ÖW Peking

31.10.2019

ÖW Peking

v.l.n.r.: Dieter Scharf, Ni Zhang, Lin Shen, Jing Liu, Emanuel Lehner-Telič

Dieter Scharf

  1. Schon Winston Churchill hat mal sinngemäß gesagt. "Es ist das Gemeinsame, das uns trennt". Die österreichische Küche hat viele regionale Spezialitäten, ebenso die Chinesische. Auch haben beide Länder eine lange Geschichte und Kultur. Und trotzdem unterscheiden sie sich in genau diesen Punkten doch wesentlich. Während man z.B. bei uns Essen genießt und danach noch bei Bier, Wein oder Kaffee plaudert, wird in China relativ rasch gegessen und sofort danach bezahlt. 
    Die Reisefreiheit existiert hier noch nicht so lange, also will man möglichst viel sehen (plus Shopping!) - oftmalige Reisen an den gleichen Ort einfach zum Entspannen sind v.a. bei der älteren Generation eher undenkbar. Die Familie spielt in China eine wesentlich größere Rolle als bei uns. Meine Frau ist aus Peking und ihre Familie lebt hier, daher habe ich eine Art "Insider-Blick". Der Zusammenhalt ist viel extremer ausgeprägt. Dies geht bis zu familiären Verpflichtungen und Usancen, die uns eher befremdend erscheinen. Das große Familienfest ist zum Chinesischen Neujahr, dabei und auch während des Jahres macht man sich kleine Geschenke, üblicherweise mit Geld in einem roten Kuvert. Es ist für Aussenstehende schwer zu durchschauen, wieviel Geld man hier für wen in das rote Kuvert steckt. Beliebt sind auch - mit kleineren Beträgen - rote Kuverts z.B. mit RMB 88,-, die man über WeChat an einen ausgewählten Kreis versendet. Der Zufall bestimmt dann, wer wieviel bekommt. 8 deswegen, weil sie die Glückszahl ist und durch Verdoppelung verstärkt wird.
  2. Meine langjährige Tätigkeit in der ÖW hat mich zu den verschiedensten Orten und Plätzen in allen 9 Bundesländern geführt - bekannte, aber auch zahlreiche "Hidden Treasures". Durch meine Leidenschaft fürs Golfspielen bin ich durch Zufall in den Lungau gekommen. Das ist jetzt über 20 Jahre her und Salzburgs südlichste Region ist für mich fast zu einer Art zweiten Heimat geworden, in der ich mich von Anfang an wohlgefühlt habe. Es ist die Mischung aus der Landschaft und den Menschen in der Region. Durch meine Mitgliedschaft im Golfclub habe ich viele Einheimische kennengelernt, viele davon sind Freunde geworden. Auch wenn ich nicht der große Wanderer bin, die zahlreichen Bergseen und eine Wanderung zur Quelle der Mur waren einzigartige Erlebnisse. Ganz besonders ist aber der Prebersee mit dem sogenannten "Prebersee-Schießen". Hier wird von einer Seite des Sees auf ein Ziel an der gegenüberliegenden Seite geschossen, jedoch nicht direkt, sondern man zielt auf die Wasseroberfläche, von der die Kugel abprallt und dann (hoffentlich) das Ziel trifft. Mittlerweile sind wir auch im Winter Stammgäste geworden und meine Tochter hat dort das Skifahren gelernt. Zwar kommen wir von Peking jetzt nicht mehr so regelmäßig in den Lungau - ist doch nicht ganz ums Eck - aber bei nächster Gelegenheit verbringen wir wieder unseren Urlaub im Almgut, direkt an der Talstation der Katschbergbahnen, wo der Besitzer selbst noch am Berg die Zirben sammelt und seinen mittlerweile berühmten Zirbenschnaps ansetzt. Hier habe ich tasächlich das Gefühl, angekommen zu sein.
  3. 1983: Frankfurt
    1983 - 1985: Wien
    1985 - 1989: Köln
    1989 - 1991: Chicago
    1991 - 1997: Zürich
    1997 - 2008: Wien
    2008 - 2014: London
    Seit 2014: Peking

    Meine Tipps: Einfach immer offen und verständnisvoll sein für die andere Kultur und Arbeitsweisen, aktiv auf die Menschen zugehen, den österreichischen Humor und Charme dabei einsetzen.

