Deutschland Tourismusausblick

Deutschland: Tourismusausblick

April/Mai 2022: gratis Bürgertests verlängert – Inflation von 5,1 % – aufgestaute Reiselust – RV sehen verstärkte Nachfrage nach Österreich – typisch österreichische Urlaubswerte kommunizieren

Stufenweise Maßnahmenreduktion

Im Augenblick überschattet der Krieg in der Ukraine das Corona-Thema. Die Angst vor den Auswirkungen (steigende Inflation) des Ukraine-Krieges und vor einem Krieg selbst verunsichert die Bevölkerung. Es finden wieder Hamsterkäufe statt. Aber auch eine sehr große Solidarität und Hilfsbereitschaft den Flüchtlingen gegenüber ist vorhanden und wird gelebt. Es finden deutschlandweit viele Friedensdemos statt. Aufgrund der wieder stark gestiegenen Inzidenz wurden die Coronamaßnahmen bundesweit bis Ende März/Anfang April 2022 verlängert. Danach sieht das bis zum 23. September 2022 befristete Infektionsschutzgesetz einen Basisschutz wie die Maskenpflicht in Krankhäusern oder Pflegeeinrichtungen sowie in Bussen und Zügen vor. Auch die Testpflicht an den Schulen soll bestehen bleiben. Im Luft- und Personenfernverkehr bleibt die Maskenpflicht bundesweit erhalten. Kommt es lokal zu einer bedrohlichen Infektionslage, können die Bundesländer weitergehende Schutzmaßnahmen ergreifen. Voraussetzung ist, dass das jeweilige Landesparlament dies beschließt. Die kostenlosen Bürgertests werden bis Ende Mai verlängert. Die Nachfrage nach dem neuen Impfstoff Novavax, der auch Impfskeptiker*innen überzeugen sollte, ist gering. Die Quote der Grundimmunisierung liegt bei 75,9 %, die Auffrischungsquote bei 58,4 %.

Wirtschaftliche Entwicklung

Im Schlussquartal 2021 ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,3 % zurückgegangen, während es im Gesamtjahr 2021 um 2,9 % zulegte. Der russische Angriffskrieg in der Ukraine birgt substanzielle Risiken für die deutsche Konjunktur. Die Auswirkungen lassen sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht seriös beziffern. Sie hängen stark von der Dauer und der Intensität des Konflikts ab. Seit Beginn der militärischen Invasion hat es extreme Preissteigerungen bei Energie und Rohstoffen gegeben. Auch Handelsströme und Lieferkettenbeziehungen sind stark beeinträchtigt. Die Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung bleibt groß. Da die gängigen Konjunkturindikatoren mit einem zeitlichen Verzug von ein bis zwei Monaten veröffentlicht werden, ist der Krieg in der Ukraine in ihnen noch nicht abgebildet. Zuletzt (also mit Berichtsstand Jänner) zeigten die Indikatoren eine weitere Stabilisierung der Industriekonjunktur, während die Entwicklung der Dienstleistungsbereiche weiterhin durch den Pandemieverlauf geprägt war. Sowohl im gesamten produzierenden Gewerbe (+2,7 %) als auch in der Industrie (+1,3 %) hat sich die Produktion mit ihrem vierten konsekutiven Anstieg weiter stabilisiert. Auch die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe legten mit einem Plus von 1,8 % erneut zu. Der Krieg in der Ukraine bringt allerdings die Gefahr einer erneuten Verschärfung von Lieferengpässen und einer damit einhergehenden Bremsung der konjunkturellen Entwicklung mit sich. Die Umsätze im Einzelhandel sind im Jänner trotz weiterhin geltender 2-G-Regeln gestiegen, nachdem es im Dezember zu einem deutlichen Rückgang gekommen war. Das Niveau vom Februar 2020 wurde zuletzt wieder spürbar überschritten. In den kommenden Monaten dürfte die von den Energiepreisen getriebene Inflationsrate den privaten Konsum belasten. Die Inflationsrate stieg im Februar von zuvor 4,9 % auf 5,1 % an. Die Preise für Energie und auch für Nahrungsmittel trugen maßgeblich zu dem weiterhin starken Auftrieb des Preisniveaus bei. Die Kernrate, bei der diese beiden volatilen Preiskomponenten herausgerechnet werden, veränderte sich kaum. Die Preissteigerungen aufgrund der Eskalation des Russland-Ukraine-Konflikts bildet die Inflationsrate bislang aber nur teilweise ab. Am Arbeitsmarkt hielt die positive Entwicklung im Februar an. Der russische Angriff auf die Ukraine wird sich hier erst zeitverzögert zeigen. Auch im zweiten Corona-Jahr war die Zahl der Unternehmensinsolvenzen rückläufig. Fachleute rechnen auch für das Gesamtjahr mit geringen Nachholeffekten. Der Krieg in der Ukraine stellt ein zusätzliches Risiko für Unternehmen dar, das aktuell allerdings noch kaum einschätzbar ist. Die Ampel-Koalition reagiert auf die stark gestiegenen Energie- und Spritpreise mit umfangreichen Entlastungen. Geplant sind eine Energiepreispauschale, eine Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe für drei Monate sowie Hilfen für Familien und Geringverdienende. Auch billige Monatstickets für Busse und Bahnen im öffentlichen Personennahverkehr sowie Maßnahmen für mehr Energieeffizienz sind vorgesehen. (Quellen: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie; Daten, die bis zum 14. März vorlagen; mdr.de)   

