Yoga am Bachufer

Pro und Contra

Im Tourismus sind wir in unterschiedlichen Rollen (Gastgeber bzw. Gast) immer wieder mit neuen Erlebnissen und Ideen, aber auch mit Ärgernissen und Negativerfahrungen verschiedenster Art konfrontiert. Jedes Monat nehmen wir uns eines dieser kontroversen Themen vor und beleuchten dieses von der Pro- und Contra-Seite. Welche Meinung haben Sie zum jeweiligen Thema? Stimmen Sie ab!

Pro & Contra im April: Lärm am Urlaubsort
Unsere Welt ist eine laute und die Lärmresilienz des einzelnen wird tagtäglich auf die Probe gestellt. Der Urlaub soll daher für viele auch zur Lärmauszeit werden. Wird dem Ruhewunsch der Gäste ausreichend Rechnung getragen?

Pro

Lärm – Wer mag das schon? Straßenlärm, Baulärm, der Beat aus dem Kopfhörer des Sitznachbarn im Bus, das Gebell des Nachbarhundes. Diese Liste könnte man noch ewig fortsetzen. Niemand mag Lärm im Alltag.

Aber Ruhe und Stille im Urlaub? Natürlich bin ich nicht begeistert, wenn das Nachbarzimmer gerade renoviert wird und mich die Stemmarbeiten quasi aus dem Bett befördern. Aber ich denke auch daran, wie ich die halbe Zeit damit beschäftigt wäre meine Kinder zu ermahnen. „Nicht so laut bitte. Ja, ich weiß, du singst gerne. Aber du weißt schon, die anderen Gäste. Du sollst doch nicht über den Gang galoppieren." Gleichzeitig erinnere ich mich an meine eigene Kindheit, wenn wir ganz besonders leise sein mussten. Ach du meine Güte war das langweilig! Und wie unglaublich schön war die Freiheit im Urlaub zu singen, richtig laut zu lachen, weil man den großen Bruder mit der Wasserbombe getroffen hat und vor Freude jauchzend in den See zu springen. Und was wäre ein Volksfest ohne anständige Kapelle? Ich habe so viele wunderschöne Urlaubserinnerungen. In manchen war es tatsächlich ruhig, aber die meisten sind erfüllt von ganz wundervollem Lärm. Nämlich Lachen, Musik oder auch das Tosen eines Wasserfalls.

Ruhigere Momente ergeben sich meiner Meinung nach ganz von allein. Aber für totale Ruhe sollte man wohl eher ein Schweige-Retreat in Betracht ziehen, dann braucht man sich nicht über zu Lärm ärgern, während andere fröhlich „Lärm“ machen können und die Freiheit und Freude ihres Urlaubes genießen. Also wenn Sie mich fragen: Ja bitte, nur her mit all dem wunderbaren, erfüllenden Lärm im Urlaub. ta

 

Contra

Vor Jahrzehnten habe ich einen Sprachkurs in New York besucht. Das war herrlich und die permanente Geräuschkulisse der Stadt war für mich wie Musik, genauer wie Hintergrundmusik – immer vorhanden, aber nie störend. Es gehörte für mich zum Flair der Stadt. Anders empfand dies ein Schweizer Kollege. Gefragt nach seinen stetig stärker werdenden Augenringen, monierte er, dass er bei diesem Lärm in der Nacht nicht schlafen könne, denn er wäre die Ruhe der Berge gewöhnt. Dies mag jetzt etwas hart klingen, doch, wenn man nur bei absoluter Stille schlafen kann, sollte man keine Großstadt besuchen. Die Wahrscheinlichkeit in vollkommener Ruhe Schlaf zu finden ist verschwindend gering.

Anders hingegen ist es bei einem Urlaub auf dem Lande. Dem Landleben schreibt man eine gewisse Beschaulichkeit und Ruhe zu und man darf sie im Urlaub auch erwarten. Der Verkehrslärm ist geringer, es gibt weniger Menschen und die Natur ringsum schluckt die restlichen Geräusche. So das Durchschnittssetting am Lande. Umso schwerwiegender empfinde ich dann Störungen dieser Ruheidylle: den Zug, der zwar ungesehen, allerdings nicht ungehört in einiger Entfernung vorbeifährt, überraschender Flugzeuglärm, enervierende Baustellen mit Beginn um 6:30 Früh, ein lustiges Volksfest, das bis in die frühen Morgenstunden wachhält, … und am allerallergrauslichsten sind die Autos, die in unregelmäßigen Abständen am Zimmerfenster vorbeibrausen. Diese Einzelgeräusche stechen viel mehr hervor, als wenn sie in einem Geräuschteppich eingebettet wären. Ich ertrage mit Gleichmut die Geräusche der Natur, jedoch ein beschaulicher Teich mit quakenden Fröschen geht schon wieder in Richtung Zumutung. Denn wenn man sich endlich an das Gequake gewöhnt hat, reist man meistens schon wieder ab. Vielleicht mache ich hauptsächlich deswegen in Österreich ausschließlich Urlaub im Winter – da sind alle Geräusche schneegedämpft. rr

 

Pro
77 %
Contra
23 %

Pro & Contra im März: Volldigitalisierte Unterkünfte
Immer öfter ist der Gast mit volldigitalisierten Hotelzimmern konfrontiert. Kaum eine Funktion, die nicht mit Fernbedienung oder App zu handhaben ist und so manchen schon mal beim Öffnen des Fensters verzweifeln ließ. Dem Zeitgeist entsprechend oder auf die Spitze getrieben? Wie sehen Sie das?

Pro

Ehrlich gesagt sehe ich die digitalisierten Zimmer leider noch nicht. Ich war vorletzte Woche auf Zypern in einem 5-Sterne Hotel: keine digitale Schlüsselkarte, alter Fernseher, Festnetztelefon. Letzte Woche war ich in Krakau in einem 3-Sterne Hotel. Zumindest schon digitale Schlüsselkarte und Smart-TV. Aber das war es dann auch schon.

