Pro und Contra

Im Tourismus sind wir in unterschiedlichen Rollen (Gastgeber bzw. Gast) immer wieder mit neuen Erlebnissen und Ideen, aber auch mit Ärgernissen und Negativerfahrungen verschiedenster Art konfrontiert. Jedes Monat nehmen wir uns eines dieser kontroversen Themen vor und beleuchten dieses von der Pro- und Contra-Seite. Welche Meinung haben Sie zum jeweiligen Thema? Stimmen Sie ab!

Pro & Contra im August: Untrainierte auf E-Mountainbikes
E-Mountainbikes ermöglichen auch weniger Trainierten die radelnde Erkundung der österreichischen Bergwelt. Das Überschätzen der eigenen Fitness birgt jedoch so manche Gefahr für andere. Wie stehen Sie zu E-Mountainbikes für jedermann?

Pro

Fakt ist: Nicht jeder hatte das Glück als Sportskanone geboren zu werden. Doch auch wenn man der Fraktion „Sportmuffel“ angehört, kann man problemlos die Schönheit der Natur erkunden, während man im Gesicht den Fahrtwind spürt - des Akku-betriebenen Rades sei Dank.

Das E-Bike verhilft einem also zu dem, was einem die Natur verwehrt hat: Sportlichkeit. Und dadurch zu einem neuen Lebensgefühl. Endlich kann man den Abenteuern seiner aktiven Freunde nicht nur neidvoll lauschen, sondern selbst die österreichische Bergwelt per Pedales erobern. Selbst betagten oder körperlich eingeschränkten Menschen eröffnen sich mit dem E-Bike neue Horizonte.

Ist man einmal auf den Geschmack gekommen, schwingt man sich sogar für Distanzen, bei denen man normalerweise ins Auto gestiegen wäre, aufs E-Bike. Das ist nicht nur gut für die Fitness, sondern auch für die Umwelt. Vor der Ausfahrt sollten sich Radprofis wie Sonntagsradler natürlich ausführlich mit dem E-Bike vertraut machen. Dass man sich an allgemeingültige Verkehrsregeln hält, ist Ehrensache. Ein Helm und Knieschützer sorgen für zusätzliche Sicherheit. bh

 

Contra

Während meines letzten Sommerurlaubs in den Bergen konnte ich immer wieder beobachten, wie erschöpfte E-Mountainbiker ihr Rad auf den schmalen, von Wurzeln durchzogenen Bikerpfaden bergab schoben. Hinunter zu radeln stellt offenbar die noch größere Herausforderung dar, als das Touren bergauf. Den Bikern dürfte es an Mut, aber auch an der nötigen Kraft und Übung gefehlt haben, um die Kontrolle über das Rad im Bergabfahren zu behalten.

Ich meine, dass niemand unvorbereitet mit dem E-Mountainbike losfahren sollte. E-Mountainbiker sollten vor ihrem ersten Ausflug in unwegsames Gelände einen Grundkurs absolvieren müssen, um die nötigen Kenntnisse zu erlangen, wie das Bike in unwegsamem Gelände zu handhaben ist. Darüber hinaus lernt man auf diese Weise, sein Können richtig einzuschätzen, um nicht sich selbst und andere in Gefahr zu bringen.

E-Mountainbike Verleiher sollten Einschulungen anbieten oder vor dem Verleih der Räder eine Bestätigung über den Besuch eines Einführungskurses verlangen. Ich denke, dass in dieser Form schwere Unfälle verhindert werden können und die Biker somit nicht sich selbst und andere in Gefahr bringen. mt

 

 

Pro
71 %
Contra
29 %

Pro & Contra im Juli: Kleine Extras für den Gast
Ein Obstteller am Zimmer, ein Betthupferl am Kopfpolster, vorbereitete Patschen und Bademäntel sowie selbst gemachte Seifen und liebevoll drapierte Handtücher - kleine Aufmerksamkeiten, die Wertschätzung vermitteln oder unnötige Gimmicks, die man auch bei Nicht-Nutzung bezahlen muss?

Pro

Natürlich geht es auch ohne. „Brauchen“ tu ich eine kleine Nascherei, frisches Obst oder eine handgeschriebene Karte mit persönlicher Begrüßung auf meinem Hotelzimmer nicht zwingend, um einen schönen Urlaub zu verbringen. Aber es gibt im Leben doch auch genügend andere Dinge, die man nicht unbedingt zum Überleben braucht, die einem aber trotzdem den Alltag verschönern.

Der Busfahrer, der nochmal stehen bleibt, weil ich vollbepackt angelaufen komme. Die Kollegin, die mir ein Kompliment für mein neues Kleidungsstück macht. Der Partner, der schon gekocht hat, wenn ich nachhause komme. Ich selbst, wenn ich einfach für mich und ohne Anlass meinen Tisch mit ein paar frischen Blumen schmücke. 

Was all diese Beispiele gemeinsam haben? Das Wohlgefühl, das in mir ausgelöst wird, wenn man mir wohlwollende Aufmerksamkeit entgegenbringt und ich mich dadurch wertgeschätzt fühle.

Und im Urlaub? Ich kann einfach nur in die Sauna gehen oder ich kann in die Sauna gehen UND danach einen frischen Apfel vom Bauern aus der Region genießen, der zur freien Entnahme bereit liegt. Ich kann bei der Ankunft einfach einchecken oder ich kann einchecken UND danach ein Handwaschritual mit einem Stück duftender handgesiedeter Seife machen, das ich bei der Begrüßung geschenkt bekommen habe.

Kleine Aufmerksamkeiten für den Gast gehören sicher nicht zu den „must haves“ für ein Hotel. Doch mitunter sind es genau diese kleinen Dinge und Gesten, die dann letztlich den feinen Unterschied in der Gastgeberqualität ausmachen und in der Wahrnehmung einen Top-Betrieb von einem mittelmäßigen unterscheiden. ap

 

Contra

„Bei Ankunft erwartet Sie in Ihrem Zimmer ein Obstkorb“ … klingt doch reizend. Doch meistens besteht der angepriesene „Obstkorb“ aus zwei Äpfeln – und die mag ich nicht. Bei der großzügigen Zurverfügungstellung von Hausschuhen und Badmänteln kommt man sich meistens vor wie ein Verdächtiger, wird doch mehr oder weniger elegant darauf hingewiesen, dass der Bademantel nur eine Leihgabe ist. Weshalb sich Hotels so auf die Bademäntel, die selten von ausgezeichneter Qualität sind, fokussieren, verstehe ich sowieso nicht. Kann man nicht auch Angst haben, dass die Leintücher oder die Pölster verschwinden? Meistens gefallen mir die Lampen bei weitem besser als die Bademäntel. Aber noch nie wurde ich in einem Schreiben vom Hotel darauf hingewiesen, dass ich das Licht verwenden könne, aber dass die Lampe bitte im Zimmer bleiben möge und wenn sie mir so gut gefällt, könne ich sie gerne an der Rezeption erwerben.

