Frankreich Tourismusausblick

Frankreich: Tourismusausblick

April/Mai 2021: erste Öffnungsschritte Mitte Mai? – „France Relance“ wirkt – starker Tourismusstart erwartet – Natur, Flexibilität und Autonomie – Air France testet den ICC-AOK-Pass – Information wichtig

Öffnungsschritte aus dem Lockdown Mitte Mai?

Die neuen Virusmutationen treiben die Infektionszahlen auch bei jüngeren Altersgruppen in die Höhe und zwangen Frankreich kurz vor Ostern zu einem dritten Lockdown. Bis Anfang Mai gelten nun wiederum alle bekannten Restriktionsmaßnahmen für das ganze Land, auch für die westlichen Regionen der Bretagne und Okzitanien, wo die Situation moderater ist. Die Müdigkeit in der Bevölkerung ist groß und das Verlangen, die französische Lebenskultur wiederzufinden, immens. Die Regierung versucht, Perspektiven zu geben, und arbeitet seit Wochen an einer Reihe von Präventionslösungen, welche eine Öffnung ermöglichen sollen: Die COVID-Warn-App „Tous AntiCovid“ wird mittlerweile von rund 13 Millionen Franzosen genutzt, es gibt Test-Veranstaltungen für Personen mit einem negativen Corona-Test etc. Ebenso wird aus wirtschaftlicher Sicht eine möglichst rasche Wiederöffnung immer dringender.

Gastronomie, Kultur und Tourismus, all das ist noch ungewiss. Touristische Beherbergungsbetriebe dürfen geöffnet bleiben, jedoch keine Speisen und Getränke anbieten. Die Gastronomie ist mit Ausnahme von Take-away und Essenzulieferung geschlossen. Die Beschleunigung der Impfkampagne hat oberste Priorität. Seit 12. April 2021 werden über 55-Jährige geimpft, ab 15. Mai sollen alle über 50-Jährigen und ab Mitte Juni alle 18- bis 49-Jährigen geimpft werden. Die Durchimpfungsrate der Bevölkerung lag Mitte April bei 16 % (11 Mio.), davon haben 5,6 % bereits die zweite Teilimpfung erhalten. Das Impfziel der Regierung sind 30 Millionen Menschen bis Mitte Juni 2021.

Konjunkturpaket blickt über Krise hinaus

„France Relance“, das 100-Milliarden-Euro-Konjunkturpaket für drei Jahre, sowie umfassende Hilfsmaßnahmen aus dem „COVID-Schutzschirm“ haben sich als effektiv erwiesen und retten Frankreichs Wirtschaftslage. 2020 fällt die Rezession mit einem BIP-Rückgang von 8,2 % geringer aus als ursprünglich geschätzt. Für 2021 prognostiziert die Banque de France ein Wirtschaftswachstum von 5 %, welches klar über dem Durchschnitt der EU-Länder liegt. Im ersten Quartal 2021 zeigt die Wirtschaftstätigkeit nach Branchen betrachtet ein gemäßigtes Bild. Einige Sektoren befinden sich beinahe im Vorkrisenbetrieb. Eine starke Nachfrage verzeichnen die Digitalbranche, der Bausektor, die Haushaltsausstattung und die Luxusbranche. Andere jedoch, wie der Tourismus, die Gastronomie, die Kultur und die Luftfahrtindustrie, sind nach wie vor besonders stark von der Krise betroffen. Weitere Stützungen aus dem Solidaritätsfonds und die Fortsetzung der Kurzzeitarbeitsregelung wurden für KMUs, die Gastronomie sowie den Reisesektor verlängert. Im Rahmen des Konjunkturprogramms „France Relance“ setzt die französische Regierung verstärkt auf den Ausbau der Digitalisierung und des Onlinehandels, vor allem im Hotel- und Gastronomiesektor. Angesprochen werden auch hier die KMUs. Die Corona-Pandemie führt aufgrund der Unsicherheit in vielen Wirtschaftszweigen zu einer hohen Sparquote in den Haushalten. 2020 hat die französische Bevölkerung 130 Milliarden Euro angespart, bis Ende 2021 werden es 200 Milliarden sein, so Hochrechnungen der Banque de France. Das wäre das höchste jemals erreichte Niveau. Das könnte sich in der Postpandemie-Periode signifikant positiv auf den in Frankreich traditionell starken Privatkonsum und auf Urlaubsreisen auswirken. (Quelle: INSEE)

Das Reisebedürfnis war noch nie so groß wie dieses Jahr

Der Fokus liegt auf dem Sommerurlaub, einem Grundbedürfnis. Die Sehnsucht zur reisen und das Fernweh sind groß. Sobald Reisen wieder möglich sind, da stimmen alle Experten überein, wird die Wiederbelebung rasch und stark erfolgen, der Wettbewerb der europäischen Destinationen wird groß sein. Die Reiseplanung bzw. Nachfrage für den Sommer findet statt, jedoch noch mit großer Zurückhaltung bei den Buchungen. Die weichenstellenden Parameter für den Neustart 2021 werden der Gesundheitspass und Impfrate am Quellmarkt und in der Urlaubsdestination sein. Die Erleichterung der COVID-Einreisebestimmungen und der Quarantänebestimmungen ist ein weiteres Kriterium für eine möglichst unkomplizierte Urlaubsreise. Umfragen von Interface Tourism France, YouGov und Opodo untermauern die sich aktuell abzeichnenden Reisetendenzen 2021. Bei Auslandsreisen haben die Franzosen Aufholbedarf, doch alles ist von der Entwicklung der Pandemie abhängig.

