Niederlande Tourismusausblick

Niederlande: Tourismusausblick

April/Mai 2022: Unsicherheit – steigende Inflation – Reisefreude – Urlaub in den österreichischen Bergen – weiterhin hoher Informationsbedarf

Stimmung aufgrund zurückgehender Infektionszahlen optimistisch

Die durchschnittliche Anzahl der in den Niederlanden positiv auf COVID-19 getesteten Personen fiel nach einem kurzzeitig starken Anstieg wieder auf rund 40 000 und ist damit auf dem niedrigsten Stand seit Anfang März. Die Zahl der in den Krankenhäusern behandelten COVID-19-Patient*innen ist mit 1 973 Personen im Vergleich zum Stand Ende Februar mit 1555 Personen etwas gestiegen, zeigt aber seit Anfang März ebenfalls eine abflachende Tendenz. Die Zahl der Patient*innen auf Intensivstationen blieb in den letzten sechs Wochen unter 200. Der Rückgang der Infektionswelle scheint begonnen zu haben. Auch die Reproduktionszahl, aktuell bei 0,87, ist seit Anfang März wieder gesunken. 62,6 % der Bevölkerung ab 18 Jahren haben bereits eine Auffrischungsimpfung erhalten. Auch junge Menschen im Alter von 12 bis 17 Jahren können in den Niederlanden bereits eine Auffrischungsimpfung bekommen, sofern sie sich dafür entscheiden. Vollständig geimpft sind 84,9 % der über 12-Jährigen. Die niederländische Regierung hebt mit Wirkung ab 23. März die wenigen noch verbleibenden Corona-Maßnahmen auf. Die der MNS-Pflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln (in Flugzeugen und an Flughäfen nach der Security bleibt ein Mund-Nasen-Schutz aufgrund der EU-Verordnung Pflicht) und die Testpflicht bei Indoor-Großveranstaltungen über 500 Personen entfallen. Zudem wird nirgendwo mehr ein Impfnachweis verlangt. Folgende Empfehlungen bleiben: Corona-Grundregeln (Händewaschen, Husten in Armbeuge, bei Beschwerden testen und zu Hause bleiben, Lüften, Auffrischungsimpfungen); MNS in öffentlichen Verkehrsmitteln, wenn Passagier*innen-Aufkommen groß; Tests bei Beschwerden; wenn positiv, mindestens fünf Tage in Selbstisolierung (auch wenn jemand in direkter Umgebung infiziert ist). Für Reisende von innerhalb der EU bzw. des Schengen-Raums sowie Unionsbürger*innen, die aus Ländern außerhalb der EU bzw. des Schengen-Raums in die Niederlande einreisen, entfällt die 3-G-Pflicht. Für Nicht-EU-Bürger*innen gilt nach wie vor grundsätzlich das EU-Einreiseverbot. Die Homeoffice-Empfehlung entfällt ab sofort. Die Regierung fordert Arbeitgeber*innen und Arbeitnehmer*innen jedoch angesichts der positiven Erfahrungen auf, hybrides Arbeiten zu fördern. Die Stimmung in der Gesellschaft ist trotz der noch hohen Infektionszahlen weiterhin optimistisch, vor allem auch aufgrund des vielfach milderen Verlaufs der Infektion und der hohen Impfrate. Hinzu kommt, dass die Infektionszahlen derzeit am Sinken sind und viele Menschen sich durch die derzeit warmen Temperaturen im Freien aufhalten. Die Stimmung gegenüber Österreich war in den vergangenen Wochen und Monaten zum Teil auch kritisch. In zahlreichen Kommentaren in den Medien, auf Social Media und in der Reisebranche wurde Österreich aufgrund der komplexen, kurzfristigen und teils unklaren Regeln kritisiert. Getrübt wird die Stimmung derzeit von der Situation in der Ukraine. Die Regierung spricht von einer ernsthaften Bedrohung der Stabilität in der ganzen Welt, die auch die Sicherheit der Niederlande tangiere.  