Ich würde mir mehr digitalisierte Angebote in Hotels wünschen. Warum? Weil ich technische Spielereien mag und weil ich wirklich davon überzeugt bin, dass digitale „Helferlein“ einem das Leben etwas einfacher machen können. Das mag nicht jeder so sehen, aber ich fände es toll, wenn ein Hotel nicht nur eine besondere Erfahrung ist, weil das Personal besonders gut, das Essen außergewöhnlich und das Bett ein Traum ist, sondern mir auch eine technische „Experience“ bieten kann: ein paar Dinge, die ich vielleicht in Zukunft mal gerne hätte, aber mir noch nicht leisten will, etwa ein Google Home Lautsprecher oder eine VR-Brille. Wenn man es nicht will braucht man es ja nicht zu nutzen. Ich wäre sogar ein Freund von digitalem Self-Checkin oder Push-Meldungen auf mein Handy über besondere Angebote im Hotel oder Umgebung.

Zugegebenermaßen war ich auch mal skeptisch, als die Flughäfen dazu übergingen, dass man sich selbst digital einchecken und sein Kofferetikett selbst ausdrucken musste und reine Kosteneinsparung der Flughäfen gewittert. Aber jetzt liebe ich es. Und so wird es mir wahrscheinlich auch bei der Digitalisierung in Hotels gehen. Mit dem Gastgeber oder Personal redet man ja trotzdem. hs

 

Contra

Heutzutage ist der Begriff Service mit Do-It-Yourself gleichzusetzen. Der Kunde ist nicht mehr König, sondern Mitarbeiter, der für selbst erbrachte Leistungen auch noch in vollem Umfang bezahlen soll. Dies wird einem auch noch positiv verkauft im Sinne von „Nun können Sie das alles selber machen, wann immer sie wollen“. Will ich aber gar nicht - zumindest nicht immer und überall. Dies gilt insbesonders für meine Urlaubszeit. Ich will nicht vollautomatisch im Hotelzimmer einchecken. Ich habe keine Lust, mich nach einer anstrengenden Anreise mit derartigen Dingen auseinanderzusetzen. Und ganz ehrlich: Wer ist nicht schon mal völlig entnervt vor irgendeinem Automaten gestanden, der nicht das getan hat, was er eigentlich sollte. Tun wir also nicht so, als ob die Systeme immer so wunderbar funktionieren würden und dies alles nur zum Vorteil des Kunden wäre.

Ich will in meiner Unterkunft freundlich empfangen werden, im Zimmer die Jalousie selbst hochziehen können, die Fenster öffnen oder den Vorhang schließen, ohne dafür die Fernbedienung suchen oder dies über App steuern zu müssen. Auch die Klimaanlage soll auf Knopfdruck ein- und ausschaltbar sein. Und ganz wichtig: Ich will die Dusche mit einem einzigen Handgriff bedienen können.

Ich fröne im Urlaub gerne dem Digital-Detox. Ein digitalisiertes Hotelzimmer ist für mich daher kontraproduktiv und birgt statt Urlaubslust nur Urlaubsfrust – vor allem, wenn die Dinge nicht gleich so funktionieren wie sie sollen und dann vielleicht auch nur ein Chatbot als Hilfestellung zur Verfügung steht. mm

 

Pro
43 %
Contra
58 %

Pro & Contra im Februar: Kostenfalle Wochenende
Wir haben uns daran gewöhnt, am Wochenende und vor allem an Fenstertagen mehr für unsere Unterkünfte zu bezahlen. Die Nachfrage (und damit der Aufwand) für diese Tage ist zwar eine größere, aber die wahrgenommene Leistung für den Gast letztendlich die gleiche. Wie stehen Sie zu diesen Aufpreisen?

Pro

Wenn man auf den Hotelseiten die Preise der unterschiedlichen Saisonen vergleicht, dann kann man als Gast schon mal leicht frustriert sein, wenn man sieht, um wie viel billiger die Unterkunft einen Tag nach einem langen Wochenende angeboten wird.

Betrachten wir das Ganze aber nun aus Sicht eines Betriebes. Ein volles Haus verlangt mehr Personal, das auch bezahlt werden muss. Das beginnt bei allen administrativen Aufgaben, reicht über die Kellner und Köche bis hin zum Reinigungspersonal. Auch etwaig vorhandene Wellnessanlagen werden von mehr Personen genutzt und müssen entsprechend öfter gereinigt werden. Schließlich will der Gast verständlicherweise trotz Vollbelegung ein 100-Prozentservice haben. Das kann ihm aber nur mit einer ausreichenden Anzahl an Personal garantiert werden. Da fallen schon mal unzählige Überstunden an oder eventuell muss sogar zusätzliches Hilfsperson für diese Zeiten engagiert werden. Für den Gast bleibt die Leistung die gleiche – ob in der Vor-, Nach- oder sonstigen Saison. Im Hintergrund ist aber eine unterschiedlich große Maschinerie am Laufen, die unterschiedlich viel Geld kostet. Für mich ist es also nur logisch, dass die beliebten Zeiten auch teurer und nicht ausschließlich mit „die Nachfrage regelt den Preis“ zu erklären sind.

Mein Fazit: Leidet die Qualität unter dem Ansturm der Gäste, dann hat sich der Gastgeber einfach nur ein goldenes Näschen verdienen wollen. Wenn aber die Qualität auch in stressigen Zeiten gewahrt bleibt, dann ist der Zuschlag absolut gerechtfertigt. mm

 

Contra

Aus unternehmerischer Seite ist es ganz klar, wenn die Nachfrage steigt, steigt der Preis. Das bin ich, seit ich schulpflichtige Kinder habe bereits gewöhnt. Wer nur mehr an schulautonomen Tagen rund um Feiertage einen Kurzurlaub planen kann, muss mit einem höheren Preis und mit mehr Mitmenschen am selben Ort rechnen.

Doch leider wird mir seit einiger Zeit jegliche Entscheidung, wie viele Tage ich urlauben möchte, aus der Hand genommen. Denn meine bevorzugten Hotels verlangen an diesen begehrten Tagen nicht nur einen höheren Preis, sondern auch eine Mindestaufenthaltsdauer von zwei oder sogar mehr Tagen. Damit wird das Urlaubsbudget noch mehr belastet und die Flexibilität massiv eingeschränkt. Ich ärgere mich darüber, denn ich bin überzeugt, dass diese Hotels auch ohne diese Maßnahmen an verlängerten Wochenenden voll wären. Natürlich wird man jetzt aufschreien und sagen, dass die Kosten weit höher sind, wenn ich nur kurz bleibe. Aber dafür bezahle ich ja auch Zuschläge. Bei meinem letzten Kurzurlaub habe ich feststellen müssen, dass mittlerweile auch die Kosmetik- und Massagepreise am Wochenende höher sind, als unter der Woche. Ich bekomme also die gleiche Leistung von Montag bis Donnerstag um weniger Geld.