Ni Zhang

  1. Bei vielen Gelegenheiten habe ich bemerkt, dass Chinesen und Österreicher das Bier, der Wein und der Schnaps verbinden - quasi als eine Brücke zwischen den beiden Kulturen. Unterschiedlich sind natürlich die Arten und Marken bzw. wie sie konsumiert werden. Qingdao Bier aus China ist z.B. weltweit bekannt, hingegen ist Österreich als Weinanbauland berühmt und hat eine lange Tradition. Bei Reisen nach Österreich beweisen z.B. die österreichischen Gastgeber ihre Gastfreundlichkeit mit Sekt und Wein, andererseits probieren die chinesischen Gäste auch sehr gerne österreichische Spezialitäten wie Glühwein und Orangenpunsch – und auf einmal verliebt man sich in den tollen Geschmack!
  2. Als neue Mitarbeiterin der ÖW Peking hat mir meine Dienstreise im März 2019 nach Österreich sehr gefallen! Besonders spannend waren die zwei Tage im Ski-Gebiet Wagrain-Kleinarl. Als Teil von Ski amadé hat Wagrain mir ein
    einzigartiges und neues Skierlebnis geboten – das Ski-in & Ski-out Hotel mit Skiverleih, super präparierte Pisten und heimelige Skihütten – das waren tolle, sportliche Neuigkeiten für mich. Unvergesslich war auch die danach folgende Pferdeschlittenfahrt vom Café Olympia durch die verschneiten Landschaften zum Jägersee. Ganz entspannt habe ich die romantische und märchenhafte Kulisse bewundert. Noch etwas Lustiges: eines der Pferde war sogar schwanger und hat kurze Zeit später "ein Baby" bekommen! Der Jägersee, der sich in blau und grün präsentierte, war auch ein Highlight, der alles mit seinem klaren Wasser und den umgebenden hohen Bergen in Einklang bringt. Die Forellen, Schwäne und Enten machten die stille Landschaft lebendiger. Man will dort einfach nur sitzen, wandern und genießen.

Jing Liu

  1. China hat eine sehr lange Geschichte und man ist sehr stolz darauf.  China und Österreich haben daher sicher viel Gemeinsames. Auch wird hier die eigene Kultur gelebt und gepflegt. Gerade weil Österreich eine ebenso lange Tradition hat, glaube ich, dass das mit ein Grund ist, warum Chinesen so von Österreich fasziniert sind, weil eben auch hier die Kultur und Geschichte aktiv gelebt wird. Besonders schätzt man hier die klassiche Musik. Wenn man z.B. in China telefoniert und warten muss, bis das Telefonat entgegengenommen wird, wird klassische Musik als Hintergrund gespielt. Typisch für China ist, dass man sich kleine Geschenke macht, z.B. für das Moon Cake Festival im September schenkt man seinen wichtigen Partnern eine Packung mit Moon Cakes. Das ist die beste Möglichkeit, berufliche Kontakte zu intensivieren. Ein großer Unterschied liegt in der Kommunikation - ohne WeChat geht gar nichts. So halte ich Kontakt zu den Reisebüros, ob im Alltag, für Einladungen oder für Angebote aus Österreich, wofür wir einen eigenen B2B-Account haben.
  2. Mein Lieblingsort ist Wien. Ich bin sehr interessiert an Kunst und Geschichte - natürlich auch die eigene - und da fühle ich mich in Wien am besten aufgehoben. Mich faszinieren die vielen historischen Gebäude, die engen, alten Gassen, wo man das Gefühl bekommt, so richtig in die Vergangenheit einzutauchen. Als ich einmal aus dem Mozarthaus auf die Straße kam, war es für mich fast als würde er selbst gerade mit der Kutsche kommen. Auch mag ich gerne die Atmosphäre in den Wiener Kaffeehäuser, etwas das man hier in China nicht so erleben kann. Ich liebe es in Museen zu gehen, vor allem in die Albertina und das Kunsthistorische Museum. Ich konnte dort die Sonderausstellung über die Werke von Bruegel sehen. Von den Habsburgern kann ich nicht genug bekommen und in Wien gibt es da viel zu sehen und zu lernen. Am Abend bin ich immer gerne zum Heurigen gegangen. Ich freue mich jedes Mal sehr auf die nächste Gelegenheit, die Stadt, ihre Geschichte, die Kultur etc. neu zu entdecken. Für mich ist es nicht überraschend, dass Wien die lebenswerteste Stadt der Welt ist.
  3. Ich arbeite seit Oktober 2016 in der ÖW Peking. Meine Top-Tipps für die Arbeit am chinesischen Markt: ein eigener WeChat-Account, Respekt für dein Gegenüber und Geduld.

