Niederlande Tourismusausblick

Niederlande: Tourismusausblick

Nov./Dez. 2021: getrübte Stimmung – wirtschaftliche Erholung mit Unsicherheiten – Impfbereitschaft bei 90 % – Verunsicherung während der Buchungsphase – neue Verkehrsverbindungen – Tests in den NL nicht mehr gratis – hoher Informationsbedarf

Getrübte Stimmung aufgrund steigender Neuinfektionen und Teil-Lockdown

Die Anzahl der in den Niederlanden positiv auf COVID-19 getesteten Personen steigt stark an. In der Woche von 2. bis 9. November 2021 lag die Zahl der Neuinfektionen bei 76 790 (+45 % im Vergleich zur Vorwoche) und die Sieben-Tage-Inzidenz bei 439. Nur im Dezember 2020 war diese höher. Auch die Krankenhauseinweisungen sind in der zweiten Novemberwoche um 18 % auf 1137 gestiegen, die Zahl der COVID-19-Patient*innen auf Intensivstationen um 40 %. Die Impfstrategie läuft jedoch weiterhin sehr gut. Bei Betrachtung der Altersgruppen haben bis einschließlich 14. November 2021 in den Niederlanden 87,9 % aller Menschen über 18 Jahre eine Erstimpfung erhalten und 84,4 % sind vollständig geimpft. Betrachtet man alle Personen über zwölf Jahre, haben 85,9 % eine Erstimpfung erhalten und 82,4 % sind vollständig geimpft. Die Impfbereitschaft liegt nach wie vor bei rund 91 %. Die Booster-Impfungen in den Niederlanden starten jetzt auch etwas früher als ursprünglich geplant. In den Niederlanden erhalten seit 19. November ältere Menschen über 80 Jahre, ausgewählte Beschäftigte im Gesundheitswesen und Menschen mit einem schlechteren Gesundheitszustand eine Booster-Impfung. Ab Jänner folgen Auffrischimpfungen für Menschen über 60. Menschen unter 60, die eine Auffrischimpfung wünschen, sollen nach den ältesten und am stärksten gefährdeten Personen an die Reihe kommen, also nach derzeitiger Planung frühestens im Februar.

Teil-Lockdown in den Niederlanden: Mit 8. und 13. November wurden auch in den Niederlanden wieder verschärfte Corona-Maßnahmen eingeführt. Dazu zählen unter anderem die Abstandsregel von eineinhalb Metern, der Mund-Nasen-Schutz in öffentlich zugänglichen Innenräumen, die Ausweitung der 3-G-Zugangsvoraussetzungen, die Empfehlung fürs Homeoffice sowie die Schließungen der Gastronomie; Supermärkte und andere Lebensmittelgeschäfte schließen zwischen 20 und 6 Uhr. Die übrigen Geschäfte schließen zwischen 18 und 6 Uhr. Auch Veranstaltungen, Weihnachtsmärkte, Konferenzen und Messen müssen um 18 Uhr schließen. Die Stimmung in der Gesellschaft ist getrübt. Die Einführung der 2-G-Regel in Österreich und vor allem die in Österreich erforderliche Booster-Impfung für alle mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson (Janssen) Geimpften ab dem 3. Jänner haben in den Niederlanden zu einer intensiven, meist negativen Berichterstattung in zahlreichen namhaften Medien und auf den Social-Media-Kanälen geführt. Im Fokus steht die Befürchtung, dass Wintersporturlaub in Österreich abgesagt werden muss, weil entweder Gäste die 2-G-Regel nicht erfüllen, die Janssen-Impfungen per 3. Jänner ihre Gültigkeit verlieren oder aber weil die Gültigkeit der anderen Impfungen nach neun Monaten abläuft. Da der Farbcode für Österreich nach wie vor gelb ist, ist bei der Rückkehr von Österreich in die Niederlande weiterhin keine (Heim-)Quarantäne anzutreten.

Starke Erholung der niederländischen Wirtschaft, aber Unsicherheit bleibt

Die Wirtschaft hat sich in den letzten Monaten rasch erholt. Aber eine gewisse Unsicherheit im Zusammenhang mit der Entwicklung des Coronavirus bleibt. Vor allem, da jetzt die Zahlen der Neuinfizierten stark am Steigen ist. Unter der Annahme, dass keine groß angelegten neuen Kontaktbeschränkungen erforderlich sind, erwartet das niederländische Forschungsinstitut „Netherlands Bureau for Economic Policy Analysis“ (CPB), dass die Wirtschaft 2021 voraussichtlich um fast 4 % wachsen wird, gefolgt von einem Wachstum von 3,5 % im Jahr 2022. Die Arbeitslosigkeit wird leicht auf 3,5 % im Jahr 2022 steigen.