Einmal ist mir etwas Peinliches passiert. Spätabends angekommen, gleich schlafen gegangen, morgens aufgewacht und in den Haaren eine klebrig braune Masse. Habe ich doch glatt das Betthupferl übersehen. Auch so etwas Unnötiges. Kann sein, dass ich komisch bin: ich mag keine Äpfel, keine Schokolade und meinen Bademantel nehme ich mir meistens mit. Ich mag Seife, die neutral riecht und deren Zusammensetzung ich kenne und meine Haare verfilzen unerträglich, wenn ich das falsche Shampoo erwische. Ich bin – auch wenn ich liebend gerne in Hotels nächtige – ein absoluter Selbstversorger am Zimmer.

Aber was ich wirklich, wirklich schätze, sind kleine Aufmerksamkeiten: Wenn das Stofftier meines Kindes zugedeckt im Bett ruht, sobald wir wieder ins Zimmer kommen; wenn die Schuhe parallel ausgerichtet sind; wenn wir nach dem Ausflug wieder fröhlich begrüßt werden; wenn ich in der Früh nach meinem Kaffeewunsch gefragt werde und das Spiegelei frisch zubereitet wird. Das alles liebe ich in Hotels! Und das kostet gar kein Geld – aber es steigert mein Wohlbefinden ungemein. rr

 

 

Pro
81 %
Contra
19 %

Pro & Contra im Juni: Chatbots
Chatbots sind seit einigen Jahren alltägliche Begleiter in unserer Info- und Servicewelt. Doch die davon genervten Kunden werden immer mehr und teilweise rudern die Firmen schon wieder zurück. Wie stehen Sie zu Chatbots?

Pro

„Bitte haben Sie etwas Geduld, wir sind gleich für Sie da“, löst bei mir keine Glücksgefühle aus. „Sie werden umgehend mit dem nächsten freien Mitarbeiter verbunden“, höre ich bereits seit 14 Minuten. „Unser Team ist derzeit sehr gefragt, doch Ihr Anruf ist uns wichtig.“ Dabei wollte ich doch nur eine neue SIM-Karte bestellen.

Nicht so bei einem Chatbot: Sie sind 24 Stunden am Tag verfügbar und können beliebig viele Kunden gleichzeitig betreuen. Das bedeutet nicht, dass ich menschliche Interaktion gänzlich vermeiden will. Nur finde ich es nicht immer zielführend. Besonders bei häufigen Anfragen braucht man nicht immer einen Kundenberater. Chatbots ersetzen zwar (noch) nicht den persönlichen Kundendienst, doch richtig eingesetzt, können sie das Kundenerlebnis verbessern.

Seien wir ehrlich: Unsere Ansprüche als Kunden steigen. Im digitalen Zeitalter sind wir es gewohnt, auf jede Frage sofort eine Antwort zu erhalten. Wo finde ich die nächste Nachtapotheke? Wie alt ist Barack Obama? Wer eine Alexa hat (übrigens auch ein Chatbot), braucht dafür nicht einmal mehr das Handy. Nervig ist ein Chatbot, wenn er mein Anliegen nicht versteht oder keine Lösung parat hat. Chatbots sind nicht fehlerfrei, aber dafür lernfähig. Durch AI und Machine Learning werden Chatbots immer raffinierter und sind in der Lage, nutzenstiftende Dialoge zu führen.

Dabei sind Chatbots nicht nur dem Kundendienst vorbehalten. Essen bestellen, Hotel buchen, tägliche Nachrichten, aktuelle Fluginformationen - die Einsatzbereiche sind vielfältig und ich gebe zu, dass mir die Bequemlichkeit eines Chatbots gefällt. tf

 

Contra

Kürzlich bei mir zuhause, der WLAN-Router streikt. Anruf bei meinem Internetprovider, ein Chatbot hebt ab:

Chatbot: „Guten Tag und herzlich willkommen! Bitte sagen Sie mir, welches Problem Sie mit Ihrer Handyverbindung haben.“ Ich: „Ich habe kein Problem mit dem Handy, sondern mit meinem Festnetz.“ Chatbot: „Ich habe leider nicht verstanden. Bitte wiederholen Sie das Problem.“ Ich: „FESTNETZ.“ Chatbot: „Sie haben ein Problem mit Ihrem Festnetztelefon. Ist das korrekt?“ Ich: „Nein. Festnetz-Internet.“ Pause. Chatbot: „Ich habe leider nicht verstanden. Haben Sie vielleicht ein Problem mit Ihrem Festnetz-Internet?“ Ich: „JAAA!“ Chatbot: „Einen Moment bitte.“ Pause. Chatbot: „Ich kann Ihr Problem leider nicht lösen. Einen Moment bitte, ich verbinde Sie mit dem nächsten freien Mitarbeiter.“ Der besagte Mitarbeiter konnte mein WLAN-Problem schließlich innerhalb weniger Augenblicke lösen.

Ich kontaktiere ein Unternehmen meist dann, wenn ich ein Anliegen oder ein Problem habe. Gerade in solchen Fällen ist es mir als Kundin wichtig, wahrgenommen und wertgeschätzt zu werden. Mit einem Chatbot sprechen zu müssen, kostet mich nicht nur Nerven, es nimmt mir auch jegliches Gefühl von Individualität. Menschen sind nun mal keine Maschinen, und genauso wenig lassen sich unsere Bedürfnisse in vorgefertigte Schemen pressen.

Liebe Unternehmen, bitte springt nicht auf jeden (vermeintlichen) Trend auf! Wie ihr bei mir mittlerweile wirklich punkten könnt? Indem ihr jemanden aus Fleisch und Blut meinen Anruf beantworten lasst. Dafür hänge ich auch gerne ein paar Minuten länger in der Warteschleife. ap

 

Pro
73 %
Contra
27 %

Pro & Contra im Mai: Abgenutzte Infomappen/Speisekarten
Klebrige Außenseiten von Speisekarten, abgegriffene Innenseiten, Kaffeeflecken auf den im Hotelzimmer liegenden Infomappen - jeder hat damit schon so seine eigenen Erfahrungen gemacht. Wird dem zu wenig Beachtung geschenkt?