Meine Konsequenz: Ich fahre deutlich weniger oft auf (Kurz-)Urlaub und spare mir das Geld für die Zeit, wenn ich nicht mehr von Schulferien und schulautonomen Tagen abhängig bin. Also in einer gefühlten Ewigkeit. gw

Pro
79 %
Contra
21 %

Pro & Contra im Jänner: Rauchende Gäste im Freien
Rauchende Gäste auf der Terrasse, am Nebenbalkon, vor der Hotellobby, am Parkplatz oder am Liegestuhl - nervig oder durchaus tolerierbar?

Pro

Albert Camus wird folgendes Zitat zugeschrieben: „Es gibt keine Freiheit ohne gegenseitiges Verständnis.“ Ich denke, dass in dem Satz die beiden wesentlichen Punkte für meine (zugegebenermaßen durchaus schwierige) Argumentation zu Gunsten des Rauchens enthalten sind. Es geht erstens um Freiheit und zweitens um Verständnis.

Jeder Mensch hat das Recht auf freie Entscheidung was er sich antut. Raucher wissen, dass das Rauchen schädlich für sie ist. Die einen können vermeintlich nicht aufhören, die anderen wollen nicht. Die Entscheidung trifft jeder frei für sich.  Beschränkungen gibt es doch wahrlich mittlerweile genug und diese Tendenz, dass man immer häufiger meint man müsse erwachsene Menschen vor sich selbst schützen, halte ich für falsch. Ich warte schon gespannt auf die Helmpflicht für alle Rad- und Scooterfahrer. Zu schützen sind allerdings die Kinder und auch andere Menschen, die vom Rauch gestört werden. Daher sind Verbote, in der Nähe von Kindern oder in der Gastronomie zu rauchen, richtig. Aber beim Thema Rauchen vor der Hotellobby oder auf der Terrasse muss ich an das gegenseitige Verständnis appellieren.

Raucher müssen Rücksicht nehmen. Aber bitte auch ein bisschen Verständnis und Toleranz für die Raucher zeigen. Die Armen frieren sich derzeit in den Wintermonaten die Finger ab vor den österreichischen Hotellobbys. Toleranz ist immer dann besonders einfach, wenn wir sie von anderen erwarten. hs

 

Contra

Beim leidigen Thema Nichtraucherschutz in der Gastronomie gibt es einen Aspekt, der in der Diskussion regelmäßig übersehen wird: die Situation im Freien. Unabhängig davon, wie gut oder schlecht der Nichtraucherschutz drinnen in den Lokalen funktioniert – draußen in den Gastgärten wird gequalmt. Und das ist ein Problem. Mir sind ehrlicherweise keine Studien über die Gesundheitsgefährdung oder Unbedenklichkeit von Zigarettenqualm im Freien bekannt. Fakt ist jedenfalls: Wo geraucht wird, stinkt’s. Auch draußen. Wenn an einem Tisch gegessen und am Nebentisch geraucht wird, ist das eine suboptimale Kombi.

Und das ist nicht das einzige Szenario, wo Rauchen im Freien nervt. Eh schön, wenn ein Hotelgast zur Suchtbefriedigung auf den Balkon geht. Blöd nur für die Nachbarn, wenn der Rauch durch geöffnete Fenster in ihre Zimmer zieht. Was ich mich in dem Zusammenhang immer frage: Wann lüften eigentlich Anrainer von Lokalen, unter deren Schlafzimmerfenstern nonstop geraucht wird? Nach der Sperrstunde um vier Uhr Früh?

Nun stimmt sicher, dass die Mehrheit der Raucher Rücksicht nimmt. Aber eine Minderheit tut es nicht und zündet sich eine Zigarette an, justament wenn am Nebentisch das Essen kommt. Im Park in unmittelbarer Nähe von Kleinkindern und Babyschalen. Oder unter geöffneten Schlafzimmerfenstern. Rauchfreie Zonen im Freien? Bin ich sofort dafür. Denn wenn die Erfahrung eines lehrt, dann leider, dass es ohne Verbote nicht geht. Das Fehlen rauchfreier Gastgärten ist der beste Beweis. mh

Pro
69 %
Contra
31 %

Pro & Contra im Dezember: Musikberieselung in allen Lebenslagen
Wo wird man nicht überall mit Musik beschallt. In Geschäften, auf Weihnachtsmärkten, in Lokalen, in Hotellobbys, in der Warteschleife… Entspannend oder nervend? Was sagen Sie?

Pro

Musikbeschallung empfinde ich dann als nervig, wenn sie zu aufdringlich ist und überhaupt nicht meinen Geschmack trifft. Das ist in der Praxis aber kaum jemals der Fall.

Beispiel Einzelhandel. Hier ist die Songauswahl meistens doch ganz gelungen. Erst letzte Woche habe ich in einem Geschäft sogar ein Lied von meiner Handy-App erkennen lassen, weil es mir so gefallen hat. Auf Weihnachtsmärkten? Ja, da wird Weihnachtsmusik gespielt. Ich finde, das gehört dazu. Heiligabend legt Mutti doch auch eine CD in die Stereoanlage. In Lokalen? Jedes hat eine bestimmte Atmosphäre und die wird entscheidend durch die Musik geprägt. Hier hat man die freie Wahl, ein Lokal passend zum Musikgeschmack zu wählen. Aus meiner Sicht eine Bereicherung und keine Quälerei. Im Gegenteil: Mittlerweile erscheinen mir Lokale ganz ohne Musik eher befremdlich.

Musik in Hotellobbys? Ist nicht wirklich nötig, aber stört auch nicht weiter – genau wie Musik in Fahrstühlen. Warteschleifenmusik? Da achte ich sogar gezielt auf die Musikauswahl. „Money for nothing“ von Dire Straits in der Bank Austria Warteschleife? Ich schmunzle.

