Die Sehnsucht der Briten, sich zu spüren

Die Sehnsucht der Briten, sich zu spüren

Conscious Travel, Mindfulness, Slow Tourism – da schwirren derzeit viele Schlagworte herum und jeder versteht etwas Anderes darunter.

Ein Beitrag von Klaus Ehrenbrandtner, Markt Manager Großbritannien

Naturpark Sölktäler

Fest steht allerdings, dass die Briten derzeit für all das sehr empfänglich sind, vor allem die „Intellektuellen“ (laut Sinus-Institut rund 10% der britischen Bevölkerung und überaus reiselustig). Dahinter verbirgt sich die Sehnsucht der Briten nach einer Gegenwelt zum urbanen, hektischen, lauten, (Luft-)verschmutzten und anonymen Alltag in den britischen Städten. Großbritannien weist mit 83% einen der höchsten Urbanisierungsgrade in der EU auf (Österreich liegt bei 66%, der EU-Durchschnitt bei 75%). Was genau steckt hinter dieser Sehnsucht?

Zeit und Raum
Die Briten sehnen sich vor allem nach dem, was im Alltag ein sehr knappes Gut wurde: Zeit und Raum. So leistet man sich im Urlaub ein Stückchen „Quality Time“ (für sich selbst, für die Beziehung, für die Familie) und endlich genug Raum, um sich zu bewegen und entfalten ohne dass man sich dabei gegenseitig auf die Füße steigt. Gerne möchte man die Weite spüren: ein Blick auf das Meer oder ein gewaltiges Bergpanorama oder die Dimension der Wüste wahrnehmen. Die Zeit darf dabei auch gerne einfach mal stehenbleiben.

Mindfulness
Wikipedia meint, Mindfulness „kann als Form der Aufmerksamkeit im Zusammenhang mit einem besonderen Wahrnehmungs- und Bewusstseins­zustand verstanden werden“. Worum geht es genau? Sich selbst (seinen Körper) spüren, den Moment erfassen, seine Umwelt bewusster wahrnehmen, Stress reduzieren, sich sammeln. Genau nach diesem Zustand streben immer mehr Menschen. Am britischen Markt boomen seit Jahren Bücher, Medien, Apps, etc. rund um das Thema. Der Guardian schrieb erst kürzlich: “The UK’s ‘mindfulness mega-trend’ shows no sign of running out of breath, with sales of ‘mind, body, spirit’ books booming”.

„Breathe“
Die klassische Methode, um erwähnten Zustand zu erreichen, ist Meditation. Im Mindfulness-Fahrwasser wurden aber einige andere Trends mitgespült und viele andere Tätigkeiten, die meditativ sind, erfreuen sich daher großer Popularität. Die Ausmalbücher sind schon wieder passé, aber Yoga ist weiterhin überall. Stricken kommt (bestimmt) und Sportarten mit repetitiven Bewegungsabläufen (Laufen, Radfahren, Wandern) sind populär, um runterzukommen. Am liebsten – wenn vorhanden – in guter, frischer Luft.

„Move“
Apropos „bewegen“: da tut sich was bei den Briten. Beispiel Radfahr-Boom: in der Rush Hour sind in der City of London mittlerweile mehr Fahrräder auf der Straße als Autos. Räder und Accessoires sind beliebte Lifestyle-Items der urbanen Briten geworden. Beispiel Wander-Boom: Bei der Markenmessung der ÖW wurden britische Österreich-Urlauber gefragt, welche Art von Urlaub sie in unserem Land verbracht hätten: 2015 antworteten 2% mit „Wanderurlaub“, 2017 waren es bereits 10%.

„Make“
Auch das hat mit „sich spüren“ zu tun: Mit seinen eigenen Händen etwas herstellen - ein Erlebnis, das im Zeitalter der Digitalisierung aus dem Alltag der Meisten verschwindet. Als Reaktion darauf boomt DYI (do-it-yourself) und im „Makerspace“ (Beispiel) drechselt sich der gestresste Bürohengst nach Feierabend seinen Kerzenständer aus Ahornholz. Wer keinen Makerspace in der Nähe hat, erschafft etwas zu Hause beim Malen oder bei der Gartenarbeit.

Die gute alte Zeit
Bei all dem schwingt eine gewisse Nostalgie mit. Digital ist im Alltag Standard, gerade das macht alles Analoge so besonders. Alles, was in dieser Hinsicht in „Landlust“ und auf „Servus TV“ gut funktioniert, kommt auch bei britischen Intellektuellen gut an:  Alte, fast verschollene Handwerkskunst; alte, fast ausgestorbene Tomaten-Sorten; Weinlese wie vor 100 Jahren; alte Schlösser; traditionell bewirtschaftete Almhütten, etc.

Mit gutem Gewissen genießen
Mindfulness verschreibt sich dem achtsamen Umgang nicht nur mit sich selbst, sondern auch mit seiner Umwelt. Konsequenz ist ein vermehrtes Streben nach sozialer Gerechtigkeit und nachhaltigem Umgang mit den natürlichen Ressourcen, z.B. beim Konsum von Nahrungsmitteln: daher bitte gerne bio, regional und fairtrade und nur dann, wann sie Saison haben. Das Fleisch darf gerne direkt vom persönlich bekannten Bauern kommen, dazu ein Craft Beer aus der lokalen Mikro-Brauerei.

Was hat das mit uns zu tun?
Viele Urlaubsangebote in Österreich holen genau diese Sehnsucht der Briten ab – nach Weite, nach meditativer Bewegung in frischer Luft, nach Einklang mit sich selbst und der Natur, nach kreativem Schaffen, nach Begegnung, nach alten Traditionen und nach hochwertigen Nahrungsmitteln aus lokaler Bio-Landwirtschaft.

Lassen Sie uns den Briten mehr darüber erzählen!
Für Sommer 2019 möchten wir den Briten zeigen, wo genau in Österreich sie diese Sehnsucht am besten stillen können: Beim Yoga am Berg oder am See, bei der Kräuterwanderung, in urigen Almhütten, beim Käse-Machen, beim Urban Gardening, bei Festivals mit Gleichgesinnten, beim Bird Watching, beim Slow Food Erlebnis, bei Hofwanderungen, beim Wine Cycling, während eines Klosteraufenthaltes oder am Biobauernhof…

Wo noch? 
Bei Interesse am Thema und für jegliche Inputs:
klaus.ehrenbrandtner@austria.info

© breathe.austria ©ÖW/Vice
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