Pro

Zu meinen schönsten Kindheitserinnerungen zählen die jährlichen Familienurlaube in Oberösterreich. Ich erinnere mich an Sparziergänge mit Oma und Opa, an Anstecknadeln am Wanderhut und Bergwanderungen in Lederhosen. Genächtigt haben wir in einem Privatquartier beziehungsweise im „Fremdenzimmer“, wie das in den 70ern noch ohne fahlen Beigeschmack hieß. Unsere Quartiergeberin, die schrullige, in meiner Erinnerung mindestens 80 Jahre alte Frau Maier war sehr sparsam. Sie verwendete nicht nur Teebeutel mehrfach, sie sparte auch am Spülmittel: Am Tischtuch und am Geschirr klebten regelmäßig Speisereste. Wenn ich heute gut 40 Jahre später in einem Gasthaus eine verdreckte Speisekarte in die Hand nehme, komm ich mir in meine Kindheit zurückversetzt vor. Als säße ich als sechsjähriger Stöpsel bei Frau Maier am Frühstückstisch. Einfach schön!

Versiffte Speisekarten haben aber auch ganz praktische Vorteile. Nie wieder die Katze im Sack bestellen! Die Gerichte kleben als Anschauungsmaterial an der Karte. Genial! Dauert das Warten auf den Kellner mal länger, unterhält das heitere Ratespiel „Was klebt denn da?“ die ganze Familie. Und denkt denn niemand an die Bakterien? Die freuen sich doch auch über das reichhaltige Nahrungsangebot!

Jetzt ohne Scherz: Verdreckte Speisekarten haben aus Sicht des Gastes eigentlich nur einen Nutzen. Er kann Rückschlüsse auf die Sauberkeit in der Küche und entsprechende Konsequenzen ziehen. Denn was 1978 bei Frau Maier noch ging, geht 2018 in der professionellen Gastronomie schon lange nicht mehr. mh

 

Contra

Informationen sind auch oder gerade im Urlaub wichtig. Wenn ich in ein Hotelzimmer komme, sehe ich mir immer die Infomappe an. Ich merke mir nämlich tatsächlich nie, wann die Frühstückszeiten sind, und das ist schließlich eine durchaus essentielle Information. Aber wenn diese Infomappe dann nicht nur für Mitarbeiter der Spurensicherung, sondern auch für brillenverweigernde Fehlsichtige wie mich überdeutliche Spuren der letzten 39 Gäste trägt, vergeht mir die Lust auf das Frühstücksbuffet gleich wieder.

Zusammengeklebte Seiten, Gläserränder und undefinierbare Flecken… Ich bin bei weitem keine Hygienefanatikerin und praktiziere mit großer Freude die Drei-Sekunden-Regel, aber das ist dann auch mir zu viel. Man möchte sich gar nicht ausmalen wie es mit der Sauberkeit in der Küche steht, wenn schon die Speisekarte nicht nur ausgeblichen, sondern auch noch klebrig ist.

Natürlich ist es im Sinne der Nachhaltigkeit nicht zu empfehlen für jeden Gast eine neue Infomappe zu drucken oder ständig die Speisekarten zu erneuern. Es ist mir jedoch auch ein Rätsel wo die Problematik liegt eine Plastikfolie mit einem feuchten Tuch abzuwischen. Mehr braucht es schließlich nicht. Meiner Meinung nach ist das der falsche Punkt für Einsparungen. Schließlich sind es gerade diese vermeintlich kleinen Dinge, die es ausmachen ob sich ein Gast wirklich wohl und willkommen fühlt. Also ich würde als Gastgeber jedenfalls darauf achten, dass meine Informationen an die Gäste und meine Speisekarten ein Aushängeschild sind, das meinem Betrieb gerecht wird. Oder wie sehen Sie das? ta

 

Pro
81 %
Contra
19 %

Pro & Contra im April: Lärm am Urlaubsort
Unsere Welt ist eine laute und die Lärmresilienz des einzelnen wird tagtäglich auf die Probe gestellt. Der Urlaub soll daher für viele auch zur Lärmauszeit werden. Wird dem Ruhewunsch der Gäste ausreichend Rechnung getragen?

Pro

Lärm – Wer mag das schon? Straßenlärm, Baulärm, der Beat aus dem Kopfhörer des Sitznachbarn im Bus, das Gebell des Nachbarhundes. Diese Liste könnte man noch ewig fortsetzen. Niemand mag Lärm im Alltag.

Aber Ruhe und Stille im Urlaub? Natürlich bin ich nicht begeistert, wenn das Nachbarzimmer gerade renoviert wird und mich die Stemmarbeiten quasi aus dem Bett befördern. Aber ich denke auch daran, wie ich die halbe Zeit damit beschäftigt wäre meine Kinder zu ermahnen. „Nicht so laut bitte. Ja, ich weiß, du singst gerne. Aber du weißt schon, die anderen Gäste. Du sollst doch nicht über den Gang galoppieren." Gleichzeitig erinnere ich mich an meine eigene Kindheit, wenn wir ganz besonders leise sein mussten. Ach du meine Güte war das langweilig! Und wie unglaublich schön war die Freiheit im Urlaub zu singen, richtig laut zu lachen, weil man den großen Bruder mit der Wasserbombe getroffen hat und vor Freude jauchzend in den See zu springen. Und was wäre ein Volksfest ohne anständige Kapelle? Ich habe so viele wunderschöne Urlaubserinnerungen. In manchen war es tatsächlich ruhig, aber die meisten sind erfüllt von ganz wundervollem Lärm. Nämlich Lachen, Musik oder auch das Tosen eines Wasserfalls.

Ruhigere Momente ergeben sich meiner Meinung nach ganz von allein. Aber für totale Ruhe sollte man wohl eher ein Schweige-Retreat in Betracht ziehen, dann braucht man sich nicht über zu Lärm ärgern, während andere fröhlich „Lärm“ machen können und die Freiheit und Freude ihres Urlaubes genießen. Also wenn Sie mich fragen: Ja bitte, nur her mit all dem wunderbaren, erfüllenden Lärm im Urlaub. ta

 

Contra

Vor Jahrzehnten habe ich einen Sprachkurs in New York besucht. Das war herrlich und die permanente Geräuschkulisse der Stadt war für mich wie Musik, genauer wie Hintergrundmusik – immer vorhanden, aber nie störend. Es gehörte für mich zum Flair der Stadt. Anders empfand dies ein Schweizer Kollege. Gefragt nach seinen stetig stärker werdenden Augenringen, monierte er, dass er bei diesem Lärm in der Nacht nicht schlafen könne, denn er wäre die Ruhe der Berge gewöhnt. Dies mag jetzt etwas hart klingen, doch, wenn man nur bei absoluter Stille schlafen kann, sollte man keine Großstadt besuchen. Die Wahrscheinlichkeit in vollkommener Ruhe Schlaf zu finden ist verschwindend gering.