Diese Einzelbeispiele fügen sich zu einem Gesamtbild: Musikbeschallung ist prinzipiell gut. Wie immer kommt es auf das richtige Maß und die passende Songauswahl an.

Interessantes Detail zum Schluss: Es konnte gezeigt werden, dass klassische Musik in U-Bahnhöfen die Bereitschaft zu Gewalt und Vandalismus senkt. hs

Contra

Ich liebe Musik. Von Pop, Rock über HipHop und Dancehall bis hin zu Klassik bin ich für die unterschiedlichsten Genres zu begeistern. Und ja, ich bin auch eines der Exemplare, das mit großer Leidenschaft Weihnachtslieder hört. Ab dem ersten Advent gibt es kein Halten mehr und von Klassikern wie „Stille Nacht“ intoniert vom Kinderchor bis hin zu „All I want for Christmas is you“ werden die saisonalen Musikschmankerl bei mir rauf und runter gespielt.

Und nun kommt das große Aber: Ich bestimme selbst was ich wann meinen Ohren zu Gemüte führe. Ich höre bewusst Musik und entscheide mich worauf ich gerade Lust habe. Zugegeben morgens läuft schon mal das Radio im Hintergrund, aber auch das schalte ich ein und eben auch wieder aus, wenn ich genug habe.

Aber beim Einkaufen in Geschäften oder in Hotellobbys dieses Hintergrundgedudel oder noch schlimmer in Lokalen die viel zu laute Musik, die ein Gespräch nur schwer möglich macht – darauf kann ich sehr gerne verzichten. Beim Einkaufen brauche ich keine weitere Unterhaltung, ich bin mit den Waren beschäftigt und in Lokalen unterhalte ich mich doch lieber mit meinen Freunden, als stumm neben ihnen zu sitzen, weil ich nach dem dritten „Wie bitte?“ aufgegeben habe, etwas zu erzählen. Das Gleiche gilt für Warteschleifen. Eine sich ständig wiederholende Melodie im Stil einer Schallplatte mit Sprung, lässt die Wartezeit eher länger erscheinen als diese zu verkürzen.

Wenn man also mich fragt, dann sage ich freundlich aber bestimmt „Nein Danke“ zu ungefragter und permanenter Musikbeschallung in unserer ohnehin schon viel zu lauten Welt. ta

 

Pro
51 %
Contra
49 %

Pro & Contra im November: Lichtverschmutzung

Die Umrüstung auf LED-Beleuchtung führt weltweit zu mehr Lichtverschmutzung und auch in Österreich wird es nachts immer heller. Eine Entwicklung, die dem Sicherheitsbedürfnis der Menschen entgegenkommt oder folgenschwere Auswirkungen auf Mensch, Tier und Natur hat? Stimmen Sie ab!

Pro

Ich bin Städter und daher aufgewachsen mit Licht: Straßenbeleuchtung zu jeder Nachtzeit, beleuchtete Schaufenster und Lokale, die bis in die Morgenstunden offen haben. Licht ist Sicherheit. Das muss nicht für jeden so sein, doch nicht umsonst haben Menschen schon früh begonnen, finstere Höhlen und später Gassen auszuleuchten. So ein leichter Lichtschein kann schon sehr beruhigend wirken. Es muss ja nicht gleich alles taghell ausgeleuchtet werden.

Trotz meines Hangs zur Straßenbeleuchtung mag ich auch die Dunkelheit sehr gerne. Ich finde sie entspannend, die Sterne sind besser sichtbar und wir Menschen werden hellhöriger. Und das aus gutem Grund: wir beginnen uns zu fürchten, wenn es finster wird. Ein ganz natürlicher Vorgang. Das ist selbstverständlich kein angenehmes Gefühl und deshalb wollen wir Licht – auch in der Nacht, denn wir leben schon lange nicht mehr mit dem Lauf der Sonne. In Städten und Siedlungen steht die Beleuchtung ganz außer Frage. Offen bleibt natürlich schon, ob und wenn ja, wie hell wir die Natur ausleuchten wollen. Und da plädiere ich durchaus für die Beleuchtung der letzten Meter eines Wanderweges. Müde, hungrige Menschen am Ende einer Wanderung, die die Dämmerung nicht einschätzen konnten, kann man auf den letzten Metern mit ein wenig Licht unterstützen.

Das bringt mich zu unseren Gefühlen, die von den täglichen Katastrophenmeldungen beeinflusst sind: Eigentlich leben wir in einer immer sicherer werdenden Welt, in der weniger Gewaltverbrechen passieren. Und eigentlich bräuchten wir aus Sicherheitsgründen gar nicht so viel Licht in der Nacht. Doch das individuelle Sicherheitsbedürfnis der Menschen verlangt halt danach. RR

 

Contra

Die UNESCO hat sich im Jahr 2007 für ein „Recht auf Sternenlicht“ ausgesprochen. Ein dunkler Nachthimmel kann mittlerweile zum UNESCO-Welterbe erklärt werden, und ich befürworte das absolut. Ich kann mich nämlich noch gut an die Nächte erinnern, in denen ich als Kind im Garten meines Elternhauses gestanden bin und fasziniert den schwarzen Himmel mit seiner schimmernden Milchstraße, den unterschiedlichen Sternenformationen und ab und zu einer Sternschnuppe bestaunt habe.

Was ich heute sehe, wenn ich nachts aus dem Fenster schaue: einen Himmel aus einem schmutzig-nebeligen Orange-Grau, von Sternen ist keine Spur mehr. Das liegt an der Lichtverschmutzung, die in den Industriestaaten seit Jahren stetig zunimmt. Lichtsmog ist eine Form der Umweltverschmutzung, seine negativen Folgen auf den Biorhythmus und damit die Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen sind wissenschaftlich belegt.

Beweise dafür, dass mehr Licht in der Nacht auch die Sicherheit für Passanten erhöht, gibt es bis dato übrigens nicht. Ein Grund dafür könnte sein, dass der Großteil der Lichtverschmutzung gar nicht durch Straßenlaternen verursacht wird, sondern durch die nächtliche Dauerbeleuchtung von Geschäften, Werbetafeln und Kulturgütern. Diese könnte also relativ einfach und gefahrlos reduziert werden.

