Ausgabe vom 28.08.2025
2024 haben 80 % der Deutschen ab 14 Jahren eine Urlaubsreise mit 5+ Tagen Dauer unternommen. So viele wie nie zuvor. In absoluten Zahlen bedeutet dies 56 Mio. Reisende, die insgesamt 68 Mio. Reisen (+6 %) gemacht haben. Der Zuwachs betraf vor allem die Haupturlaubsreisen, während die Zusatzreisen nur leicht zulegen konnten und damit weiterhin deutlich unter dem Niveau von 2019 lagen (-23 % bzw. -3,6 Mio. Reisen). Die Reiseausgaben erreichten mit 90 Mrd. Euro einen neuen Rekordwert.
Auch bei den Kurzreisen stieg die Reiseintensität deutlich auf 52 % der Bevölkerung ab 14 Jahren. Diese haben 96,9 Mio. Kurzreisen unternommen und damit um 26 % mehr als im Vorjahr. Diese Dynamik gleicht den fehlenden Anstieg bei den Zusatzreisen im 5+ Tage-Segment aus. Die Gesamtausgaben für Kurzreisen kletterten auf ein neues Rekordhoch von 38 Mrd. Euro – ein sattes Plus von 35 % im Vergleich zu 2023.
Österreich hat 2024 in absoluten Zahlen in beiden Segmenten zugelegt und lag damit bei Reisen mit 5+ Tagen Dauer auf Platz 6 der beliebtesten Reiseziele, bei Kurzreisen hinter dem Inland auf Platz 2.
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Ein Blick auf den Sommerurlauber 2024 zeigt deutliche Unterschiede je nach gewählter Unterkunft:
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5 % aller Sommerreise-Planenden aus den zehn untersuchten Märkten der Sommerpotenzialstudie wollen mit Hund verreisen. Das sind 7,8 Mio. Personen. Sie sind naturverbundene Vielreisende mit hohen Ansprüchen, reisen meist mit dem Auto und bevorzugen Ferienwohnungen oder Camping. Ihre Reiseplanung ist oft kurzfristig, und sie lassen sich vor allem von Familie, Google, Social Media (v. a. Instagram) und KI inspirieren. Bewegung in der Natur, Kulinarik, Tiererlebnisse und Baden im See zählen zu ihren wichtigsten Urlaubsmotiven. Österreich liegt bei 86 % fix im Relevant Set für die kommenden drei Jahre.
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Der Begriff Longevity - das Streben nach einem langen, gesunden Leben bei hoher Lebensqualität - wird zunehmend zum Paradigmenwechsel im Tourismus, vor allem im alpinen Raum. Der neue Trendreport der Prodinger Tourismusberatung zeigt eindrücklich, wie sich Hotellerie, Destinationen und Investoren anpassen müssen: Weg von traditionellen Wellness‑Oasen hin zu medizinisch fundierten, präventiven Gesundheitskonzepten. Gefragt sind personalisierte Ernährung, Regeneration, Präventionsprogramme und medizinisch begleitete Retreats, die messbare gesundheitliche Mehrwerte bieten. Während klassische Wellnessangebote an Bedeutung verlieren, eröffnet Longevity neue Marktchancen - sowohl im Premiumsegment als auch für jüngere, gesundheitsbewusste Reisende. In Österreich ist dieser Trend bereits sichtbar, mit innovativen Angeboten etwa in Kältekammern, Sauerstofftherapien oder spezialisierten Longevity‑Behandlungen in den Alpenregionen wie Vorarlberg oder dem SalzburgerLand. Anbieter stehen jedoch vor der Frage, ob und wie sie zum Ort der echten gesundheitlichen Transformation werden wollen - denn Glaubwürdigkeit erfordert Tiefgang, Beständigkeit und investitionsbereite Professionalität.
