Was Resilienz im Kontext Tourismus bedeutet und warum es dabei um mehr geht als Widerstandsfähigkeit, darüber reden wir mit Stefanie Wallinger, Leiterin des Interreg-Projekts „Resilienter Tourismus“ an der FH Salzburg.
Resilienz wird im österreichischen Tourismus zunehmend als essenziell erkannt. Sie bringt Widerstandsfähigkeit gegenüber Krisen wie Pandemien, Klimawandel oder wirtschaftlichen Schocks, ermöglicht eine schnelle Anpassung und Erholung, sichert Arbeitsplätze und trägt zur Stabilität von Destinationen bei. Resiliente Strukturen fördern zudem Innovation und Nachhaltigkeit und sind ein zentraler Faktor für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des österreichischen Tourismus.
Anlässlich des Global Tourism Resilience Day am 17. Februar haben wir im Rahmen unserer Serie „Nachhaltigkeit in Österreich“ mit Stefanie Wallinger, der Leiterin des Interreg-Projekts „Resilienter Tourismus“ an der FH Salzburg, gesprochen.
Resilienz wird umgangssprachlich oft mit Widerstandsfähigkeit gleichgesetzt. Sie ist jedoch viel mehr als das: Resilient zu sein bedeutet, Krisen nicht nur zu bewältigen, sondern sich anzupassen, zu wachsen und zu verändern. Und Innovationsmomente zu nutzen. Das hat man besonders in der Covid-19-Pandemie gesehen: Da sind im Tourismus aus der Not heraus sehr viele neue Ideen und Innovationen entstanden. Resilient zu sein bedeutet also auch, Krisen – die ja per se nichts Schlechtes sind – als Chance und Wachstumsimpuls und als etwas Ganzheitliches zu begreifen.
Das Tourismussystem ist aktuell mit multiplen Herausforderungen konfrontiert: Geopolitische Unsicherheiten verändern das Reiseverhalten und der Fachkräftemangel ist nach wie vor ein großes Thema. Aber natürlich sind auch der Klimawandel, die Digitalisierung und die Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz zentrale Themen, die in der Branche für Veränderung sorgen und Anpassungsfähigkeit erfordern.
Am Beginn des Resilienzprozesses steht die offene und ehrliche Selbstreflexion: Wo stehe ich als Individuum, als Betrieb, als Destination, was sind meine Stärken und Schwächen? Das kann die regionale Identität, das können die eigenen Produkte, Ressourcen, Netzwerke sein. Je besser ich mein System kenne, desto leichter fällt es mir, Vorkehrungen für mögliche Veränderungen zu treffen.
Wichtig ist jedenfalls: Eine Krise trifft nicht jede Destination gleich. Ein Ballungsraum etwa ist anders betroffen als ein ländliches Gebiet. Da hat jede Region ihre eigenen Herausforderungen, beispielsweise unterschiedliche Tourismusintensität, saisonale Konzentration oder bevorzugte Anreisemodalitäten. Entsprechend unterschiedlich sind auch die Schritte, die in puncto Resilienzentwicklung gesetzt werden können.
Das Projekt ist eine Zusammenarbeit zwischen den Fachhochschulen Kufstein und Salzburg sowie dem Chiemgau in Bayern. Der vierte Projektpartner ist die Österreichische Hotelvereinigung (ÖHV), ein wichtiger Multiplikator.
Ziel des Projekts ist es, Initiativen zur Steigerung der Krisenfestigkeit in den Destinationen der Projektregionen Bayern, Tirol und Salzburg umzusetzen. Entstanden ist es aus einer Phase von Unsicherheiten angesichts der bereits erwähnten multiplen Krisen. Die Pandemie war dabei ein Schlüsselmoment, wo ein Umdenken eingesetzt hat.
Wir wollten wissen: Was bedeutet Resilienz im Tourismus und wie können wir den Begriff greif- und messbar machen? Nach einer umfassenden wissenschaftlichen Literaturanalyse haben wir den Begriff für uns definiert und auf drei Ebenen heruntergebrochen: die individuelle, die betriebliche und die Resilienz auf Destinationsebene.
Der erste große Output ist der Resilienz-Index: Ein Dashboard für Destinationen als Messinstrumentarium für Resilienz. Anhand von Kennzahlen auf ökologischer, ökonomischer und sozialer Ebene können sich Destinationen einordnen und mit anderen Regionen vergleichen. Ein ähnliches Tool für Betriebe ist gerade in Entwicklung und soll bis Projektende, also im Herbst 2026, fertig sein.
Neben den beiden Tools haben wir an den beiden Fachhochschulen den berufsbegleitenden Zertifikatslehrgang „Resilienzmanager:in im Tourismus“ gestartet, der bereits jetzt österreichweit stark nachgefragt wird. Durch diesen Wissenstransfer tragen wir dazu bei, den österreichischen Tourismus gesamtheitlich resilienter zu machen.
Das ist sehr individuell je nach Destination. Pauschal lassen sich aber ein paar zentrale Faktoren nennen: Kooperationen und Netzwerke, Diversifikation von Märkten und Produkten, Investitionen in Innovationen und Digitalisierung sowie Nachhaltigkeit und regionale Identität, die Sicherung von Fachkräften und die aktive Weiterbildung. Regionale Produkte, der Schutz des Natur- und Kulturerbes, eine nachhaltige Infrastruktur – all das macht eine Destination zudem nachweislich resilienter, weil man sich auf die eigenen Stärken stützt.
Resilienz passiert nicht im stillen Kämmerchen. Sie funktioniert immer übergreifend in Kooperationen und einem starken Netzwerk – ganz im Sinne der Interreg-Projekte, wo über die Regionen hinweg zusammengearbeitet wird. Auch Partizipation ist eine zentrale Säule: die Einbindung der lokalen Bevölkerung und aller Stakeholder:innen in die Tourismusentwicklung, damit die Region auf stabilen Beinen steht. Und: Resilienz ist keine Kennzahl, sondern ein Prozess – etwas, das sich ständig weiterentwickelt.
Mit der Rubrik "Nachhaltigkeit in Österreich" möchte die Österreich Werbung bewusst inspirierende Initiativen, Regionen und Betriebe vor den Vorhang holen. Wir gratulieren dem Interreg-Projekt "Resilienter Tourismus" zu den bisherigen Ergebnissen und wünschen weiterhin viel Erfolg!