Gerade Tourismusdestinationen, die sich in Richtung von Ökologie, Nachhaltigkeit, Entschleunigung, Achtsamkeit oder ähnlichem positioniert haben, tun gut daran, sich kritisch mit dem Thema Lichtverschmutzung auseinander zu setzen, Bewusstsein dafür zu schaffen und entsprechende Maßnahmen zu entwickeln. ap

 

Pro
47 %
Contra
53 %

Pro & Contra im Oktober: Erlebniswelten in der Natur
Immer öfter werden Wanderwege mit künstlich geschaffenen Erlebniswelten (etwa Märchen- oder Wasserwelten) "aufgepeppt". Eine willkommene Abwechslung oder unnötig?

Pro

Als Kind war ich oft wandern, ach war ich oft wandern. Jedes Wochenende musste ich in der freien Natur verbringen. Ich kenne alle möglichen Wiesenblumen, zig Schwammerlarten, kann Nadelbäume unterscheiden und weiß mich im Wald behände zu bewegen ohne Tieren oder Pflanzen Leid zuzufügen. Ich kann mit Worten wie Baumgrenze etwas anfangen und weiß wie das Wetter wird, wenn der Gipfel einen Hut hat. Und ich hab‘ so genug davon!

Ich weiß gar nicht, wie ich diese unendliche Langeweile, die sich über mein Gemüt stülpt, beschreiben kann, damit irgendein anderer Mensch verstehen kann, was ich empfinde, wenn es heißt: „Wir gehen in die Natur:“ Das erste Mal einen Herrenpilz finden, war super, das zweite Mal auch noch und dann …. Langeweile!

Und nun kommen die Erlebniswelten daher und ich muss sagen, diese bringen sogar einen Natur-aversen Menschen wie mich wieder in die Berge und an die frische Luft. Denn ich kenne sie noch nicht. Sie sind großteils ganz erfrischend gestaltet, bieten Abwechslung, stellen themenabhängig auch Informationen bereit, bieten Gelegenheit Neues auszuprobieren, sind kindersicher angelegt und trotzdem so weitläufig, dass man nicht aufeinander klebt. Aus natürlichen Materialien gestaltet, der Umgebung angepasste Wege und Attraktionen, ruhige Orte zum Entspannen und Beobachten und außerdem immer auch Hütten und Restaurants, sodass man sich um die Verpflegung im Vorhinein nicht zu kümmern braucht. So eine Erlebniswelt ist für mich wie die Karotte für den Esel beim Aufstieg. Nur habe ich den Vorteil, dass ich die Erlebniswelt dann auch gleich genießen kann, sobald ich sie erreicht habe. rr

Contra

Eine Erinnerung an meine Kindheit: Es war Sonntag, endlich ausschlafen! Weit gefehlt. Die Familie beschloss, einen Berg zu erklimmen und das selbstverständlich im Morgengrauen. Sie wissen schon „Im Frühtau zu Berge…“. Die Begeisterung war nachvollziehbarer Weise gedämpft, aber kein Jammern half. Die Brote wurden geschmiert und in den Rucksack meines Vaters gemeinsam mit Wasserflasche und Flachmann (von dem ich wenig hatte) gestopft. Und los ging es! Die erste halbe Stunde war ich nicht ansprechbar, aber bald schon zeigte die frische Luft ihre Wirkung. Und mein Vater, ein Kind der Berge, verstand es meisterlich, uns mit Geschichten aus der Natur abzulenken. Ich erinnere mich an vielzählige Wunder, die er uns bei unseren Wanderungen zeigte. Wie man aus Kleeblüten Honigähnliches heraussaugen konnte, wie Sauerampfer schmeckte, wie man auf Grashalmen Melodien blies und in den Pausen Staudämme an Bächen baute. Das alles hat ausgereicht, um uns stundenlange Wanderungen zu versüßen und heute als Mutter von zwei Kindern profitiere ich immer noch von diesem Wissen.

Zugegebenermaßen ist die Wander-Motivation meiner Kinder enden wollend und aussichtsreiche Anwärter auf die goldene Wandernadel sind sie sicher nicht, aber wenn mir ab und zu etwas einfällt, was mir mein Vater damals gezeigt hat, so sehe ich in staunende Gesichter und freue mich an ihrem Entdeckungsgeist. Ich gestehe, auch ich war mit meinen Kindern auf Märchenwegen und Heidialmen unterwegs und sie haben durchaus ihre Berechtigung, aber die Natur ist so ein wunderschöner Spielplatz. Und vielleicht können wir dies unseren Kindern auch vermitteln. gw

Pro
72 %
Contra
28 %

Pro & Contra im September: Lebkuchen im September

Für den Handel und auch für die Weihnachtsfans unter uns kann das Fest der Freude gar nicht früh genug beginnen. Aber ist September für Lebkuchen, Nikoläuse und Co nicht doch etwas früh? Stimmen Sie ab!

Pro

L wie „Lebkuchen“. L wie „lecker“. L wie „lasst uns doch tolerant sein“. Wo ist denn bitte das Problem, wenn ich im Sommer am See liege und einen Lebkuchen essen? Wer sagt denn, dass es immer nur Pommes sein dürfen? Leben wir doch (auch) beim Essen Toleranz.

Die ersten Lebkuchen buken (ja, diese Präteritumform gibt es) übrigens die Ägypter im vierten Jahrhundert vor Christus. Auch die Römer schätzten ihren panis mellitus. Allerdings nicht zur Weihnachtszeit, sondern als Fastenspeise. Dazu tranken sie oft starkes Bier. Bier und Lebkuchen ist zwar nicht meine kulinarische Lieblingskombination, aber es gibt sicher eine Craftbierbrauerei, die nach diesen Zeilen schon zu brauen beginnt.

Lebkuchen hat also keinen weihnachtlichen Entstehungshintergrund. Auch im Mittelalter war er wegen seiner langen Haltbarkeit vor allem bei Pilgern und Mönchen beliebt und kein Weihnachtsbote. Daher finden wir auch diese große Auswahl an Lebkuchen in Österreichs berühmtestem Wallfahrtsort, Mariazell. Hier gibt es sogar das ganze Jahre Lebkuchen. Und das zurecht. Denn die inzwischen zum kulinarischen Markenzeichen Mariazells gewordene Süßigkeit schmeckt (nicht nur) mir zu jeder Jahreszeit: gefühlt jeder Tourist nimmt sich eine dieser Köstlichkeit mit nach Hause.

