Spanien Tourismusausblick

Spanien: Tourismusausblick

Oktober 2021: Themen abseits Corona beschäftigen die Menschen – Tourismus sichert Arbeitsplätze – Nachfragen nach Skiurlaub – viele Symbole für die Erklärung der Maßnahmen

Entspannung in Bezug auf Corona

Spanien pflegt einen fast souveränen Umgang mit der COVID-19-Krise. Mit 8. Oktober 2021 waren rund 36,8 Millionen Personen, also fast 78 % der zu impfenden Bevölkerung, vollständig geimpft. Die 14-Tage-Inzidenz liegt bei 48,92 Fällen pro 100 000 Einwohner*innen. Zwei Autonomien haben bereits den erfreulichen Status „nueva normalidad“ (neue Normalität) erhalten. Nur mehr sieben von gesamt 19 Autonomien sind als Regionen mit hohem Risiko eingestuft. Die restlichen autonomen Regionen sind bereits in die mittleren Stufen eingeordnet und könnten daher ihre strengen Maßnahmen in Bezug auf die Nachtgastronomie, größere Veranstaltungen und Konzerte lockern bzw. ganz aufheben. Mit dem Beginn des Präsenzunterrichts an den Universitäten Anfang Oktober rechnen die Gesundheitsbehörden mit leichten Anstiegen der Infektionszahlen. Die spanische Bevölkerung geht generell nach wie vor achtsam mit den drei wichtigsten COVID-19-Regeln um: Händewaschen, Mund-Nasen-Schutz freiwillig tragen und Abstand halten in allen Bereichen. Nachdem sich die internationale Reisetätigkeit nach Spanien in den letzten Wochen verstärkt hat, spürt man vor allem im urbanen Sektor ein leichtes Aufatmen in der Gastronomie, der Kultur, in den 4- bis 5-Sterne-Hotels und beim Shopping. Hotelièren*Hoteliers, das Fachmagazins Hosteltur und die Tageszeitung El Periodico de Catalunya berichten von einer Auslastung von bis zu 80 %. Der seit Wochen anhaltende und extrem starke Vulkanausbruch auf der kanarischen Insel La Palma, die Fortsetzung und erneute Aufnahme der Anschuldigungen wegen Korruption und Veruntreuung von staatlichen und privaten Geldern gegen den Altkönig Juan Carlos I. und die historisch hohen Energiekosten werden medial breit gestreut und hochgespielt.

Steigende Energiepreise

Der Arbeitsmarkt erholt sich weiterhin schleppend, aber bedingt durch die Lockerungen und Öffnungen im August konnte vor allem im lokalen und nationalen Tourismus ein wenig aufgeholt werden. Mehr als 3,3 Millionen Menschen waren im August arbeitslos, etwa 83 000 weniger als im Vormonat. Durch Wiedereröffnung von Restaurants, Hotels und anderen touristischen Einrichtungen wie Themenparks konnten viele Arbeitsplätze gesichert werden. Die wirtschaftlichen Aussichten liegen bis Ende des Jahres laut Angaben von „El Pais“ bei einem Einpendeln des BIP bei 6,5 % und einer Inflation von etwa 2 %. Den höchsten Anteil der Inflation machen die rasant steigenden Energiepreise aus.

Bedürfnis nach Urlaub

Die Anfragen von potenziellen Gästen drehen sich vielfach um Fragen, wie, wo und wann die Weihnachtsmärkte in Österreich stattfinden. Ein Kurztrip in nahe gelegene Städte innerhalb der EU gewinnt wieder an Bedeutung in der Reiseplanung der Spanier*innen. Verunsicherungen in Bezug auf Reisen unter der Einhaltung aller Corona-Maßnahmen verzögern laut einer Umfrage des Reisebüroverbandes und eigener Umfragen der ÖW Spanien in der Reisebranche die endgültige Reiseentscheidung um 20 bis 30 %. Das hat zur Folge, das Wochenend-Trips last minute gebucht werden. Es kommt aber im Vergleich zum Herbst 2020 zu fast keinen Stornos bzw. Absagen der Reisen. Das Reisebüro hat als verlässlicher Coach und Berater eine wichtige Vertrauensrolle übernommen. Ebenfalls nehmen wir seit einigen Tagen die ersten konkreten Anfragen zu Urlaub im Winter verbunden mit Skifahren wahr. Europa könnte aufgrund der späten Öffnung der USA als Winterdestination für spanische Gäste profitieren. Einige Reiseveranstalter aus dem Premiumbereich haben ihre klassischen USA-Winterprogramme für 2021 und 2022 auf Europa umprogrammiert. (Quellen: La Mejor Nieve, Tourist Forum, Xavi Fernandez Viajes, Snowtravel).

Bedürfnis nach Urlaub

Das Bedürfnis nach Ferien bzw. Urlaub im Herbst, vor allem an den populären Brückentagen im Oktober, November und Anfang Dezember ist groß und bereits an Medienkampagnen sichtbar. Die Einstellung zu Reisen nach Österreich ist vor allem an den Anfragen auf den Social-Media-Kanälen erkennbar. Konkrete Anfragen in Bezug auf die Christkindlmärkte, Weihnachtsprogramme, Neujahrskonzerte und die Öffnung der Skigebiete haben in den letzten Tagen zugenommen. Das gute Image, welches Österreich als Urlaubsland bei den Spanier*innen genießt, wurde durch die Coronakrise nicht geschwächt oder beeinträchtigt. Nachdem die Impfquote in Spanien selbst sehr hoch ist, verreisen laut Reiseverband zu 85 % geimpfte Personen. Wir erhalten auch deutlich weniger Anfragen zu den Coronaregeln bzw. Testverfahren in Österreich, da die spanischen Gäste vor Antritt ihrer Reise nach Österreich die komplette Impfung bereits erhalten haben.

Themen in der Kommunikation

Wir haben beobachtet, dass die spanischen Anbieter weniger Text und Content, sondern Symbole und klare Zeichen in Bezug auf die Einhaltung der Corona-Regeln einsetzen. Diese zeigen schnell und klar, wie man sich am Urlaubsort zu verhalten hat. Das Händeschütteln als Begrüßung einer*eines Gastgeberin*Gastgebers ist durch den Herzensgruß bzw. ein freundliches Nicken ersetzt worden. Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, wenn der Mindestabstand im Freien nicht eingehalten werden kann, ist keine Vorgabe, zeugt aber von Achtsamkeit und einem seriösen Umgang mit der Pandemie.