Schweiz Tourismusausblick

Schweiz: Tourismusausblick

Oktober 2021: eher geringe Impfquote – Wirtschaftserholung – Fokus auf Nachhaltigkeit bei Schweiz Tourismus – Testpflicht für Kinder kritisch – konkrete Aussagen zu den Sicherheitsmaßnahmen

COVID-19-Zertifikatspflicht in Innenräumen

Seit 13. September 2021 gilt für alle Personen ab 16 Jahren im Innern von Restaurants und Bars, von Kultur-, Sport- und Freizeiteinrichtungen sowie bei Veranstaltungen in Innenräumen eine Zertifikatspflicht (entspricht dem 3-G-Nachweis). Ausgenommen sind der Detailhandel, der öffentliche Verkehr, Gastgärten und Restaurant-Terrassen, Transitbereiche der Flughäfen, personenbezogene Dienstleister*innen, private Veranstaltungen in privaten Räumlichkeiten bis 30 Personen sowie politische Veranstaltungen und religiöse Feiern bis 50 Personen. Das Zertifikat darf auch von Arbeitgeber*innen im Rahmen von Schutzmaßnahmen genutzt werden. Die Maßnahme ist bis zum 24. Jänner 2022 befristet. Für Tanzlokale und Clubs sowie Veranstaltungen im Freien mit mehr als 1 000 Personen gilt die COVID-19-Zertifikatspflicht bereits seit dem Frühsommer. Seit 20. September müssen alle Personen, also sowohl Schweizer*innen wie auch Ausländer*innen, die nicht geimpft oder genesen sind, bei der Einreise in die Schweiz einen negativen Test (Antigen oder PCR) vorweisen. Nach vier bis sieben Tagen wird ein weiterer, in der Schweiz durchgeführter Test verlangt. Alle Einreisenden – geimpfte, genesene und negativ getestete Personen – müssen zudem ein Einreiseformular ausfüllen. Von der Test- und Formularpflicht ausgenommen sind Personen, die ohne Zwischenhalt durch die Schweiz reisen, Personen, die beruflich Güter oder Menschen befördern, sowie Grenzgänger*innen und in Grenzgebieten lebende Personen. Von der Testpflicht ausgenommen sind zudem Kinder unter 16 Jahren. Mit diesen Maßnahmen reagierte der Bundesrat auf die anhaltend angespannte Lage in den Spitälern, die insbesondere mit dem Ende der Sommerferien einsetzte. Viele COVID-19-Betroffene waren ungeimpft und Reiserückkehrer*innen vorwiegend aus dem Balkan – unter ihnen auch viele junge Menschen. Bereits im August hatte der Bundesrat den Impfdruck erhöht. Das COVID-19-Zertifikat ist ein Jahr gültig, wenn man vollständig geimpft ist. Für genesene Personen läuft es nach 180 Tagen ab, für negativ Getestete 48 Stunden nach der Entnahme der Probe. Zudem sind die Tests bei Personen ohne Symptome seit dem 11. Oktober kostenpflichtig – ausgenommen sind Personen unter 16 Jahren und, bis Ende November, Einmal-Geimpfte. Mittlerweile hat sich die Situation etwas beruhigt und die Zahl der täglichen Neuansteckungen geht langsam, aber kontinuierlich zurück. Hingegen ist die Zahl der täglich verabreichten Impfungen seit Ende August wieder gestiegen. Als Gründe dafür gelten vor allem das Ende der Gratistests und die neue Zertifikatspflicht, aber auch die Impfkampagne des Bundesamts für Gesundheit und verschiedene mobile Impfangebote. Trotzdem gehört die Schweiz, was die Impfquote betrifft, zu den Schlusslichtern in Europa.

Wirtschaft erholt sich vom zweiten Corona-Einbruch

Der Indikator zur Wirtschaftsaktivität des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) verdeutlicht, dass die Schweizer Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal 2021 mit einem Wachstum von 1,8 % fast wieder auf das Niveau von vor der Krise gestiegen ist. Im Verlauf des zweiten Quartals wurden zahlreiche einschränkende gesundheitspolitische Maßnahmen aufgehoben oder gelockert. Daraufhin erholten sich vor allem jene Sektoren, die von den Einschränkungen am stärksten betroffen waren, wie der Dienstleistungssektor und die Gastronomie. Ein Barometer der Wirtschaftskonferenz Swiss Economic Forum (SEF) bestätigt den Aufwärtstrend: 422 Unternehmensführer*innen gaben sich in diesem Sommer bemerkenswert optimistisch, was die Stärke und Wettbewerbsfähigkeit ihrer Firmen angeht. Die BIP-Prognose der Expert*innen-Gruppe des Bundes für Konjunkturprognosen für 2021 wurde bereits Mitte des Jahres auf +3,6 % erhöht.

