China Tourismusausblick

China: Tourismusausblick

Der Tourismusausblick mit Stand Jänner 2023: Wirtschaftlicher Aufschwung erwartet – Tourismus boomt nach Aufhebung der Null-COVID-Strategie – Europa wird vor allem ab Sommer davon profitieren – Skifahren im Trend

Wirtschaft und Gesellschaft

Trotz der aktuellen COVID-19-Welle mit hohen Fallzahlen, die überlastete Spitäler zur Folge hat, ist in der Bevölkerung die Erleichterung über die Aufhebung der Null-COVID-Politik spürbar. Auch wenn derzeit sehr viele Menschen infiziert sind, ist der Blick nach vorne gerichtet. Viele Menschen können während des Frühlingsfestes Ende Jänner erstmals seit drei Jahren ihre Familien wieder besuchen (Boom Inlandstourismus). Reisende stehen wieder Schlange an den Flughäfen und Bahnhöfen. Viele junge, wohlhabende Chines*innen, besonders aus den Metropolen Peking, Schanghai und Guangzhou, richten ihre Blicke ins Ausland. Sie buchen ihre Reisen gern individuell und haben Auslandsreisen während der Pandemie am meisten vermisst.

China wird für 2023 ein wirtschaftlicher Aufschwung prognostiziert. Wesentlicher Motor dafür ist der Konsum. Shopping, Unterhaltung und Reisen haben in China wieder Hochkonjunktur, da das Frühlingsfest näher rückt und die Coronamaßnahmen reduziert wurden. Daten von Meituan, einer Online-Lieferdienst-Plattform, zeigen, dass der tägliche Durchschnittsverbrauch während des diesjährigen Jahreswechsels im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2019 um 75 % gestiegen ist. Unternehmen bereiten sich landesweit darauf vor, den Konsum zu fördern, indem sie Einkaufs- und Kulturfestivals sowie zahlreiche Promotion-Events veranstalten (Quelle: China Daily).

Fachleute rechnen damit, dass Chinas BIP in einem Jahr, d. h. im ersten Quartal 2024, um bis zu 10 % höher sein könnte als in den ersten drei Monaten des Jahres 2023. Groben Berechnungen zufolge könnte ein sich erholendes China in diesem Zeitraum für zwei Drittel des weltweiten Wachstums verantwortlich sein. Bis es so weit ist, sind in den kommenden Monaten aufgrund weiterer COVID-19-Wellen und damit verbundener zahlreicher krankheitsbedingter Ausfälle von Arbeiter*innen noch Einschränkungen zu erwarten.

Tourismus und Trends

Auf chinesischen Social-Media-Plattformen wie z. B. Weibo haben Tourismusbüros und Botschaften aus der ganzen Welt Postings veröffentlicht, um die chinesischen Tourist*innen willkommen heißen. Darunter auch die ÖW Peking, die auf allen chinesischen Kanälen Willkommensgrüße an chinesische Tourist*innen postete.

Auch wenn ein angeschlagenes Verbraucher*innen-Vertrauen und der Verlust von Arbeitsplätzen und Ersparnissen während der Pandemie die Erholung der Reisebranche etwas verlangsamen, zeigt der Trend stetig aufwärts.

Grundsätzlich herrscht Aufbruchsstimmung in der Reisebranche.

Online-Reiseplattformen und Reiseveranstalter verzeichnen steigende Anfragen. Suchanfragen nach Visainformationen und Passanträgen haben sich seit Jahreswechsel teilweise verfünffacht. Nach Angaben des Ministeriums für Kultur und Tourismus verzeichnete der inländische Tourismusmarkt 52,71 Millionen Reisen während des Jahreswechsels. Das waren 43 % des Niveaus im gleichen Zeitraum im Jahr 2019. Erfreulich ist, dass auch ein erhöhtes Interesse an Reisezielen außerhalb Chinas zu verzeichnen ist. Buchungen für internationale Flugtickets sind im Vergleich zum Vormonat um 400 % gestiegen. Nutzer*innen suchten besonders nach Reisezielen in Südostasien, einschließlich Thailand, Singapur, Japan und Indonesien (Quelle: Reiseportal LY.com).

