Slowakei Tourismusausblick

Slowakei: Tourismusausblick

Nov./Dez. 2021: noch mehr Regelungen – Wirtschaft erholt sich – mehr Interesse an Inlandsurlaub bzw. nahe Destinationen – Österreich ist spontan besuchbar – offene Kommunikation

Die Zahlen steigen – strengere Maßnahmen

Die konkreten Schutzmaßnahmen im Geschäftsleben richten sich nach dem regionalen COVID-Automaten. Die slowakische Regierung hat zur Überwachung der Pandemie-Entwicklung einen neuen COVID-Automaten mit fünf Farben eingeführt: Grün, Orange, Rot (erste Warnstufe), Dunkelrot (zweite Warnstufe) und Schwarz (dritte Warnstufe). Außer der epidemiologischen Lage der einzelnen Bezirke wird auch die Durchimpfungsrate in den Risikogruppen (Personen ab 50 Jahren) berücksichtigt. Die Einteilung der Bezirke gemäß dem COVID-Automaten erfolgt auf wöchentlicher Basis. 

In der Slowakei traten am 22.11. Verschärfungen im öffentlichen Leben in Kraft: Es gibt einen „Lockdown“ für Ungeimpfte – de facto handelt es sich um eine Zutrittsbeschränkung für den Handel (außer Grundversorgung), Gastronomie, etc. 

Zusätzlich zum Lockdown für Ungeimpfte hat die Regierung einen neuen Notstand für 90 Tage ausgerufen (ab 24.11.2021). In der Slowakei gilt der Ausnahmezustand und ab 25. November 2021 gilt ein zweiwöchiger Lockdown. Nach Angaben des Wirtschaftsministers bleiben Restaurants und Geschäfte im ganzen Land geschlossen, mit Ausnahme der Geschäfte für das tägliche Leben (Drogerien, Lebensmittelgeschäfte, Apotheken). Tests werden in den Schulen obligatorisch.

Personen werden nach dem 3G-System zum Arbeitsplatz zugelassen. Um die Voraussetzungen für die Tests zu erfüllen, führen die Arbeitnehmer den Antigentest selbst direkt am Arbeitsplatz durch, der sieben Tage lang gültig ist. Die Kosten für die Tests werden vom Staat für die Arbeitgeber übernommen.

Das Grundprinzip der slowakischen Einreiseverordnung ist: Nur wer vollständig geimpft ist, darf ohne Quarantäne einreisen, egal aus welchem Land sie*er kommt. Personen, die nicht vollständig geimpft sind, müssen (so wie nicht geimpfte Personen) eine Quarantäne antreten, wobei die Möglichkeit besteht, sich am fünften Tag der 14-tägigen Pflicht-Quarantäne mit einem in der Slowakei absolvierten PCR-Test freizutesten. Vollständig geimpft sind 42 % der Bevölkerung, die 7-Tage-Inzidenz liegt bei 741 (Stand: 11.11.2021).

