Schweden Tourismusausblick

Schweden: Tourismusausblick

Juli 2021: Angst vor vierter Welle im Herbst – Ressourcen für weitere staatliche Unterstützungen vorhanden – Impfung hat Auswirkung auf Urlaubsplanung – authentisch kommunizieren

Delta-Variante: Empfehlung für Homeoffice verlängert

Bis zum 15. Juli wurden mindestens 9 536 164 Schwed*innen geimpft - 3 716 260 von ihnen haben zwei Dosen erhalten und sind vollständig geimpft (45,4 %). Allerdings fürchtet man eine Verbreitung der Delta-Variante und eine vierte Welle im Herbst. Die schwedische Gesundheitsbehörde „Folkhälsomyndigheten“ verlängert daher die Empfehlung, im Homeoffice zu arbeiten, bis Ende September. Das Pandemiegesetz und der 5-Stufen-Plan zur Wiederöffnung sollen weiterhin bis September gelten, allerdings mit folgenden Lockerungen: Mit 1. Juli 2021 dürfen maximal 50 Personen zu privaten Treffen im Innen- und Außenbereich zusammenkommen und ab 15. Juli wird die Maskenempfehlung im öffentlichen Personennahverkehr sowie die Passagier*innen-Begrenzung im Fernverkehr aufgehoben.

Die Impfbereitschaft der Bevölkerung ist noch sehr hoch und wird auch überall in den Medien gelobt. Auf Social Media wird „Endlich geimpft!“ zum Statement. Die Schwed*innen haben keinen Lockdown wie viele andere Länder mitgemacht, aber die Sehnsucht nach Freiheit ist groß. Die schwedische Reiselust und die Mobilität in der Gesellschaft seien auf dem höchsten Stand seit sechs Monaten, schreibt das „Svenska Dagbladet“. Laut dem neuesten Bericht der Gesundheitsbehörden, der sich auf Daten von Telia und Google stützt, sind die Schwed*innen weniger vorsichtig geworden und bewegen sich trotz Restriktionen und Empfehlungen mehr als vor einem halben Jahr. Man spürt, dass die Freiheit naht.

Dritte Welle bremste wirtschaftliche Erholung

Eine dritte Welle der Infektionsausbreitung und strengere Corona-Restriktionen führten im ersten Quartal zu einer Abbremsung der wirtschaftlichen Erholung und einer Verlangsamung des Wachstums. Das schwedische Konjunkturinstitut KI rechnet mit einer schrittweisen Erholung im zweiten Quartal. Erst im dritten Quartal, wenn fast allen Erwachsenen Impfstoffe angeboten wurden und die Ausbreitung von Infektionen geringer ist, wird mit einer deutlich erhöhten Nachfrage der Haushalte gerechnet. Die Wirtschaft wird sich deutlich verbessern. Trotzdem rechnet das KI mit einer Rezession für das Jahr 2021 und einer Arbeitslosigkeit über 8 %. Trotz der sehr umfangreichen Maßnahmen des Staates bleiben die öffentlichen Finanzen stark. Sollte sich die Wirtschaft schlechter entwickeln als prognostiziert, gibt es noch viel Raum, um die Wirtschaft weiterhin mit öffentlichen Mitteln zu unterstützen. In Schweden herrscht momentan ein Boom am Wohnungsmarkt. Die Nachfrage nach Häusern ist explodiert und hat in den Städten zu Preissteigerungen von bis zu 20 % geführt. Dies hängt mit der Entwicklung der Pandemie und der Homeoffice-Situation zusammen. Da Homeoffice auch zukünftig eine große Bedeutung haben wird, nehmen die Schwed*innen auch in Kauf, weit außerhalb der Städte zu wohnen.

