Schweiz Tourismusausblick

Schweiz: Tourismusausblick

Juli 2021: weitere Lockerungen – schwungvolle Wirtschaftserholung – Ferienwohnungen gefragt – Fokus auf Nachhaltigkeit bei Schweiz Tourismus – Testpflicht kritisch – konkrete Aussagen zu den Sicherheitsmaßnahmen

Weitere Lockerungen seit Ende Juni

In den letzten Monaten hat sich die epidemiologische Situation deutlich verbessert, die Fallzahlen sind gesunken. Mit 26. Juni 2021 wurden weitere Einschränkungen aufgehoben. So gilt beispielsweise im Freien die Maskenpflicht nicht mehr (in Innenstädten, bei Freizeitbetrieben, auf Terrassen von Bars und Restaurants, in den Außenbereichen von Bahnhöfen etc.). In Restaurants gibt es keine Personenbeschränkung pro Tisch, im Außenbereich dürfen die Gäste auch stehend konsumieren. Bei Veranstaltungen, die ein COVID-19-Zertifikat (geimpft, getestet, genesen) für das Publikum fordern, fällt die Kapazitätsbeschränkung. Ohne Zertifikat wird zwischen Sitz- (höchstens 1 000 Personen) und Stehveranstaltung (höchstens 500 Personen draußen und 250 Personen drinnen) unterschieden. Ebenso fielen die Kapazitätsbeschränkungen in Geschäften und Freizeit- und Sporteinrichtungen und die Einschränkungen in der Ausübung von Sport und Kultur wurden aufgehoben. Clubs und Tanzlokale sind für Personen mit COVID-19-Zertifikat wieder vollständig offen. Die Durchimpfung der Bevölkerung ist gut vorangeschritten, die Impfbereitschaft liegt aktuell bei knapp 80 %. Das Bundesamt für Gesundheit und die Kantone haben jüngst jedoch eine „gewisse Sättigung“ bei der Impfbereitschaft gespürt: Neue Termine sind nicht mehr so schnell ausgebucht – das liegt zum Teil an den bevorstehenden Sommerferien. Neu erlaubt die Impfkommission eine Impfung für 12- bis 15-Jährige. Seit Ende Juni steht allen Geimpften, Genesenen und Getesteten das COVID-19-Zertifikat – in Papierform oder digital als QR-Code – zur Verfügung. Das Zertifikat der Schweiz wird mit dem „EU Digital COVID Certificate“ kompatibel sein. Pünktlich zu den Sommerferien wird die Einreise in die Schweiz deutlich erleichtert. Auf der Risikoliste des Bundes stehen generell nur noch Länder und Gebiete, in denen eine besorgniserregende Virusvariante verbreitet ist. Für alle anderen gilt keine Quarantänepflicht mehr. Es spielt also erstmals seit über einem Jahr keine Rolle mehr, wie viele Neuinfektionen ein Staat oder Gebiet verzeichnet. Bei der Einreise mit dem Flugzeug müssen die Kontaktdaten angegeben werden, Geimpfte oder Genesene benötigen auch keinen negativen PCR-Test. Für Einreisende aus Ländern auf der Risikoliste gilt weiterhin eine Test- und Quarantänepflicht (ausgenommen Genesene und Geimpfte).

Wirtschaftsboom

Mit den Lockerungen der Corona-Maßnahmen hat in der Binnenwirtschaft erwartungsgemäß eine kräftige Aufholbewegung eingesetzt. International hat sich die Konjunkturlage aufgehellt. Es zeichnet sich eine schwungvolle Erholung ab. Die Expertengruppe des Bundes für Konjunkturprognosen erhöht ihre BIP-Prognose für 2021 auf +3,6 %. 2022 sollte die Schweizer Wirtschaft ebenfalls überdurchschnittlich wachsen. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) würdigt den Schweizer Umgang mit der Pandemie. Der Beschäftigungsindikator der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich klettert deutlich nach oben und liegt nur noch leicht unter dem langjährigen Mittelwert. Getrieben wird der Anstieg von positiven Beschäftigungserwartungen.

