Italien Tourismusausblick

Italien: Tourismusausblick

April/Mai 2021: Impfung läuft, Einbeziehung großer Unternehmen – neue Hilfspakete – Großteil befürwortet „grünes Impfzertifikat“ – Autoanreiseländer im Vorteil – Wohlfühlpakete und Outdoor-Aktivitäten

Bis Mai: eine halbe Million Impfungen am Tag

Italien hatte zuletzt die Marke von 280.000 Corona-Impfungen pro Tag erreicht. Im Mai solle es so weit sein, dass Italien eine halbe Million Dosen pro Tag verimpfen kann, sagte der außerordentliche Kommissar für die Umsetzung von Gesundheitsmaßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie Francesco Figliuolo. Wenn das Halbe-Million-Ziel bis Ende des Monats erreicht würde, könne die Impfkampagne im September abgeschlossen werden, erklärte Figliuolo weiter. Große Sorgen bereitet der Regierung die nach wie vor hohe Rate an Todesfällen. Bisher sind seit Pandemiebeginn mehr als 110.000 Menschen an COVID-19 gestorben.

Unternehmen miteinbeziehen

Italien will außerdem die Unternehmen in den Impfplan mit einbeziehen. Laut Figliuolo gibt es bereits 420 große Unternehmen, deren Mitarbeiter Teil der Kampagne werden sollen. Gegen Ende Mai soll damit begonnen werden. Die Schaffung eines – im Idealfall EU-weit gültigen – Reise- und Impfausweises wird als Konzept für sicheres Reisen auch von italienischer Seite forciert und findet in der Bevölkerung breite Zustimmung.

Proteste trotz verbesserter Corona-Lage

Obwohl mittlerweile wieder die große Mehrheit der italienischen Provinzen als „orange Zone“ eingestuft ist, protestiert speziell die Gastronomie-Branche dagegen, dass rund 360.000 Restaurants, Bars, Pizzerien und andere Lokale weiterhin lediglich einen Abhol- und Lieferservice anbieten dürfen. Die Regierung möchte mit konkreten Öffnungsschritten noch bis Mai 2021 zuwarten. Nachdem der Schulunterricht nunmehr wieder größtenteils in den Klassenräumen stattfindet, will man die Entwicklung des Infektionsgeschehen abwarten, bevor man Lockerungen genehmigt.

In Kürze wird der Ministerrat ein neues Wirtschafts- und Finanzpaket in Höhe von 40 Millionen Euro auf den Weg bringen. Spätestens am 26. April 2021 soll das neue Dekret, das größtenteils Hilfen für den Handel vorsieht, beschlossen werden. Diesmal werden die Hilfszahlungen in erster Linie für die Bewältigung von Fixkosten eingesetzt, wie die kommunale Immobiliensteuer für Gewerbeimmobilien und die Grundsteuer. Außerdem wird es einen neuen Zahlungsaufschub für Kredite geben. 

Reisen wieder möglich ab 2. Juni 2021

Als magisches Datum für die italienische Tourismusbranche gilt der 2. Juni 2021. Ab dem Nationalfeiertag sollen Reisen – auch ins Ausland – wieder möglichst uneingeschränkt möglich sein und man will auch wieder ausländische Gäste im Land begrüßen können. Nicht nur die italienische Regierung ist eine große Befürworterin des „grünen Impfzertifikates“, auch die Mehrheit der Bevölkerung unterstützt diese Maßnahme. Nicht zuletzt aufgrund der Restriktionen im Land – seit November darf die Heimatregion nur in Ausnahmefällen verlassen werden – ist das Interesse an Urlaubreisen ungemein hoch. Auch die und Italiener sitzen quasi auf gepackten Koffern. Was die Urlaubsplanung für den Sommer betrifft, belegen alle diesbezüglichen Untersuchungen, dass auch dieses Jahr speziell die Inlandsdestinationen von diesem Nachholbedarf profitieren werden. Besonders stark zugenommen hat das Interesse an naturnahen Urlaubsformen (Camping-Urlaub, Naturparks, Slow Tourism), leichten sportlichen Aktivitäten (allen voran Wandern und Radfahren) sowie an Zielen von hoher kultureller Bedeutung (z. B. Welterbestätten). Die Menschen sind sich durchaus bewusst, dass sie mit ihren Urlaubsausgaben die stark von der Pandemie getroffene Tourismuswirtschaft unterstützen und gegebenenfalls auch davon profitieren können, dass viele der Kulturstätten im kommenden Sommer nicht von internationalen Gästen überlaufen sein werden.

