Belgien Tourismusausblick

Belgien: Tourismusausblick

Herbst 2022: Energiekrise beherrscht die Medien – BIP sinkt – reisen will man trotzdem – Nightjet-Verbindung genutzt– Tarifgestaltung wichtig

Ukraine-Krieg und Inflation

Am 12. September startete in den ehemaligen Gebäuden des NATO-Hauptsitzes der lang erwartete Geschworenenprozess zu den Terroranschlägen am Brüsseler Flughafen und in einer U-Bahnstation vor sechs Jahren. Zeitgleich startete auch die vierte Impfkampagne für die gesamte Bevölkerung in den Impfzentren. Die erneute Booster-Impfung wird für Menschen über 65 und in bestimmten Risikofällen für Menschen über 50 empfohlen, ist aber für alle Erwachsene freiwillig und kostenlos bis Anfang November erhältlich. Aufgrund weniger PCR-Testungen nach einem positiven Selbsttest und der damit relativ stabilen Fallzahlen ist Corona derzeit weder in den Medien noch bei der Bevölkerung ein Thema. Der Höhepunkt der Berichterstattung über den Ukraine-Krieg ist vorbei, denn die daraus resultierende Energiekrise und die Verteuerungen (Inflationsrate 10,5 %) dominieren die Schlagzeilen, das Handeln der Politik und die Alltagssorgen der Bevölkerung.

Fachkräftemangel und Energiepreise verunsichern

Nicht nur in der Bevölkerung, auch in der Wirtschaft macht sich Unsicherheit aufgrund der Verteuerungen und der Energiekrise breit. Die belgische Regierung hat einige Maßnahmen wie den gesenkten Umsatzsteuersatz auf Energie von 6 % und die Ausbreitung des Sozialtarifs bis in das Frühjahr beschlossen, sieht aber Handlungsbedarf bei der Entkoppelung des Strompreises vom Gaspreis, bei der Preisdeckelung bei Gas und dem Abschöpfen von Übergewinnen bei Energieproduzenten auf europäischer Ebene. Ein belgisches Energie-„Basispaket“ für Haushalte wurde ausgearbeitet, das 60 % der Bevölkerung mit einer Reduktion der Energierechnung von je 200 Euro in den Monaten November und Dezember unterstützen soll. Haushalte, die mit Heizöl heizen, erhalten einen einmaligen Zuschuss von 300 Euro. Zwischenzeitlich drosseln energieintensive Industriebetriebe ihre Produktion, einzelne Berufsgruppen wie die Bäcker*innen fordern staatliche Zuschüsse.

Der belgische Premierminister De Croo sorgte für mediale Aufregung, als er die kommenden fünf bis zehn Winter als „schwierige Zeiten“ bezeichnete, ohne Lösungsvorschläge anzubieten. Die Sparquote der belgischen Bevölkerung bleibt nicht nur deswegen auf sehr hohem Niveau. Auf regulierten Spareinlagen waren im Juli 300,64 Milliarden Euro geparkt. Im Juni waren es noch 300,69 Milliarden Euro. Ende letzten Jahres befanden sich auf den belgischen Sparkonten erstmals mehr als 300 Milliarden Euro.

Die Wirtschaft leidet nicht nur unter der Verteuerung der Energie und der Rohstoffe, auch der Fachkräftemangel wird zunehmend zum Problem. Im zweiten Quartal waren landesweit 213 822 offene Stellen zu besetzen, ein absoluter Rekord. Laut dem belgischen Statistikamt Statbel sind die meisten dieser Stellen im gemeinnützigen Sektor (50 000), in Wissenschaft und Dienstleistungen (38 000), in der Industrie (31 000), im Handel (27 000) und im Baugewerbe (16 000) zu besetzen.

Diese erschwerten Rahmenbedingungen dämpfen auch die Wachstumsprognose. Die Belgische Nationalbank (BNB) erwartet, dass die belgische Wirtschaft im dritten Quartal dieses Jahres um 0,2 % schrumpfen wird. Nach der aktuellen Statistik des Instituts für Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen (VGR) ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal noch leicht um 0,2 % gewachsen. Angesichts des sich verschlechternden außenwirtschaftlichen Umfelds im zweiten Quartal deutet die leicht positive Wachstumszahl darauf hin, dass die Erholungsdynamik des Dienstleistungssektors nach Corona das Wachstum immer noch stützt und der wirtschaftliche Gegenwind überwiegt, der vor allem durch die steigenden Energiepreise verursacht wird.

Angst vor der Energierechnung zögert die Buchung hinaus

Dagegen ist der Reisedrang der belgischen Urlauber*innen ungebrochen: Noch immer spricht man vom „Knalldrang“ nach den beiden Coronajahren, in denen Reisen nur sehr beschränkt möglich waren. Reiseveranstalter erfreuen sich in den Herbstferien (rund um Allerheiligen) einer großen Nachfrage von zahlungskräftigen Reisenden nach sonnensicheren Destinationen wie Gran Canaria und Ägypten, Fernreisen und Kreuzfahrten.

