Urlaub mit Hund

Reisen mit Hund: Ein Potenzial für den Tourismus

Leider hört man es immer wieder: „Kurz vor der Urlaubssaison ist für viele Tierheime Hochsaison“ – darauf weisen Tierschutzorganisationen regelmäßig hin. Warum schieben Tierbesitzer:innen ihre Lieblinge vor dem Urlaub ab? Vermutlich vielfach aus der Annahme heraus, Reisen mit Hund sei kompliziert oder kaum möglich. Dabei zeigt die Sommerpotenzialstudie 2025 der Österreich Werbung und des NIT: Genau das Gegenteil ist der Fall. Reisen mit Hund liegen im Trend und eröffnen neue Perspektiven für Gäste wie für den Tourismus.

Laut Sommerpotenzialstudie 2025 verbrachten 1,5 Millionen Personen – aus den zehn befragten Märkten – ihren Sommerurlaub in Österreich, gemeinsam mit ihrem Hund. Diese Zielgruppe fliegt zwar seltener, gibt pro Reise aber fast genauso viel aus wie hundelose Personen. Die Reisekosten spielen für Hundebesitzer:innen also meist eine untergeordnete Rolle, entscheidender sind für sie Qualität, Individualität und passende Angebote. Und hier kann Österreich liefern!

Wer sind Reisende mit Hund?

Reisende mit Hund sind im Schnitt 46 Jahre alt, überdurchschnittlich häufig Frauen und stark naturorientiert. Sie sind reiseaffin, verreisen mehrmals im Jahr (bevorzugt in Nebensaisonen) und planen kurzfristig – fast die Hälfte entscheidet sich erst weniger als einen Monat vor der Abreise. Für den Tourismus sind sie eine loyale Zielgruppe mit stabiler Wertschöpfung.

Hundebesitzer:innen verreisen meist mit dem Auto, wobei auch die Bahn und das Wohnmobil eine bequeme und hundefreundliche Reisemöglichkeit darstellen. Übernachtet wird mit dem Vierbeiner am liebsten in Ferienwohnungen und -häusern, gefolgt von Hotels der mittleren und gehobenen Kategorie, auf Campingplätzen und am Bauernhof, was direkt oder über Plattformen gebucht wird.
 

Was diese Zielgruppe sucht: Natur, Bewegung und Entspannung

Die zentralen Reisemotive lassen sich klar zusammenfassen. Urlauber:innen mit Hund suchen:

  • Entspannung und Stressfreiheit
  • Natur- und Landschaftserlebnis
  • Gemeinsame Zeit
  • Leichte Bewegung wie Spazierengehen und Wandern
  • Baden im See oder Fluss
  • Kulinarische Erlebnisse

Natur, Berge, Wasser und Erholung werden von Reisenden mit Hund überdurchschnittlich stark nachgefragt. Auch Tiererlebnisse, Kulinarik und sanfte Aktivitäten gewinnen an Bedeutung.
 

Warum Österreich im Wettbewerb gute Karten hat

Im internationalen Vergleich reisen Hundebesitzer:innen überdurchschnittlich oft nach Deutschland, Österreich, Tschechien und in die Niederlande. Bei expliziten Alpen- und Bergzielen lag Österreich im Sommer 2025 auf Platz zwei, nur knapp hinter den italienischen Alpen.

Der große Vorteil Österreichs: kurze Anreise, hohe landschaftliche Qualität, gute Infrastruktur und eine hohe Akzeptanz von Hunden. Für den österreichischen Tourismus liegt hier ein Potenzial, das weniger von Wachstum, sondern von Stimmigkeit von Angebot und Authentizität lebt.

Was das für Destinationen und Betriebe bedeutet

Reisende mit Hund haben hohe Erwartungen. Sie möchten keine Sonderbehandlung für ihren Vierbeiner oder Ausnahmeregelungen. Der Vierbeiner soll ausdrücklich willkommen sein, nicht nur geduldet. Die ganzheitliche Erlebnisqualität soll sich dabei konsequent durch alle Kontaktpunkte ziehen – von der Buchung über den Aufenthalt bis hin zur Kommunikation vor Ort. Das betrifft etwa:

  • klare Information zur Hundemitnahme
  • unkomplizierte Regeln
  • hundefreundliche Infrastruktur
  • authentische Kommunikation statt Marketing-Floskeln
     

Was die Studienergebnisse für die Umsetzung bedeuten

Der Hund ist Teil des Reiseerlebnisses und sollte auch als kleiner Gast mit eigenen Bedürfnissen wahrgenommen werden. Leckerlis, bereitgestellte Decken sowie Wasserschüsseln oder ein Welcome-Package tragen etwa zum positiven Eindruck bei. Auch praktische Details wie ein Hundesackerl-Spender werden als Zeichen von Aufmerksamkeit und Wertschätzung wahrgenommen.
Falls die Tiere – selbst in hundefreundlichen Betrieben – nicht in den Restaurantbereich mitkommen dürfen, sollte eine gemütliche und gleichwertige Alternative zur Verfügung stehen, wo man in Begleitung des Hundes speisen kann.  

Ganz wichtig: Ein hundefreundlicher Betrieb sollte halten, was er verspricht – ganzheitlich und glaubwürdig. Es lohnt sich: Wer Angebote, Werte und Kommunikation konsequent auf diese Zielgruppe abstimmt, erschließt nicht nur neue Gästesegmente, sondern stärkt zugleich das eigene Profil als verantwortungsvoller, zeitgemäßer Betrieb.