Italien Tourismusausblick

Italien: Tourismusausblick

Juli 2021: Impfung läuft hervorragend – positive Stimmung – Wiederaufbaufonds der EU sorgt für Freude – Berge schlagen Meer – Interesse an Auslandsurlaub steigt – Rundum-Wohlfühlpakete in der Natur – Kurzurlaub im Herbst

Bis Mitte Juli: 60 % Zweitimpfung erhalten

In Italien sinken die Corona-Fallzahlen beständig weiter. Bis Mitte Juli sollen 60 % die zweite Teilimpfung erhalten haben. Täglich werden in Italien aktuell bis zu 600 000 Impfdosen verabreicht. Mit Stand 22. Juni 2021 sind mehr als 46 Millionen Impfungen erfolgt. 30 542 337 Personen haben die erste Teilimpfung erhalten, 16 059 088, d. h. 29,7 % der Bevölkerung, sind bereits vollständig geimpft. Die Corona-Situation entspannt sich zusehends, weil die Inzidenzzahlen, Zahl der Patient*innen auf den Intensivstationen und die Zahl der Todesfälle täglich zurückgehen und weil die Impflogistik wirklich gut funktioniert. Zudem haben die Menschen in den letzten Wochen ihren persönlichen Bewegungsradius wieder merklich erweitert und trauen sich immer öfter ins Restaurant, ins Kino oder in die Museen. Auch Kontaktsportarten sind wieder erlaubt, sodass das Leben in den Sportclubs wieder Fahrt aufnimmt. Man sehnt sich sehr nach dem Sommer – auch wenn viele Menschen ob der ausstehenden Impftermine nicht wissen, wann sie konkret Urlaub machen können. Die Maskenpflicht im Freien endete am 28. Juni 2021. Was die Verlängerung des Ausnahmezustands von aktuell Ende Juli bis zum Jahresende betrifft, sucht man in der Regierung noch nach einer Einigung. Geht es nach Ministerpräsident Mario Draghi, soll eine Verlängerung erfolgen.

Zusagen aus dem EU-Wiederaufbaufonds sorgen für Zustimmung, Motivation und Perspektive

Am 22. Juli 2021 machte Ursula von der Leyen in Italien Station und verkündete gemeinsam mit Ministerpräsident Mario Draghi die Zusage von 191,5 Milliarden Euro aus dem EU-Wiederaufbaufonds. Die ersten Überweisungen sollen bereits im Juli erfolgen. Während die Strand- und Ferienhotellerie bereits in die Saison gestartet ist, öffnen viele Stadthotels am 1. Juli ihre Pforten.

Die Zahl der Kurzarbeiter*innen nimmt kontinuierlich ab. Italien stellt die Weichen für den „Grünen Pass“. Ministerpräsident Mario Draghi hat Mitte Juni die entsprechende Verordnung unterzeichnet, die das Verfahren für die Ausstellung des „grünen Passes“ festlegt. Dieser soll die Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen, den Zugang zu Gesundheitseinrichtungen und Reisen in ganz Italien erleichtern. Wer einen elektronischen Zugang zur „Certificazione verde COVID-19“ – dem „Grünen Pass“ – hat, kann sich diese via App bereits auf das Handy laden. Ab 1. Juli gilt der „Grüne Pass“ offiziell für Reisen innerhalb der EU (inklusive der Schweiz).

Viele Italiener*innen zieht es heuer wieder nach Südtirol

Laut einer Studie der Universität Bozen wollen viele Italiener*innen heuer Urlaub in den Bergen machen. Sie suchen Einsamkeit statt Gedränge. Nach einer Stichproben-Untersuchung mit 1.500 Telefoninterviews, durchgeführt in der Bevölkerungsgruppe der 18- bis 75-Jährigen in den Regionen Norditaliens, berichtet die Universität Bozen von folgendem Bild: Sowohl Bade- wie auch Aktiv-Urlaub in den Bergen werden wieder verstärkt nachgefragt. Während die Befragten weiterhin Reisen im Inland bevorzugen, steigt das Interesse an Auslandsreisen innerhalb der EU. „Neu ist hingegen, dass sich die Reisezeit relativ gleichwertig zwischen den Monaten Juli und August verteilt. Es liegen uns zwar keine spezifischen Daten zu den Gründen der Wahl des Reisemonats vor, doch stellen wir die Hypothese auf, dass die Touristen sich wegen der Pandemie ganz klar einen Urlaub mit weniger Gedränge wünschen", erklärte Prof. Linda Osti, Dozentin für Internationales Tourismusmanagement an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften (Campus Bruneck) mit Blick auf die aktuellen Buchungen.

