Schweden Tourismusausblick

Schweden: Tourismusausblick

April/Mai 2022: Krieg verdrängt Corona in den Nachrichten – Inflation höher als erwartet – RV berichten von Rekordbuchungen – ein wenig Abhängigkeit, wie sich der Krieg entwickelt – „Natur pur“

Hohe Impfquote

Seitdem die Restriktionen in Schweden am 9. Februar 2022 weggefallen sind und vor allem seit dem Kriegsbeginn in Ukraine berichten die Medien sehr wenig bis gar nicht mehr über die Corona-Pandemie. So gesehen ist das Leben fast wieder wie vor der Pandemie. Das Interesse an Booster-Impfungen ist gesunken und die Gesundheitsbehörden haben eine Kampagne gestartet, die daran erinnern soll, wie wichtig die dritte Impfung ist. Derzeit haben 86,9 % der Schwed*innen die Erstimpfung erhalten, über 84,7 % sind vollständig geimpft und 62,2 % haben die Drittimpfung erhalten. In Schweden wird das Testen nicht mehr gebührenfrei angeboten.

Wirtschaft: Verlangsamung

Nach neueren Prognosen wird sich die Dynamik der schwedischen Wirtschaft 2022 verlangsamen. Laut dem schwedischen „Konjunkturinstitutet“ (KI) ist der Vertrauensindikator der privaten Haushalte um satte 8,2 % von 98,3 auf 90,1 % gesunken. Der Indikator war seit November 2020 nicht mehr so niedrig. Die Inflation lag im Jänner bei 3,9 %, also viel höher als erwartet.

Die Wirtschaft in Schweden wird vom Krieg in Ukraine stark beeinflusst. Die Entwicklung in Europa entscheidet über die schwedische Exportindustrie, und da fast drei Viertel der schwedischen Warenexporte nach Europa gehen, ist mit Einbußen zu rechnen. Denn sollte es in wichtigen Exportländer wie z. B. Deutschland zu Produktionsengpässen kommen, würde dies auch erhebliche Auswirkungen auf die schwedische Wirtschaft haben. Preiserhöhungen, eine Schwächung der schwedischen Währung (seit dem 1. November letzten Jahres hat die Krone 7 % ihres Wertes gegenüber dem Euro und 10 %  gegenüber dem Dollar verloren) und steigende Energiepreise führen zu einer großen Unsicherheit bei den Schwed*innen. Trotzdem meinen Wirtschaftsexperten, dass die Wirtschaft leicht wachsen wird.

Preissteigerungen beeinflussen auch Urlaub

Nach zwei Jahren Pandemie ist die Reiselust bei den Schwed*innen groß. Reisen sind wieder uneingeschränkt möglich und es kehrt Reise- und Urlaubsnormalität zurück. Stark nachgefragt sind Sun-and-Beach-Destinationen. Besonders RV der Mittelmeer-Destinationen wie z. B. Ving und TUI melden, dass die Nachfrage für den Sommer größer als das Angebot ist. Die Kriegssituation in der Ukraine hat auch in dieser Zielgruppe zu Verunsicherung geführt, aber es sind bis jetzt keine großen Einbrüche zu verzeichnen. Die Preissteigerungen beeinflussen die Urlaubsstimmung und -planung allerdings. Das Preis-Leistungs-Verhältnis des Urlaubs gewinnt an Bedeutung. Zur Deckelung der Energie- und Kraftstoffpreise hat die schwedische Regierung beschlossen, die Mineralölsteuer auf Benzin und Diesel zu senken. Zudem bekommen alle Haushalte mit einem monatlichen Stromverbrauch von mindestens 2000 kWh einmalig 600 Euro als Entschädigung für die gestiegenen Energiepreise. Die steigenden Benzin- und Flugkosten schmälern das Urlaubsbudget. Weiter relevant bleiben auch flexible Stornobedingungen und Corona-Sicherheitsmaßnahmen. Der Trend zu kurzfristigen Buchungen verstärkt sich weiter.

Outdoor-Urlaub gefragt

Seit der Pandemie steht Outdoor-Urlaub bei den Schwed*innen ganz oben auf der Wunschliste. Vergessen sind die negativen Kommentare über das Thema Impfplicht in Österreich auf Social Media. Die Schwed*innen finden in Österreich alles, was ihnen nach der Pandemie wichtig ist: unberührte Natur, saubere Umgebung, vielfältiges Aktivangebot, Kultur und hervorragende Küche. Auf diesem Gebiet hat sich allerdings Schweden selbst sehr gut profiliert. Skistar ist während der Pandemie der große Gewinner gewesen und hat in den schwedischen Skiorten Sälen, Åre und Vemdalen für Rekordbuchungen gesorgt. Ob die Schwed*innen diesen Sommer wieder ihren Outdoor-Urlaub in Schweden verbringen, hängt in großem Maße von der Entwicklung des Krieges in der Ukraine ab. Der größte Österreich-RV – STS Alpresor – spürt eine gewisse Unsicherheit, denn die Buchungslage für den Sommer liegt bei minus 35 % im Vergleich zu 2019 um diese Zeit.

Fokus auf Natur

Jetzt, da es wieder weniger um Corona und Restriktionen geht, soll der Fokus der Kommunikation auf „Natur pur“, Erholung bei aktiven Outdoor-Erlebnissen, regionale Küche, wohltuende Begegnungen mit Gastgeber*innen, lokale Lebenskultur, Kulturgenuss sowie Authentizität und Auszeit vom Alltag gerichtet werden.