Auslandsurlaub ab August/Spätsommer

Es besteht ein sehr großes Bedürfnis, endlich wieder einen Urlaub außerhalb von Schweden zu verbringen. Man spürt einen großen Optimismus unter den Menschen und sie wollen unbedingt Urlaub machen. Allerdings ergeben viele Umfragen in Medien und Gespräche mit Reiseveranstaltern, dass die Schwed*innen generell diesen Sommer im eigenen Land bleiben. Erst im Spätsommer bzw. August könne man mit mehr Buchungen innerhalb von Europa rechnen, meint z. B. Cecilie Eslander, CEO von Grand Tours. Die meisten Schwed*innen möchten zu Hause bleiben, bis sie sich sicher fühlen. Bis Mitte August 2021 soll auch die schwedische Bevölkerung geimpft sein, und das spielt bei der Urlaubsentscheidung eine große Rolle. Die Entscheidungen werden sehr kurzfristig getroffen, flexible Stornobedingungen sind ein Muss. Aktivurlaub in der Natur steht noch hoch im Kurs, und damit wirbt auch Skistar. Skistar hat im heurigen Sommer eine große Kampagne im eigenen Land gestartet, um den Schwed*innen die bekannten Skistar-Regionen auch im Sommer schmackhaft zu machen.

Reisen bei Stabilität

In Schweden gilt Österreich als die Nummer eins unter den ausländischen Ski- und Winterdestinationen, aber im Sommer sucht die Zielgruppe aktive Erlebnisse. Dies wird auch bei der steigenden Buchungslage in den schwedischen Bergen bemerkbar. Skistar punktet mit aktiven Familienerlebnissen und die Nachfrage ist groß. Bei den potenziellen schwedischen Gästen besteht ein großes Bedürfnis nach Sommerurlaub. Die Zielgruppe verfügt über eine hohe Kaufkraft, unbeeinflusst von der Pandemie. Sie ist es gewohnt, mehrere Reisen pro Jahr zu unternehmen. Österreich bietet alle Faktoren für den perfekten aktiven Sommerurlaub, allerdings verkompliziert die COVID-19-Lage eine Reise nach Österreich (3-G-Regel, Maskenpflicht, Unsicherheit) und viele Schwed*innen bleiben auch diesen Sommer im eigenen Land. Die Schwed*innen schätzen Österreichs intakte Natur und Bergwelt, authentische Gastgeberqualität, moderne Infrastruktur und vor allem die Gemütlichkeit. Daran hat auch die Pandemie nichts geändert.

In Schweden sind die Reiseveranstalter besorgt. Wegen der Quarantänepflicht war es in den letzten Monaten fast unmöglich zu planen und noch schwieriger zu verkaufen. Zumindest ist das die Rückmeldung von mehreren Reiseveranstaltern in Schweden. STS Alpresor merkt jetzt, dass die Lage im Juli besser ist, und bietet Reisen nach Österreich wieder ab Juli an. Das Interesse für Österreich ist groß, aber die Unsicherheit sorgt dafür, dass die Gäste andere Länder buchen (oder in Schweden bleiben). Eine Umfrage in unserer schwedischen Facebook-Gruppe hat ergeben, dass nur 15 % der Mitglieder schon diesen Sommer einen Urlaub in Österreich planen. Die meisten wollen doch bis Herbst/Winter warten. Die schwedischen Reiseveranstalter fokussieren im Sommer auf ihre Kerngeschäftsfelder, was auch mit dem Outdoor-Trend in Schweden gut zusammenpasst. Schwerpunkt bleibt „Wandern in Österreich“ – für Paare, Familien usw.

Laufende Kommunikation über aktuelle Situation

Eine laufende Kommunikation über die aktuelle Situation in Österreich zusammen mit authentischer Kommunikation ist wichtiger denn je. Die schwedischen Gäste wünschen sich einen sicheren und erholsamen Urlaub in Österreich. Allerdings empfinden viele die 3-G-Regel als etwas übertrieben und ungewohnt. Auch die Maskenpflicht ist für viele schwedische Gäste ein No-Go. Neben Corona-Sicherheitsinformationen geht die Kommunikation in Richtung „Natur pur“, Erholung bei aktiven Outdoorerlebnissen, regionale Küche, wohltuende Begegnungen mit Gastgeber*innen, lokale Lebenskultur, Kulturgenuss, Authentizität und Auszeit vom Alltag.