Schweiz Tourismusausblick

Schweiz: Tourismusausblick

April/Mai 2021: langsame Öffnung, weiterhin Homeoffice-Pflicht – Konsum auf „normalem“ Niveau – um 1/3 weniger Wintertourismus – Trend zur Ferienwohnung – Österreich könnte profitieren – konkrete Informationen

Schrittweise aus dem Lockdown

Seit Ende Februar 2021 steigt die Zahl der Neuansteckungen mit dem Coronavirus in der Schweiz wieder an. Dennoch verfolgt der Bundesrat die Strategie einer vorsichtigen, schrittweisen Öffnung. Geschäfte und Museen sowie die Außenbereiche von Zoos, botanischen Gärten und Freizeitanlagen sind bereits seit Anfang März wieder offen. Ebenso Golf-, Tennis- und Fußballplätze sowie Leichtathletikstadien und Kunsteisbahnen. In einem zweiten Schritt am 22. März 2021 wurden private Treffen von bis zu zehn Personen in Innenräumen wieder zugelassen. Seit Montag, 19. April 2021, sind mit Einschränkungen wieder Veranstaltungen mit Publikum möglich, etwa in Sportstadien, Kinos oder Theater- und Konzertlokalen (draußen 100, drinnen 50 Personen). Restaurants können ihre Terrassen wieder öffnen. Die Homeoffice-Pflicht bleibt hingegen aufrecht. Die Lage ist zwar weiterhin fragil, das Risiko einer weiteren Öffnung ist für den Bundesrat aber vertretbar. Bei allen wieder erlaubten Aktivitäten sind das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und das Einhalten des erforderlichen Abstands mit wenigen Ausnahmen vorgeschrieben. Außerdem schreitet die Durchimpfung der Risikogruppen gut voran und das Testen wird laufend ausgedehnt.

Die Stimmung in der Bevölkerung war noch nie so kritisch wie jetzt. Das geht aus einer Pandemie-Umfrage der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) hervor, an der zwischen 9. und 15. März 2021 knapp 50.000 Personen teilnahmen. Zwar steht weiterhin die Mehrheit der Befragten hinter den Plänen und Maßnahmen des Bundesrats, doch die Ungeduld nimmt zu. 64 % der Befragten sehen im Verlust der Freiheit eines der Hauptprobleme. Gesunken ist zudem die Hoffnung auf ein schnelles Ende der Krise. Jeder Zweite rechnet damit, dass eine Rückkehr zur Normalität nicht vor dem nächsten Winter wahrscheinlich ist.

Was den internationalen Reiseverkehr betrifft, gelten weiterhin die bestehenden Restriktionen: Auf der Risikoliste der Schweiz stehen Staaten oder Gebiete von Nachbarländern, deren 14-Tage-Inzidenz um mehr als 60 höher als in der Schweiz liegt. In Österreich zählen aktuell alle Bundesländer mit Ausnahme der Grenzregionen Tirol und Vorarlberg zu den Gebieten, die nach der Rückkehr in die Schweiz eine zehntägige Quarantäne erfordern. Seit 8. Februar 2021 gilt, dass diese mit einem negativen Antigen- oder PCR-Test nach sieben Tagen beendet werden kann. Außerdem müssen sämtliche Flugpassagiere vor dem Abflug einen negativen PCR-Test vorweisen und sich alle Personen, die mit dem Flugzeug, Schiff, Bus oder Zug einreisen, online registrieren.

Beim Impfen setzt die Schweiz bisher auf die Impfstoffe von Moderna und BioNTech/Pfizer, hat aber bei drei weiteren Herstellern bestellt. Die nationale Impfstrategie sieht vor, dass ältere und chronisch kranke Personen zuerst geimpft werden. Mit dem anfangs zögerlichen Voranschreiten der Impfkampagne steigt die Ungeduld in der Bevölkerung. Laut oben genannter Studie impft die Schweiz gemäß 44 % der Befragten zu langsam. Um hier schneller voranzukommen, wurden beispielsweise Anfang April 2021 zehn große Impfzentren in Zürich in Betrieb genommen. Deren Kapazitäten lassen sich aufgrund nicht ausreichend vorhandener Impfdosen jedoch noch nicht voll auszuschöpfen. Im Impfvergleich liegen die Schweiz und Österreich ungefähr gleichauf.

Kleiner Wirtschaftsboom im März

Die Ladenschließungen während des zweiten Lockdowns zu Jahresbeginn haben das Wirtschaftsgeschehen spürbar belastet. Mit den Öffnungen Anfang März 2021 ist jedoch ein kleiner Wirtschaftsboom entstanden. So zeigen Echtzeitdaten zum Konsum in der Schweiz, dass die Menschen nach dem Ende der Ladenschließungen in die Geschäfte strömten und viele Einkäufe nachholten. Die zahlreichen Osterausflüge und ein Anstieg von Kartenzahlungen während der ersten Aprilwoche bestätigen diesen Trend. Insgesamt bewegte sich der Konsum im März und Anfang April wieder auf einem einigermaßen normalen Niveau, was zur gesamtwirtschaftlichen Erholung beitrug. Gleichzeitig scheint es bei der exportorientierten Industrie gut zu laufen. Zusammen führte dies im März zu einer erstaunlichen wirtschaftlichen Erholung. Das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO geht in seiner Konjunkturprognose davon aus, dass sich die Wirtschaft 2021 zügig erholen wird, und erwartet ein bereinigtes BIP-Wachstum von 3,0 %. Die seit Ausbruch der Coronakrise befürchtete Konkurswelle blieb bis jetzt aus. Die Aussichten am Arbeitsmarkt bleiben jedoch trübe: Mit weniger ausgeschriebenen Jobs und einer aktuell großen Zahl an Stellensuchenden wird die Arbeitslosigkeit vermutlich weiterhin steigen. Im März lag sie bei 3,4 %.