Urlaub ist gerade in Krisenzeiten für viele ein bleibender Wert, der eine zwischenzeitliche Flucht aus dem Alltagsleben erlaubt. Wenn die persönlichen finanziellen Mittel keine großen Reisen erlauben, verreist man im Winter im eigenen Land oder in der Nähe bzw. bleibt kürzer. Die Angst vor Energierechnungen lässt noch einige Winterurlauber*innen mit einer Buchung zuwarten: „Es wird weniger Geld zum Ausgeben übrig sein. Aber das bedeutet nicht, dass wir unseren Urlaub streichen.“ Der Verkauf von Skireisen lag Mitte September noch 5 bis 10 % hinter dem des Vorjahres zurück.

Auslandsreisen bleiben aber im Trend: Medienberichte suggerieren sogar, dass aufgrund der hohen Energiepreise ein „Überwintern“ in preisgünstigen Mittelmehrdestinationen wie an der spanischen Küste oder in Tunesien zu empfehlen ist. „Workation“, die Verbindung von Arbeit und Urlaub, bleibt vor allem für junge Selbstständige eine beliebte Reiseform. Für Angestellte sind derartig lange Aufenthalte im Ausland mit Berufskontext durch eine Verschärfung der sozialrechtlichen Bestimmungen beinahe unmöglich geworden.

Trend Multigenerationsurlaub in Ferienhäusern hält an

Belgische Gäste lieben die gewachsenen Familienbetriebe und die zuvorkommende Gastfreundschaft in Österreich. Gemütliche Wintersportorte und hohe Qualitätsstandards bei Pisten und Seilbahnen sind wichtige USPs des heimischen Wintersportangebots. – Trotz eines schwierigen Starts aufgrund des bundesweiten Lockdowns im November und Dezember erreichte die letzte Wintersaison 2021/22 ein sehr positives Ergebnis, was Reisende aus Belgien betrifft. Es wurden 296 900 Ankünfte verzeichnet, also -10,7 % im Vergleich mit dem Winter 2019/20. Vor allem Stammgäste haben ihre Wunschdestination bereits jetzt gebucht. Die Buchungen für die Osterferien sind noch verhalten. Große Reiseveranstalter starteten auch erst Mitte September mit ihrer Winter-Bewerbung, die vor allem mit eindrucksvollen, sonnenbeschienen Skibildern punktet. Die Nachfrage nach Mehrfamilien- bzw. Multigenerationsurlaub in Ferienwohnungen oder -häusern bzw. Familienzimmern in Hotels hält an. Damit hält auch der Trend zu sanftem Winterurlaub an – viele Menschen suchen zusätzlich nach Aktivitäten abseits der Pisten oder versuchen sich bei neuen Sportarten wie Tourengehen oder Schneeschuhwandern. Das Angebot dafür wurde in vielen Regionen die letzten Jahre dementsprechend ausgebaut. Und wer träumt nicht, einmal mit Huskys oder einer Pferdekutsche in einer verschneiten Winterlandschaft unterwegs zu sein? Auch die regionale Kulinarik mit kurzen Lieferketten und lukullischer Genuss mit feiner österreichischer Weinbegleitung bleiben wichtige Urlaubsthemen. Für die nachhaltige Anreise in die Skiregionen in Ostösterreich wählen viele Gäste bereits die ÖBB-Nachtzugverbindungen aus Brüssel, für Westösterreich die tägliche Verbindung via Amsterdam bzw. Köln. Neben der bekannten Flugverbindung zweimal in der Woche mit TUI fly von Antwerpen nach Innsbruck bietet Transavia zusätzlich zu der Verbindung Brüssel–Innsbruck diese Wintersaison auch zweimal in der Woche Brüssel–Salzburg an. Ryanair plant zweimal in der Woche eine Verbindung zwischen Brüssel und Klagenfurt, damit die Reisenden die in Belgien weniger bekannten Skigebiete Kals/Matrei am Großglockner, Nassfeld und Bad Kleinkirchheim entdecken können.

Familienfreundliches Angebot

Österreich bietet für jede Brieftasche das passende Angebot für Winterurlaub. Besondere Familientarife, Ski-Packages für Kids und Jugendliche und Vergünstigungen für Familienverbände bzw. befreundete Personen sind gefragt. Österreich ist bekannt für sein familienfreundliches Angebot und das Interesse, Ski-Nachwuchs zu fördern. Gäste erwarten, dass sie trotz der aktuellen Herausforderungen einen unbeschwerten und sicheren Winterurlaub verbringen können.