Eine erste große Reisewelle ins Ausland wird für das Frühlingsfest Ende Jänner erwartet. Wie schnell sich der Markt für Auslandsreisen danach erholen wird, wird von der Ausstellung von Visa und Reisepässen und von den Flugverbindungen abhängen. Auch wenn internationale Flugtickets aktuell noch sehr teuer sind und die Flugverbindungen große Lücken aufweisen, rechnen Fachleute mit einer Normalisierung der Flugpreise im März dieses Jahres und mit einer daraus resultierenden Reisewelle im Sommer 2023.

Junge Chines*innen stellen Kinder und Heirat in Rekordgeschwindigkeit zurück.

Hohe Kosten für die Gründung und Erhaltung einer Familie, steigende Lebenshaltungskosten, gesellschaftlicher Wandel (Zukunftsaussichten werden eher negativ bewertet) und hoher Druck im Berufsleben lassen viele junge Menschen von traditionellen Lebensmustern abweichen. Das Phänomen ist natürlich nicht nur in China anzutreffen, hat sich hier aber nach fast drei Jahren äußerst disruptiver COVID-19-Politik weiter verschärft. Nach Angaben des chinesischen Ministeriums für zivile Angelegenheiten ist die Zahl der neu verheirateten Paare im Jahr 2021 auf 7,64 Millionen gesunken – ein Rekordtief seit der frühesten Veröffentlichung solcher Daten im Jahr 1985. Und der Trend hat sich 2022 noch verstärkt: In den ersten drei Quartalen erreichte die Zahl der Paare, die sich in China für die Ehe registrieren ließen, einen historischen Tiefstand von 5,4 Millionen.

Dieser Trend wird voraussichtlich auch Auswirkungen auf den Tourismus haben, da viele junge, gebildete Menschen hart arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, und ihre Ersparnisse lieber in Lifestyle und Reisen investieren.

Urlaub in Österreich

Laut Ctrip, der führenden Online-Buchungsplattform des Landes, versechsfachten sich die Suchanfragen für Gruppenreisen ins Ausland. Für Reisen während des kommenden Frühlingsfestes sind Japan, Thailand, Südkorea, Amerika, Singapur, Malaysia, Australien und das Vereinigte Königreich stark nachgefragt.

Bemerkenswert ist, dass die Gesamtanzahl der Auslandsreisenden in China seit dem Ausbruch der Pandemie zwar rückläufig ist, der Pro-Kopf-Konsum der Reisenden jedoch zugenommen hat. Den Analysen von Ctrip zufolge sind die Pro-Kopf-Ausgaben von Festlandtourist*innen für internationale Flugtickets und Luxushotels im letzten halben Jahr um 64 % bzw. 40 % gestiegen, verglichen mit dem Betrag vor der Pandemie.

Die aktuellen Daten von Ctrip zeigen, dass Visumsanträge für Übersee seit dem 7. Dezember 2022 um mehr als das Zwölffache zugenommen haben, wobei Singapur, Japan, Südkorea, Amerika, Großbritannien und Australien zu den beliebtesten Reisezielen gehören.

Auch im neuen Jahr liegt Wintersport in China voll im Trend. Öffentliche Stellen prognostizieren der Wintersportindustrie für dieses Jahr einen Umsatz von mehr als 20 Milliarden Yuan (2,7 Milliarden Euro). Dies wäre ein Wachstum von mehr als 20 % gegenüber dem Vorjahr. Nach Angaben von Fliggy, der Online-Reisebüroplattform der Alibaba-Gruppe, sind die Reservierungen für Ski- und Thermalbäder im Vergleich zum Vorjahr um 800 % gestiegen. Laut Ctrip sind die Reservierungen für die Skigebiete des Landes im Jahresvergleich um 363 % gestiegen. Daten von TravelSky Holding Co Ltd, einem in Peking ansässigen staatlichen Anbieter von Reiseinformationen, zeigen, dass die Reservierungen für Skigebiete, darunter Harbin in der Provinz Heilongjiang, Changchun und Changbaishan in der Provinz Jilin und Zhangjiakou in der Provinz Hebei, im Dezember um 35 % gegenüber November gestiegen sind. Laut Ctrip ist die Zahl der Skitourist*innen im Zeitraum 2021 bis 2022 um 70 % gegenüber dem Vorjahr gestiegen.

Auch wenn diese Zahlen in Relation zu den coronabedingten Einschränkungen der letzten Jahre zu verstehen sind, spiegeln sie ein anhaltendes Interesse und eine Freude am Wintersport wider. In diesem Bereich kann Österreich seine Bedeutung als interessantes Gastland weiter ausbauen.