Interesse an Urlaub im Ausland

Im Vergleich zu Österreich liefert die Hotellerie in der Schweiz, die durchgehend geöffnet hatte, ein beachtliches Ergebnis. In den ersten vier Monaten 2021 liegt die Entwicklung bei den Übernachtungen bei -10 % im Vergleich zu 2020 und bei -41 % im Vergleich zu 2019. Bei der Unterkunftsart konnten Ferienwohnungen stark profitieren. Dieser Trend wird sich im Sommer ebenso fortsetzen wie Urlaub auf dem Campingplatz. Nachdem es 2020 vor allem darum ging, die Einheimischen für einen Urlaub im eigenen Land zu begeistern, verlagert Schweiz Tourismus (ST) nun seinen Fokus 2021 auf das Ausland. Gerechnet wird mit einer Rückkehr der Europäer*innen im Früh- bis Hochsommer sowie mit ersten Gästen aus den Fernmärkten im Spätsommer bzw. Herbst 2021. Die Marketingorganisation setzt bei ihren Recovery-Maßnahmen mit dem Programm „swisstainable“ stark auf Nachhaltigkeit. Angebote werden in acht Kategorien (Abenteuer, Bewegung, Entspannung/Health, Familie, Kulinarik, Kultur, Natur und Urban) übersichtlich und leicht buchbar dargestellt. Zum Fokus auf Nachhaltigkeit gehört auch das neue „Sommer-Generalabonnement“, das ST in Zusammenarbeit mit dem öffentlichen Verkehr lanciert: Mit einem attraktiven 30-Tage-Ticket um 330 Schweizer Franken (ca. 285 Euro) für Zug, Bus, Straßenbahn, Schiff und Bergbahn wird Gästen mit Wohnsitz in der Schweiz oder in den Nachbarländern der Sommerurlaub schmackhaft gemacht. Zudem fokussiert ST in diversen Kampagnen auf Frauen und nutzt international bekannte Persönlichkeiten wie Roger Federer, zuletzt zusammen mit Robert De Niro, für Werbezwecke. Dank der niedrigen Infektionszahlen, der Impfungen und Zertifikate öffnen die Mittelmeerländer ihre Grenzen. Reisen in die beliebten Badedestinationen werden damit einfacher. Die Reiselust bei den Schweizer*innen ist groß. Gemäß dem aktuellem Reisebarometer des TCS (Touring Club Schweiz) kann sich jeder*jede Zweite vorstellen, in den nächsten Wochen ins Ausland zu fahren – trotz der Hürden und Unsicherheiten, die noch immer bestehen. Die beliebtesten Destinationen sind laut Studie Italien, Griechenland und Frankreich. Eine kürzlich durchgeführte Analyse von Online-Suchanfragen zeigt auch Interesse an den weiteren Nachbarländern der Schweiz. Die Reiseveranstalter bestätigen die Nachfrage nach Badeferiendestinationen und sprechen von in etwa einem Buchungsniveau von vor der Corona-Krise. Neben dem Sommer sind vor allem die Aussichten für den Herbst gut. Generell ist die Nachfrage nach höherwertigen Angeboten gestiegen.

Entwicklung des Sommers abhängig von der Lage in beiden Ländern

Österreich und die Schweiz machten im Laufe der letzten rund 16 Monate sehr ähnliche Erfahrungen und Entwicklungen in Bezug auf die Corona-Pandemie durch, auch wenn die beiden Länder bei den Maßnahmen zur Bekämpfung unterschiedliche Strategien verfolgten. Reisen nach Österreich werden von der Lage sowie von den Maßnahmen in beiden Ländern beeinflusst. Österreich hat gute Chancen, von den auslandsreisewilligen Schweizer*innen zu profitieren, wird sich aber gegenüber den Mittelmeerländern und den weiteren Nachbarländern der Schweiz behaupten müssen. Die Buchungen dürften insgesamt kurzfristig erfolgen und daher von der Verfügbarkeit der entsprechenden Angebote und den Sicherheitsregeln abhängen. Offen sind die Auswirkungen der 3-G-Regel, vor allem der Testpflicht auch für Kinder ab zwölf Jahren, auf die Urlaubsplanung. Besonders für Familien mit geimpften Eltern dürfte das ein Kriterium werden, da die Schweiz selbst nur für wenige Anlässe einen Test vorsieht.

Kommunikationsempfehlungen

Im Zentrum der Kommunikation steht die Lust auf einen sicheren und sorgenfreien Sommer- und Herbsturlaub. Es bleibt wichtig, einfache und nach Möglichkeit einheitliche Regelungen zu definieren und klare Aussagen zu den geltenden Maßnahmen zu tätigen. Die jeweils gültigen Informationen sollen leicht auffindbar sein, eine service- und userfreundliche Aufbereitung und eine ständige Aktualisierung der Inhalte sind notwendig. Besondere Bedeutung wird nebst inspirierenden Inhalten vermehrt konkreten Informationen zu den Sicherheitsmaßnahmen, vor allem der nicht nur bei der Einreise gültigen 3-G-Regel, die zurzeit strenger als in der Schweiz sind, zukommen.