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Die Verbraucherstimmung in Deutschland hat sich im August 2025 weiter verschlechtert. Das geht aus den aktuellen GfK-Konsumklima-Daten hervor, über die Reise vor 9 berichtet. Sowohl die Konjunktur- als auch die Einkommenserwartungen der Verbraucherinnen und Verbraucher sind deutlich rückläufig. Auch die Anschaffungsneigung ist leicht gesunken, während die Sparneigung erneut zugenommen hat. Die wirtschaftliche Unsicherheit nimmt damit weiter zu, was sich negativ auf Konsumlaune und Investitionsbereitschaft auswirkt. Als Hauptursache gilt eine wachsende Sorge um die Stabilität des Arbeitsmarktes. Laut GfK-Experte Rolf Bürkl belasten vor allem zunehmende Meldungen über Arbeitsplatzabbau und sinkende Beschäftigungszahlen die Konsumlaune vieler Menschen. Diese Entwicklung hat auch Auswirkungen auf den Inlandstourismus: Wer sich wirtschaftlich unter Druck fühlt, wird bei Urlaubsplanung und Reiseausgaben vorsichtiger agieren. Das Konsumklima bleibt damit ein sensibler Indikator für die Tourismusnachfrage im eigenen Land.
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Der Beherbergungssektor in Österreich zeigt sich für die Saison 2025 verhalten optimistisch: Obwohl lediglich zwei von fünf Betrieben eine positive Entwicklung erwarten - und damit unter dem EU-Durchschnitt liegen - zeichnet sich eine stille Investitionsdynamik ab. Trotz erschwertem Zugang zu Finanzmitteln steigt die Bereitschaft, in Personalqualifizierung zu investieren. Neben Trainings gewinnen besonders Maßnahmen im Bereich Marketing an Bedeutung, wobei der Einsatz von KI in diesem Feld populär ist - für operative Aufgaben hingegen bleibt der Nutzen vielerorts umstritten. Hinzu kommen stille Umstellungen bei der Personalstruktur: Ausländische Arbeitskräfte sind weit verbreitet, jedoch zeigen sich Sprachbarrieren als größte Herausforderung. Auffällig ist die Diskrepanz zwischen kurzfristig zurückhaltender Stimmung und langfristigem Vertrauen: Investitions- und Schulungspläne nehmen weiterhin zu, was laut Statista-Datenjournalist Thomas Hinton auf optimistische Perspektiven trotz aktueller Vorsicht deutet.
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Internationale Reiseblogger:innen und Influencer:innen zeigen Wien auf Youtube vor allem durch die Brille der klassischen Touristenroute: Stephansplatz, Naschmarkt, Schnitzel, Apfelstrudel, Kaffeehauskultur - das „Wien der ersten Vorstellung“. Die meisten Videos fokussieren sich stark auf die Innere Stadt, die mit ihrer historischen Kulisse, den bekannten Lokalen und imperialen Sehenswürdigkeiten das Bild von Wien prägt, das viele aus dem Ausland erwarten. In den Videos ist Wien meist „amazing“ oder „mindblowing“, vor allem für eine etwas ältere, nordamerikanisch geprägte Zielgruppe, die Europa als kulturellen Sehnsuchtsort sieht. Auffällig ist der „Lonely-Planet-Effekt“: Trotz individueller Inszenierung ähneln sich die Inhalte stark - von Café Central über den Prater bis zum Figlmüller-Schnitzel. Einige Blogger:innen suchen dennoch gezielt nach authentischeren Eindrücken abseits der Hotspots - mit Besuchen bei Heurigen, Spaziergängen entlang des Donaukanals oder kleinen Entdeckungen wie Flaktürmen oder Bärlauch im Prater. Youtube wird so nicht nur zum Reiseführer, sondern zum Verstärker für touristische Routinen, der durch Algorithmen und gegenseitige Verlinkung bekannte Orte weiter hervorhebt. Gleichzeitig vermitteln die Videos, wie sehr kleine Details - Trinkwasserbrunnen, öffentliche Parks oder leise Straßen - von außen wahrgenommen werden und das positive Wien-Bild prägen. Auch wenn Tourist:innen und Einheimische oft in unterschiedlichen Welten leben, gelingt es manchen Videos dennoch, ein Gefühl für die Stimmung der Stadt zu vermitteln - als ruhiger, zugänglicher Ort mit hoher Lebensqualität. Oder wie ein Blogger es zum Schluss formuliert: "Vienna waits for you."
