Schweiz Tourismusausblick

Schweiz: Tourismusausblick

April/Mai 2022: Maßnahmen fallen – Wirtschaft bleibt robust – In- und Auslandsurlaube gefragt – kurzfristige Buchungen im Nahbereich – Informationen und Inspiration erwünscht

Aufhebung der Maßnahmen

Mit 1. April 2022 setzt der Bundesrat die COVID-19-Verordnung außer Kraft. Damit fallen alle Maßnahmen, auch die Isolation positiv getesteter Personen und die Maskenpflicht.

Bei der Einreise in die Schweiz muss kein Impf-, Genesungs- oder Testnachweis mehr vorgewiesen werden. Auch das Ausfüllen des Einreiseformulars fällt weg. Die Menschen in der Schweiz sind so optimistisch gestimmt wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Das zeigt die zehnte Bevölkerungsbefragung von Sotomo vom 17. Februar 2022 im Auftrag der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG). 50 % der Befragten sind eher oder sehr optimistisch. Nur noch 16 % sind eher oder sehr pessimistisch. Der positive Meinungsumschwung ist bei den jungen Erwachsenen am größten. Dem Optimismus zum Trotz glaubt knapp mehr als die Hälfte (51 %), dass es im nächsten Winter wieder zu Maßnahmenverschärfungen kommen wird. Beim Impfen liegt die Schweiz etwas hinter Österreich. Vollständig geimpft sind mittlerweile 69 % der Bevölkerung, eine Booster-Impfung haben 42 % erhalten.

Bruttoinlandprodukt über Vorkrisenniveau 

Die Omikron-Welle hat der Schweiz gesamtwirtschaftlich nicht groß geschadet. Dies zeigen Echtzeitdaten zur Wirtschaftsentwicklung, die das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) auf wöchentlicher Basis berechnet. Zwar hat sich seit Anfang Dezember die Konjunktur in der Schweiz etwas abgekühlt, aber die Wirtschaft startete dennoch robust ins Jahr 2022. Im Jänner lag das Bruttoinlandprodukt (BIP) um rund 2 % höher als vor der Corona-Krise. Die steigende Inflation, befeuert durch den Krieg in der Ukraine, macht jedoch auch den Schweizer*innen zu schaffen. Im Vergleich zur Eurozone ist sie aktuell jedoch wesentlich niedriger: Während die Teuerung in der Eurozone im Februar auf rekordhohe 5,8 % gestiegen ist, legte sie in der Schweiz auf 2,2 % zu. Die Lage am Arbeitsmarkt hat sich in den zurückliegenden Monaten markant aufgehellt, das Vorkrisenniveau ist in Sichtweite. Das zeigen Daten des Seco zur Zahl der Stellensuchenden. Mit dem Beginn der Omikron-Welle hatte sich die Situation am Arbeitsmarkt nur vorübergehend leicht verschlechtert.

