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Im Talk mit Lisa Weddig

Im Talk mit Lisa Weddig

Die neue Chefin der Österreich Werbung ist jetzt sechs Wochen im Amt. Wir sprechen mit Lisa Weddig über ihren Blick auf das Urlaubsland Österreich, ob die Österreicherinnen und Österreicher heuer wieder Urlaub im eigenen Land machen und wie die ehemalige TUI-Österreich-Chefin ihren neuen Job erlebt. – Ein Beitrag aus bulletin, dem für den Tourismus kostenlosen Fachmagazin der Österreich Werbung.

Seit 1. Juni ist Lisa Weddig Geschäftsführerin der Österreich Werbung. Die 38-jährige Vollblut-Touristikerin war lange Jahre in verschiedenen leitenden Positionen der TUI-Group tätig, zuletzt als Geschäftsführerin von TUI Österreich. Im Interview plaudern wir mit Lisa über ihren Blick auf das Urlaubsland Österreich, den Sommer, Trends und den kommenden Winter.


Du warst während Deiner Zeit bei TUI viel im Ausland unterwegs und bringst quasi den Blick von außen mit. Wie nimmt man Urlaub in Österreich „draußen“ wahr?

Österreich ist eines der Top-Urlaubsländer weltweit. Wofür wir am meisten geschätzt werden, ist unser Lebensgefühl. Wenn man zu uns kommt, ist alles ein bisschen gelassener, ein bisschen gemütlicher, herzlicher. Die Nähe durch die vielen kleinen Familienbetriebe – das schätzen unsere internationalen Gäste total. Wofür wir auch stehen, sind unsere Natur, die Berge, die Seen, dass man viel Freiraum hat. Das ist gerade jetzt wichtig. Was man auch noch hervorheben sollte, ist die Kombination aus dem Traditionellen und dem Modernen, wie in der Kulinarik und der Kultur – das steht auch sehr für Österreich.  

Glaubst Du, dass heuer viele Österreicherinnen und Österreicher wieder Urlaub im eigenen Land machen werden?

Ich glaube, dass wir letzten Sommer viele Österreicher überzeugen konnten, dass Heimaturlaub etwas Tolles ist. Nichtsdestotrotz denke ich, dass man heuer auch mal wieder ans Meer fahren wird. Aber der Trend geht dazu, mehrmals im Jahr auf Urlaub zu fahren. Wenn die Österreicher ein bis zwei Mal im Inland bleiben und dann auch eine Reise ins Ausland machen, ist das eine wunderbare Kombination.

Du bist jetzt seit sechs Wochen Geschäftsführerin der ÖW. Hat Dich in der Zeit etwas überrascht?  

Was mich überrascht oder vielleicht auch bestätigt hat ist, dass die Arbeit gar nicht so anders ist zu dem, was ich davor gemacht habe. Als Geschäftsführung ist man verantwortlich für Struktur, für Strategie, für Budget, ­für ­Unternehmenskultur. Auch der Fokus auf Marketing, auf den Vertrieb und digitale Entwicklung, genau das war auch vorher in meinem Job wichtig. Insofern hat es mich dann doch so ein bisschen überrascht, wie ähnlich es ist. Was aber ganz klar anders ist, ist die große Anzahl an Stakeholdern und Partnern. Der Austausch mit so vielen Personen in der Branche ist für mich neu und bereichernd. Was für mich auch eine Erkenntnis war: Dass die Österreich Werbung schon stark in Zukunftsthemen arbeitet, gerade im Bereich Innovation und Digitalisierung.  

Was sind die großen Herausforderungen in der Digitalisierung?   

