mit +8,6 % so kräftig wie zuletzt im März 2008 (März 2022: +6,2 %). Die Kernrate, aus der diese beiden volatilen Preiskomponenten herausgerechnet werden, erhöhte sich im April auf 3,8 %.

Im April ging die registrierte Arbeitslosigkeit saisonbereinigt erneut zurück, die Erwerbstätigkeit hat im März saisonbereinigt kräftig zugenommen. Rund 0,72 Millionen Personen haben im Februar Kurzarbeit in Anspruch genommen. Dies ist ein leichter Rückgang gegenüber Jänner.

Der insgesamt rückläufige Trend der Unternehmensinsolvenzen in den Jahren 2020 und 2021 setzt sich auch zu Jahresbeginn 2022 fort. (Quelle: BMWK. In diesem Bericht werden Daten verwendet, die bis zum 12. Mai 2022 vorlagen.)

Trotz allem Lust auf Urlaub

Geld, Zeit, Lust auf Sommerurlaub und konkrete Pläne auf hohem Niveau sind trotz Krieg, Teuerungen und Corona vorhanden.

Die steigenden Flugpreise könnten vermehrt dazu führen, dass der Urlaub im eigenen Land bzw. in den umliegenden Nachbarländern verbracht wird.

Zwischen 80 und 90 % der deutschen Bevölkerung planen einen Sommerurlaub (feste Planer und Vielleicht-Planer; ÖW-Studie „Sommerpotenziale 2022“).

Gute Stimmung bei den Reisebüros

Dass Corona den Reiseplänen der Deutschen kaum noch in die Quere kommt, wirkt sich offenbar auch positiv auf die Stimmung in den Reisebüros aus. Zumindest geht das aus dem aktuellen touristischen Vertriebsklimaindex hervor, den die Unternehmensberatung Dr. Fried & Partner einmal im Monat erhebt. Im Mai gab fast die Hälfte (47 %) der 110 teilnehmenden Reisebüros an, dass sie die aktuelle Lage als gut einschätzt. Im Vormonat waren es noch rund 10 % weniger. Knapp 92 % der befragten Reisebüros teilten bei der Befragung außerdem mit, dass der Verkauf von Reiseleistungen im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist. Im April gaben dies nur 82,5 % an. Auch der Blick in die Zukunft fällt bei den meisten Reisebüros positiv aus. Laut dem Vertriebsklimaindex erwarten rund 76 % in den kommenden sechs Monaten steigende Buchungszahlen (Quelle: rnd.de).

Solide Ausgangsbasis für Österreich-Urlaub

Trotz der starken Wiederkehr der Mittelmeerdestinationen hat Urlaub in Österreich für den Sommer eine solide Ausgangsbasis, was durch den Wegfall der 3-G-Einreiseregelung seit 16. Mai 2022 eventuell noch verstärkt wird.

Ein Alpen-Gesamtpotenzial von 71 % für Sommer 2022 in Österreich (höchstwahrscheinlich/ziemlich sicher/kommt generell infrage) ist vorhanden. Das Themeninteresse für Natur und Naturattraktionen liegt dabei mit 63 % vorne, gefolgt von Essen und Trinken, Erholung, Entspannung und Städte (38 %) sowie Sehenswürdigkeiten (41 %). Wichtig sind nach wie vor großzügige Stornobedingungen (53 %) und angemessene Hygienemaßnahmen vor Ort (44 %). Von Interesse sind dabei die Bundesländer Tirol (47 %), Salzburg und Wien (mit je 34 %) und Kärnten (24 %) (Quelle: ÖW-Studie „Sommerpotenziale 2022“).

Kommunikationsempfehlungen

Eine klare und einfache Kommunikation mit den wichtigsten und aktuellen Informationen für einen sicheren Urlaub wird empfohlen. Wichtig ist ein einfacher Zugang zu diesen Informationen. Bei aller Ernsthaftigkeit sollten aber die typischen österreichischen Urlaubswerte wie Gastfreundschaft, vielfältiger Genuss, Naturverbundenheit, Nachhaltigkeit sowie kulturelle Vielfalt nicht vergessen werden. Vor allem sollten auch Angebote ins Schaufenster gestellt werden, die den Bedürfnissen nach sehr kurzfristigen Buchungen gerecht werden.