Interesse an Urlaub im In- und Ausland

Die Wintersaison 2021/2022 in der Schweiz kann bereits jetzt als erfolgreich betrachtet werden. In den Schweizer Skigebieten herrschte bereits über die Weihnachtsfeiertage Hochbetrieb. Einige Wochen zuvor bangten die Hotels noch um das Wintergeschäft, als die Omikron-Variante bekannt wurde und viele Länder die Grenzen schlossen. Auch in den Sportferien im Februar schien das Geschäft gut zu laufen. In einer Umfrage unter Schweizer Hotelbesitzer*innen spricht man von einem Nächtigungsplus der laufenden Saison von 25 %. Die Zahlen der Schweizer Bergbahnen bestätigen den positiven Trend. In der ersten Winterhälfte verzeichneten sie ein Plus von 40 % gegenüber dem Vorjahr bei den Ersteintritten und beim Umsatz. Der umsatzstärkste Monat Februar war mit +27 % Ersteintritte und +37 % Umsatz ebenfalls sehr gut. Im Vergleich zum 5-Jahres-Durchschnitt liegen die Zuwächse bis Februar bei +10 % bzw. +16 %. Ein früher Saisonstart mit exzellenten Schneebedingungen, gutes Wetter an den Wochenenden und ein gutes Schutzkonzept sind laut „Seilbahnen Schweiz“ die Gründe dafür. Für Reisen im Frühling und Sommer melden die Reiseveranstalter eine generell gute Reisenachfrage – noch sei man allerdings nicht auf dem Niveau von vor der Corona-Krise. Förderlich sei auf alle Fälle, dass nun immer mehr Ferienländer ihre Corona-Maßnahmen aufheben bzw. zurückfahren. Hoch im Kurs für den Sommer sind die beliebten Ferienziele in Griechenland, Spanien, Zypern und der Südtürkei. Für Osteuropa ist die Nachfrage nun eingebrochen. Ziele in der Krisenregion wurden aus dem Programm genommen. Eine aktuelle Umfrage unter Reisebüros und -veranstalter*innen des Branchenportals „Travel Inside“ verdeutlicht, dass rund drei Viertel der befragten Unternehmen eine gewisse Zurückhaltung bei Neubuchungen spüren. Auch die drei Großveranstalter Kuoni (DER Touristik Suisse), Hotelplan Suisse und TUI Suisse bestätigen, dass die Reiselust aufgrund des Krieges, der wirtschaftlichen Entwicklung und nach wie vor der COVID-19-Krise etwas eingebrochen ist. Geografisch näher an den Krisenregionen liegende Länder wie Griechenland und die Türkei kämen aber weiterhin als Sommerferienziele infrage.

Positiver Ausblick auf den Sommer

Eine Ad-hoc-Befragung der Österreich Werbung Mitte März zeigt, dass 79 % der Befragten in der Schweiz planen, im Sommer 2022 zu verreisen. Als Auslandsreiseziele werden vor allem Italien und Spanien genannt, aber auch Nachbarländer wie Österreich. Neben Badeurlaub am Meer ist das Bedürfnis nach Erholungsurlaub, Städteurlaub, Natururlaub, Badeurlaub am See und Urlaub in den Bergen groß. Bewegung in der Natur steht insgesamt hoch im Kurs. Neben steigenden Preisen beschäftigten die Befragten die politische Unsicherheit wegen des Ukraine-Krieges und der Klimawandel (Stichwort: nachhaltiges Reisen). Die COVID-19-Situation liegt auf Platz 4. So wird bei der Unterkunft dem Preis-Leistungs-Verhältnis die höchste Bedeutung zugemessen. Flexible Stornobedingungen sind weiterhin wichtig, Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen (COVID-19) werden hingegen als weniger entscheidend beurteilt. Viele Schweizer*innen haben ihren Urlaub in den letzten zwei Jahren daheim verbracht. Die Statistiken zeigen einen Zuwachs bei den Hotelübernachtungen im eigenen Land von 17 % im Vergleich zu 2019. Vor allem für Familien stellten die Regeln in Österreich zuletzt eine große Hürde dar, da in der Schweiz bis zum Alter von 16 Jahren keine Einschränkungen galten. Mit der Aufhebung fast aller Maßnahmen am 5. März sollte Österreich in der Schweiz Marktanteile zurückgewinnen. Buchungen im Nahbereich dürften weiterhin kurzfristig erfolgen.

Kommunikationsempfehlungen

Weiterhin wichtig bleibt, klar und einfach Informationen zu noch gültigen Corona-Maßnahmen und Sicherheitskonzepten zu kommunizieren. Diese sollen leicht auffindbar sein – eine service- und userfreundliche Aufbereitung und eine ständige Aktualisierung sind notwendig. Darüber hinaus soll der Fokus auf inspirierenden Inhalten liegen, die Lust auf Sommerurlaub in Österreich machen und den Bedürfnissen der Schweizer Gäste entsprechen: leichte sportliche Aktivitäten in einer schönen Landschaft, gepflegte Gastfreundschaft, das Kulinarik- und Verwöhnelement, Regeneration für Körper und Geist, Angebote für Familien sowie kulturelle Erlebnisse in der Stadt und auf dem Land.