Belgien Tourismusausblick

Belgien: Tourismusausblick

Sommer 2022: Prüfung von Impfung im Herbst – weiterhin Inflation – Natururlaub bleibt Favorit – Nachhaltigkeit wird interessanter – Österreich punktet mit vielen Angeboten

Großteils Normalisierung

Das Corona-Barometer für Publikumsveranstaltungen und Events, das seit März dieses Jahres auf „Code Gelb“ stand, wurde auf Beschluss des Konzertierungsausschusses der belgischen Regierung deaktiviert. Seit 23. Mai gilt in öffentlichen Verkehrsmitteln keine Maskenpflicht mehr. Die Maskenpflicht entfiel überall außer in Krankenhäusern, Arztpraxen und Apotheken. An Orten, an denen sich viele Menschen aufhalten, oder in Einrichtungen des Gesundheitswesens wie in Altenheimen wird das Tragen einer Maske jedoch weiterhin empfohlen.

Das Verbot nicht unbedingt essenzieller Reisen aus Ländern außerhalb der Europäischen Union wurde aufgehoben. Ebenso fiel die Verpflichtung, sich am ersten und siebten Tag testen zu lassen. Auch die Quarantäne von zehn Tagen wurde aufgehoben. Gleiches gilt für die Pflicht, ein ausgefülltes Passenger-Locator-Formular, ein gültiges Impf- oder Genesungszertifikat oder ein gültiges Testergebnis vorlegen zu können. Ausgenommen sind Länder mit einer neuen besorgniserregenden Variante, für diese Reisenden blieben die Regeln in Kraft.

Für den Herbst wird noch geprüft, ob eine zusätzliche Auffrischungsdosis erforderlich ist, um einen besseren Schutz vor einer möglichen neuen Erkrankungswelle zu bieten.

Gesamtbetrag auf Sparkonten sinkt

Der Anstieg der Energiepreise hat die Stromrechnung einer typischen belgischen Familie verdoppelt und die Erdgasrechnung in einem Jahr sogar mehr als verdreifacht. Anfang 2022 (vor der eingeführten Mehrwertsteuersenkung für Strom von 21 % auf 6 %) war Belgien im Vergleich zu seinen Nachbarländern das zweitteuerste Land, was die Kosten für Elektrizität betrifft, jetzt es laut einer jährlichen Studie der Energie-Aufsichtsbehörden das teuerste. Am 20. Mai sanken die Treibstoffpreise an den Tankstellen erstmals wieder nach Höhenflügen zu neuen Rekordwerten unter 2 Euro pro Liter.

Zum ersten Mal seit Jänner ist die Inflation im vergangenen Monat nicht gestiegen. Im April blieb sie mit 8,31 % auf dem gleichen Niveau wie im Vormonat. Das bedeutet, dass die Preise in Belgien innerhalb eines Jahres um 8,31 % gestiegen sind. Bereits im Oktober, und damit früher als erwartet, rechnet das nationale Planungsbüro „Federaal Planbureau“ (FPB) mit einer Überschreitung des Schwellenwertes für die VPI-Anpassung (Pivot-Index). Im Dezember werden somit die Gehälter der Beamt*innen zum vierten Mal im Jahr 2022 um 2 % angehoben. Im privaten Sektor hängen die Lohnindexierungen von den je nach Branche festgelegten Werten ab.

Der Gesamtbetrag auf belgischen Sparkonten ist im März deutlich gesunken. Dies ist der erste Rückgang seit sechs Monaten. Im März befanden sich 300,7 Milliarden Euro auf regulierten Spareinlagen, also 656 Millionen Euro weniger als im Februar, wie die Nationalbank mitteilte. Es ist noch nicht klar, ob die erhöhte Inflation oder vorgezogene Urlaubspläne die Ursachen sind.

Treibstoffzuschlag bei Flug-Pauschalreisen

Die siebte große Urlaubsbarometer-Umfrage des belgischen Automobilclubs Touring unter 2 400 Mitgliedern zeigt, dass 90% der Befragten heuer Urlaubspläne haben (vor Corona etwa 75 %). Jedoch ist ein Fünftel immer noch besorgt, dass es sich unterwegs oder am Zielort anstecken könnte. Jede*r dritte Belgier*in ist wieder auf Sonne und Meer eingestellt. Die Städtereisen, früher 38 %, machen jetzt 28 % aller Reisen aus. Natururlaub war während Corona der Favorit (33 %), heuer bleibt diese Urlaubsart mit 26 % noch viel beliebter als vor Corona (21 %). Dieses Jahr führen fast 80 % der Reisen ins Ausland, wobei die Hälfte der Menschen wieder per Flugzeug verreisen wird. Vier von zehn der Flugreisen werden in Fernzielen wie der Türkei, Tunesien, den USA, Thailand und Südamerika verbracht. Für Reisen innerhalb Europas ist der Zug eine Alternative, jedoch verreisen sieben von zehn Belgier*innen mit dem Auto, am liebsten in die Nachbarländer. Aufgrund der hohen Treibstoffpreise zögern noch zwei von fünf Belgier*innen bei der Auswahl des Reisezieles. Mehr als eine Million Belgier*innen verreist heuer nicht, fast die Hälfte aus Kostengründen.