Wirtschaftswachstum erwartet 

Der Ausbruch der COVID-19-Pandemie und die dadurch ausgelöste weltweite Krise stürzten das Land 2020 in eine schwere Rezession, wobei das BIP aufgrund eines starken Rückgangs der Investitionen, einer geringen Auslandsnachfrage und eines starken Rückgangs des privaten Verbrauchs um schätzungsweise 5,2 % sank. Für 2021 prognostiziert der IWF ein Wachstum von 4,7 %, gefolgt von 4,5 % im Jahr 2022, in dem das BIP wieder das Einkommensniveau von vor der Krise erreichen soll. Die Gesamtinflation hat sich von 2,8 % im Jahr 2019 auf 2 % im Jahr 2020 deutlich verlangsamt und wird im Jahr 2021 stabil bleiben. Insgesamt bleibt die Slowakei eine kleine Volkswirtschaft, verfügt aber über ein starkes Finanzsystem und bietet eine Produktionsplattform für die europäische Automobil- und Elektronikindustrie. Strukturelle Probleme, mit denen die Slowakei konfrontiert ist, sind regionale Ungleichgewichte, eine schlechte Infrastruktur und eine alternde Bevölkerung. Nachdem die Arbeitslosenquote 2019 auf einen historischen Tiefstand (5,8 %) gefallen war, stieg sie 2020 trotz der Maßnahmen zur Abmilderung der Auswirkungen der Krise auf den Arbeitsmarkt wieder auf 6,7 % an. In den Jahren 2021 und 2022 dürfte sie sich allmählich auf 7,3 % erhöhen, dann auf 6,7 % zurückgehen, wobei die Lage jedoch unbeständig bleibt. Die Löhne sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen, allerdings hat sich das Wachstumstempo im Jahr 2020 verlangsamt. Rund 16,4 % der Bevölkerung sind von Armut bedroht (vor allem im Osten des Landes), was unter dem EU-Durchschnitt von 21,1 % liegt.

Urlaubsbedürfnis

Die Situation in der slowakischen Tourismusbranche ist sehr hart: Laut der slowakischen Wirtschaftszeitschrift TREND haben die slowakischen Reisebüros und Reiseveranstalter 2020 das schwierigste Jahr ihrer Existenz durchlebt. Das Statistikamt der Slowakei teilte mit, dass die Reisebüros durch die Pandemie 88 % ihrer Kund*innen verloren und 87 % ihrer Erlöse eingebüßt haben. Über die Vermittlung von Reisebüros sind nur 151 000 Personen ins Ausland gereist, im Jahr 2019 waren es noch 692 000. Auf der anderen Seite besteht aber das Bedürfnis nach Urlaub, der Anteil der individuellen Buchungen hat sich stark erhöht. Inlandsurlaub wurde stärker nachgefragt, das Interesse an Nahdestinationen hat sich bedeutend erhöht. Bei der Buchung haben die Stornobedingungen eine wichtige Rolle gespielt, die Entscheidungen wurden sehr kurzfristig getroffen. Skifahren und andere Winteraktivitäten werden in erster Linie im eigenen Land und in Österreich gewählt. Man kann noch nicht klar beurteilen, wie groß der Anteil der Ferndestinationen an den Winterbuchungen wird, die Nähe des Flughafens Wien mit einer Vielzahl von Verbindungen bietet aber eine Alternative für eine reichere Schicht aus der Slowakei.

Skifahren und Adventstimmung

Österreich hat ein sehr gutes Image, ist geografisch leicht erreichbar und wird sicher ganz vorne auf der Destinationsliste der Slowak*innen stehen. Eine Reise nach Österreich kann man auch spontan planen, außerdem kennen viele das Land sehr gut. Die Slowak*innen sind sehr gute Skifahrer*innen, viele haben bereits ihre Stammplätze in Österreich. Weil das Reisen wieder möglich ist und sehr konkrete Wintermaßnahmen angekündigt wurden, werden sicher viele Geimpfte wieder lieber Österreich als die heimischen Skigebiete besuchen. Adventstimmung und Shopping werden in der vorweihnachtlichen Zeit eine große Rolle spielen. Die aktuelle Regelung bedeutet für die Familien mit Kindern ein Problem.

Ehrliche Kommunikation notwendig

Um ein Sicherheitsgefühl zu vermitteln, sollten tagesaktuelle Inhalte auf der Website sein, die eine schnelle Reaktion auch auf unerwartete Ereignisse zulassen. Inspiration ist langfristig notwendig, jetzt braucht man aber bereits die konkreten Angebote für die Planung. Die Slowak*innen werden die Angebote genau untersuchen, Informationen aus erster Hand werden geschätzt. Die Urlaubsentscheidung wird auch eine Frage des Vertrauens sein und wird sicher sehr spät und abhängig von der Situation getroffen werden.