Unsicherheit und steigende Energiepreise

Der Krieg in der Ukraine bringt Leid, aber auch Unsicherheit. Die wichtigsten wirtschaftlichen Folgen für die Niederlande sind derzeit höhere Energiepreise. Zurzeit seien alle anderen Auswirkungen, etwa auf Handel, Finanzmärkte und auf Investitionen und Konsum, noch begrenzt, schreibt das niederländische Forschungsinstitut „Netherlands Bureau for Economic Policy Analysis“ (CPB) in ihrem aktuellen Bericht. Der zusätzliche Anstieg der Energiepreise kommt zu einer bereits hohen Inflationsrate hinzu, teilweise als Folge des wirtschaftlichen Schocks der COVID-19-Pandemie. In seinem aktuell veröffentlichten „Central Economic Plan“ (CEP) prognostiziert das CPB eine Inflation von 5,2 % für 2022. Steigende Energiepreise wirken sich auch auf die statistische Kaufkraft aus. In den Basisprojektionen sinkt die Kaufkraft im Jahr 2022 um durchschnittlich 2,7 %, in der hohen Variante um 3,4 % und in der niedrigen Variante um 0,6 %. Die Auswirkungen dieser Energiepreise werden je nach Haushalt vermutlich erheblich variieren. Das CPB prognostiziert darüber hinaus einen weiteren Anstieg der inländischen Produktionsniveaus. Die Wirtschaft soll 2022 um 3,6 % und 2023 um 1,7 % wachsen, wobei Konsum und Exporte die größten Beiträge leisten. Wachstumstreiber in den kommenden Jahren werden auch die Mehrausgaben sein. Das CPB prognostiziert weiter, dass der Arbeitsmarkt voraussichtlich angespannt bleiben wird und die Arbeitslosigkeit nur leicht auf 4,3 % im Jahr 2023 steigt. Dem niederländischen Amt für Statistik (Centraal Bureau voor de Statistiek, CBS) zufolge beläuft sich die Arbeitslosenquote im Februar 2022 auf 3,4 % der Berufsbevölkerung (9,7 Millionen Menschen). Mit 336 000 Arbeitslosen ist der niedrigste Stand seit 2003 erreicht worden. Die weitere Entwicklung des Coronavirus bestimmt das Tempo der Erholung. Laut der derzeit vorliegenden Prognosen wird das Staatsdefizit bis 2030 auf 3,5 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) steigen. Die Kaufkraftentwicklung wird in der laufenden Regierungsperiode (2022–2025) aufgrund steigender Löhne leicht positiv sein. Die Regierung plant bis 2030 die zusätzliche Erzeugung von 10,7 Gigawatt Windkraft mit diversen Windanlagen im nördlichen und nordwestlichen Teil der Nordsee. Die anvisierte Kapazität der Windparks ist zweimal so groß wie der derzeitige Gesamtstromverbrauch aller niederländischen Haushalte und würde eine Verdoppelung von Windkraft als Energieträger auf etwa 21 Gigawatt bedeuten. 2030 sollte die Windenergie die wichtigste Quelle für Stromerzeugung in den Niederlanden sein.  