Anders hingegen ist es bei einem Urlaub auf dem Lande. Dem Landleben schreibt man eine gewisse Beschaulichkeit und Ruhe zu und man darf sie im Urlaub auch erwarten. Der Verkehrslärm ist geringer, es gibt weniger Menschen und die Natur ringsum schluckt die restlichen Geräusche. So das Durchschnittssetting am Lande. Umso schwerwiegender empfinde ich dann Störungen dieser Ruheidylle: den Zug, der zwar ungesehen, allerdings nicht ungehört in einiger Entfernung vorbeifährt, überraschender Flugzeuglärm, enervierende Baustellen mit Beginn um 6:30 Früh, ein lustiges Volksfest, das bis in die frühen Morgenstunden wachhält, … und am allerallergrauslichsten sind die Autos, die in unregelmäßigen Abständen am Zimmerfenster vorbeibrausen. Diese Einzelgeräusche stechen viel mehr hervor, als wenn sie in einem Geräuschteppich eingebettet wären. Ich ertrage mit Gleichmut die Geräusche der Natur, jedoch ein beschaulicher Teich mit quakenden Fröschen geht schon wieder in Richtung Zumutung. Denn wenn man sich endlich an das Gequake gewöhnt hat, reist man meistens schon wieder ab. Vielleicht mache ich hauptsächlich deswegen in Österreich ausschließlich Urlaub im Winter – da sind alle Geräusche schneegedämpft. rr

 

Pro
73 %
Contra
27 %

Pro & Contra im März: Volldigitalisierte Unterkünfte
Immer öfter ist der Gast mit volldigitalisierten Hotelzimmern konfrontiert. Kaum eine Funktion, die nicht mit Fernbedienung oder App zu handhaben ist und so manchen schon mal beim Öffnen des Fensters verzweifeln ließ. Dem Zeitgeist entsprechend oder auf die Spitze getrieben? Wie sehen Sie das?

Pro

Ehrlich gesagt sehe ich die digitalisierten Zimmer leider noch nicht. Ich war vorletzte Woche auf Zypern in einem 5-Sterne Hotel: keine digitale Schlüsselkarte, alter Fernseher, Festnetztelefon. Letzte Woche war ich in Krakau in einem 3-Sterne Hotel. Zumindest schon digitale Schlüsselkarte und Smart-TV. Aber das war es dann auch schon.

Ich würde mir mehr digitalisierte Angebote in Hotels wünschen. Warum? Weil ich technische Spielereien mag und weil ich wirklich davon überzeugt bin, dass digitale „Helferlein“ einem das Leben etwas einfacher machen können. Das mag nicht jeder so sehen, aber ich fände es toll, wenn ein Hotel nicht nur eine besondere Erfahrung ist, weil das Personal besonders gut, das Essen außergewöhnlich und das Bett ein Traum ist, sondern mir auch eine technische „Experience“ bieten kann: ein paar Dinge, die ich vielleicht in Zukunft mal gerne hätte, aber mir noch nicht leisten will, etwa ein Google Home Lautsprecher oder eine VR-Brille. Wenn man es nicht will braucht man es ja nicht zu nutzen. Ich wäre sogar ein Freund von digitalem Self-Checkin oder Push-Meldungen auf mein Handy über besondere Angebote im Hotel oder Umgebung.

Zugegebenermaßen war ich auch mal skeptisch, als die Flughäfen dazu übergingen, dass man sich selbst digital einchecken und sein Kofferetikett selbst ausdrucken musste und reine Kosteneinsparung der Flughäfen gewittert. Aber jetzt liebe ich es. Und so wird es mir wahrscheinlich auch bei der Digitalisierung in Hotels gehen. Mit dem Gastgeber oder Personal redet man ja trotzdem. hs

 

Contra

Heutzutage ist der Begriff Service mit Do-It-Yourself gleichzusetzen. Der Kunde ist nicht mehr König, sondern Mitarbeiter, der für selbst erbrachte Leistungen auch noch in vollem Umfang bezahlen soll. Dies wird einem auch noch positiv verkauft im Sinne von „Nun können Sie das alles selber machen, wann immer sie wollen“. Will ich aber gar nicht - zumindest nicht immer und überall. Dies gilt insbesonders für meine Urlaubszeit. Ich will nicht vollautomatisch im Hotelzimmer einchecken. Ich habe keine Lust, mich nach einer anstrengenden Anreise mit derartigen Dingen auseinanderzusetzen. Und ganz ehrlich: Wer ist nicht schon mal völlig entnervt vor irgendeinem Automaten gestanden, der nicht das getan hat, was er eigentlich sollte. Tun wir also nicht so, als ob die Systeme immer so wunderbar funktionieren würden und dies alles nur zum Vorteil des Kunden wäre.

Ich will in meiner Unterkunft freundlich empfangen werden, im Zimmer die Jalousie selbst hochziehen können, die Fenster öffnen oder den Vorhang schließen, ohne dafür die Fernbedienung suchen oder dies über App steuern zu müssen. Auch die Klimaanlage soll auf Knopfdruck ein- und ausschaltbar sein. Und ganz wichtig: Ich will die Dusche mit einem einzigen Handgriff bedienen können.

Ich fröne im Urlaub gerne dem Digital-Detox. Ein digitalisiertes Hotelzimmer ist für mich daher kontraproduktiv und birgt statt Urlaubslust nur Urlaubsfrust – vor allem, wenn die Dinge nicht gleich so funktionieren wie sie sollen und dann vielleicht auch nur ein Chatbot als Hilfestellung zur Verfügung steht. mm

 

Pro
43 %
Contra
58 %

Pro & Contra im Februar: Kostenfalle Wochenende
Wir haben uns daran gewöhnt, am Wochenende und vor allem an Fenstertagen mehr für unsere Unterkünfte zu bezahlen. Die Nachfrage (und damit der Aufwand) für diese Tage ist zwar eine größere, aber die wahrgenommene Leistung für den Gast letztendlich die gleiche. Wie stehen Sie zu diesen Aufpreisen?

Pro

Wenn man auf den Hotelseiten die Preise der unterschiedlichen Saisonen vergleicht, dann kann man als Gast schon mal leicht frustriert sein, wenn man sieht, um wie viel billiger die Unterkunft einen Tag nach einem langen Wochenende angeboten wird.

