Italien Tourismusausblick

Italien: Tourismusausblick

Nov./Dez. 2021: Verschärfung der Strafen – kräftiges Wirtschaftswachstum – Auslandskurzreisen – Südtirol: Investitionen in Liftanlagen – Weihnachtsmärkte – Natur- und Kulinarikangebote

Impfzertifikat für fast alle Bereiche nötig

Dank der hohen Impfquote und dadurch, dass die Italiener*innen die Maske gern tragen, zählt Italien, abgesehen von einigen Provinzen wie Triest und Südtirol, heute zu jenen wenigen Ländern Europas, die beruhigende Corona-Zahlen aufweisen. Südtirol hat die geringste Impfquote Italiens. Um die Virusausbreitung weiter einzudämmen, wurde bereits großflächig mit der Verabreichung der dritten Dosis gestartet. Mehr als zwei Millionen Menschen haben bereits die dritte Dosis erhalten. Anfang Oktober waren 83,92 % der Bevölkerung vollständig geimpft. Die Belegung der Intensivstationen bleibt mit etwas über 400 Patient*innen stabil.

Seit 6. August 2021 ist der Green Pass für den Zutritt zu Konzerten, Kongressen und Events, Museen, Schwimmbädern, Fitnessclubs und zur Gastronomie für Gäste über zwölf Jahre verpflichtend. Nach anfänglichen Protesten funktioniert dies mittlerweile gut. Seit 1. September 2021 gilt die 3-G-Regel auch in Fernzügen, auf Inlandsflügen, bei längeren Fahrverbindungen sowie bei Krankenhaus- und Altersheimbesuchen. Als erstes Land in Europa schreibt Italien künftig allen Beschäftigten im privaten und öffentlichen Bereich Impfungen oder negative Corona-Tests vor. Wer kein Zertifikat vorweisen kann, darf seit 15. Oktober nicht mehr in Büros, Behörden und Geschäften arbeiten oder die Gastronomie besuchen. Dafür sperren die Discos auf und es gibt wieder Vollbelegung in Theatern, Kinos und bei Kulturveranstaltungen. Diese neuen Regeln gelten seit dem 15. Oktober ausschließlich in „weißen Zonen“. Aktuell (12.11.) sind noch alle Regionen Italiens als weiße Zonen eingestuft, einige (Südtirol, Friaul, Veneto) stehen jedoch an der Schwelle zur „gelben Zone“. Ferner hat die Regierung die Strafen bei Verstößen verschärft. Das Sicherheitskonzept für die Wintersaison wurde vom Parlament genehmigt, womit feststeht, dass es wieder eine Wintersaison mit Skisport geben wird. Die Skisaison mit Green Pass ist gestartet.

Italien erreicht 2021 höheres BIP-Wachstum als erwartet 

Italien erwartet 2022 ein BIP-Wachstum von mehr als 6 % und Beschäftigungszahlen über dem Vor-Corona-Niveau. Das Wirtschaftswachstum in Italien wird weit über dem EU-Durchschnitt bleiben; die Tendenz setzt sich fort. Italien wird 2021 ein BIP-Wachstum von über 6 % erreichen – das sind 1,5 % mehr, als für das Jahr prognostiziert wurden. Laut dem nationalen Statistikinstitut ISTAT befindet sich das Verbrauchervertrauen auf einem Rekordniveau. Italien wird seit 1. Oktober 2021 mit starken Tariferhöhungen bei Strom und Gas konfrontiert. Wie die italienische Regulierungsbehörde für Energie, Netze und Umwelt (ARERA) mitteilte, ist eine Preiserhöhung von 29,8 % für Strom und 14,4 % für Gas festgelegt worden. Grund für die massiven Erhöhungen sind die außergewöhnlich hohen Rohstoffpreise. Aufgrund eines Dringlichkeitserlasses der Regierung konnte ARERA eingreifen, indem die Netzentgelte aufgehoben wurden und die Sozialprämie für wirtschaftsschwächere Haushalte, insbesondere Familien, erhöht wurde.

Ministerpräsident Draghi hat verkündet, dass sich Rom um die Austragung der Expo 2030 bewerben wird.