Suchinteresse auf Vorkrisenniveau

Aus der deutschen „Reiseanalyse“ geht hervor, dass sich Krisen meist nicht langfristig auf das Reiseverhalten auswirken. Die Sorge um die Auswirkungen auf die Inflation durch den Ukraine-Krieg und die Pandemie sind allerdings deutlich spürbar. Alle formalen Beschränkungen werden vor Ostern außer Kraft gesetzt. Das Suchinteresse ist seit Anfang des Jahres wieder auf Vorkrisenniveau. Die aufgestaute Reiselust, der Wunsch, aus der Corona-Welt auszubrechen, und die Erwartung des positiven Effektes einer Urlaubsreise auf Gesundheit und Geist fördern aber mehr denn je die Nachfrage nach Reisen.

Abfragen bei FTI, Studiosus, Ameropa, ADAC, DER Tour und NOVASOL haben ergeben, dass es bei allen RV eine wesentlich höhere Nachfrage nach der Urlaubsdestination Österreich gab. Die meisten RV gaben an, deutlich mehr Buchungen als im Vorjahr zu haben, aber nicht so viele wie vor der Pandemie. Seit Ausbruch des Ukraine-Krieges kommt es bei manchen RV zu Buchungsrückgängen und mehr kurzfristigen Stornos als im Normalfall. Durch den anhaltenden Trend zu kurzfristigen Buchungen sind die RV zuversichtlich, in die Nähe der Buchungszahlen von vor der Pandemie zu gelangen.

Erleichterungen für Familienreisen

Nach einer Ad-hoc-Befragung Mitte März ergibt sich folgendes Stimmungsbild: Nach zwei Jahren Pandemie hat sich ein großer Bedarf nach Urlaub und Reisen aufgebaut. Trotz der starken Wiederkehr der Mittelmeerdestinationen hat Urlaub in Österreich für den Sommer eine solide Ausgangsbasis und liegt nach dem Inlandsurlaub, nach Spanien und Italien an vierter Stelle. Natururlaub, Urlaub am See, Urlaub in den Bergen und Wanderurlaub, die Stärken Österreichs, befinden unter den Top Ten der geplanten Urlaubsarten. Das Topthema für den Sommer 2022 lautet „Mehr Bewegung in der Natur“. Noch vor COVID-19 und dem nachhaltigen Reisen sind die steigenden Preise und die politische Unsicherheit durch den Ukraine-Krieg im Augenblick die wichtigsten Themen bei der Planung des Sommerurlaubs. Den deutschen Urlauber*innen ist wichtig, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis, die Lage und die Erreichbarkeit des Urlaubsortes stimmen. (Quelle: ÖW/Innovation/Data Analytics & Tourismusforschung)

Kommunikationsempfehlungen

Eine klare und einfache Kommunikation mit den wichtigsten und aktuellen Informationen für einen sicheren Urlaub wird empfohlen. Wichtig ist ein einfacher Zugang zu diesen Informationen. Bei aller Ernsthaftigkeit sollten aber die typischen österreichischen Urlaubswerte wie Gastfreundschaft, vielfältiger Genuss, Naturverbundenheit, Nachhaltigkeit sowie kulturelle Vielfalt nicht vergessen werden. Vor allem sollten auch Angebote ins Schaufenster gestellt werden, die den Bedürfnissen nach sehr kurzfristigen Buchungen gerecht werden. Derzeit spricht nichts gegen eine Bewerbung der Sommerangebote.