Die Herausforderung bei der Digitalisierung ist, dass sie schwer greifbar ist. Und ein Feld, wo Expertenwissen nötig ist und vor dem sich vielleicht einige auch kleinere Betriebe immer noch ein bisschen fürchten. Aber Digitalisierung ist eine Grund­voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit des Tourismus. Wir haben jetzt die Chance, neue Prozesse zu schaffen, zu versuchen, effizienter zu sein. Ein großes Thema sind die Daten. Betriebe, Regionen, Destinationen haben alle ihre eigenen Daten, aber wir haben nirgendwo DIE österreichischen Tourismusdaten in einem Topf. Wir müssen daran arbeiten, die überall verteilten Daten in einen Pool zu bekommen. Wir nennen das den Data hub. Diese Daten zu bereinigen, neu zu vernetzen und aufzubereiten, um sie nutzen zu können: Das ist für mich die Grundvoraussetzung überhaupt für die Zukunft.
Sowohl wir als auch alle anderen Betriebe müssen zu datengetriebenen ­Organisationen werden und ganz klar Entscheidungen auf Daten beziehen. 

Wir führen dieses Interview Ende Juli. Der Sommer läuft gut. Wie wird es weitergehen Richtung Wintersaison?

Die Buchungen für Winterurlaub sind zum jetzigen Zeitpunkt so stark wie noch nie. Winterbuchungen ziehen normalerweise mit dem Ende der Sommerferien an. Aber ich höre von allen, auch Reiseveranstaltern und Reisebüropartnern aus anderen Ländern, dass jetzt schon viel Nachfrage nach Winterurlaub herrscht. Natürlich sind die Stornoregelungen gerade sehr flexibel, aber die Nachfrage ist da. Für uns ist es wichtig, dass die Wintersaison stattfindet. Österreich ist mit über 50 Prozent Marktanteil bei Winterurlaub in Europa deutlicher Marktführer. Wir brauchen den Winter, wir können nicht noch einmal einen kompletten Ausfall haben. Deshalb ist es wichtig, dass wir mit der Impfquote in Österreich vorankommen, um uns bestmöglich gegen steigende Inzidenzen zu schützen.  

Die ÖW plant eine große Winterkampagne, die anders sein wird als das, was wir in der Vergangenheit gemacht haben. Was wird anders?

Also erstmal ist das Geld, das wir zur Verfügung haben, mehr. Wir werden in Summe sieben Millionen Euro investieren – mehr als in jede frühere Winterkampagne. Und wir haben ganz klar gesagt: Wir brauchen eine große Lead-Kampagne, um als Österreich im Wettbewerb sichtbar zu werden. Wir haben ein­ ­Thema gefunden, das sehr schön das Gefühl zum Urlaub in Österreich widerspiegelt. Bei unserem Kick-off am 21. September werden wir die Kampagne erstmals zeitgleich in 18 Märkten international im Rahmen einer großen Pressekonferenz vorstellen. Das Schöne ist, dass auch die Landestourismusorganisationen daran beteiligt sind, sowohl an der Kampagne als auch an dem Presse-Kick-off. Wir haben viele Regionen und Destinationen, die sich bei dem Thema wiederfinden und mitmachen. Das ist unser großes Zugpferd für den Winter.

Was kann die ÖW sonst noch für die Branche in Österreich tun?

Wir haben in unseren Marktbüros Kolleginnen und Kollegen, die vor Ort die Tourismuspartner kennen und die Vernetzung schaffen zu den österreichischen Partnern. Und sie wissen auch ganz genau: Wie läuft es in Asien, in Amerika? Wie sind die Reiseabsichten? Was macht eigentlich der Wettbewerb? Und diese Informationen tragen unsere Kolleginnen und Kollegen in die Branche.

Zum Abschluss eine persönliche Frage: Wo machst Du heuer Urlaub?

Ich bin ein großer Fan von Hüttenwanderungen. Ein paar Tage körperlich auspowern und dann im Anschluss Wellness-Urlaub mit Yoga, das ist meine Lieblingskombination eines idealen Österreichurlaubs.

Skifahren?

Auf jeden Fall! Seit ich zwölf Jahre alt bin, fahre ich begeistert Ski. Ich freue mich schon auf den Winter. Und darauf, dass wir diesen Winter wieder Gäste bei uns begrüßen können.