Ausgabe vom 18.09.2025
Im Sommer 2024 verbrachten 1,4 % aller Österreich-Gäste einen spezifischen Wein- und Kulinarikurlaub mit Aktivitäten rund um Wein und Winzer. Obwohl der Anteil seit dem Pandemiejahr etwas zurückging, zeigt sich die Gruppe der Weinurlauber:innen als besonders attraktiv: Sie sind überdurchschnittlich einkommens- und bildungsstark, fast 20 % verfügen über ein Haushaltsnettoeinkommen von mehr als 6.000 Euro. Auch die Wahl der Unterkunft hebt sich ab - 7 % entscheiden sich für ein 5-Sterne-Hotel (im Schnitt nur 2 %). Herkunftsmärkte sind vor allem Österreich, Deutschland und die USA.
Das Reiseverhalten unterscheidet sich deutlich vom typischen Sommergast: Jeder zweite kommt als Paar, ein knappes Viertel reist mit Freunden - deutlich mehr als im Gesamtschnitt. Familien spielen mit unter 10 % eine kleinere Rolle. Weinurlauber sind besonders loyal: 77 % sind Stammgäste. Bei der Wahl der Destination stehen Kulinarik, Landschaft und Atmosphäre im Vordergrund. Beliebt sind Weinregionen im Flach- und Hügelland wie die Südsteiermark, aber auch Flusslandschaften wie die Wachau; zudem entscheiden sich 8 % für Städte.
Der Aufenthalt ist meist kurz - 2 oder 4 Nächte sind typisch, Kurzurlaube bis 3 Nächte machen 37 % aus (gegenüber 26 % bei allen Sommergästen). Ergänzend zum Weinthema stehen oft Kultur, Sightseeing und Radfahren auf dem Programm. Finanzielle Bedeutung hat diese Zielgruppe ebenfalls: Mit Tagesausgaben von 228 Euro liegen Weinurlauber:innen 22 % über dem Durchschnitt; allein für Kulinarik geben sie 46 Euro pro Tag aus. Damit stellen sie eine wertvolle, anspruchsvolle und zugleich besonders treue Gästegruppe dar.
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Die neue ETC-Studie „Artificial Intelligence in Tourism – Supporting NTO Operations“ untersucht, wie europäische National Tourist Organisations (NTOs) Künstliche Intelligenz (KI) in Forschung und Marketing einsetzen. Erste Anwender berichten von klaren Produktivitäts- und Qualitätsgewinnen, vor allem in Marketingbereichen, wo KI bereits bei Textautomatisierung und datengetriebenen Kampagnenoptimierungen messbare Vorteile bringt. In Forschungsabteilungen hingegen wird KI zwar als nützlich erkannt, bleibt aber stärker experimentell.
Als zentrale Voraussetzung für den Erfolg nennen die Autor:innen den gezielten Kompetenzaufbau: Mitarbeitende benötigen strukturierte, rollenspezifische Trainings, um KI über den ad-hoc-Einsatz hinaus sinnvoll zu nutzen. Während Forschungsabteilungen vor allem mehr Orientierung und klare Anwendungsvisionen brauchen, kämpfen Marketingeinheiten eher mit Budgetgrenzen und fehlender strategischer Steuerung. Ein organisationsweites Problem ist der Mangel an KI-Expertise, was die Einführung zusätzlich bremst.
Das Fazit: Investitionen in Weiterbildung, eine klare Roadmap für die Forschung sowie finanzielle und strategische Unterstützung für das Marketing sind entscheidend, um KI verantwortungsvoll und effizient in den Tourismusorganisationen zu verankern. So können NTOs ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken, Innovation fördern und resilientere Strategien für die Zukunft entwickeln.
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Der aktuelle UN Tourism World Tourism Barometer (September 2025) zeigt, dass die internationalen Ankünfte im ersten Halbjahr 2025 um 5 % gegenüber 2024 gestiegen sind – und damit 4 % über dem Niveau von 2019 liegen. Rund 690 Millionen Menschen reisten zwischen Januar und Juni international, trotz geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheiten. Die Ausgaben der Reisenden blieben hoch und setzten das Rekordniveau von 2024 fort.
Regional betrachtet erzielte Afrika mit +12 % das stärkste Wachstum, während Europa mit fast 340 Millionen internationalen Gästen um 4 % zulegte und damit 7 % über dem Vorkrisenniveau lag. Besonders stark war die Erholung in Mittel- und Osteuropa (+9 %), auch wenn diese Region noch leicht unter 2019 bleibt. Die Amerikas verzeichneten insgesamt +3 %, mit deutlichen Zuwächsen in Südamerika (+14 %), während Nordamerika stagnierte. Asien-Pazifik setzte seine Erholung fort (+11 %), während der Nahe Osten leichte Rückgänge (-4 %) hinnehmen musste.
Fazit: Die weltweite Reiselust ist ungebrochen, die Nachfrage bleibt robust, auch wenn sie sich regional unterschiedlich entwickelt. Internationale Tourismuseinnahmen zeigen stabile Wachstumsdynamik und bestätigen die zentrale Rolle des Sektors für die Weltwirtschaft.