Positive Stimmung mit Einschränkung aufgrund der Situation in der Ukraine

Nach zwei Jahren Pandemie ist die Reiselust bei den Niederländer*innen groß. Reisen sind wieder uneingeschränkt möglich und es kehrt Reise- und Urlaubsnormalität zurück. Stark nachgefragt sind Sun-and-Beach-Destinationen, insbesondere die Mittelmeer-Destinationen. Aber auch Urlaub in Österreich weist eine gute und solide Nachfrage auf. Österreich punktet mit seinen Stärken als Berg- und Naturdestination, als Autoreisedestination, mit der Qualität des Angebots und der Gastgeber*innen-Qualität. Die Kriegssituation in der Ukraine sorgt auch beim niederländischen Reisepublikum für Verunsicherung. Zu Beginn des Krieges ist die Buchungsdynamik zurückgegangen, es sind aber keine großen Einbrüche zu verzeichnen. Die Preissteigerungen beeinflussen allerdings die Urlaubsstimmung und -planung. Das Preis-Leistungs-Verhältnis des Urlaubs gewinnt an Bedeutung. Mehr als 80 % der niederländischen Gäste reisen mit dem Auto nach Österreich. Zur Deckelung der Energie- und Kraftstoffpreise hat die niederländische Regierung beschlossen, die Mineralölsteuer auf Benzin und Diesel und die Umsatzsteuer auf Strom und Gas zu senken. Einkommensschwache Haushalte bekommen zudem 800 Euro als Entschädigung für die gestiegenen Energiepreise. Die steigenden Benzinkosten schmälern das Urlaubsbudget. Weiter relevant bleiben auch flexible Stornobedingungen und Corona-Sicherheitsmaßnahmen. Der Trend zu kurzfristigen Buchungen verstärkt sich weiter. Laut dem „ANVR/GFK Booking Monitor“ des niederländischen Verbands der Reiseunternehmen, im Rahmen dessen jeden Monat etwa 50 000 Menschen befragt werden, ist die Zahl der getätigten Buchungen im Februar 2022 stark gestiegen und lag sogar noch höher als im Februar 2019. Das Wachstum ist besonders in südlichen Destinationen wie Griechenland, Italien, Portugal und Spanien sichtbar. Dies deutet auf einen Nachholbedarf nach dem Herunterfahren der Corona-Maßnahmen in der zweiten Jännerhälfte hin. Im Februar wurden nicht nur viel mehr Buchungen getätigt als im Februar 2021, sondern auch mehr als im Februar 2020 und im Februar 2019. Die möglichen Folgen des Krieges in der Ukraine spielen in den Februarzahlen praktisch keine Rolle. Dank der von den Niederlanden und anderen EU-Mitgliedstaaten eingeführten Lockerungen verzeichnet KLM eine steigende Nachfrage nach Flugreisen. In diesem Sommer wurde die Kapazität in Europa damit um 10 % gegenüber dem Vorjahr ausgebaut und KLM ist fast wieder auf dem Niveau von 2019. Darüber hinaus erwartet KLM die weitere Rückkehr der Geschäftsreisenden durch das Wachstum auf verschiedenen britischen, deutschen und polnischen Strecken. Aufgrund des steigenden Buchungstrends hat KLM auch die Kapazität im Interkontinentalnetz im Vergleich zum Vorjahr um 17 % ausgebaut. Seit der Wiedereröffnung der USA im November 2021 ist die Flugnachfrage gewachsen. Die Kapazität in den Vereinigten Staaten wird in diesem Sommer auf dem Niveau von 2019 liegen. Obwohl die Reisebeschränkungen für viele Länder in Asien noch vorhanden sind, wird für den nächsten Sommer eine Belebung der Nachfrage nach Reisezielen wie den Philippinen, Thailand, Singapur und Bali beobachtet.

Flexible Stornobedingungen weiterhin nötig

Ein großes Thema sind weiterhin Stornobedingungen. Um Planungs- und vor allem finanzielle Sicherheit zu haben, stehen flexible, großzügige und kulante Stornobedingungen an oberster Stelle der Konsument*innen-Wunschliste. Die meisten Reiseveranstalter bieten sehr flexible und kulante Storno- bzw. Umbuchungsbedingungen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis wird noch wichtiger, wobei die Qualitätsansprüche gleichbleibend hoch sind.

