Belgien Tourismusausblick

Belgien: Tourismusausblick

Der Tourismusausblick mit Stand Jänner 2023: Belgier*innen sparen Strom – Inflation durch Energiepreise angetrieben – Reiseziel und Anreise auch von Kraftstoffpreisen abhängig – Buchungen trotzdem auf hohem Niveau – Nachfrage vor allem in den belgischen Ferienzeiten erwartet

Wirtschaft und Gesellschaft

Die belgische Regierung versucht, bedürftige Familien mit einem Jahreseinkommen von weniger als 62 000 Euro mit Energiesubventionen für Gas (135 Euro/Monat) und Strom (61 Euro/Monat) zu unterstützen. Darüber hinaus sparen und verbrauchen die Belgier*innen 12 % weniger Energie als in den Vorjahren, und das sogar an kalten Wintertagen.

Der starke Anstieg der Inflation seit Herbst 2021 ist größtenteils auf Energieprodukte zurückzuführen. Die Inflation für Energie betrug 36 % im Dezember gegenüber 63 % im November und 61 % im September. Große belgische Unternehmen, aber auch belgische KMU versuchen, diese Preise so wenig wie möglich an die Kundschaft weiterzugeben, was in einigen Fällen jedoch nicht anders möglich ist.

Tourismus und Trends

Wie in vielen europäischen Ländern wirkt sich die Energiekrise auch auf die Reiseabsichten der Belgier*innen aus. Die Auswirkungen der schlechten wirtschaftlichen Lage in Belgien und Europa zeigen sich im belgischen Reiseverhalten. Die Belgier*innen versuchen in vielen Bereichen, Geld zu sparen, wie momentan sechs von zehn Befragten angeben. Trotzdem hat weder das vermehrte Sparen noch die Coronapandemie ihnen die Lust aufs Reisen genommen. Auf die Frage, bei welchen Ausgaben sie in den nächsten sechs Monaten sparen werden, gaben 51 % der Befragten an, dass sie während des Reisens sparen werden. Am meisten werden die Belgier*innen in den nächsten sechs Monaten bei der täglichen Ernährung und Kleidung sparen, nämlich 60 %.

Für zwei von fünf Belgier*innen beeinflussen die hohen Kraftstoffpreise die Wahl des Reiseziels und des Verkehrsmittels. Die Belgier*innen werden ihre Reisepläne wahrscheinlich nicht komplett stornieren, aber der Ort, die Dauer und die Art des Urlaubs können dadurch beeinflusst werden. So geben nur 28 % der Befragten an, dass sich ihr Reisebudget im Vergleich zu 2022 nicht verändern wird. Etwa 20 % bleiben näher an ihrem Wohnort und ziehen einen Urlaub in Europa einem weiter entfernten Ziel vor. 15 % werden in ihrem eigenen Land Urlaub machen und 17 % werden im Urlaub weniger für Restaurants ausgeben.

Die meisten Belgier*innen verfügen über ein ausreichendes Budget, aber die 29 %, die nicht in den Urlaub fahren, gaben als Hauptgründe an, dass sie finanziell nicht über die Runden kommen oder dass sie sparen wollen.

Schließlich gibt fast jede*r fünfte Belgier*in an, dass sie*er sich für „Workation“ entscheidet und daher an ihrem*seinem Urlaubsort arbeitet. Nach Angaben von Europ Assistance ist dies wahrscheinlich auf Gewohnheiten zurückzuführen, die sich während der Lockdowns entwickelt haben. Ein Trend, von dem Österreich mit seinen vielen Businesshotels profitieren kann.

Urlaub in Österreich

Die Reiseabsichten der Belgier*innen nach Österreich sehen für das kommende Jahr besser aus als derzeit, was teilweise auf die wieder sinkende Inflationsrate zurückzuführen ist. Vom 2. November bis zum 25. März besteht eine neue, zweimal wöchentlich stattfindende Flugverbindung von Ryanair zwischen Brüssel-Charleroi und Klagenfurt. Diese Anbindung ermöglicht es belgischen Wintergästen, bequem für eine Woche oder wenige Tage in die Kärntner Skigebiete wie Bad Kleinkirchheim, Kals-Matrei, Nassfeld und Hermagor zu reisen.

Die belgische Inflationsrate von 10,4 %, die vor allem durch die Energiekrise verursacht wurde, wird nach Prognosen der Belgischen Nationalbank (BNB) 2023 auf 4,4 % zurückgehen. Der Einfluss des Reiseverkehrs auf die Inflation beträgt 0,105 %, wobei die Preise für Auslands- und Städtereisen in November um durchschnittlich 5 % gestiegen sind. Aufgrund der automatischen Indexierung würden die Löhne in Belgien um 5,6 % steigen. Das ist allerdings zu wenig, um die derzeitige Inflationsrate auszugleichen (10,4 %).

Die automatische Indexierung (jährlich festgelegte Anpassung der Gehälter um die durchschnittliche Inflationsrate des vergangenen Jahres) in Belgien hat den Vorteil eines schnelleren wirtschaftlichen Aufschwungs und einer geringeren Unsicherheit bei Reisen.

Die steigenden Energiepreise führen dazu, dass Skireisen nach Angaben belgischer Reiseveranstalter um 14 bis 25 % teurer werden. Diese Teuerung beruht unter anderem auf den steigenden Hotel- und Skipasspreisen. Eine Zeit lang schien sich diese Preiserhöhung auf die Zahl der Buchungen auszuwirken (10 bis 15 % weniger), aber ab November verlief die Zahl der Buchungen reibungslos und ist wieder so hoch wie zuvor. Bei Snowtravel zum Beispiel sieht man den Trend, dass das verlängerte Skiwochenende dem Familienskitrip weichen muss. „Wenn das Budget sowieso angeknabbert werden muss, dann lieber die zusätzlichen drei Tage mit Freund*innen weglassen“, vermutet Manager Wim Crommen. VOS Travel hingegen stellt fest, dass sich die Reisenden immer häufiger für eine Mischung aus kurzem Skiwochenende und „richtigen“ Schneeferien entscheiden. „Vier Nächte, fünf Tage vor Ort, das sehen wir öfter als sonst“, heißt es. 

Außerdem ergab eine Umfrage des VTB-VAB (Vlaamse Toeristenbond-Vlaamse Automobilistenbond), dass die beliebtesten Skidestinationen der Bewohner*innen Flanderns Österreich, Frankreich, Italien, die Schweiz und Deutschland (in dieser Reihenfolge) sind. VTB-VAB rechnet vor allem während der traditionellen Schulferien mit großem Andrang. Mehr als fünf von zehn Wintersportler*innen betreiben diesen Sport während der Schulferien. Am beliebtesten sind dafür die Krokusferien (27 %), gefolgt von den Osterferien (17,2 %) und den Weihnachtsferien (10,3 %). 45 % der Einwohner*innen Flanderns reisen außerhalb der Schulferien.