Wer in diesem Sommer eine Flug-Pauschalreise gebucht hat, wird einen kräftigen Treibstoffzuschlag zahlen müssen. Eine Reise auf das spanische Festland kann in diesem Sommer leicht um 70 Euro pro Person mehr kosten, für eine Reise nach Griechenland zahlt man rund 90 Euro pro Person mehr. Bei Pauschalreisen in die Karibik steigt der Treibstoffzuschlag sogar auf mehr als 300 Euro pro Person an. Wenn der Aufpreis mehr als 8 % des Preises beträgt, kann der Gast beim Reiseveranstalter kostenlos stornieren.

Liebe zu Österreich als Urlaubsland ist ungebrochen

Laut einer von der Österreich Werbung beauftragten Umfrage hat bereits knapp jede*r zweite Belgier*in (47 %) Sommerurlaub gebucht, wobei die Buchungsentscheidung bei den Abwartenden vor allem durch die steigenden Preise hinausgezögert wird. Bei der Frage nach den Reisezielen wurde meist Urlaub im eigenen Land, in die jeweiligen Nachbarländer und das Mittelmeer angegeben. Österreich liegt in Belgien mit Rang 14 bei den Top-15-Reisezielen, wobei bei den Alpenregionen Österreichs die größte Beliebtheit bei den Belgier*innen erzielen.

Insgesamt hatten Ende März/Anfang April bereits rund 100 000 Belgier*innen ihren Österreich-Sommerurlaub fest geplant. Für eine weitere halbe Million Gäste aus Belgien ist ein Sommerurlaub in Österreich denkbar. Für belgische Gäste sind bei einem Österreich-Urlaub vor allem die Natur, das Essen und Trinken sowie die Sehenswürdigkeiten wichtig, wobei sich Letztere auch auf die imperiale Vergangenheit beziehen können. Im Urlaub wird gern spazieren gegangen, gewandert, im Pool oder im Meer geschwommen und Rad gefahren. Viele dieser gewünschten Aktivitäten und Urlaubsinteressen werden durch das Sommerangebot eines Urlaubs in Österreich perfekt erfüllt.

Obwohl die Belgier*innen vor allem ihr eigenes Land als Vorreiternation in Sachen Nachhaltigkeit sehen, geben sie Österreich den achten Rang im Ranking der nachhaltigsten Reiseziele. Die Nachhaltigkeit spielt bereits für knapp die Hälfte der Belgier*innen eine Rolle bei der Reiseentscheidung im Sommer 2022: Nachhaltigkeit war für 14 % der Befragten ausschlaggebend bei der Urlaubsentscheidung, Nachhaltigkeit als ein Aspekt neben anderen bereits für 36 %.

Natur, Gastfreundschaft, Familienfreundlichkeit

Österreich punktet bei belgischen Gästen vor allem mit Naturlandschaften mit Bergen und Seen, mit der Gastfreundschaft und der Familienfreundlichkeit. Ausschlaggebend für die Urlaubsentscheidung ist die hohe Qualität der Unterkünfte und der Verpflegung (vorzugsweise in kleinstrukturierten Familienbetrieben) sowie das sehr gute Preis-Leistungs-Verhältnis. Im Urlaub entdecken die Belgier*innen gern Neues und sind sehr unternehmenslustig. Regionale Gästekarten und Freizeitaktivitäten für die gesamte Familie – von der Bademöglichkeit bis zum E-Bike-Verleih – werden gern angenommen. Lokale Spezialitäten und die Nachhaltigkeit vor Ort sind weitere Pluspunkte für belgische Urlauber*innen.

Erreichbarkeit

Österreich ist mit zahlreichen Verbindungen per Bahn in einer Tagesreise zu erreichen. Direkte Nachtzugverbindungen Brüssel–Wien bietet der ÖBB Nightjet zweimal pro Woche. Ebenso kann an der deutschen Grenze in die tägliche ÖBB-Nightjet-Verbindung aus Amsterdam nach Innsbruck oder Wien umgestiegen werden.

Mit dem eigenem Pkw ist Österreich eine Tagesreise oder – je nach Fahrstil – eine Tankfüllung entfernt. Die durchschnittliche Entfernung nach Vorarlberg beträgt rund 650 Kilometer, nach Tirol 850 Kilometer und nach Salzburg 1000 Kilometer. Die anderen Bundesländer sind rund 1 200 bis 1 400 Kilometer entfernt.

Winterflugplan 2022/2023

Ryanair wird erstmals in der kommenden Wintersaison zweimal wöchentlich Flugverbindungen von Klagenfurt nach Brüssel anbieten (mittwochs und samstags).

Die KLM-Air-France-Tochtergesellschaft Transavia wird neben der etablierten Winterverbindung (zweimal pro Woche Brüssel–Innsbruck) auch zweimal pro Woche eine Direktverbindung Brüssel–Salzburg anbieten.

TUIfly wird auch in der kommenden Wintersaison zweimal die Woche den Direktflug Antwerpen–Innsbruck anbieten.