Polen Tourismusausblick

Polen: Tourismusausblick

Juli 2021: Online-Patientenkonto – Wirtschaftsaussichten besser – geringe Arbeitslosigkeit – großer Optimismus zu spüren – Image bleibt gut – Kommunikation der Gratis-Testmöglichkeit

Zuversicht kommt auf

Die Infektionszahlen gehen zurück, immer mehr Menschen sind geimpft und die Leute blicken zuversichtlich in die Zukunft. Es wird zwar von einer vierten Welle im Herbst gesprochen, aber jetzt konzentrieren sich die Menschen auf den Sommer – und der Sommer ist Urlaubszeit. Sie freuen sich auch, wieder ins Ausland reisen zu dürfen. Die Handhabung des „Grünen Passes“ ist ähnlich wie in Österreich. Seit 1. Juni können die Zertifikate über Genesung, Corona-Test sowie Impfung im Online-Patientenkonto heruntergeladen werden. Ein Online-Patientenkonto kann jede*r Bürger*in schnell erstellen, z. B. mithilfe des Bankkontos. Die Gäste haben also Zugriff zum Zertifikat im Online-Patientenkonto (schon jetzt möglich) oder in den Handy-Apps „mObywatel“ („mBürger“) und „mojeIKP“ (in beiden Fällen seit 25. Juni möglich). Der Nachweis kann auch als PDF heruntergeladen und ausgedruckt werden. Wenn man kein Online-Patientenkonto erstellen will, kann man das Zertifikat direkt vom*von der Hausarzt*Hausärztin oder in den Impfzentren bekommen. Der „Grüne Pass“ beinhaltet alle notwendigen Informationen, wie Art und Datum der Impfung, sowie einen QR-Code und eine elektronische Signatur. Die Delta-Variante ist derzeit noch kein großes Thema. Das Gesundheitsministerium hat die Bevölkerung kürzlich darüber informiert, dass es den ersten Fall der Delta-Variante vor ungefähr 1,5 Monaten gab und bis jetzt 77 Fälle entdeckt wurden. Am 23. Juni 2021 wurde in Polen eine Quarantänepflicht für Einreisende aus Großbritannien eingeführt. Die Quarantäne dauert sieben Tage. Damit die Quarantäne aufgehoben wird, muss man nach sieben Tagen einen negativen COVID-19-Test nachweisen. Auf diese Weise soll das Risiko der Übertragung der Delta-Variante reduziert werden. Menschen, die voll immunisiert sind, sind von der Quarantänepflicht ausgenommen.

Wirtschaftswachstum 2021 erwartet

Die polnische Wirtschaft hat die Pandemie im Vergleich zu den anderen EU-Ländern ziemlich gut überstanden. Die Europäische Kommission hat in der letzten Zeit die Prognose für das polnische BIP-Wachstum im Jahr 2021 von 3,1 % auf 4 % erhöht. Außerdem prognostiziert sie auch, dass das polnische BIP im Jahr 2022 um 5,4 % wachsen wird. Nach Angaben von EU-Expert*innen soll sich die Wirtschaft mit der allmählichen Aufhebung der Beschränkungen im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie in den Jahren 2021 und 2022 erholen, unterstützt durch die Verbrauchernachfrage und Zuflüsse aus dem Wiederaufbaufonds. Hohe Ersparnisse der privaten Haushalte und ein steigendes Verbrauchervertrauen dürften den privaten Konsum in den Jahren 2021 und 2022 ankurbeln. Der polnische Arbeitsmarkt hat sich im Jahr 2020 als widerstandsfähig erwiesen, unterstützt durch staatliche Hilfspakete. Es wird erwartet, dass die Unterstützung durch die Regierung bis Ende 2021 fortgesetzt wird, wobei die Nachfrage nach Arbeitskräften steigen wird, sobald die Beschränkungen aufgehoben werden und sich die wirtschaftlichen Bedingungen verbessern. Die Europäische Kommission (EK) prognostiziert, dass im Jahr 2021 die Arbeitslosigkeit in Polen mit 3,5 % die niedrigste unter den EU-Ländern sein wird. Im Jahr 2022 wird die Arbeitslosigkeit in Polen auf 3,3 % sinken und ebenfalls die niedrigste unter den EU-Ländern sein. Nach den Daten des Statistischen Amtes der Europäischen Union lag die Arbeitslosigkeit in Polen im April bei
3,1 % (in Österreich bei 5,6 %). Die Zahl der Arbeitslosen in Polen ist um 10 000 gesunken. Auch die Arbeitslosigkeit bei den unter 25-Jährigen ist rückläufig: In Polen liegt sie bei 12,6 % (in Österreich bei 9,5 %). Die EK schätzt weiterhin, dass die Inflation in Polen im Jahr 2021 3,5 % und im Jahr 2022 2,9 % betragen wird (Quellen: ec.europa.eu, mojafirma.infor.pl, twitter.com, rmf24.pl/ekonomia, ec.europa.eu).

