Italien Tourismusausblick

Italien: Tourismusausblick

April/Mai 2022: gestaffelte Rücknahme der Maßnahmen – Inflation beunruhigt Menschen – starke Konkurrenz – ökologischer Aspekt wird wichtiger – Italiener*innen schon empfänglich für Sommerangebote

Fast alle Italiener*innen geschützt: Maßnahmen fallen nach und nach weg

Der Frühlingsbeginn und Temperaturen über 20 Grad treiben die Menschen ins Freie. In Restaurants, Bars, aber auch in den Geschäften und Einkaufsstraßen herrscht wieder reges Treiben. Die Zahl der Neuinfektionen ist in den letzten beiden Wochen auf knapp 80 000 täglich angestiegen. Die Belegung der Intensivbetten steigt jedoch nur mäßig. Die Regierung hat das Auslaufen des Notstandes am 31. März sowie die Aufhebung eines Großteils der Restriktionen ab 1. April verkündet. Es ist kein 2-G-Nachweis beim Eintritt in Restaurants, Bars, Fitnessstudios und Schwimmbäder mehr notwendig – vorausgesetzt, die eben genannten Aktivitäten befinden sich im Freien. Ebenso fällt die 2-G-Pflicht für Hotels und den lokalen Nahverkehr sowie die FFP-2 Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln (inkl. Flugzeug und Zug). Diskotheken werden mit voller Kapazitätsauslastung öffnen dürfen. Am 1. Mai wird die Green-Pass-Pflicht auch in geschlossenen Bereichen (Bars, Restaurants, Kinos, Theater, Sportveranstaltungen etc.) fallen. Am 15. Juni läuft die Impfpflicht für über 50-Jährige aus. Des Weiteren hat die Regierung die Ausnahmeregeln fürs Homeoffice bis Ende Juni dieses Jahres verlängert. Ein weiteres Dekret sieht zusätzliche Kapazitäten für die Aufnahme von 75 000 Flüchtlingen aus der Ukraine vor. Damit soll die Versorgung von vorerst 91 500 projektierten Migrant*innen sichergestellt werden. Die Regionen und Gemeinden erhalten finanzielle Mittel in Höhe von 428 Millionen Euro. Laut dem italienischen Innenministerium sind bisher 66 000 Flüchtlinge aus der Ukraine in Italien angekommen.

Wirtschaft und Konsum ziehen an

Eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsunternehmens Ipsos zeigt, dass die Ängste weiter abnehmen: Die Italiener*innen beginnen, sich eine Zukunft vorzustellen, in der die Sorge um COVID-19 nicht mehr so groß ist. Für fast jede*n zweite*n Italiener*in ist das Schlimmste der Krise überstanden. Die Zahl derjenigen, die sich durch die wirtschaftlichen Risiken der Pandemie stärker bedroht fühlen (38 %, +8 %) als durch die gesundheitlichen Risiken für sich selbst oder ihre Familien (47 %, -10 %) ist deutlich gestiegen. Die Mehrheit der Italiener*innen macht sich Sorgen über die stark gestiegenen Preise für Strom und Gas sowie Konsumgüter. Die Verfügbarkeit von Grundnahrungsmitteln – speziell von Getreide – bereitet den Italiener*Innen ebenso Sorgen wie die steigende Inflation, die mit 4,9 % einen Höchststand erreicht hat. Aus diesem Grund hat die Regierung bereits eine Preisbremse für Energiepreise verabschiedet. Nachdem die Sparquote in den letzten zwei Jahren mit über 6 % merklich gestiegen ist, werden keine unmittelbaren Auswirkungen erwartet. Im Gegenteil, Nachholeffekte im Konsum werden erwartet. Trotzdem agieren die Menschen vorsichtig und planen, ihre täglichen Ausgaben zu senken. Etwa ein*e von zwei Italiener*innen sieht negative Szenarien, was die wirtschaftliche Situation ihrer*seiner Familie und die Höhe der eigenen Ersparnisse betrifft, voraus.