Mehr Toleranz beim Essen schaffen wir bei den Themen vegan, Laktoseintoleranz oder Glutenunverträglichkeit ja auch. Ich denke, dann schaffen wir es auch beim Lebkuchen mehr Verständnis aufzubringen und jedem seinen Lebkuchengenuss zu gönnen – egal zu welcher Jahreszeit. kb

Contra

Es ist Anfang September und mit sonnigen 28 Grad Celsius ein Altweibersommertag, wie er im Buche steht. Gebräunt und gut erholt vom Sommerurlaub, aus dem ich nur wenige Tage zuvor zurückgekehrt bin, schlurfe ich in meinen Flipflops zum Nahversorger meines Vertrauens, betrete das Geschäft und erstarre. Vor mir stapeln sie sich: Traditionell rot oder blau verpackt, mit Schokolade oder Zucker überzogen, als Sterne, Herzen oder Brezel geformt. Der Anblick der vielen Lebkuchen-Schachteln lässt mich sofort an die Vorweihnachtszeit denken, die ich durchaus gerne mag. Aber gleich darauf fallen mir auch die weniger angenehmen Seiten des Winters ein: die frühe Dunkelheit, die trüben Tage, das nasskalte Wetter. Liegt es nur an der Klimaanlage, dass ich gerade zu frösteln beginne?

Ich schrecke aus meinen Gedanken auf und bin schon fast dabei, panisch zur Kassa zu hechten und mich nach Hause zu beeilen - immerhin ist ja bald Weihnachten und ich habe noch kein einziges Geschenk! – bis ich mich im letzten Moment, nach einem Blick auf die draußen in der Hitze schwitzenden Menschen, doch noch besinne.

Lieber Handel, bitte hol mich doch nicht so hart aus meiner Post-Urlaubs-Leichtigkeit in die Realität zurück, sondern lass mich noch ein bisschen länger vom Sommer träumen – von den brütend heißen Tagen, die man nur im Schwimmbad übersteht, dem klebrigen Eis, das die Finger hinunter rinnt und den lauen Nächten im Schanigarten.

„Alles zu seiner Zeit“, sagt ein altes Sprichwort. Und nein, der September ist definitiv nicht die richtige Zeit für Lebkuchen und Adventstimmung. ap

Pro
30 %
Contra
70 %

Pro & Contra im August: Im Bademantel zum Frühstück

Menschen, die im Bademantel mit wenig bis nichts darunter am Frühstücksbuffet stehen, sind in Wellnesshotels ein gängiges Bild. Was halten Sie davon? Grauslich oder einfach nur bequem?

Pro

Über die Zumutbarkeit des Anblicks fremder, leichtbekleideter und nur partiell von Bademänteln bedeckter Körper in den unterschiedlichsten Ausprägungen, und das auch noch beim Essen, lässt sich natürlich manchmal streiten. Bei der Frage, ob ein Frühstück im Bademantel aber tatsächlich eine optische Zumutung ist oder nicht vielmehr einfach praktisch, plädiere ich aber eindeutig für einen gelassenen Umgang mit der Körperlichkeit. Die Einhaltung gewisser Grundregeln in punkto Hygiene setze ich natürlich voraus.

Beim Frühstück im Hotel bin ich jedenfalls eher damit beschäftigt, mich zwischen Croissant und Briochekipferl zu entscheiden, als mir Gedanken über die aus dem Bademantel hervorblitzende Körperbehaarung meines Tischnachbarn zu machen. Und auch umgekehrt: Überlegen Sie sich etwa, ob Sie in Badebekleidung den ästhetischen Ansprüchen der anderen Gäste entsprechen? Wenn ja: Schade, denn vielleicht könnten Sie ohne diesen Gedanken ihren Urlaub noch mehr genießen.

Abgesehen davon: Gerade als Wellnessgast steht für mich Entspannung im Vordergrund. Die Vorstellung, den Tag ohne viel Aufwand in bequemer Kleidung verbringen zu können, finde ich angenehm und zum Urlaubsthema passend. Diesbezüglich leider negativ in Erinnerung geblieben ist mir ein Kurzurlaub in einem eigentlich netten Hotel mit Wellnessbereich. Das Essen (4x täglich, da Vollpension) fand in Straßenbekleidung im „normalen“ Restaurantbereich statt. Hätte ich alle Mahlzeiten in Anspruch genommen, hätte ich mich an diesem Wochenende täglich bis zu 8mal (!) an- bzw. ausziehen müssen. Erholung sieht definitiv anders aus. ap

Contra

Kennen Sie das? Sie sitzen etwas früher als die anderen Gäste am Frühstückstisch, blicken sich dann irgendwann um und sind von unzähligen Wesen in weißen Bademänteln umgeben. Dieser verleiht diesen den Nimbus von Patienten eines Sanatoriums oder frisch aus dem Bett geschlüpfter und noch nicht gewaschener Gestalten, deren Anblick man vielleicht von zu Hause kennt, aber normalerweise nicht in der Öffentlichkeit gewöhnt ist.

Sie stehen beim Buffet, tauchen die manchmal etwas zu langen und weiten Ärmel in die Marmelade ein und streifen dann damit über die Käse- und Wurstplatten. Manchmal fällt auch noch ein Fluserl direkt in das Brotkörbchen, weil so ein Frotteemantel ja auch alles Mögliche an Fädchen und Bröserl anzieht, die sich dann irgendwann mal verselbständigen. Wenn sie zu ihrem Platz geschlurft sind, dann sitzen die an Röcke gewöhnten Damen zwar sittlich an ihrem Platz, die Männer machen es sich aber gewohnt breitbeinig bequem. Dann klaffen die Mäntel schon mal auseinander und geben den Blick auf die hoffentlich darunter befindliche Badehose frei.

Ich habe immer den Eindruck, dass der Bademantel dazu berechtigt, sich nicht zu frisieren, zu rasieren und vermutlich auch nicht zu waschen, "weil man ja dann eh gleich in den Pool hüpft". Muss das wirklich sein? Kann man zum Essen nicht etwas anderes (gerne Bequemes) anziehen? Vielleicht motiviert einen das ja dazu, doch die eine oder andere Spazierrunde zu drehen und den Urlaub nicht nur indoor am Pool, in der Sauna oder auf dem Massagetisch zu verbringen. mm

 

Pro
44 %
Contra
56 %

Pro & Contra im Juli: Nacktwandern

Nur mit Rucksack, Socken und Schuhen bekleidet, wandern nackte Menschen durch die Alpenwelt. Was halten Sie von dieser Natursportart? Stimmen Sie ab!