Betrachten wir das Ganze aber nun aus Sicht eines Betriebes. Ein volles Haus verlangt mehr Personal, das auch bezahlt werden muss. Das beginnt bei allen administrativen Aufgaben, reicht über die Kellner und Köche bis hin zum Reinigungspersonal. Auch etwaig vorhandene Wellnessanlagen werden von mehr Personen genutzt und müssen entsprechend öfter gereinigt werden. Schließlich will der Gast verständlicherweise trotz Vollbelegung ein 100-Prozentservice haben. Das kann ihm aber nur mit einer ausreichenden Anzahl an Personal garantiert werden. Da fallen schon mal unzählige Überstunden an oder eventuell muss sogar zusätzliches Hilfsperson für diese Zeiten engagiert werden. Für den Gast bleibt die Leistung die gleiche – ob in der Vor-, Nach- oder sonstigen Saison. Im Hintergrund ist aber eine unterschiedlich große Maschinerie am Laufen, die unterschiedlich viel Geld kostet. Für mich ist es also nur logisch, dass die beliebten Zeiten auch teurer und nicht ausschließlich mit „die Nachfrage regelt den Preis“ zu erklären sind.

Mein Fazit: Leidet die Qualität unter dem Ansturm der Gäste, dann hat sich der Gastgeber einfach nur ein goldenes Näschen verdienen wollen. Wenn aber die Qualität auch in stressigen Zeiten gewahrt bleibt, dann ist der Zuschlag absolut gerechtfertigt. mm

 

Contra

Aus unternehmerischer Seite ist es ganz klar, wenn die Nachfrage steigt, steigt der Preis. Das bin ich, seit ich schulpflichtige Kinder habe bereits gewöhnt. Wer nur mehr an schulautonomen Tagen rund um Feiertage einen Kurzurlaub planen kann, muss mit einem höheren Preis und mit mehr Mitmenschen am selben Ort rechnen.

Doch leider wird mir seit einiger Zeit jegliche Entscheidung, wie viele Tage ich urlauben möchte, aus der Hand genommen. Denn meine bevorzugten Hotels verlangen an diesen begehrten Tagen nicht nur einen höheren Preis, sondern auch eine Mindestaufenthaltsdauer von zwei oder sogar mehr Tagen. Damit wird das Urlaubsbudget noch mehr belastet und die Flexibilität massiv eingeschränkt. Ich ärgere mich darüber, denn ich bin überzeugt, dass diese Hotels auch ohne diese Maßnahmen an verlängerten Wochenenden voll wären. Natürlich wird man jetzt aufschreien und sagen, dass die Kosten weit höher sind, wenn ich nur kurz bleibe. Aber dafür bezahle ich ja auch Zuschläge. Bei meinem letzten Kurzurlaub habe ich feststellen müssen, dass mittlerweile auch die Kosmetik- und Massagepreise am Wochenende höher sind, als unter der Woche. Ich bekomme also die gleiche Leistung von Montag bis Donnerstag um weniger Geld.

Meine Konsequenz: Ich fahre deutlich weniger oft auf (Kurz-)Urlaub und spare mir das Geld für die Zeit, wenn ich nicht mehr von Schulferien und schulautonomen Tagen abhängig bin. Also in einer gefühlten Ewigkeit. gw

Pro
79 %
Contra
21 %

Pro & Contra im Jänner: Rauchende Gäste im Freien
Rauchende Gäste auf der Terrasse, am Nebenbalkon, vor der Hotellobby, am Parkplatz oder am Liegestuhl - nervig oder durchaus tolerierbar?

Pro

Albert Camus wird folgendes Zitat zugeschrieben: „Es gibt keine Freiheit ohne gegenseitiges Verständnis.“ Ich denke, dass in dem Satz die beiden wesentlichen Punkte für meine (zugegebenermaßen durchaus schwierige) Argumentation zu Gunsten des Rauchens enthalten sind. Es geht erstens um Freiheit und zweitens um Verständnis.

Jeder Mensch hat das Recht auf freie Entscheidung was er sich antut. Raucher wissen, dass das Rauchen schädlich für sie ist. Die einen können vermeintlich nicht aufhören, die anderen wollen nicht. Die Entscheidung trifft jeder frei für sich.  Beschränkungen gibt es doch wahrlich mittlerweile genug und diese Tendenz, dass man immer häufiger meint man müsse erwachsene Menschen vor sich selbst schützen, halte ich für falsch. Ich warte schon gespannt auf die Helmpflicht für alle Rad- und Scooterfahrer. Zu schützen sind allerdings die Kinder und auch andere Menschen, die vom Rauch gestört werden. Daher sind Verbote, in der Nähe von Kindern oder in der Gastronomie zu rauchen, richtig. Aber beim Thema Rauchen vor der Hotellobby oder auf der Terrasse muss ich an das gegenseitige Verständnis appellieren.

Raucher müssen Rücksicht nehmen. Aber bitte auch ein bisschen Verständnis und Toleranz für die Raucher zeigen. Die Armen frieren sich derzeit in den Wintermonaten die Finger ab vor den österreichischen Hotellobbys. Toleranz ist immer dann besonders einfach, wenn wir sie von anderen erwarten. hs

 

Contra

Beim leidigen Thema Nichtraucherschutz in der Gastronomie gibt es einen Aspekt, der in der Diskussion regelmäßig übersehen wird: die Situation im Freien. Unabhängig davon, wie gut oder schlecht der Nichtraucherschutz drinnen in den Lokalen funktioniert – draußen in den Gastgärten wird gequalmt. Und das ist ein Problem. Mir sind ehrlicherweise keine Studien über die Gesundheitsgefährdung oder Unbedenklichkeit von Zigarettenqualm im Freien bekannt. Fakt ist jedenfalls: Wo geraucht wird, stinkt’s. Auch draußen. Wenn an einem Tisch gegessen und am Nebentisch geraucht wird, ist das eine suboptimale Kombi.

Und das ist nicht das einzige Szenario, wo Rauchen im Freien nervt. Eh schön, wenn ein Hotelgast zur Suchtbefriedigung auf den Balkon geht. Blöd nur für die Nachbarn, wenn der Rauch durch geöffnete Fenster in ihre Zimmer zieht. Was ich mich in dem Zusammenhang immer frage: Wann lüften eigentlich Anrainer von Lokalen, unter deren Schlafzimmerfenstern nonstop geraucht wird? Nach der Sperrstunde um vier Uhr Früh?

