Spanien Tourismusausblick

Spanien: Tourismusausblick

April/Mai 2021: Maßnahmen gehören zum Alltag – Steueranhebung steht bevor – große Sehnsucht nach Städte- und Kultururlaub – Städter wollen aufs Land, Landbevölkerung will in Städte

Nach Ostern wieder Anstieg der Infektionen

Erwartungsgemäß wurden nach der Karwoche, der „Semana Santa“, in fast allen Autonomien die Maßnahmen wieder verstärkt bzw. die Lockerungen zurückgenommen. Die Fallzahlen steigen je nach Autonomie von leicht bis stark an und die 14-Tage-Inzidenz ist auf fast 200 Fälle pro 100.000 Einwohner gestiegen. Die so gefürchtete britische Variante leitet die vierte Welle in Spanien ein. Dennoch ist die Stimmung nicht so ängstlich wie zu Beginn der zweiten Welle im Herbst. Das liegt daran, dass die Todesfälle, die durch das Virus bedingt sind. stark zurückgegangen sind und es in den Pflegeheimen so gut wie keine Corona-Erkrankungen mehr vorkommen. Das ist eindeutig auf die Impfrate in der Altersgruppe der über 75-Jährigen zurückzuführen. Die Impfbereitschaft der Bevölkerung ist trotz der negativen Meldungen über die Nebenwirkungen im Speziellen des Impfstoffes von AstraZeneca hoch. Die Zentralregierung und das Gesundheitsministerium gehen davon aus, dass bis nach dem Sommer 70 % der Bevölkerung durchgeimpft sind. Generell ist das Stimmungsbild nicht beunruhigend, die spanische Bevölkerung hat scheinbar gelernt, mit der Krise umzugehen. Maskenpflicht, Handhygiene, Distanzhalten und die Ausgangssperre gehören zum Alltag. Die temporären perimetralen Einschränkungen scheinen effizient zu sein und wurden am 6. April 2021 in fast allen Autonomien wieder eingesetzt. Die Zentralregierung spricht von einer Aufhebung des Notstandes am 9. Mai 2021 – inwieweit das realistisch ist, ist vorerst nicht objektiv zu beurteilen, da die Infektionszahlen seit mehreren Tagen erneut steigen.

Mangels Ausgabemöglichkeiten hohe Sparquote

Die spanische Zentralregierung arbeitet an einem strengen Sparpaket. Aller Voraussicht nach werden die Steuern angehoben, Vergleiche mit anderen europäischen Staaten werden hierfür herangezogen. Die erhoffte wirtschaftliche Erholung für das erste bzw. zweite Quartal 2021 wurde ins dritte und vierte Quartal verschoben. Die Möglichkeit, drei Tagen pro Woche im Homeoffice zu arbeiten, wurde dieser Tage für Angestellte im öffentlichen Dienst eingerichtet und abgesegnet. Das betrifft vorerst über 260.000 Beamte. Laut einem Bericht der Tageszeitung „La Vanguardia“ konnten die Haushalte trotz Kündigungen, Kurzarbeit und reduzierter Aktivitäten bis zu 14,4 % mehr Ersparnisse anhäufen. Der Konsum ist 2020 aber um 12 % gefallen. Im Februar lag die Arbeitslosenrate bei 16,1 % – erschreckend hoch ist die Jugendarbeitslosenrate mit 39,6 % (Quelle: Expansion). Die allgemeinen Aussichten in Bezug auf eine leichte Steigerung des Konsums sind optimistisch: Die Buchungslage und der Konsum über Ostern waren unerwartet positiv. Der Onlinekauf hat sich je nach Warengattung etabliert. Die Kulturbetriebe sind geöffnet, allerdings mit strengen Auflagen.