Die drei großen Bedürfnisse für den kommenden Sommer sind: Natur/Berge, Flexibilität und Autonomie. Zu den wichtigsten Kriterien bei der Destinationswahl zählen das Angebot von Natur- und Outdoor-Aktivitäten (51 %), die Qualität der Sicherheitsstandards (41 %) und die Flexibilität der Stornobedingungen (32 %). Hohe Werte erhalten neue Begegnungen (21 %) und der Austausch mit den Gastgebern (13 %). Bei der Zielgruppe der Auslandsreisenden ist die Leistbarkeit kein Thema. So verfügen 45 % der potenziellen Urlauber über dasselbe Reisebudget wie bisher, 7 % wollen sogar mehr ausgeben. Das bevorzugte Reisemittel bleibt das Auto. Entdeckungsrundreisen liegen weiterhin stark im Trend (38 %). Bei der Unterkunftswahl gibt es eine Präferenz für 3- bis 4-Sterne-Hotels und Ferienwohnungen. Zunehmend will man auch für Europareisen im Reisebüro buchen, um Komplikationen im Falle von notwendigen Reiseänderungen vorzubeugen.

Großes Bedürfnis nach Sommerurlaub

In Frankreich genießt Österreich sowohl als Sommer-/Winterurlaubsziel in den Bergen als auch als Kulturdestination Weltruf. Bei den potenziellen französischen Gästen besteht großes Bedürfnis nach Sommerurlaub. Die Zielgruppe verfügt über eine hohe Kaufkraft, unbeeinflusst von der Pandemie. Sie ist es gewohnt, mehrere Reisen pro Jahr zu unternehmen, und verreist im Sommer meist zwei Wochen und länger. Österreich bietet alle Faktoren, welche bei der Destinationswahl für französische Gäste, insbesondere nach diesem COVID-Jahr, eine große Rolle spielen: intakte Natur und Bergwelt, qualitätsvolle Tourismusstrukturen, authentische Gastgeberqualität, moderne Infrastrukturnetze und vor allem ein hochwertiges Sicherheits- und Gesundheitsversorgungssystem. Die Maßnahmen der österreichischen Regierung in Bezug auf COVID-19 werden in Frankreich sehr positiv gesehen.

Sofern die Pandemie es zulässt, werden diesen Sommer trotz des hohen Inlandsurlaubsanteils auch Reisen innerhalb Europas tendenziell wieder stärker nachgefragt werden. Ein sehr kurzfristiges Reservierungsverhalten und der Wunsch nach flexiblen Stornobedingungen werden weiterhin wichtige Kriterien bleiben. Mehrere Reiseveranstalter haben ihre Angebote 2021 für Österreich geschärft bzw. nehmen Österreich neu in ihre Produktpalette auf. Der Städteurlaub ist stark vom Airline-Sektor abhängig. Auf eine progressive Erholung hofft die Branche im zweiten Quartal 2021 und sieht einen Restart innerhalb Europas frühestens ab dem Sommer. Air France testet seit März den ICC-AOK-Pass, eine mobile App, die es den Passagieren ermöglicht, die Ergebnisse ihres COVID-19-Tests sicher aufzuzeichnen. Passagiere können damit vor Abflug einfach kontrolliert werden, ob sie die Bestimmungen des Ziellandes erfüllen (PCR-Test, Antigen-Test, Impfung).

Inspiration, Information, Vertrauen und Sicherheit

Inspiration und weiterhin alle Informationen über die COVID-Sicherheitsmaßnahmen bleiben wichtig: Wander-, Rad-, Outdoorerlebnisse und Kulturgenuss für Familien und Paare spürbar machen. Emotional ansprechenden Content für naturnahe und sportliche Aktivitäten, wohltuende Begegnungen mit Gastgebern, lokale Lebenskultur, möglichen Kulturgenuss, Authentizität und Auszeit vom Alltag sollte man in den Vordergrund stellen. Die Franzosen sind sehr informationsbedürftig. Sie informieren sich oftmals bis ins kleinste Detail, und das lange im Voraus. Social Distancing und COVID-19-Regelungen sind für französische Gäste kein Hindernis. Eine ausgezeichnete Gesundheitsinfrastruktur und entsprechende COVID-Präventionsmaßnahmen vor Ort (sowohl in Beherbergung und Gastronomie wie auch bei Freizeitaktivitäten), wie sie in Österreich geboten werden, geben Zuversicht. Kommunizieren Sie diese Maßnahmen sichtbar, das ist für die Reiseentscheidung der potenziellen französischen Gäste oftmals ein Entscheidungskriterium. Aufmerksames Kontakthalten zu Stammgästen und Geschäftspartnern schafft stets hohe Sympathiewerte und Vertrauen.