Nun stimmt sicher, dass die Mehrheit der Raucher Rücksicht nimmt. Aber eine Minderheit tut es nicht und zündet sich eine Zigarette an, justament wenn am Nebentisch das Essen kommt. Im Park in unmittelbarer Nähe von Kleinkindern und Babyschalen. Oder unter geöffneten Schlafzimmerfenstern. Rauchfreie Zonen im Freien? Bin ich sofort dafür. Denn wenn die Erfahrung eines lehrt, dann leider, dass es ohne Verbote nicht geht. Das Fehlen rauchfreier Gastgärten ist der beste Beweis. mh

Pro
68 %
Contra
32 %

Pro & Contra im Dezember: Musikberieselung in allen Lebenslagen
Wo wird man nicht überall mit Musik beschallt. In Geschäften, auf Weihnachtsmärkten, in Lokalen, in Hotellobbys, in der Warteschleife… Entspannend oder nervend? Was sagen Sie?

Pro

Musikbeschallung empfinde ich dann als nervig, wenn sie zu aufdringlich ist und überhaupt nicht meinen Geschmack trifft. Das ist in der Praxis aber kaum jemals der Fall.

Beispiel Einzelhandel. Hier ist die Songauswahl meistens doch ganz gelungen. Erst letzte Woche habe ich in einem Geschäft sogar ein Lied von meiner Handy-App erkennen lassen, weil es mir so gefallen hat. Auf Weihnachtsmärkten? Ja, da wird Weihnachtsmusik gespielt. Ich finde, das gehört dazu. Heiligabend legt Mutti doch auch eine CD in die Stereoanlage. In Lokalen? Jedes hat eine bestimmte Atmosphäre und die wird entscheidend durch die Musik geprägt. Hier hat man die freie Wahl, ein Lokal passend zum Musikgeschmack zu wählen. Aus meiner Sicht eine Bereicherung und keine Quälerei. Im Gegenteil: Mittlerweile erscheinen mir Lokale ganz ohne Musik eher befremdlich.

Musik in Hotellobbys? Ist nicht wirklich nötig, aber stört auch nicht weiter – genau wie Musik in Fahrstühlen. Warteschleifenmusik? Da achte ich sogar gezielt auf die Musikauswahl. „Money for nothing“ von Dire Straits in der Bank Austria Warteschleife? Ich schmunzle.

Diese Einzelbeispiele fügen sich zu einem Gesamtbild: Musikbeschallung ist prinzipiell gut. Wie immer kommt es auf das richtige Maß und die passende Songauswahl an.

Interessantes Detail zum Schluss: Es konnte gezeigt werden, dass klassische Musik in U-Bahnhöfen die Bereitschaft zu Gewalt und Vandalismus senkt. hs

Contra

Ich liebe Musik. Von Pop, Rock über HipHop und Dancehall bis hin zu Klassik bin ich für die unterschiedlichsten Genres zu begeistern. Und ja, ich bin auch eines der Exemplare, das mit großer Leidenschaft Weihnachtslieder hört. Ab dem ersten Advent gibt es kein Halten mehr und von Klassikern wie „Stille Nacht“ intoniert vom Kinderchor bis hin zu „All I want for Christmas is you“ werden die saisonalen Musikschmankerl bei mir rauf und runter gespielt.

Und nun kommt das große Aber: Ich bestimme selbst was ich wann meinen Ohren zu Gemüte führe. Ich höre bewusst Musik und entscheide mich worauf ich gerade Lust habe. Zugegeben morgens läuft schon mal das Radio im Hintergrund, aber auch das schalte ich ein und eben auch wieder aus, wenn ich genug habe.

Aber beim Einkaufen in Geschäften oder in Hotellobbys dieses Hintergrundgedudel oder noch schlimmer in Lokalen die viel zu laute Musik, die ein Gespräch nur schwer möglich macht – darauf kann ich sehr gerne verzichten. Beim Einkaufen brauche ich keine weitere Unterhaltung, ich bin mit den Waren beschäftigt und in Lokalen unterhalte ich mich doch lieber mit meinen Freunden, als stumm neben ihnen zu sitzen, weil ich nach dem dritten „Wie bitte?“ aufgegeben habe, etwas zu erzählen. Das Gleiche gilt für Warteschleifen. Eine sich ständig wiederholende Melodie im Stil einer Schallplatte mit Sprung, lässt die Wartezeit eher länger erscheinen als diese zu verkürzen.

Wenn man also mich fragt, dann sage ich freundlich aber bestimmt „Nein Danke“ zu ungefragter und permanenter Musikbeschallung in unserer ohnehin schon viel zu lauten Welt. ta

 

Pro
51 %
Contra
49 %

Pro & Contra im November: Lichtverschmutzung

Die Umrüstung auf LED-Beleuchtung führt weltweit zu mehr Lichtverschmutzung und auch in Österreich wird es nachts immer heller. Eine Entwicklung, die dem Sicherheitsbedürfnis der Menschen entgegenkommt oder folgenschwere Auswirkungen auf Mensch, Tier und Natur hat? Stimmen Sie ab!

Pro

Ich bin Städter und daher aufgewachsen mit Licht: Straßenbeleuchtung zu jeder Nachtzeit, beleuchtete Schaufenster und Lokale, die bis in die Morgenstunden offen haben. Licht ist Sicherheit. Das muss nicht für jeden so sein, doch nicht umsonst haben Menschen schon früh begonnen, finstere Höhlen und später Gassen auszuleuchten. So ein leichter Lichtschein kann schon sehr beruhigend wirken. Es muss ja nicht gleich alles taghell ausgeleuchtet werden.

Trotz meines Hangs zur Straßenbeleuchtung mag ich auch die Dunkelheit sehr gerne. Ich finde sie entspannend, die Sterne sind besser sichtbar und wir Menschen werden hellhöriger. Und das aus gutem Grund: wir beginnen uns zu fürchten, wenn es finster wird. Ein ganz natürlicher Vorgang. Das ist selbstverständlich kein angenehmes Gefühl und deshalb wollen wir Licht – auch in der Nacht, denn wir leben schon lange nicht mehr mit dem Lauf der Sonne. In Städten und Siedlungen steht die Beleuchtung ganz außer Frage. Offen bleibt natürlich schon, ob und wenn ja, wie hell wir die Natur ausleuchten wollen. Und da plädiere ich durchaus für die Beleuchtung der letzten Meter eines Wanderweges. Müde, hungrige Menschen am Ende einer Wanderung, die die Dämmerung nicht einschätzen konnten, kann man auf den letzten Metern mit ein wenig Licht unterstützen.