Reisen werden ersehnt

80 % der Italiener*innen wollen wieder verreisen. 60 % wollen unbedingt wieder zu ihren Reisegewohnheiten vor der Pandemie zurückzukehren und die Anzahl der Reisen in diesem Jahr erhöhen. 74
% werden sich für Destinationen entscheiden, in denen Nachhaltigkeit großgeschrieben wird. Die Zahl der Buchungen von Ferienhäusern für dieses Frühjahr ist bereits sehr hoch. Dies wird trotz merklich höherer Preise die bevorzugte Unterkunftsform von Italiener*innen und ausländischen Tourist*innen für den Sommer sein. Über alle Sektoren hinweg ortet der Branchenverband der Hotellerie Preissteigerungen in Italien von etwa 12 % im Vergleich zum Vorjahr. Die Osterferien gelten als allgemeiner Gradmesser für die Reisestimmung im Land. Die Indikatoren dafür sind sehr positiv. Viele Menschen haben noch Reisegutscheine oder offene Flugtickets, von während der Pandemie verschobenen Reisen. Zudem besteht großer Nachholbedarf. Die werbliche Präsenz von in- und ausländischen Urlaubsdestinationen ist bereits sehr augenscheinlich. Großbritannien, Spanien, Kroatien, aber auch Frankreich, Slowenien und Marokko sind aktuell mit großen Kampagnen am Markt.

Langsame Änderung der Reisegewohnheiten

Die Ergebnisse der „EY Future Travel Behavior Observatory“ zeigen, dass sich die Gewohnheiten der Reisenden ändern. Beschleunigt durch die Auswirkungen der Pandemie und angetrieben durch neue Faktoren, bei denen die ökologische Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle bei der Reiseentscheidung spielt: Zwei von drei italienischen Reisenden sind über die ökologischen Folgen des Verkehrs besorgt und wären bereit, einen Aufpreis zu zahlen, um die CO2-Emissionen der Reise zu begrenzen.

Vorteile für Inlands- und Nahdestinationen in Europa und für die Eigenanreise

Die allgemeine Situation wird auch aufgrund des Ukraine-Krieges als volatil empfunden. Jüngere Reisende haben weniger Vorbehalte gegenüber Flugreisen. Ältere bevorzugen den Pkw als Verkehrsmittel, auch um flexibler zu sein. Reiseveranstalter wie „Austria Vacanze“ und der Radreiseveranstalter Girolibero, aber auch der österreichische Urlaubsspezialist „L'Austria per l'Italia“ melden ein deutlich gestiegenes Interesse und konkrete Anfragen nach Sommerurlaub. Erfreulich ist, dass auch die Nachfrage nach Gruppen- und Busreisen wieder anzieht. Nachfragewirksam ist auch die Feiertagslage im April und Mai, die die Möglichkeit zur verlängerten Wochenenden bieten. Nahezu 70 % der Italiener*innen sind „geboostert“. Ab Sommer soll dann vorerst den über 70-Jährigen eine vierte Impfung angeboten werden. Das Maskentragen gehört in Italien zum Alltag. Trotzdem werden die aktuell hohen Infektionszahlen in Österreich auch in Italien registriert. In Erinnerung geblieben ist auch, dass Österreich beim ersten Lockdown, obwohl die Menschen selbst nicht ihre Provinzen verlassen durften, eine Grenzschließung angekündigt hat. Dies wurde als sehr unsolidarisch empfunden.

Kommunikation

Österreich gilt als preislich attraktive Kultur- und Erholungsdestination mit hoher Service- und Lebensqualität, in der Versprechen eingehalten werden und alles perfekt funktioniert. Die Nachfrage nach Sommerurlaub in den Bergen nimmt generell zu, vor allem aber bei Familien. Italiener*innen lieben es, wenn sie quasi einen „Deal“ oder eine Gratis-Leistung (z. B. ein Zimmer-Upgrade) offeriert bekommen. Stark ist die Nachfrage nach Kurzurlauben in Städte-, Wellness-, Kulinarik- und Event-Destinationen. Zudem wird das hochwertige Kulinarikangebot Österreichs geschätzt. Ausgiebig und lang zu essen ist ein wesentlicher Teil der Lebens- und Urlaubsqualität. Ebenso sollte in der Kommunikation auf die geografische Nähe und die dadurch einfache Erreichbarkeit Bezug genommen werden. Im Frühling und Sommer ist auch die Wiederentdeckung von authentischen Dörfern, unberührten Landschaften und Bergwelten en vogue. Dies vermittelt ein Gefühl von Raum und Freiheit. Im Inland führt die Toskana mit 44 % Anteil an den Gesamtbuchungen für das nächste halbe Jahr das Ranking an. Es folgen die Marken, das Seengebiet und in geringerem Maße Umbrien, das Trentino und die Emilia-Romagna. Das ist ein Signal dafür, dass die Italiener*innen Interesse an Wein- und Essenserlebnissen, Besuchen in alten Dörfern und Ausflügen an den See und in die Berge haben, um das milde Klima zu genießen. Ein Aufenthalt, der sich auf besondere, eng mit dem Gebiet verbundene Erlebnisse konzentriert.