Generell will man sich heuer einfach ausgiebig Zeit nehmen, um Urlaubserfahrungen nachzuholen. Sollte die finanzielle Lage die Leistbarkeit eines Urlaubsdomizils nicht zulassen, will man dafür auf Familie und Freunde zurückgreifen. Einer der wesentlichsten Unsicherheitsfaktoren im Hinblick auf die Reiseplanung ist der Impfplan. Die Mehrheit der Bevölkerung wird erst gegen Ende des dritten Quartals geimpft sein. Mit dem Sommer heizt die Reisestimmung auf: 64 % der Italiener werden noch vor Ende August einen Urlaub planen, so das Ergebnis des „Monitoring Sentiment for Domestic and Intra-European Travel –Wave 6“ der European Travel Commission (ETC). (Quelle: etc-corporate.org/news/travel-sentiment-is-warming-up-with-summer-in-sight-but-europeans-are-concerned-about-getting-the-most-out-of-their-holidays/)

Botanischer Tourismus: Modulare touristische Pakete inmitten aromatischer Heilkräuter, blühender Pflanzen und Gärten liegen liegt derzeit im Trend bei den Recherchen. Einige Unterkunfts- und Gastronomieangebote verbinden die botanischen Schönheiten mit den historischen, künstlerischen und kulturellen Attraktionen der jeweiligen Destination. (Quelle: mappae.eu)

Die Sehnsucht nach „dem Leben draußen“ kann bereits gestillt werden. Die Temperaturen sind bei Sonnenschein sehr angenehm, die Tage werden länger. Das steigert das Verlangen nach mehr sozialen Kontakte im Freien und merklich auch die Lust, wieder konkret Urlaub zu planen. Fehlt nur noch, dass die Reisebeschränkungen aufgehoben werden. Es ändern sich jedoch die Vorstellungen, wohin man in diesem Jahr reisen kann und will. „Auf jeden Fall nicht zu weit weg“ lautet die Devise, auch wenn gerade die jüngeren Zielgruppen es nicht erwarten können, endlich wieder in ein Flugzeug zu steigen.

Generell ist davon auszugehen, dass Destinationen, die mit dem Auto erreichbar sind, im kommenden Sommer klar im Vorteil sein werden. Familien und Eltern, deren Kinder bereits ausgezogen sind, wollen vorrangig im Inland Urlaub machen. Zudem besteht der klar formulierte Wunsch danach, Freunde zu besuchen, insbesondere im Rahmen von Kurzreisen. Der Besuch von Kulturstätten, Konzerten, Opernaufführungen und Ausstellungen steht auf der Wunschliste ebenfalls ganz oben. Davon sollten auch die österreichischen Städtedestinationen – auch ob ihrer Erreichbarkeit per Bahn und Pkw – profitieren können. In Anbetracht eines Szenarios, in dem die Einschränkungen des nationalen und internationalen Reiseverkehrs noch bis mindestens Ende Mai andauern werden, wird eine echte Erholung nur sukzessive erwartet. Laut einer Umfrage unter den Vertretungen der verschiedenen nationalen Tourismusorganisationen in Italien rechnet die Mehrheit der Tourismusorganisationen diesen Sommer mit Gästen aus Italien. Jeder zweite Italiener plant bereits die erste Reise im Jahr 2021.

Die Pandemie hat die Prioritäten neu geordnet: Nachhaltigkeit und Wohlbefinden (Sicherheit) werden die zukünftigen Reiseentscheidungen deutlich prägen. Laut expedia.com sieht man mehr Spontaneität beim Buchen: Touristen buchten im Jahr 2020 10 % mehr rückerstattungsfähige Tarife als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Dieser Trend wird sich in gleicher Weise fortsetzen.

Verstärkte Suche nach Sicherheitsbestimmungen in Österreich

Die Reiselust der Italiener ist ungebrochen und das Image Österreichs scheint durch die Pandemie nicht beeinträchtigt worden zu sein. Österreich wird als sicheres und verantwortungsvolles Reiseziel wahrgenommen. Bereits jetzt ist eine verstärkte Suche nach Informationen zum Thema Sicherheitsbestimmungen und COVID-Regeln zu verzeichnen.

Information und Kommunikation

In der italienischen Bevölkerung entsteht ein neues Bewusstsein dafür, dass wir uns als Gesellschaft sicher noch länger mit dem Virus auseinandersetzen müssen. Entsprechende Regeln und Verhaltensmaßnahmen (Abstand, Mund-Nasen-Schutz etc.) werden auch im Jahresverlauf und speziell im Arbeitsumfeld und auf Reisen notwendig und Teil des Alltages sein. Die neuen Virusmutationen und auch die Tatsache, dass es für Kinder noch keinen Impfstoff gibt, diese sich jedoch vermehrt in den Schulen anstecken, sorgen dafür, dass sich die Menschen auf einen längerfristigen Umgang mit der Pandemie vorbereiten.

Im Hinblick auf Urlaubsreisen bedeutet dies ein nach wie vor hohes Maß an Interesse an Informationen über die COVID-Situation in der jeweiligen Urlaubsdestination und an entsprechenden Präventions-, Verhaltens- und Sicherheitsmaßnahmen. Eine gute Strategie für die Wiedereröffnung von touristischen Einrichtungen im Frühjahr ist daher essenziell. Wohlfühlpakete anzubieten, die sich auf die Stärkung der Gesundheit im Allgemeinen und des Immunsystems im Speziellen konzentrieren, verspricht Erfolg. Auch Outdoor-Aktivitäten wie Radfahren und Wandern erleben weiterhin einen Boom und entsprechen dem gesteigerten Verlangen nach Gesundheit von Körper und Geist. Die Italiener planen für dieses Jahr häufige Wohlfühlpausen. Die Sehnsucht zeigt sich an entsprechenden Bildern und Botschaften nach dem Motto: „Das möchte ich auch erleben, dort würde ich gerne sein, dort fühle ich mich wohl, das täte mir jetzt auch gut!“