Pro

Kinder und Leggings sagen immer die Wahrheit – das hat mir einmal eine Kollegin erklärt. Und da hat sie wohl Recht. Nur weil Mann oder Frau angezogen ist, heißt das nicht, dass es meinem Geschmack entspricht oder alles „Wichtige“ verhüllt.

Warum soll ich also nicht nackt wandern dürfen? Überall in der Werbung sieht man nackte Haut: Eine halbnackte Frau bewirbt ein Parfüm, ein Mann in Unterhose präsentiert mir einen Rasierer, manch einer ist sogar supernackt… Was macht es da für einen Unterschied, wenn ich nackt wandern gehe? Nackt sein kann für manchen befreiend sein, denn keiner schaut bei einem Nackten, ob das Outfit noch stylisch ist. Und die Gefahr, dass die Kleidung wundreibt, ist auch eher gering. Aber gut, ich kann nachvollziehen, dass das nicht jeder überall für passend hält (auch der Gesetzgeber sieht das so). Wie wäre es also mit einem Kompromiss: Sorgen wir für klar gekennzeichnete Nacktwanderwege. Das funktioniert ja auch beim Mountainbiken.

Aus touristischer Sicht ergeben sich neue Chancen: FKK-Reisekataloge listen unzählige Angebote in ganz Europa auf. Vom Strand über das Hotel bis hin zu Freizeitangeboten gibt es da alles in nackt. Die Zielgruppe kann also nicht klein sein. Und im Gegensatz zu den Rauchern, sind sie auch nicht gesundheitsgefährdend für jene, die diesen „Lifestyle“ nicht praktizieren. Warum sollte man sich nicht dieser Zielgruppe öffnen?

Dass  sich Nacktheit nicht negativ auswirkt, hat ein musikalisches Beispiel aus Wien bereits vorgemacht: Schließlich hat auch ein Nackerter das Hawelka berühmt gemacht. kb

 

Contra

Ich wollte nun eigentlich damit beginnen, dass ich mich selbst noch als jungen Menschen wahrnehme. Mir ist dann allerdings eingefallen, dass ich mittlerweile zu der Alterskategorie zähle, die von Jugendlichen und ja auch von Studierenden als „alt“ eingestuft wird. Nichtsdestotrotz bin ich ein aufgeklärter, offener Mensch, dem prüde Weltanschauungen fern liegen.

Ganz im Gegenteil. Ich sage: Nackt sein ist phantastisch. Das steht außer Diskussion. Es ist herrlich ohne einengende Kleidung zu sein. In der Sauna im Wellnesshotel, unter der Dusche und wer Freude daran findet, kann ja auch in den eigenen vier Wänden im Adamskostüm verweilen. Mit der Nacktheit an sich hadere ich nicht. Aber Nacktwandern? Die Füße mit dicken Socken in enge Bergschuhe gezwängt und am Rücken kratzt und drückt der Rucksack, weil man sonst auf Bekleidung verzichtet hat. Das verstehe ich nicht.

Schon aus Gründen der Bequemlichkeit würde ich leichte Funktionskleidung beim Wandern bevorzugen. Ich selbst habe einmal eine Canyoningtour im Gesäuse gemacht, dabei sind wir in der Wildnis auf Nacktkletterer gestoßen. Wir waren mit Neoprenanzug, festen Schuhen und Helmen ausgerüstet und ich dachte beim Anblick der nackten Truppe nur: „Hoffentlich verkühlen die sich nicht oder schlagen sich ihre Knie auf“. Der Wunsch vollkommen ohne Kleidung wandern zu gehen entzieht sich schlichtweg meinem Vorstellungsvermögen, so sehr ich mich auch bemühe. Aber vielleicht findet sich ja unter Ihnen der eine oder die andere Nacktwanderer bzw. Nacktwandererin und kann es mir erklären. ta

 

 

 

Pro
39 %
Contra
61 %

Pro & Contra im Juni: Für Wanderwege zahlen

An Parkeintrittsgebühren haben wir uns gewöhnt. Jetzt gibt es aber auch immer mehr Wanderwege, für die ein kleiner Obolus zu bezahlen ist. Nötig oder entbehrlich? Wie sehen Sie das?

Pro

Als Kind war ich davon überzeugt, dass die Schilder bei den Wanderwegen und die bunten Markierungen von anderen, freundlichen Wanderern gemacht wurden, die den Unwissenden unter den Wanderern die Suche nach dem Weg erleichtern wollten.

Von dieser Vorstellung habe ich mich verabschiedet. Mittlerweile weiß ich, dass es extra dafür Menschen gibt, die sich darum zu kümmern haben. Auch die Pflege der Wege übernimmt nicht die Natur, denn die Natur selbst braucht auch Pflege, wofür wiederum andere Menschen zuständig sind. Kurzum, es sind viele Menschen damit beschäftigt, dass wir Wanderer sicher von A nach B in wohlgesonnener Natur kommen.

Ich finde, dass wir für diese Arbeit auch ruhig zahlen können. Es kommt eher auf die Organisation an. Was mir widerstrebt, wäre bei jedem Wegerl extra ein paar Euros hergeben zu müssen. Lieber wären mir ein paar offizielle „Eingänge“ in ein Naturareal, in dem man sich dann frei bewegen kann und nicht anfängt zu überlegen, ob man aus Kostengründen lieber nicht die Route wechselt. Ich will aber nicht verhehlen, dass ich mir dann auch Service bei den Eingangsbereichen erwarten würde: Sanitäranlagen, Versorgungsmöglichkeit mit Proviant und all der Dinge, die man vergessen kann oder auch immer schon gesucht hat. Und ich würde mir eine Fülle an Informationen über das Gebiet, die Besonderheiten, über Verhaltensregeln in der freien Natur, über die Vorsichtsmaßahmen und diverse Notrufmöglichkeiten wünschen. Genauso wie ich vor Ort das Angebot zu geführten Wanderungen vorfinden möchte.