Hotels und Ferienwohnungen stark nachgefragt

Betrachtet man die Art des Aufenthalts, so sollte der Anteil an Hotelaufenthalten von 23,6 % im Jahr 2020 auf 29,5 % im Jahr 2021 ansteigen, ebenso jener in Ferienwohnungen/-häusern (von 20,5 % auf 22,7 %): Der Aufenthalt in Bed-and-Breakfast-Strukturen bleibt fast gleich (16,9 % gegenüber 16,8 %). Im Sinken begriffen ist die Nutzung von Zweitwohnungen (von 17,9 % auf 12,7 %).

Berge schlagen Meer

Prof. Linda Osti unterstreicht, wie sehr die Pandemie die Gründe für eine Reise verändert hat. Habe man früher einen Urlaub als Chance für einen Tapeten- und Klimawechsel gesehen, so würden jetzt die psychische und die physische Gesundheit in den Vordergrund rücken. „Bereits in den Jahren vor Corona gab es einen Trend hin zum Urlaub als eine Zeit der Revitalisierung von Körper, Geist und Seele“, sagte Osti. „Jetzt scheint diese ‚heilende‘ Rolle einer der Hauptgründe für Reisen zu sein. Und genau an diesem Punkt gewinnen die Berge gegenüber dem Meer.“ Die Studie unterstreicht, dass das Meer mit einem Ort für entspannende Aktivitäten für die ganze Familie assoziiert wird, während die Berge als Ort der Entspannung und der Revitalisierung von Körper und Geist empfunden werden.

Verstärkte Suche nach Sicherheitsbestimmungen in Österreich

Die Reiselust der Italiener*innen ist gegenüber dem letzten Jahr gestiegen und das Image Österreichs scheint durch die Pandemie nicht beeinträchtigt worden zu sein. Österreich wird als sicheres und verantwortungsvolles Reiseziel wahrgenommen. Bereits jetzt ist ein stark steigendes Suchverhalten nach Destinationen in Österreich sowie nach Informationen zum Thema Sicherheitsbestimmungen und COVID-19-Regeln zu verzeichnen. In unserem Urlaubsservice gibt es im Moment sehr viele telefonische Anfragen zu den Sicherheitsbestimmungen. Nachteilig für Österreich wirkt sich das Testregime aus. Italiener*innen ist das Testen nicht geläufig und es wirkt für viele abschreckend. Besonders starke Nachfrage herrscht aktuell nach Wien, Zugverbindungen, Drau-Radweg, Hüttenurlauben und Rundreisen.

Information und Kommunikation

Die bedeutendste „Währung“ im Narrativ der Kommunikation ist im Moment „Vertrauen“. Die Konsument*innen wählen vorrangig Destinationen, Betriebe und Freizeitaktivitäten, die das Gefühl vermitteln, dass man dort sicher und möglichst sicher und unbeschwert urlauben kann. Die Italiener*innen sind das Maskentragen und Abstandhalten gewöhnt, sind aber sicherlich nicht so „testaffin“ wie die Österreicher*innen. Rundum-Wohlfühlpakete in der Natur anzubieten, die viel persönlichen Raum lassen und sich auf die Stärkung der Gesundheit im Allgemeinen und des Immunsystems im Speziellen konzentrieren, versprechen Erfolg. Auch Outdoor-Aktivitäten wie Radfahren und Wandern erleben weiterhin einen Boom und entsprechen dem gesteigerten Verlangen nach Gesundheit von Körper und Geist. Die Italiener*innen planen für dieses Jahr häufiger Kurzurlaube. Österreich ist als Reiseziel also nicht nur für den Sommer, sondern auch für einen Kurzurlaub im Herbst sehr relevant. Die Sehnsucht zeigt sich an entsprechenden Bildern und Botschaften nach dem Motto: „Das möchte ich auch erleben, dort würde ich gerne sein, dort fühle ich mich wohl, das täte mir jetzt gut!“ Hinzu kommt, dass viele Befragungen auch darauf verweisen, dass die Menschen nach der langen Pause eine große Bereitschaft signalisieren, sich heuer etwas Besonderes zu gönnen.