ÖW Brüssel

05.12.2019

ÖW Brüssel

v.l.n.r.: Paul Mayer, Katrin Erben, Jelka Fraeyman, Lisa Maurer, Claudia Sandberg

  1. Typisch österreichisch vs. typisch Markt: Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede sind für dich am interessantesten?
  2. Was ist dein persönlicher Wohlfühlort in Österreich?

Paul Mayer, Marktmanager Belgien

  1. Nachdem ich bereits viele Jahre in Belgien lebe und hier auch sehr glücklich bin, fühle ich mich schon als ein „halber Belgier“ und denke vielleicht auch wie einer. Deswegen fällt es mir leichter Gemeinsamkeiten zu finden: Belgierinnen und Belgier bezeichnen sich - nicht nur historisch gesehen -  als die „Burgunder des Nordens“. Auch heutzutage ist der Sinn für das Genießen, das Wohlfühlen und für angenehme Gesellschaft allgegenwärtig. Die Tradition und die Fachmannschaft in der Braukunst, in der Kreation von Pralinen und anderen kulinarischen Genüssen, das „Zelebrieren des Moments“ – sei es in einem Bierlokal oder in einem Hauben-Restaurant – diese Lebensfreude teilen wir gerne. Ähnlich wie in Österreich sind Werte wie „Familie“, „Lebensqualität“ und „Gesellschaft“ sehr hoch besetzt. Im persönlichen Umgang finde ich, dass Belgierinnen und Belgier ähnlich wie wir in erster Linie freundlich und abwartend distanziert sind. Wenn das erste Eis gebrochen ist und Gemeinsamkeiten in Interessen oder Erlebnissen gefunden werden, steht einem Wiedersehen nichts im Wege. Mit einer Portion Sympathie und Offenheit entwickeln sich daraus wertvolle Freundschaften – auch im beruflichen Umfeld. In ihrer Arbeit sind Belgierinnen und Belgier sehr ambitioniert und zeigen hohen persönlichen Einsatz. Ich spreche dabei nicht nur von den in den Medien gebrachten Beispielen wie PolitikerInnen oder SportlerInnen. In der Wissenschaft, in der Kunst- und Modebranche aber auch im Handel sind unglaublich viele kluge und ambitionierte Leute an der Arbeit. Täglich werden unzählige Wunder durch „Heldinnen und Helden des Alltags“ in allen Berufsbildern der Gesellschaft und des Wohlfahrtstaats vollbracht. Große Bewunderung habe ich für Leute, die im Erziehungs- und im Pflege- und Spitalswesen oder auch im Bildungsbereich jeden Tag Großartiges leisten. Ich denke, dass das auch ein Grund ist weswegen Urlaub, gemeinsame Freizeitaktivitäten mit der Familie sowie Rückzugs- und Wohlfühlorte einen ganz besonderen Stellenwert im Alltag haben. Ein Glück, dass das Urlaubsland Österreich derart viel zu bieten hat.

  2. Ich habe beruflich und privat auf Reisen schon viele Orte in Österreich kennenlernen dürfen, die ich mit Wohlfühlen assoziiere. Eines haben sie gemeinsam: Sie sind unverwechselbar und für mich einzigartig - durch ihr Ambiente oder die Lage, den Menschen und die Inspiration sowie die Kraft, die ich erfahre, wenn ich dort bin. Aber auch die Vorfreude, die Idee und der Weg dorthin geben mir bereits gute Gefühle: Ein Beispiel wäre etwa das Wiener Hotel Kaiserhof, durch viele Dienstreisen ein Ort des Wiedersehens mit Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt. Ein Ort, wo ich von den aufmerksamen Damen nicht nur an der Rezeption, sondern auch beim Betreten des Frühstückraums mit einem fröhlichen Morgengruß und meinem Namen persönlich begrüßt werde und das Kännchen Kaffee mit extra kalter Milch mich zu meinem Tisch begleitet. Oder hoch oben auf der Zillertaler Kristallhütte mit FreundInnen nach einem sportlich intensiven Vormittag nicht nur die gute Luft, den Sonnenschein und das imposante Bergpanorama auf sich wirken zu lassen, sondern auch einen köstlich duftenden Kaiserschmarrn mit Zwetschenröster Bissen für Bissen zu genießen.

Katrin Erben, Presse, Marketing & Partnermanagement

  1. Tatsächlich bin ich mehr und mehr der Meinung, dass es zahlreiche verbindende Elemente zwischen Österreich und Belgien gibt. Da ist einerseits die historische Verbundenheit, beide Länder stehen oft im Schatten ihrer größeren, sprachlich identen Nachbarländer und haben doch so viele – oft noch versteckte Schätze – zu bieten. Andererseits ist hier auch der Stellenwert von Lebensqualität zu erwähnen. Sei es nun eine gute Jause auf einer österreichischen Berghütte oder frische Nordsee-Schmankerl auf einem der zahlreichen belgischen Wochenendmärkte – beide Länder wissen zu leben und zu genießen. Grundsätzlich bin ich auf jeden Fall der Meinung, dass es für mich mehr als nur bereichernd ist, das Leben in beiden Ländern zu kennen und ich habe auf jeden Fall Eigenheiten und Details von Österreich und Belgien lieben gelernt, denen ich sonst vermutlich nicht einmal Beachtung geschenkt hätte.

