Trends on Tour 2016/01 - hohes Alter ist relativ - auch im Urlaub

Trends on Tour 2016/01 - hohes Alter ist relativ

- auch im Urlaub

Uns allen ist der demographische Wandel in der Gesellschaft – jedenfalls in der west­europäischen – ein Begriff. Die Menschen werden immer älter. Die Geburten­rate stagniert auf etwas niedrigerem Niveau, etc. Das alles betrifft die Zukunft. Was wir allerdings in der öffentlichen Diskussion oft ausblenden ist die Gegenwart. Wir lesen zwar „Die Babyboomer gehen in Pension!“, doch Hand aufs Herz, wer hat sich in letzter Zeit Gedanken darüber gemacht, was das für den Tourismus bedeutet?

Selbstwahrnehmung: Es existieren mittlerweile mannigfach Studien, die zu dem Schluss kommen, dass die Lebenserwartung steigt, die Menschen länger fit bleiben und – ganz wichtig – die gefühlte Fitness auch länger andauert.

Das Bild der Älteren von sich selbst wandelt sich also. Die Jüngeren haben allerdings noch ein Konzept des „Alters“ in sich, das noch von der industriellen Gesellschaft geprägt zu sein scheint (vgl. GDI). Für sie scheint das Bewahren Hauptziel der Älteren zu sein, wohingegen die Menschen, die ihre Pension bereits angetreten haben, viel mehr von Wachstumszielen geprägt zu sein scheinen.

Selbstverständnis: Die Zeit der Seniorenteller ist vorbei – aus zweierlei Gründen: Wenn es um leichtere Kost geht, weil eventuell der Magen nicht (mehr) alles verträgt, ist man bei den heutigen Angeboten an leichter, guter, bekömmlicher und einfallsreicher Küche nicht mehr darauf angewiesen, weniger von schlecht Verdaulichem zu verspeisen. Zweitens gehen die Senioren von heute mit einem anderen Selbstverständnis ans Leben heran als die Generationen vor ihnen. Und dieses Selbst­verständnis beinhaltet unter anderem, dass sie mitten im Leben stehen, genießen und erleben wollen. Es steht nicht im Vordergrund, dass sie Pensionisten sind. Es sind sozial Engagierte, es sind Reisende, es sind Lernende.

Digitalisierung: Das heutige Altern ist nicht mehr loslösbar von der Digitalisierung der Umwelt. Das findet auch seinen Niederschlag in den Unternehmensgründungen, die sich mit der Verlängerung des menschlichen Lebens beschäftigen. Nicht wenige davon sind im Silicon Valley entstanden.

Produktivität: Nicht  nur als Urlauber werden uns ältere Menschen in zunehmendem Maße begegnen, auch als Arbeit­nehmer werden sie immer mehr. Die gute Nachricht: je höher der Grad der Ausbildung, desto mehr neigen sie auch selbst dazu länger arbeiten zu wollen. Etliche Konzerne haben heute schon eigene Recruiting-Programme, um ältere Arbeitnehmer anzustellen, gelten doch ihre Fähigkeiten, die sie abseits von Erfahrung und Wissen einbringen, als unerbringlich seitens jüngerer Arbeitnehmer. Das, das sie auszeichnet, ist einfach der Tatsache geschuldet, dass sie älter sind und sich daher ihr Fokus von der Ich-Zentriertheit auf ihre Mit­menschen verlagert hat. Darüber hinaus ist belegt, dass eine altersmäßig gemischte Belegschaft auch eine höhere Produktivität erreicht.

Den Tourismus betrifft diese Entwicklung natürlich doppelt: Einmal aus Sicht des Anbieters von Tourismusleistungen und einmal aus Sicht des Arbeitgebers. Denn auch hier wird wohl ein Um­denken einsetzen und je eher dies passiert, desto besser für den Tourismus.