Lin Shen

  1. Österreich und China haben aus meiner Sicht viele Gemeinsamkeiten. Eine ist die Gastfreundlichkeit, nicht nur beim Reisen, sondern auch im Umgang mit Kolleginnen und Kollegen am Arbeitsplatz. Beide Länder sind aber auch beliebte Reiseziele und sind offen für Gäste und auch "Gastarbeiter". Die größten Unterschiede liegen sicher in den Lebensgewohnheiten und der Kultur. Chinesen trinken sehr gerne einfach nur heißes Wasser - zu Hause und auf Reisen, was oft als sparsam verstanden wird. Österreicher sind sportlich aktiver, sie wandern gerne, gehen gerne Skifahren, Radfahren etc. während Chinesen es lieber gemütlich angehen - spazieren statt wandern und sie lieben Thermen.
  2. Mein Wohlfühlort ist Bad Gastein im Winter, wo ich im letzten Winter mit meiner Familie auf Urlaub war und mit den Neffen und meiner Nichte Skifahren ging. Einerseits wollten wir einen entspannten Familienurlaub genießen, andererseits wollten wir aber auch, dass die Kinder Skifahren lernen. Vorher hatten wir ein bisschen Sorge, ob die Kinder das Essen mögen und sie sich als Chinesen mit anderen Kindern gut verstehen werden. Während wir mit dem Auto von Salzburg ins Gasteinertal gefahren sind, waren sie fasziniert von der wunderschönen Landschaft mit den schneebedeckten Bergen, gefrorenen Seen und dem Winterzauber im Allgemeinen - ihre Gesichter "klebten" die ganze Zeit über an den Fenstern. Der Skikurs war ein voller Erfolg, sie hatten jeweils einen halben Tag Skikurs inklusive Mittagsbetreuung. Es war toll anzusehen, wie leicht sie neue Freunde aus anderen Ländern gefunden haben. In der Zeit konnten wir als Erwachsene die Zeit entspannt mit eigenen Aktivitäten genießen, ob beim Spazieren oder beim Besuch eines Spas. Ich kann das "Gesta Grand Aktivhotel und Spa" sehr empfehlen - statt einer Auswahl an Speisen konnten wir jeden Tag sagen, was wir am Abend gerne essen würden und die Küche hat es für uns zubereitet. Überhaupt waren alle im Hotel sehr, sehr gastfreundlich.
  3. Ich bin bereits seit Mai 2014 bei der ÖW Peking tätig und habe gelernt, dass zwei Dinge für die Arbeit sehr wichtig sind: Nicht den Humor verlieren und interkulturell denken!

Emanuel Lehner-Telič

  1. Gemeinsamkeiten und Unterschiede: Zwischen China und Österreich überwiegen natürlich – adhoc gedacht – die Unterschiede, v.a. in der Größe, in der Kultur, in der Geschichte. Was aber in beiden Ländern sehr beliebt ist, ist das Thema Essen. Und da gibt es z.B. auch kleine Gemeinsamkeiten: In China isst man gerne gefüllte Teigtaschen und nennt sie Jaozi und in Österreich isst man Teigbälle, die gefüllt sind, und nennt sie Knödel. Geschmacklich sind sie - abgesehen von ein paar Gewürzen – oft gar nicht so unterschiedlich. Auch die Füllungen (Stichwort: Haschee) ähneln einander frappant.
  2. Wohlfühlorte in Österreich gibt es natürlich viele, aber irgendwie ist bei mir die Gegend um den Neusiedlersee mit vielen positiven Erinnerungen und Erlebnissen verknüpft. Schon als Kind hab ich mit den Großeltern einen Urlaub in Rust verbracht, den ich heute noch mit allen Speisen und Gerüchen ganz lebhaft in Erinnerung habe. Während der Schulzeit habe ich am Neusiedlersee Segeln gelernt. Als Student hat man die Vorzüge der Buschenschanken kennengelernt und ein großes Fußballturnier dort gewonnen. Mit dem Dienstort Budapest lag der See bei der Reise von Österreich nach Ungarn immer am Weg und wir machten dort oft Pause zum Spazieren, Baden oder Essen. Und schließlich haben meine Frau und ich auch noch in Purbach am Neusiedlersee geheiratet. Irgendwie fasziniert mich diese Weite der Landschaft und des Sees, die sich einem nach dem Leithagebirge eröffnet. Und dann ist da dieser typische Geruch, den man ansonsten eigentlich nur vom Meer kennt und der sich zwischen dem See und den Hügeln hält: eine Mischung aus Feuchtigkeit, Wärme, Weinreben und Feldern. Küche und Keller rund um den See sind ganz ausgezeichnet – egal ob bodenständig in einer Garage einer Buschenschank oder in einem haubenprämierten Restaurant. Unser kleiner „Geheimtipp“ – v.a. mit Kindern – ist das Strandbad Mörbisch: Dort gibt es alles, was das Kinder- und (Erwachsenen-)Herz begehrt: einen einfachen Seezugang, eine Insel mit Steg, von dem man ins Wasser springen kann, einen Pool mit Rutsche, Baumschatten, Tret- und Elektroboote – und ein Buffet mit Würstel und Eis!
  3. Dank meiner Arbeit in der ÖW habe ich bereits in der halben Welt gelebt: 2000-2004 in Berlin, 2004 - 2010 in Moskau, 2010 - 2016 in Budapest und seit 2016 in Peking.