Urlaubssehnsucht wirklich groß

Es besteht ein sehr großes Bedürfnis danach, endlich wieder einen Urlaub außerhalb der Landesgrenzen zu verbringen. Man spürt einen großen Optimismus unter den Menschen und man spürt, dass sie unbedingt Urlaub machen wollen. Zahlreiche Gespräche mit Reiseveranstaltern und OTAs bestätigen dieses Bild. Hotels wurden, sobald positive Zeichen einer Öffnung zu vernehmen waren, rasch gebucht. Als Haupthindernisse für eine Urlaubsreise werden unter den Kund*innen folgende Merkmale gesehen: Testpflicht vor Ort (falls kostenpflichtig und nicht leicht zugänglich); Tests nach der Rückkehr; Tests bei Kindern (Quelle: traveligo.pl). Gemäß Travelplanet (travelplanet.pl) sehen die langen Juniwochen aus touristischer Sicht sehr vielversprechend aus. Die Kund*innen wählten bis jetzt vor allem Destinationen, in denen es keine oder sehr wenig Einschränkungen gab. Zwei Drittel der gebuchten Urlaube bei Travelplanet gingen in die Türkei, nach Griechenland und Ägypten. Von den gleichen Trends berichtet die OTA fly.pl.

Destinationen mit geringen Einschränkungen präferiert

An der Einstellung zu Reisen nach Österreich hat sich nichts geändert – Urlaub in Österreich steht für Qualität. Allerdings werden derzeit eher solche Destinationen gewählt, die weniger Einschränkungen haben.

Großes Potenzial 2021: Autoanreise

Ein großes Potenzial haben alle Destinationen, die man mit dem eigenen Auto erreichen kann. Das Geld ist dabei zweitrangig, wichtiger sind die Sicherheit und die Möglichkeit, bei Notwendigkeit schnell nach Hause zurückkehren zu können. Da in Polen sehr wenig getestet wurde bzw. wird und Tests nicht kostenlos ist, sehen die Pol*innen die Testpflicht in anderen Ländern skeptisch. Wichtig in der Kommunikation ist es daher, die Einfachheit und Schnelligkeit des Testens zu betonen und ebenso, dass es kostenlos angeboten wird. Da die Einschränkungen so lange präsent waren, werden die Leute auch einen Septemberurlaub nutzen wollen, und das trotz der (geringen) Möglichkeit, dass es wieder Einschränkungen geben kann. Hier besteht Potenzial für Familien mit nicht schulpflichtigen Kindern sowie Singles und kinderlose Paare, die verlängerte Wochenende nutzen wollen. Verlängerte Wochenende sind mittlerweile etwas anders zu verstehen als in früheren Jahren – viele Leute arbeiten nach wie vor im Homeoffice, und das können sie auch von woanders als von zu Hause machen.