Sonst glaube ich lieber wieder an die anderen freundlichen Wanderer, die die Bäume so hübsch bunt anmalen. rr

 

Contra

Prinzipiell habe nichts dagegen, einen kleinen Obolus für Wanderwege zu bezahlen. Für Strecken, die schwer zu bewirtschaften sind und Steighilfen, Geländer oder sonstige Sicherheitsvorkehrungen aufweisen, finde ich es fair, hier etwas zu verlangen. Aber für eine Wander-, Spazier- oder Laufstrecke zu bezahlen, nur weil sie sich in der Natur/im Wald befindet? Das wirkt auf mich so, als würde man für das Betreten der Natur Eintrittsgeld bezahlen. Ein befremdlicher Gedanke. Das Bewegen in der Natur (das uns ja die Ärzte und auch die Psychologen empfehlen, damit wir Körper und Geist gesund halten) wird damit zu einer kostenpflichtigen Freizeitbeschäftigung und für so manche mehrköpfige Familie auch schnell zu einem Kostenfaktor.

Auch die Umsetzung derartiger Kassiereinrichtungen macht mir Sorgen. Steht dann am Anfang eines jeden Weges ein Hüttchen mit einem Kassier, der das Geld entgegennimmt? Besteht dann nicht die Gefahr, dass sich auch gleich ein Lebensmittelkiosk und ein Getränkewagen dazu gesellen? Vielleicht auch noch ein Souvenirladen? Und wenn kein Mensch vor Ort ist, säumen dann metallene Drehkreuze oder Gebührenautomaten unsere Wanderwege? Oder wird die Strecke dann ab 17:00 Uhr gesperrt? Klingt alles etwas absurd.

Bei Wanderungen denke ich an Natur, Bäume, Almen, Wiesen, Blumen, Tiere und schöne Picknick-Plätze zum Rasten (gerne auf der Wiese). Drehkreuze, Kassierhäuschen, Automaten und Kioske kommen in meinem Bild nicht vor. Und ich hoffe das bleibt so, damit sich auch künftige Generationen an der Natur pur erfreuen können – und das kostenfrei wann immer und so oft sie möchten. mm

 

 

 

Pro
35 %
Contra
65 %

Pro & Contra im Mai: E-Mountainbike

Nach den Mountainbikes erobern nun auch die E-Mountainbikes unsere heimischen Berge und Wälder. Eine Erleichterung für weniger fitte Menschen oder eine weitere von vielen entbehrlichen Entwicklungen?

Pro

Ich muss zugeben, dass ich selbst immer skeptisch war in Bezug auf diese E-Bikes bzw. E-Mountainbikes. Braucht man das wirklich? Ein E-Bike ist doch für alte oder faule Menschen, oder? Bis ich dann selbst das E-Bike meiner Mutter gefahren bin und meine Meinung kräftig revidieren musste. Ich lernte, dass ein E-Bike nicht die eigene Anstrengung komplett ersetzt, sondern mich unterstützt. Und das ist gut so. Es fördert die Freude am Radfahren und motiviert öfter aufs Rad zu steigen.

Natürlich ist der Vergleichsmaßstab wichtig. Im Vergleich zum Auto bei kürzeren Fahrten: klimafreundlicher, mobiler (im Stadtverkehr agiler und keine Parkplatzsorgen), gesünder und günstiger. Im Vergleich zu einem normalen Fahrrad: unanstrengend, motivierend, variabel (man bestimmt selbst, mit wie viel Muskelkraft man fährt) und bewegungsfördernd. Ja, richtig gehört. Der letzte Punkt ist wichtig. Elektrofahrrad-Besitzer fahren in der Regel 3x mehr Rad als normale Fahrradbesitzer. Wenn also das E-Bike dem Fahrer Arbeit abnimmt, so bewegt sich der Fahrer in der Regel trotzdem mehr.

Für E-Mountainbikes im Speziellen gelten ähnliche Argumente. Hier kommt vor allem hinzu, dass die Muskelkraftunterstützung für einige Menschen den Fahrspaß in den Bergen überhaupt erst möglich macht oder zumindest für einige Menschen die Eintrittsbarriere zum Funsport Mountainbiken senkt (man mietet sich ein Bike und probiert es einmal aus). Und das ist gut für diesen Sport und für den Bergtourismus. Ich werde es im nächsten Bergurlaub testen. hs

 

Contra

Sich in der freien Natur zu bewegen ist doch das Schönste. Und dann auch noch in Kombination mit der Unbeschwertheit eines schönen Urlaubs, einfach herrlich. In Österreich laden wundervolle Berge und Wälder dazu ein, zu Fuß oder auch mit dem Fahrrad erkundet zu werden. Ich persönlich fahre sehr gerne mit dem Fahrrad. Bei schönem Wetter, auf ebenen Strecken. Nicht zu steil bergauf oder bergab und ich bin zufrieden.

Viele Menschen suchen die Herausforderung und radeln mit ihren Mountainbikes steile Straßen hinauf oder sausen Waldwege hinab. Für mich wäre das nichts. Zugegeben, ich bin zu faul, aber ich würde mich auch nicht auf ein E-Mountainbike setzen um einen Berg hinaufzukommen. Lieber gehe ich zu Fuß, aus eigener Kraft. Gerne bleibe ich auch an einer besonders schönen Stelle stehen und lasse die Natur auf mich wirken. Ich genieße den herrlichen Ausblick, den Duft des Waldes, höre wie der Wind durch die Blätter streift und entdecke vielleicht sogar einen Feuersalamander. All das würde mir verwehrt bleiben, wenn ich auf einem Rad mit Elektromotor den Waldweg hinauftuckern würde.

Auch weniger fitte Menschen erleben doch die Natur auf diese Art und Weise viel direkter und intensiver. Und mit dem Rad kann man schließlich auch in der Ebene fahren, dann braucht man auch keinen Elektromotor und muss sich keine Sorgen machen, was die Akkus der Umwelt antun, die sich gerade so wundervoll präsentiert. Und wenn wir uns ganz ehrlich sind: Mit dem E-Mountainbike auf den Berg fahren – das ist doch geschummelt. Oder was meinen Sie? ta

 

Pro
84 %
Contra
16 %