Das bringt mich zu unseren Gefühlen, die von den täglichen Katastrophenmeldungen beeinflusst sind: Eigentlich leben wir in einer immer sicherer werdenden Welt, in der weniger Gewaltverbrechen passieren. Und eigentlich bräuchten wir aus Sicherheitsgründen gar nicht so viel Licht in der Nacht. Doch das individuelle Sicherheitsbedürfnis der Menschen verlangt halt danach. RR

 

Contra

Die UNESCO hat sich im Jahr 2007 für ein „Recht auf Sternenlicht“ ausgesprochen. Ein dunkler Nachthimmel kann mittlerweile zum UNESCO-Welterbe erklärt werden, und ich befürworte das absolut. Ich kann mich nämlich noch gut an die Nächte erinnern, in denen ich als Kind im Garten meines Elternhauses gestanden bin und fasziniert den schwarzen Himmel mit seiner schimmernden Milchstraße, den unterschiedlichen Sternenformationen und ab und zu einer Sternschnuppe bestaunt habe.

Was ich heute sehe, wenn ich nachts aus dem Fenster schaue: einen Himmel aus einem schmutzig-nebeligen Orange-Grau, von Sternen ist keine Spur mehr. Das liegt an der Lichtverschmutzung, die in den Industriestaaten seit Jahren stetig zunimmt. Lichtsmog ist eine Form der Umweltverschmutzung, seine negativen Folgen auf den Biorhythmus und damit die Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen sind wissenschaftlich belegt.

Beweise dafür, dass mehr Licht in der Nacht auch die Sicherheit für Passanten erhöht, gibt es bis dato übrigens nicht. Ein Grund dafür könnte sein, dass der Großteil der Lichtverschmutzung gar nicht durch Straßenlaternen verursacht wird, sondern durch die nächtliche Dauerbeleuchtung von Geschäften, Werbetafeln und Kulturgütern. Diese könnte also relativ einfach und gefahrlos reduziert werden.

Gerade Tourismusdestinationen, die sich in Richtung von Ökologie, Nachhaltigkeit, Entschleunigung, Achtsamkeit oder ähnlichem positioniert haben, tun gut daran, sich kritisch mit dem Thema Lichtverschmutzung auseinander zu setzen, Bewusstsein dafür zu schaffen und entsprechende Maßnahmen zu entwickeln. ap

 

Pro
47 %
Contra
53 %

Pro & Contra im Oktober: Erlebniswelten in der Natur
Immer öfter werden Wanderwege mit künstlich geschaffenen Erlebniswelten (etwa Märchen- oder Wasserwelten) "aufgepeppt". Eine willkommene Abwechslung oder unnötig?

Pro

Als Kind war ich oft wandern, ach war ich oft wandern. Jedes Wochenende musste ich in der freien Natur verbringen. Ich kenne alle möglichen Wiesenblumen, zig Schwammerlarten, kann Nadelbäume unterscheiden und weiß mich im Wald behände zu bewegen ohne Tieren oder Pflanzen Leid zuzufügen. Ich kann mit Worten wie Baumgrenze etwas anfangen und weiß wie das Wetter wird, wenn der Gipfel einen Hut hat. Und ich hab‘ so genug davon!

Ich weiß gar nicht, wie ich diese unendliche Langeweile, die sich über mein Gemüt stülpt, beschreiben kann, damit irgendein anderer Mensch verstehen kann, was ich empfinde, wenn es heißt: „Wir gehen in die Natur:“ Das erste Mal einen Herrenpilz finden, war super, das zweite Mal auch noch und dann …. Langeweile!

Und nun kommen die Erlebniswelten daher und ich muss sagen, diese bringen sogar einen Natur-aversen Menschen wie mich wieder in die Berge und an die frische Luft. Denn ich kenne sie noch nicht. Sie sind großteils ganz erfrischend gestaltet, bieten Abwechslung, stellen themenabhängig auch Informationen bereit, bieten Gelegenheit Neues auszuprobieren, sind kindersicher angelegt und trotzdem so weitläufig, dass man nicht aufeinander klebt. Aus natürlichen Materialien gestaltet, der Umgebung angepasste Wege und Attraktionen, ruhige Orte zum Entspannen und Beobachten und außerdem immer auch Hütten und Restaurants, sodass man sich um die Verpflegung im Vorhinein nicht zu kümmern braucht. So eine Erlebniswelt ist für mich wie die Karotte für den Esel beim Aufstieg. Nur habe ich den Vorteil, dass ich die Erlebniswelt dann auch gleich genießen kann, sobald ich sie erreicht habe. rr

Contra

Eine Erinnerung an meine Kindheit: Es war Sonntag, endlich ausschlafen! Weit gefehlt. Die Familie beschloss, einen Berg zu erklimmen und das selbstverständlich im Morgengrauen. Sie wissen schon „Im Frühtau zu Berge…“. Die Begeisterung war nachvollziehbarer Weise gedämpft, aber kein Jammern half. Die Brote wurden geschmiert und in den Rucksack meines Vaters gemeinsam mit Wasserflasche und Flachmann (von dem ich wenig hatte) gestopft. Und los ging es! Die erste halbe Stunde war ich nicht ansprechbar, aber bald schon zeigte die frische Luft ihre Wirkung. Und mein Vater, ein Kind der Berge, verstand es meisterlich, uns mit Geschichten aus der Natur abzulenken. Ich erinnere mich an vielzählige Wunder, die er uns bei unseren Wanderungen zeigte. Wie man aus Kleeblüten Honigähnliches heraussaugen konnte, wie Sauerampfer schmeckte, wie man auf Grashalmen Melodien blies und in den Pausen Staudämme an Bächen baute. Das alles hat ausgereicht, um uns stundenlange Wanderungen zu versüßen und heute als Mutter von zwei Kindern profitiere ich immer noch von diesem Wissen.

Zugegebenermaßen ist die Wander-Motivation meiner Kinder enden wollend und aussichtsreiche Anwärter auf die goldene Wandernadel sind sie sicher nicht, aber wenn mir ab und zu etwas einfällt, was mir mein Vater damals gezeigt hat, so sehe ich in staunende Gesichter und freue mich an ihrem Entdeckungsgeist. Ich gestehe, auch ich war mit meinen Kindern auf Märchenwegen und Heidialmen unterwegs und sie haben durchaus ihre Berechtigung, aber die Natur ist so ein wunderschöner Spielplatz. Und vielleicht können wir dies unseren Kindern auch vermitteln. gw

Pro
72 %
Contra
28 %

Pro & Contra im September: Lebkuchen im September

Für den Handel und auch für die Weihnachtsfans unter uns kann das Fest der Freude gar nicht früh genug beginnen. Aber ist September für Lebkuchen, Nikoläuse und Co nicht doch etwas früh? Stimmen Sie ab!