Das Interesse an Österreich-Reisen ist wieder groß

Eine Umfrage, die von 25. Februar bis 16. März 2022 von der „Spalder Media Group“ auf der Bergplattform Indebergen.nl (n = 1000; davon 80 % Niederländer*innen) in den Niederlanden und in Belgien (Flandern) durchgeführt wurde, ergab folgendes Stimmungsbild: Viele potenzielle Bergurlauber*innen in den Niederlanden und in Belgien sind noch zu erreichen. Über die Hälfte der Befragten (54 %) hat ihren Bergurlaub für dieses Jahr bereits gebucht. Von denjenigen, die den Bergurlaub noch nicht gebucht haben (46 %), geben 70 % an, dieses Jahr sicher noch einen Bergurlaub zu buchen. 22 % wissen es noch nicht. Drei Viertel der Befragten informieren sich derzeit über ihre(n) nächsten Bergurlaub(e). Kurzfristige Buchungen nehmen zu: Die Corona-Krise hat eine deutliche Verlagerung hin zu Last-Minute-Buchungen gebracht. 23 % buchen weniger als einen Monat vor der Abreise. Die Hälfte der Reisenden bucht jedoch drei bis acht Monate vor der Abreise. Bergurlaub bedeutet „langer Urlaub“: Über 90 % machen länger als eine Woche Urlaub in den Bergen. Beinahe die Hälfte der Befragten verbringt mehr als zwölf Tage im Bergurlaub. Nahezu 70 % der Befragten geben an, einmal im Jahr Urlaub in den Bergen zu machen. Fast ein Fünftel macht zweimal im Jahr Bergurlaub. Österreich ist mit Abstand das beliebteste Land für Urlaub in den Bergen: 42 % der Befragten wollen in dieser Sommersaison nach Österreich, 14 % nach Italien und 11 % entscheiden sich für die Schweiz. 9 % wollen nach Deutschland und 6 % nach Frankreich in den Bergurlaub. 4 % haben sich noch nicht entschieden. Unterkunft und Aktivitäten in der Destination sind sehr wichtig: Fast drei Viertel der Befragten halten die Unterkunft bei der Buchung eines Bergurlaubs für sehr wichtig. 31 % der Befragten wählen eine Ferienwohnung für einen Bergurlaub, 23 % bevorzugen ein Hotel, 16 % mieten ein Chalet oder Ferienhaus.

Auch Camping ist bei niederländischen und belgischen Gästen wie erwartet beliebt: Fast ein Fünftel geht campen. Für mehr als die Hälfte der Befragten sind die Aktivitäten, die in der Region unternommen werden können, sehr wichtig. Die wichtigste Aktivität während eines Bergurlaubs der Niederländer*innen und Belgier*innen ist das Wandern, 24 % geben diese Aktivität an. Darüber hinaus sind Sightseeing und Entspannung wichtige Bestandteile des Urlaubs. Mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer*innen bewerten den Preis nicht als das Wichtigste oder sie sind in dieser Hinsicht neutral. Österreich punktet weiterhin als sicheres, bekanntes und vertrautes Urlaubsland mit intakter sowie spektakulärer Natur, Berg- und Naturlandschaft. Wichtig für den niederländischen Gast bleiben Gemeinschaftserlebnisse. Gemeinsam Zeit zu verbringen ist weiterhin eine wichtige Motivation für Urlaub in Österreich, sei es mit der Familie, im Familienverband, in einer Mehrgenerationen-Konstellation oder mit Freund*innen. Zusätzlich ist die Erdgebundenheit ein erwähnenswerter Vorteil für Österreich, und zwar in puncto Flexibilität, Einfachheit und kurzfristiger Erreichbarkeit. Bezogen auf die Art der Anreise liegt die Autoanreise in der Wintersaison bei rund 88 %.

Laufende Kommunikation über aktuelle Situation

Eine laufende Kommunikation über die aktuelle Situation in den Destinationen und eine tagesaktuelle Informationsweitergabe an die Reisebranche und Gäste sind zusammen mit authentischer Kommunikation wichtiger denn je. Vertrauen und Zuversicht zu schaffen, Gesundheit, Hygiene und Sicherheit (Aufstellen und Kommunizieren von klaren Regeln) sowie Flexibilität zu zeigen, sind weiterhin Aspekte, die in der Kommunikation einen wichtigen Stellenwert einnehmen, da sie auch als Auswahlkriterien bei der Suche nach der richtigen Feriendestination eine bedeutende Rolle spielen. Die niederländischen Gäste wünschen sich einen sicheren und erholsamen Urlaub in Österreich. Es besteht eine große Erwartungshaltung, dass die derzeit noch bestehenden Maßnahmen hinsichtlich der Sicherheitsvorschriften klar und eindeutig kommuniziert werden. Hier besteht bei allen Gästen, auch bei den Stammgästen, ein hoher Informationsbedarf.