Kurzurlaube in Auslandsdestinationen im Aufwind

Die Zahl der möglichen Reisedestinationen hält sich in Grenzen (Europa). Es ist aber auch wieder möglich, in die USA und nach Australien zu fliegen (v. a. Familienzusammenführungen nach fast zwei Jahren). Und endlich wieder auf die Ski-Piste! Die Österreich Werbung hat sich an einer Trendstudie zu den Reiseplänen der Italiener*innen für die nächsten vier Monate beteiligt. Die Ergebnisse sind online unter www.austriatourism.com abrufbar. Die Zahl der Menschen, die einen Urlaub planen, nähert sich dem Vorkrisenniveau. Was die Unterkunftswahl betrifft, hat sich die Nachfrage nach Hotelaufenthalten deutlich erhöht. Das Impf- und Infektionsgeschehen sowie die unmittelbare wirtschaftliche bzw. finanzielle Situation jeder*jedes Einzelnen diktiert weiterhin die unmittelbaren Planungs-, Reservierungs- und Stornierungsentscheidungen. Gleichzeitig wird aufgrund des Abflachens der COVID-19-Indizes und der guten Durchimpfungsraten für dieses Jahr bereits mit einer merklichen Steigerung an Kurzreisen ins Ausland (vorrangig Destinationen in Europa) gerechnet. Es herrscht große Lust nach Skiurlaub, nachdem die Branche letztes Jahr komplett stillgestanden ist. Der Wintersportsektor in Italien hat nach Angaben von Anef und Skipass Panorama Turismo einen Wert von 10 bis 12 Milliarden Euro. Mit der Eröffnung des „Matterhorn Glacier Ride II“ zur Wintersaison 2021/2022 wird die Überquerung der Alpen per Seilbahn Realität. Die rund einstündige Panoramafahrt von der Schweiz nach Italien und zurück wird mit über 4000 überwundenen Höhenmetern die Seilbahnverbindung mit der größten Höhendifferenz in Europa sein. In Südtirol wurden einige Lifte ausgebaut bzw. verbessert. In Sulden wurde die 2er-Sesselbahn abgebaut und durch eine moderne Kabinenbahn ersetzt, die 1800 Personen pro Stunde befördern kann. Im Südtiroler Skigebiet Ladurns entstand eine neue 10er-Kabinenbahn mit Mittelstation, an der ein neuer Lift für Anfänger*innen und eine neue Piste Platz finden. Die Landestourismusorganisationen von Tirol, Südtirol und Trentino haben den Vertrag zur Gründung von Euregio Connect unterzeichnet. Ziel dieses Europäischen Verbundes für Territoriale Zusammenarbeit (EVTZ) ist eine verstärkte Kooperation zwischen den drei Ländern.   

Pandemie-Entwicklung in Italien deutlich besser als in Österreich

Der italienische Gesundheitsminister empfiehlt einen „Weihnachtsurlaub zu Hause in Italien“: Die aktuell in Österreich gültigen 2-G-Regeln stellen für die große Mehrheit der Italiener*innen kein Reisehindernis dar. Das Maskentragen gehört in Italien zum Alltag. Die Reiseveranstalter berichten von keinen Stornos, aber die Zahl der Neubuchungen geht zurück. Es wird spontan geplant und gebucht. Weihnachtsmärkte gehören zur Vorfreude auf den Heiligabend dazu: einen Glühwein trinken, die feinen Düfte genießen und Weihnachtsgeschenke einkaufen. Die Italiener*innen freuen sich, dass die Weihnachtsmärkte starten. Die DB und die ÖBB forcieren die Bewerbungen der täglichen Verbindungen zu den Weihnachtsmärkten in Trentino-Südtirol, Tirol und Bayern. Aktuell gibt es wöchentlich 115 Flugverbindungen zwischen Österreich und Italien. Die Reiseabsichten für die verbleibenden Monate des Jahres stimmen zuversichtlich, zumal die Italiener*innen klar ihre Präferenz für mehr Kurzreisen äußern. Aufgrund der Nähe gibt es Potenziale, die Österreich abschöpfen kann. Italien hat eine Brückentage-Woche von 5. bis 10. Dezember, wobei die Nachfrage nach Österreich-Urlaub sehr gut ist.

Wellness- und Adventangebote gefragt

Österreich gilt als preislich attraktive Destination. Italiener*innen lieben es, wenn eine Gratis-Leistung (z. B. ein Zimmer-Upgrade) inkludiert ist. Das Preis-Leistungs-Verhältnis spricht also vielfach für Österreich. Stark ist die Nachfrage nach Herbstangeboten in Städte-, Wellness-, Kulinarik-, Natur- und Outdoorerlebnis-Destinationen. Österreichs Natur liefert ein wahres Farbenspektakel, das man in vielen Teilen Italiens so nicht kennt. Zudem schätzen die Italiener*innen das hochwertige Kulinarikangebot unseres Landes. Ebenso sollte in der Kommunikation auf die geografische Nähe und die dadurch einfache Erreichbarkeit Bezug genommen werden. Die Italiener*innen sind sicherlich auch schon für Hinweise und Angebote zur Adventzeit empfänglich. Heuer fallen dazu die Feiertage besonders günstig. Neben dem 8. Dezember ist in der Lombardei zudem noch der 7. Dezember 2021 ein Feiertag.