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Künstliche Intelligenz (KI) im Tourismus geht längst über Chatbots hinaus und bildet zunehmend das Rückgrat der gesamten Reiseinfrastruktur. Unternehmen nutzen KI nicht nur für Automatisierung, sondern für die vollständige Steuerung von Prozessen: Buchungen, Umbuchungen, Stornierungen oder die Einhaltung von Reiserichtlinien laufen immer häufiger KI-gesteuert.
Die Vorteile liegen auf der Hand: schnellere Reaktionszeiten, geringere Kosten, bessere Compliance und personalisierte Angebote in Echtzeit. KI merkt sich Vorlieben, schlägt passende Optionen vor und verbessert mit jeder Interaktion das Kundenerlebnis – bei gleichzeitiger Entlastung des Personals. Für Unternehmen bedeutet dies mehr Effizienz, höhere Kundenzufriedenheit und neue Einnahmepotenziale.
Das Fazit: Wer KI als Betriebssystem versteht, baut die Reiseorganisation der Zukunft. Firmen, die zögern und an veralteten Systemen festhalten, riskieren steigende Kosten und unzufriedene Kunden. Frühzeitige Investitionen in KI sichern hingegen Agilität, Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltiges Wachstum.
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Die österreichische Wirtschaft bleibt im Sommer 2025 unter Druck. Laut WIFO wächst die Konjunktur nur verhalten, während die Inflation nach einem Rückgang zuletzt wieder anzieht. Steigende Energiepreise und höhere Nahrungsmittelkosten wirken preistreibend, gleichzeitig bleibt die Nachfrage schwach.
Die Industrieproduktion stagniert, und auch die Exportentwicklung zeigt sich zurückhaltend. Der private Konsum profitiert zwar von Lohnabschlüssen und sinkender Arbeitslosigkeit, wird aber durch die Teuerung gebremst.
Fazit: Österreichs Wirtschaft steht vor einer schwierigen Phase, in der schwaches Wachstum und erneuter Inflationsdruck zusammenfallen - eine Herausforderung für Haushalte, Unternehmen und Wirtschaftspolitik.
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Die Studie „Soziale Bindungen in familiengeführten Hotels“ zeigt, dass familiäre Netzwerke eine zentrale Ressource für Innovationen darstellen – besonders in Krisenzeiten. Interne Bindungen wie emotionale Unterstützung, gemeinsame Entscheidungen und Loyalität stärken Kreativität und Widerstandskraft. Externe Beziehungen zu Gästen, regionalen Betrieben und Institutionen erleichtern den Wissensaustausch und die Anpassungsfähigkeit.
Familiengeführte Hotels nutzen diese sozialen Ressourcen gezielt für digitale, nachhaltige und geschäftsbezogene Innovationen. Damit widerlegt die Forschung das Vorurteil, Familienunternehmen seien weniger innovativ. Vielmehr zeigt sich, dass gerade ihr soziales Kapital sie befähigt, flexibel und lösungsorientiert auf unerwartete Störungen zu reagieren.
Das Fazit: Soziale Bindungen sind nicht nur ein Stabilitätsfaktor, sondern ein Innovationsmotor. Familienhotels sichern dadurch sowohl ihr Geschäftsmodell als auch das Familiensystem ab – und gestalten aktiv zukunftsfähige Wege im Tourismus.
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Die Studie zum „Nudging“ im Tourismus zeigt, dass Hotels Gäste erfolgreich zu energiesparendem Verhalten bewegen können, wenn sie selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Besonders in familiengeführten Betrieben und bei umweltbewussten Gästen ist die Bereitschaft hoch, niedrigere Raumtemperaturen oder kürzere Duschzeiten zu akzeptieren.
Komforteinbußen lassen sich durch Preisnachlässe ausgleichen, während der Einsatz erneuerbarer Energiequellen die Attraktivität der Hotels sogar steigert - selbst bei höheren Preisen. Transparente Kommunikation nachhaltiger Maßnahmen vor Ort erhöht zusätzlich die Mitmachbereitschaft.
Fazit: Mit gezielten „Anstupsern“ können Hotels nicht nur Energie und CO₂ einsparen, sondern auch ihr Image verbessern und neue Preispotenziale erschließen.
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Massentourismus führt häufig zu Umweltbelastungen, steigenden Preisen und Konflikten mit lokalen Gemeinschaften. Nachhaltige Konzepte wie Slow Tourism - bewusstes, entschleunigtes Reisen mit intensiverem Kontakt zu Region und Menschen - und Regenerative Tourism - die aktive Wiederherstellung von Ökosystemen - bieten wirkungsvolle Alternativen.
Reisende suchen zunehmend authentische, umweltfreundliche Erlebnisse. Hotels und Anbieter setzen dabei auf Kreislaufwirtschaft, CO₂-Reduktion, lokale Produkte und Abfallvermeidung. So wird nicht nur die Umwelt geschont, sondern auch die Lebensqualität der Bevölkerung verbessert.
Nachhaltiger Tourismus beugt Überlastung vor, sichert die Akzeptanz in den Destinationen und hinterlässt langfristig ein positives Erbe für kommende Generationen.
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