  2. Mir fällt es sehr schwer, mich hier auf einen Ort zu beschränken. Daher möchte ich an dieser Stelle zwei Geschichten beschreiben: Ich bin gebürtige Wienerin und werde diese Stadt immer von Herzen lieben. Vor meinem Umzug nach Brüssel habe ich in Gersthof im 18. Bezirk gelebt, nur ein paar Gehminuten vom Türkenschanzpark entfernt. Diese Parkanlage ist tatsächlich etwas, das den Namen „Wohlfühlort“ verdient. Sei es bei morgendlichen Laufrunden oder mit einem guten Buch auf einer Picknickdecke im Sommer… Im Türkenschanzpark habe ich schon viele schöne Stunden verbracht. Gerade in der Adventszeit kann ich allen den Weihnachtsmarkt am oberen Ende des Parks sehr ans Herz legen. Mit dezenten Lichterketten in den Bäumen strahlt der Ort einfach Gemütlichkeit aus – und lässt mich jedes Mal den Glühwein und Maroni noch mehr genießen. Außerhalb Wiens habe ich im Zuge meiner Pressetätigkeit Osttirol kennen- und lieben gelernt. Vor allem Matrei in Osttirol und der nahegelegene Nationalpark Hohe Tauern haben es mir sehr angetan. Mittlerweile habe ich dort auch privat Urlaub gemacht und kann die Region nur als absoluten Kraftort bezeichnen. Alles wirkt noch ein wenig authentischer und es ist die ideale Umgebung um die eigenen Batterien aufzuladen! Mein ganz persönlicher Tipp: Die Nationalpark-Ranger-Tour „ins ewige Eis“

Jelka Fraeyman, Online-Marketing & B2B

  1. Im Arbeitsumfeld ist für mich die Pünktlichkeit der größte Unterschied oder besser gesagt, was BelgierInnen unter Pünktlichkeit verstehen. Wenn man einen Termin in Belgien ausmacht, gehört es einfach dazu, auch mal 15 Minuten zu spät zu kommen, sogar ohne Bescheid zu geben. ÖsterreicherInnen sind hier generell anders: Pünktlichkeit steht an der Tagesordnung und sollte es doch einmal zu Verspätungen kommen, geben sie immer Bescheid – selbst wenn es sich nur um ein paar Minuten handelt.

  2. Ich fühle mich richtig wohl, wenn ich oben an einem Gipfelkreuz stehe, wenn man nach einer herausfordernden Wanderung dann endlich an der Spitze angekommen ist und sich schweißgebadet erst einmal erholen muss – der beste Zeitpunkt für eine Gipfeljause mit der besten Aussicht!

Lisa Maurer, Marketing & Tourismusforschung

  1. Sobald BelgierInnen erfahren, dass ich aus Österreich komme, dreht sich das Gespräch sehr schnell um mein Heimatland. Die positive Assoziation mit Österreich lässt Erinnerungen aufflammen und sie erzählen mir meist von vergangenen Urlauben oder geplanten Reisen. Die Faszination liegt in den Alpenzügen, da der höchste Berg Belgiens starke 694 Meter misst. Aber nicht nur in der Natur, auch in der Kulinarik gibt es einige Unterschiede. Trifft man sich in Österreich um 15 Uhr zu Kaffee und Kuchen, ist es in Belgien hingegen üblich, ein Bier zu bestellen. Denn belgisches Bier zählt zu den sortenreichsten der Welt und ist Teil des immateriellen Kulturerbes der UNESCO. Worauf besonders Wert gelegt wird: für jede Sorte gibt es ein speziell entworfenes Glas in dem das Bier auch serviert werden muss! Was ich auch schnell gelernt habe: sage niemals „French Fries“, denn diese haben ihren Ursprung in Belgien, nicht in Frankreich. Und ja, es gibt wirklich erhebliche Unterschiede im Geschmack der Pommes und man lernt schnell in welcher „Frituur“ es die Besten gibt.

  2. Da ich im Bezirk Mödling aufgewachsen bin, ist der angrenzende Wienerwald meine Nummer 1 der Wohlfühlorte in Österreich. Mountainbiken, Wandern, Reiten, Rodeln oder einfach nur spazieren gehen – dieser Wald ist für mich ein Ort, an dem ich zu jeder Jahreszeit unterwegs bin und die Natur immer anders auf mich wirkt. Dennoch zieht es mich, genauso wie die BelgierInnen, gerade im Winter in den Westen Österreichs. Das alpine Gebirge und die Schneesicherheit lassen mein Skifahrerinnenherz (nicht nur wegen der Anstrengung) schneller schlagen.

Claudia Sandberg, Administration

  1. Typisch österreichisch: Vanillekipferl, Kaiserschmarrn und Mozartkugeln. Typisch belgisch: Waffeln, Spekulatius und Pralinen. ÖsterreicherInnen und BelgierInnen wissen einfach, was gut schmeckt. Die einen bestäuben lieber mit Zucker, die anderen karamellisieren mehr.
  2. Das Ausstellungsgebäude der Wiener Secession ist mein persönliches Highlight. An einem Sommerabend vor dem Portal des Gebäudes stehen und auf die filigrane goldene Kuppel schauen, einfach unglaublich schön! Die Jahrhundertwende zählt für mich zu einer der schönsten Epochen in der Kunst und in diesem Gebäude kann man noch den Geist der Zeit verspüren.