Interesse an Urlaub im In- und Ausland

Im Vergleich zu Österreich zeigt die Hotellerie in der Schweiz in der bisherigen Sommersaison (Mai–August) eine bessere Entwicklung. Zwar verloren beide Länder gegenüber 2019 ähnlich viele Übernachtungen (-21 % Österreich, -24 % Schweiz), gegenüber 2020 legte die Schweiz jedoch um 37 % zu, Österreich hingegen nur um 18 %. Zwischen den Ferienregionen in der Schweiz gibt es große Unterschiede. Profitieren konnten bisher vor allem Gebiete, die einen großen Anteil einheimischer Gäste aufweisen. Besonders gut läuft es in diesem Jahr beispielsweise im südlichen Ferienkanton Tessin. Schweiz Tourismus (ST) rührt kräftig die Werbetrommel für Ferien im eigenen Land. Inhaltlich setzt die Marketingorganisation mit dem Programm „swisstainable“ stark auf Nachhaltigkeit. Angebote werden in acht Kategorien (Abenteuer, Bewegung, Entspannung/Health, Familie, Kulinarik, Kultur, Natur/urban) übersichtlich und leicht buchbar dargestellt. Zudem fokussiert ST in diversen Kampagnen auf Frauen und nutzt international und national bekannte Persönlichkeiten wie Roger Federer, Robert De Niro und Michelle Hunziker für Werbezwecke.

Aktuell sorgt sich die Schweizer Incoming-Touristikbranche um Nicht-EU-Staatsbürger*innen. Ihr digitales COVID-19-Zertifikat wird nämlich nicht automatisch anerkannt. Die Gäste müssen ihr Zertifikat gegen eine Gebühr von 30 Franken umwandeln, während dieser Service in anderen Ländern kostenlos ist. Das Sommergeschäft in den Badedestinationen hat sich für die Reiseveranstalter etwas weniger erfolgreich als erhofft herausgestellt. Die Hürden und Unsicherheiten waren bei vielen offenbar doch zu groß. Weggefallen sind vor allem Familien mit Kindern sowie über 70-Jährige. Dafür haben Jüngere und Personen ohne Kinder mehr gebucht. Ob sich die auf den Herbst gesetzten Hoffnungen der Reiseveranstalter erfüllen, ist noch nicht klar. Zu beobachten ist ein sehr kurzfristiges Buchungsverhalten.

Sehnsucht nach möglichst „normalen“ Wintersportferien

Die Schweizer*innen mussten vergangenen Winter nicht aufs Skifahren und auf Winterurlaub verzichten, lediglich Restaurants und Hütten waren geschlossen. Die Lust auf möglichst „normale“ Wintersportferien dürfte dennoch groß sein. Die frühzeitige Kommunikation der Regeln in Österreich für die Wintersaison wurde als positiv beurteilt. Offen ist, ob und wie die Schweiz mit 3-G-Regeln nachzieht und ob es einheitliche oder kantonale Regeln geben wird. Die Branche selbst plädiert für einheitliche Regeln. Reisen nach Österreich werden von der Lage sowie von den Maßnahmen in beiden Ländern beeinflusst. Die Buchungen dürften insgesamt kurzfristig erfolgen und daher von der Verfügbarkeit der entsprechenden Angebote, den Sicherheitsregeln und der Schneelage abhängen. Offen sind die Auswirkungen der 3-G-Regel im Seilbahnbetrieb bzw. der 2-G-Regel beim Après-Ski. Vor allem die Testpflicht auch für Kinder über zwölf Jahre dürfte ein entscheidendes Kriterium von Familien mit geimpften Eltern werden. Denn in der Schweiz gilt seit 13. September zwar auch die 3-G-Regel, jedoch erst für Personen ab 16 Jahren. Mehrere Reiseländer haben ähnliche Regelungen, daher wird insgesamt erwartet, dass viele Familien mit Kindern im Teenageralter ihre Winterferien in der Schweiz verbringen.

Kommunikationsempfehlungen

Im Zentrum der Kommunikation steht die Lust auf einen sicheren und sorgenfreien Winterurlaub. Es bleibt wichtig, einfache und nach Möglichkeit einheitliche Regelungen zu definieren und klare Aussagen zu den geltenden Maßnahmen zu tätigen. Die jeweils gültigen Informationen sollen leicht auffindbar sein, eine service- und userfreundliche Aufbereitung und eine ständige Aktualisierung der Inhalte sind notwendig. Besondere Bedeutung wird nebst inspirierenden Inhalten vermehrt konkreten Informationen zu den Sicherheitsmaßnahmen, vor allem zur 3-G-Regel, zukommen.