Wintersaison läuft bisher auf minus einem Drittel

Die Skigebiete und die Hotellerie in der Schweiz waren in dieser Wintersaison durchgehend geöffnet. Während die Hotelübernachtungen in der gesamten Schweiz im Zeitraum November 2020 bis Februar 2021 bei minus 50 % lagen, verloren die klassischen Winterferiendestinationen nur rund ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr. Bei der Unterkunftsart ist ein eindeutiger Trend weg vom Hotel, das als potenzieller Ansteckungsort gilt, hin zur Ferienwohnung erkennbar. Besonders stark vom Rückgang betroffen sind Hotels im oberen Segment in Orten wie St. Moritz, Davos und Zermatt, die eine zahlungskräftige, internationale Klientel ansprechen. Diese Abhängigkeit vom ausländischen Gast trifft auch Skigebiete wie Engelberg und Verbier, die im Jänner Umsatzeinbußen von zum Teil über 50 % erlitten. Profitieren konnten hingegen kleinere Skigebiete in der Nähe von Ballungsräumen, weil die Gäste kürzere Anreisezeiten bevorzugten und die Schneeverhältnisse günstig waren. Allerdings waren diese Gebiete an sonnigen Wochenenden schnell überfüllt, die Bergbahnticketkontingente waren bereits am frühen Vormittag ausgeschöpft. Nach einer aufmerksamkeitsstarken Kampagne von Schweiz Tourismus, die auf Erlebnisse abseits der Skipiste abzielte, sind die Gäste der Piste im bisherigen Winter zum Teil ausgewichen. Beispielsweise meldet „Graubünden Ferien“ deutliche Zunahmen der Popularität von Schlittenfahren und Langlaufen. Auch Winterwandern, Schneeschuhwandern und Skitourengehen zählen zu den Gewinnern.

Als das Bundesamt für Gesundheit Anfang März Spanien und Portugal von der Risikoländerliste nahm, blickten viele gespannt auf mögliche Buchungsanstiege über Ostern. Obwohl die Reisebüros eine verstärkte Nachfrage registrierten, blieb die große Buchungswelle aus. Weitere populäre ausländische Feriendestinationen über die Feiertage waren Ägypten (v. a. Hurghada), die Dominikanische Republik (v. a. Punta Cana) und Mexiko. Im Inland nutzten hingegen viele Schweizer die Gelegenheit für einen Ausflug über die Osterfeiertage. Besonders profitiert hat davon der „Sonnenkanton“ Tessin – der erwartete Ansturm von Touristen ist tatsächlich eingetroffen. Dies bestätigen auch Echtzeitdaten zum Konsum – in der Osterwoche wurde im Tessin außerordentlich viel Geld ausgegeben. Bei Reisen in die beliebten Badedestinationen im Sommer treten Veranstalter aktuell noch auf die Bremse und raten zu eher kurzfristigen Buchungen. Währenddessen ist die Nachfrage nach Campingplätzen und Ferienwohnungen im eigenen Land neuerlich sehr hoch, diese sind an vielen Orten bereits ausgebucht.

Entwicklung des Sommers abhängig von der Lage in beiden Ländern

Das Image Österreichs in Bezug auf die Entwicklung der COVID-19-Ansteckungen und die Maßnahmen gegen die Pandemie lässt sich nach einem Jahr Corona als Berg- und Talfahrt beschreiben. Am Anfang standen Ischgl und die verspätete Schließung der Skiorte. Danach übernahm Österreich eine Musterschülerrolle mit schnellen und harten Maßnahmen. Während der Sommermonate büßte Österreich diesen Imagevorsprung durch Lockerheit bzw. durch eine wenig konsequente Umsetzung ein. Zum Start der Wintersaison folgten Bilder von dicht gedrängten Menschenansammlungen vor Seilbahnstationen in den sozialen Medien. Ab circa Dezember 2020 wurde die starke Abnahme von Neuansteckungen mit Respekt beobachtet. Zuletzt prägten die Auseinandersetzung zwischen der österreichischen Bundesregierung und dem Bundesland Tirol und Berichte über Hotels, die es mit dem Lockdown nicht besonders ernst nahmen, das mediale Bild. Reisen nach Österreich werden von der Lage in beiden Ländern abhängen. Da Fernreisen diesen Sommer aus heutiger Sicht kaum gemacht werden und die Schweizer wieder ins Ausland reisen werden wollen, hat Österreich – wie die meisten europäischen Länder – gute Chancen, hier zu profitieren.

Kommunikationsempfehlungen

Im Zentrum der Kommunikation steht die Lust auf einen sicheren und sorgenfreien Sommerurlaub. Es bleibt wichtig, einfache und nach Möglichkeit einheitliche Regelungen zu definieren und klare Aussagen zu den geplanten Maßnahmen zu tätigen. Die jeweils gültigen Informationen sollen leicht auffindbar sein, eine service- und userfreundliche Aufbereitung und eine ständige Aktualisierung der Inhalte sind notwendig. Besondere Bedeutung wird nebst inspirierenden Inhalten vermehrt konkreten Informationen zu den Sicherheitsmaßnahmen zukommen.