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Die Antarktis gerät nicht nur durch den Klimawandel unter Druck - auch das fein austarierte marine Ökosystem verändert sich leise, aber spürbar. Neue Forschungsergebnisse zeigen: Die Population sogenannter Diatomeen - mikroskopisch kleiner Algen mit zentraler Bedeutung für den globalen Kohlenstoffkreislauf - ist in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgegangen. Diese Organismen binden CO₂ und transportieren es in die Tiefsee. Ihr Verlust schwächt damit die natürliche Klimapufferfunktion der Weltmeere - ein Prozess mit globaler Tragweite, der auch den Tourismus betrifft.
Denn während Expeditionskreuzfahrten und wissenschaftlich begleitete Reisen in die Antarktis zunehmen, steht die Region durch steigende Besucherzahlen, sensible Ökosysteme und wachsenden CO₂-Ausstoß unter doppeltem Druck. Der sogenannte „Polartourismus“ ist zwar klein im Vergleich zu globalen Reisebewegungen, aber er findet in einer der fragilsten Regionen der Erde statt. Schon jetzt reagieren Anbieter mit freiwilligen Standards und Begrenzungen, doch die ökologischen Kipppunkte liegen oft im Verborgenen – wie etwa der Wandel im Planktonbestand. Der zunehmende Verlust von Diatomeen und die Ausbreitung anderer, weniger CO₂-effizienter Algenarten wie Kryptophyten könnten langfristig auch Auswirkungen auf die klimabezogene Rechtfertigung nachhaltiger Antarktisreisen haben.
Forschende fordern daher mehr Langzeitbeobachtung und internationale Kooperation, um ökologische Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Denn was im Mikroskop passiert, wirkt sich auf CO₂-Bilanzen, Schutzstrategien - und letztlich auch auf die Legitimität touristischer Aktivitäten in der Antarktis aus.
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In der bislang umfassendsten Analyse zur Nachhaltigkeit in Österreich - mit Daten von 420.000 Unternehmen - zeigt sich ein klarer Zusammenhang: Unternehmen, die im Bereich ESG (Environment, Social, Governance) besonders gut aufgestellt sind, sind deutlich stabiler und wirtschaftlich erfolgreicher. Konkret: Unternehmen mit sehr guter oder guter ESG-Performance sind um rund 15 % wirtschaftlich stabiler als Unternehmen mit schwächerer Bewertung und tragen zugleich mit 69 % des Gesamtumsatzes den Löwenanteil zur wirtschaftlichen Leistung des Landes bei. Das zeigt: Nachhaltigkeit ist längst kein Kostentreiber, sondern ein wirtschaftlicher Erfolgsfaktor, der zur Sicherung von Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit entscheidend beiträgt.
Für die Tourismusbranche ist das mehr als eine abstrakte Erkenntnis: Nachhaltige Hotelleriekonzepte, klimafreundliche Mobilität, regionale Lieferketten und sozial verträgliche Angebote können nicht nur Umweltverantwortung widerspiegeln, sondern auch zu belastbareren und ertragreicheren Geschäftsmodellen führen. Wenn nachhaltiges Wirtschaften Unternehmen widerstandsfähiger und umsatzstärker macht, eröffnet das dem Tourismus neue Gestaltungsräume - von klimafit operierenden Betrieben bis zu Angeboten, die auch anspruchsvolle, umweltbewusste Gäste gewinnen.
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Europäische Zugreisen sind in vielen Fällen teurer als Flüge - eine Erkenntnis, die besonders im Tourismus nachdenklich stimmt. Laut aktueller Greenpeace-Studie waren von 109 grenzüberschreitenden Bahnverbindungen auf 54 % der Strecken Flüge günstiger als Züge, selbst bei Buchungen an verschiedenen Tagen - obwohl Fliegen deutlich umweltschädlicher ist. Besonders preissensitiv sind Routen zwischen Frankreich (95 %), Spanien (92 %), Großbritannien (90 %) und Italien (88 %), auf denen Bahnreisen fast immer teurer ausfallen. Extrembeispiel: Eine Zugfahrt von Barcelona nach London kann bis zu 26‑mal teurer sein als ein Flug.
Dagegen schneiden einige Länder wie Polen und im Baltikum besser ab, dort ist die Bahn häufiger günstiger als das Flugzeug. Auf inneren, nationalen Strecken überwiegt sogar eine günstigere Bahn - in etwa 70 % der untersuchten Fälle
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