Die weitere Entwicklung des Coronavirus bestimmt das Tempo der Erholung. In einem Szenario, in dem eine erneute Sperrung erforderlich ist, würde das BIP-Wachstum 2021 und 2022 kumuliert um etwa 2 Prozentpunkte niedriger ausfallen. Die Wirtschaftswachstumszahlen in den Basisprognosen des CPB liegen etwas höher als diejenigen, die im August veröffentlicht wurden. Die Differenz ist auf die Budgetbeschlüsse einschließlich der zusätzlichen Ausgaben für Gesundheit und Sicherheit zurückzuführen, die in die aktuellen Prognosen eingeflossen sind. Infolgedessen wird das öffentliche Defizit im Jahr 2022 um rund 4 Milliarden Euro höher sein und 2,3 % des BIP betragen. Der mittelfristige Ausblick zeigt, dass das Haushaltsdefizit bei unveränderter Politik bis 2025 schrittweise auf etwa -1 % des BIP sinken wird. Dies geht aus dem kürzlich veröffentlichten „Macro Economic Outlook 2022“ hervor, der auch eine Aktualisierung der mittelfristigen Prognosen bis 2025 enthält. Aktuelle Zahlen des „Centraal Bureau voor de Statistiek“ (CBS) zeigen, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal 2021 im Vergleich zum Vorquartal um 3,1 % gewachsen ist. Das Wachstum ist hauptsächlich auf einen Anstieg des privaten Konsums und der Handelsbilanz zurückzuführen. Exporte und Importe von Waren und Dienstleistungen stiegen um 4 % bzw. 2,6 %. Die Investitionen gingen jedoch um 1,8 % zurück.  

Besorgte Stimmung für die kommende Wintersaison 2021/2022

Nach der Wiedereinführung eines Teil-Lockdowns in den Niederlanden aufgrund steigender Neuinfizierten-Zahlen und eines Lockdowns in Österreich mit einer 2-G-Regel und weiteren zusätzlicher Maßnahmen ist die Stimmung für die Wintersaison 2021/2022 besorgt und führt zu einer großen Verunsicherung bei den Niederländer*innen. Die Nachfrage nach Wintersport und die Buchungszahlen bei Reiseveranstaltern für Wintersportdestinationen waren in den letzten Wochen hervorragend. Neue, strengere Regeln in Österreich führten jedoch mittlerweile zu Stornos und Umbuchungen bei den Reiseveranstaltern. Große Reiseveranstalter bieten ihren Kund*innen eine kostenlose Umbuchung auf andere Destinationen an. Zahlreiche Reiseveranstalter merken an, dass der Zeitpunkt der Verunsicherung äußerst kritisch sei, da jetzt Buchungsphase bei ihren Kund*innen sei. Die Buchungen für Österreich sind bei den Reiseveranstaltern in den letzten Tagen sehr zurückhaltend. Zu berücksichtigen ist dabei, dass das Wintergeschäft nach Österreich über Reiseveranstalter bei etwa 35 % liegt. Der verbleibende Prozentsatz am Wintergeschäft nach Österreich erfolgt über Direktbuchungen.

Flexible Stornobedingungen nötig

Ein großes Thema sind weiterhin Stornobedingungen: Um Planungs- und vor allem finanzielle Sicherheit zu haben, stehen flexible, großzügige und kulante Stornobedingungen an oberster Stelle der Konsument*innen-Wunschliste. Die meisten Reiseveranstalter bieten sehr flexible und kulante Storno- bzw. Umbuchungsbedingungen und reagieren mit Geld-zurück-Garantien im Falle von COVID-19-bezogenen Änderungen bei Reisewarnungen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis wird noch wichtiger, wobei die Qualitätsansprüche gleichbleibend hoch sind.

Neue Verkehrsverbindungen

EasyJet fliegt ab 5. Dezember 2021 von Amsterdam nach Innsbruck. Transavia fliegt seit Sommer ganzjährig von Amsterdam nach Salzburg und der ÖBB-Nightjet fährt seit Mai 2021 von Amsterdam nach Innsbruck/Wien.