Bedürfnis nach Urlaub wird größer

Das Bedürfnis nach Reisen, Verreisen, Kurztrips ist hoch. Die Osterfeiertage und die Lockerungen in Bezug auf die Mobilität wurden genutzt, um einerseits zum lange nicht besuchten Zweitwohnsitz zu reisen (am Meer, in den Bergen) und um anderseits einen gebuchten Osterurlaub in Spanien in Anspruch zu nehmen. Die Lockerungen der Mobilität über die Ostertage beschränkten sich allerdings nur auf das Bewegen innerhalb der eigenen Autonomie. Man durfte die eigene Autonomie nur mit Sondergenehmigung verlassen. Laut Hosteltur waren die ländlichen Destinationen und einige an der Küste zu bis zu 80 % ausgebucht. Vorzugsweise wurden Appartements, Campingplätze und Privatquartiere gebucht. Unverständnis hat der Erlass der deutschen Regierung, auf die Balearen reisen zu dürfen, verursacht. Da die Spanier selbst ihre eigene Autonomie nicht verlassen durften, konnten sie nicht auf die Balearen fliegen oder reisen.

Steigendes Interesse gibt es an jenen Destinationen, die als „COVID-frei“ gelten: Malediven, Dubai, Katar, Tansania, Costa Rica, Ägypten, Sansibar, einige Destinationen in der Karibik etc. Vor allem Reiseagenten aus dem Luxus- und Premiumbereich punkten mit diesen Destinationen bei ihren kaufkräftigen Kunden. Von 19. bis 21. Mai 2021 soll die FITUR, die drittgrößte größte Tourismusmesse der Welt, in Madrid unter strengsten COVID-19-Sicherheitsmaßnahmen über die Bühne gehen. Die ersten greifbaren Stimmungsbilder zum Sommer 2021 werden sich im Rahmen der FITUR abbilden lassen.

Auto wird wichtigstes Anreisemittel

Die Einstellung zum Reisen nach Österreich ist nach wie vor sehr positiv. Es hat sich generell nichts am guten und beliebten Image Österreichs geändert. Die vielen erfreulichen Einträge auf der Fanseite „Viajes a Austria“ auf Facebook zeugen von der Wertschätzung gegenüber Österreich. Das Urlaubsverhalten in Bezug auf Österreich wird sich dahingehend verändern, dass sich die Reisenden aus Spanien möglicherweise mehr im urbanen Randgebiet bzw. im ländlichen Bereich ihre Feriendestinationen suchen. Ergebnisse von Umfragen aus den Großräumen Madrid, Barcelona, Valencia und Bilbao zeigen die Reiseflucht aufs Land bzw. weg vom Stadtkern. Hingegen suchen Menschen, die die Mobilitätseinschränkungen im ländlichen Bereich lange ertragen haben, bewusst urbane Destinationen. Positiv ist auch die Einstellung zur Autoreise nach Österreich. Das eigene Auto wird laut Prognose des Automobilclubs RACC das wichtigste Reisemittel für den Sommer 2021. Da die Reise nach Österreich von Spanien aus mit einer zehntägigen Quarantäne verbunden sind, ist es für eine konkrete Aussage zur Buchungssituation für den Sommer zu früh.

Empfehlungen für die Tonalität der Kommunikation

Über das Thema Sicherheit bzw. Gesundheit sollte sachlich und selbstverständlich informiert werden. In einem Manifest der Reisebranche wird der Wunsch geäußert, dass alle EU-Länder einheitlich Regelungen im Hinblick auf die Sicherheit bzw. Gesundheit beim Reisen vorgeben und diese auch einheitlich kommunizieren.

Auch über die Zeit der Pandemie hinaus werden Themen wie nachhaltige Mobilität im Sinne der Entschleunigung (Zugreisen, Reisen mit dem E-Auto, Spaziergänge etc.) eine große Rolle in der Kommunikation vor allem für Medien in der Reisebranche spielen. Jetzt schon finden hochwertige inspirative Geschichten mit Unterhaltungs- und Bildungswert (Traditionen, Bräuche, Anekdoten bzw. Geschichten mit Augenzwinkern) hohe Aufmerksamkeit.