Große Verunsicherung bei niederländischen Gästen

Die Verkürzung der Gültigkeit des Impfnachweises und die Beschränkung der Gültigkeit der Impfung mit dem Vakzin von Johnson & Johnson (Janssen) bis 3. Jänner 2021 durch die österreichische Bundesregierung beschäftigt die Niederländer*innen sehr. Dementsprechend stark ist der mediale Niederschlag. Die Verunsicherung ist groß und die Kommentare in den Medien und auf Social-Media-Kanälen sind negativ. Da viele Niederländer*innen mit Janssen geimpft wurden und Booster-Impfungen noch nicht geplant sind, befürchten viele Menschen, dass sie ihren Skiurlaub absagen müssen. Umbuchungen auf andere Destinationen werden den Kund*innen von den Reiseveranstaltern (RV) bereits aktiv angeboten und auch durchgeführt (vor allem nach Frankreich und Italien). RV melden des Weiteren, dass die Buchungen für Österreich in den letzten Tagen zurückhaltend sind. Rund 850 000 Menschen (darunter viele Jugendliche) sind mit Janssen geimpft; für ca. 2,5 Millionen Niederländer*innen endet die in Österreich geltende neunmonatige Gültigkeitsdauer Mitte/Ende Februar. Das ist die Zeit der Krokusferien, also die Hauptreisezeit für Winterurlaub. Hochrangige Vertreter*innen der Reisebranche kritisieren die österreichischen Maßnahmen aufs Schärfste und rufen gleichzeitig die niederländische Regierung dazu auf, möglichst bald Booster-Impfungen für alle zu ermöglichen. Die niederländische Reisebranche fordert eine europaweite Abstimmung der Maßnahmen. Die 2-G-Regel für Wintergäste in Österreich könnte für Familien mit Kindern in dieser Altersgruppe hinderlich sein. Es ist allerdings davon auszugehen, dass sich Familien, die mit Reiseteilnehmer*innen in der Altersgruppe zwischen 12 und 17 Jahren auf Wintersporturlaub fahren wollen, im hohen Maße (nochmals) impfen lassen. Das Impfangebot ist da. Auslandsreisende, die nicht vollständig geimpft sind, haben seit dem 1. Oktober 2021 keine Möglichkeit mehr auf kostenlose Coronavirus-Tests. Die Tests waren in den Sommermonaten kostenlos, um die Urlauber*innen finanziell zu entlasten. Reisende müssen sich nun an kommerzielle Anbieter wenden.

Österreich punktet jedoch weiterhin als sicheres, bekanntes und vertrautes Urlaubsland mit intakter sowie spektakulärer Natur, Berg- und Naturlandschaft. Wichtig für den niederländischen Gast bleiben Gemeinschaftserlebnisse. Gemeinsam Zeit zu verbringen ist weiterhin eine wichtige Motivation für Urlaub in Österreich, sei es mit der Familie, im Familienverband, in einer Mehrgenerationen-Konstellation oder mit Freund*innen. Zusätzlich ist die Erdgebundenheit ein erwähnenswerter Vorteil für Österreich, und zwar in puncto Flexibilität, Einfachheit und kurzfristiger Erreichbarkeit. Bezogen auf die Art der Anreise liegt die Autoanreise in der Wintersaison bei rund 88 %.

Laufende Kommunikation über aktuelle Situation

Eine laufende Kommunikation über die aktuelle Situation in den Destinationen und eine tagesaktuelle Informationsweitergabe an die Reisebranche und Gäste sind zusammen mit authentischer Kommunikation wichtiger denn je. Vertrauen und Zuversicht zu schaffen, Gesundheit, Hygiene und Sicherheit (Aufstellen und Kommunizieren von klaren Regeln) sowie Flexibilität zu zeigen sind weiterhin Aspekte, die in der Kommunikation einen wichtigen Stellenwert einnehmen, da sie auch als Auswahlkriterien bei der Suche nach der richtigen Feriendestination eine bedeutende Rolle spielen. Die niederländischen Gäste wünschen sich einen sicheren und erholsamen Urlaub in Österreich. Es besteht eine große Erwartungshaltung, dass die Einschränkungen bzw. Maßnahmen hinsichtlich der Sicherheitsvorschriften und Gesundheitsprotokolle klar und eindeutig kommuniziert werden. Hier besteht bei allen Gästen, auch bei den Stammgästen, ein hoher Informationsbedarf. Insbesondere auch im Hinblick auf die kommende Wintersaison erwarten sich die Konsument*innen weiterhin eine klare Auskunft, wie ein Wintersporturlaub aussehen wird. In der Bildsprache sollten keine Bilder eingesetzt werden, die viele Menschen ohne Sicherheitsabstand zeigen.