Pro

L wie „Lebkuchen“. L wie „lecker“. L wie „lasst uns doch tolerant sein“. Wo ist denn bitte das Problem, wenn ich im Sommer am See liege und einen Lebkuchen essen? Wer sagt denn, dass es immer nur Pommes sein dürfen? Leben wir doch (auch) beim Essen Toleranz.

Die ersten Lebkuchen buken (ja, diese Präteritumform gibt es) übrigens die Ägypter im vierten Jahrhundert vor Christus. Auch die Römer schätzten ihren panis mellitus. Allerdings nicht zur Weihnachtszeit, sondern als Fastenspeise. Dazu tranken sie oft starkes Bier. Bier und Lebkuchen ist zwar nicht meine kulinarische Lieblingskombination, aber es gibt sicher eine Craftbierbrauerei, die nach diesen Zeilen schon zu brauen beginnt.

Lebkuchen hat also keinen weihnachtlichen Entstehungshintergrund. Auch im Mittelalter war er wegen seiner langen Haltbarkeit vor allem bei Pilgern und Mönchen beliebt und kein Weihnachtsbote. Daher finden wir auch diese große Auswahl an Lebkuchen in Österreichs berühmtestem Wallfahrtsort, Mariazell. Hier gibt es sogar das ganze Jahre Lebkuchen. Und das zurecht. Denn die inzwischen zum kulinarischen Markenzeichen Mariazells gewordene Süßigkeit schmeckt (nicht nur) mir zu jeder Jahreszeit: gefühlt jeder Tourist nimmt sich eine dieser Köstlichkeit mit nach Hause.

Mehr Toleranz beim Essen schaffen wir bei den Themen vegan, Laktoseintoleranz oder Glutenunverträglichkeit ja auch. Ich denke, dann schaffen wir es auch beim Lebkuchen mehr Verständnis aufzubringen und jedem seinen Lebkuchengenuss zu gönnen – egal zu welcher Jahreszeit. kb

Contra

Es ist Anfang September und mit sonnigen 28 Grad Celsius ein Altweibersommertag, wie er im Buche steht. Gebräunt und gut erholt vom Sommerurlaub, aus dem ich nur wenige Tage zuvor zurückgekehrt bin, schlurfe ich in meinen Flipflops zum Nahversorger meines Vertrauens, betrete das Geschäft und erstarre. Vor mir stapeln sie sich: Traditionell rot oder blau verpackt, mit Schokolade oder Zucker überzogen, als Sterne, Herzen oder Brezel geformt. Der Anblick der vielen Lebkuchen-Schachteln lässt mich sofort an die Vorweihnachtszeit denken, die ich durchaus gerne mag. Aber gleich darauf fallen mir auch die weniger angenehmen Seiten des Winters ein: die frühe Dunkelheit, die trüben Tage, das nasskalte Wetter. Liegt es nur an der Klimaanlage, dass ich gerade zu frösteln beginne?

Ich schrecke aus meinen Gedanken auf und bin schon fast dabei, panisch zur Kassa zu hechten und mich nach Hause zu beeilen - immerhin ist ja bald Weihnachten und ich habe noch kein einziges Geschenk! – bis ich mich im letzten Moment, nach einem Blick auf die draußen in der Hitze schwitzenden Menschen, doch noch besinne.

Lieber Handel, bitte hol mich doch nicht so hart aus meiner Post-Urlaubs-Leichtigkeit in die Realität zurück, sondern lass mich noch ein bisschen länger vom Sommer träumen – von den brütend heißen Tagen, die man nur im Schwimmbad übersteht, dem klebrigen Eis, das die Finger hinunter rinnt und den lauen Nächten im Schanigarten.

„Alles zu seiner Zeit“, sagt ein altes Sprichwort. Und nein, der September ist definitiv nicht die richtige Zeit für Lebkuchen und Adventstimmung. ap

Pro
30 %
Contra
70 %

Pro & Contra im August: Im Bademantel zum Frühstück

Menschen, die im Bademantel mit wenig bis nichts darunter am Frühstücksbuffet stehen, sind in Wellnesshotels ein gängiges Bild. Was halten Sie davon? Grauslich oder einfach nur bequem?

Pro

Über die Zumutbarkeit des Anblicks fremder, leichtbekleideter und nur partiell von Bademänteln bedeckter Körper in den unterschiedlichsten Ausprägungen, und das auch noch beim Essen, lässt sich natürlich manchmal streiten. Bei der Frage, ob ein Frühstück im Bademantel aber tatsächlich eine optische Zumutung ist oder nicht vielmehr einfach praktisch, plädiere ich aber eindeutig für einen gelassenen Umgang mit der Körperlichkeit. Die Einhaltung gewisser Grundregeln in punkto Hygiene setze ich natürlich voraus.

Beim Frühstück im Hotel bin ich jedenfalls eher damit beschäftigt, mich zwischen Croissant und Briochekipferl zu entscheiden, als mir Gedanken über die aus dem Bademantel hervorblitzende Körperbehaarung meines Tischnachbarn zu machen. Und auch umgekehrt: Überlegen Sie sich etwa, ob Sie in Badebekleidung den ästhetischen Ansprüchen der anderen Gäste entsprechen? Wenn ja: Schade, denn vielleicht könnten Sie ohne diesen Gedanken ihren Urlaub noch mehr genießen.

Abgesehen davon: Gerade als Wellnessgast steht für mich Entspannung im Vordergrund. Die Vorstellung, den Tag ohne viel Aufwand in bequemer Kleidung verbringen zu können, finde ich angenehm und zum Urlaubsthema passend. Diesbezüglich leider negativ in Erinnerung geblieben ist mir ein Kurzurlaub in einem eigentlich netten Hotel mit Wellnessbereich. Das Essen (4x täglich, da Vollpension) fand in Straßenbekleidung im „normalen“ Restaurantbereich statt. Hätte ich alle Mahlzeiten in Anspruch genommen, hätte ich mich an diesem Wochenende täglich bis zu 8mal (!) an- bzw. ausziehen müssen. Erholung sieht definitiv anders aus. ap

Contra

Kennen Sie das? Sie sitzen etwas früher als die anderen Gäste am Frühstückstisch, blicken sich dann irgendwann um und sind von unzähligen Wesen in weißen Bademänteln umgeben. Dieser verleiht diesen den Nimbus von Patienten eines Sanatoriums oder frisch aus dem Bett geschlüpfter und noch nicht gewaschener Gestalten, deren Anblick man vielleicht von zu Hause kennt, aber normalerweise nicht in der Öffentlichkeit gewöhnt ist.

Sie stehen beim Buffet, tauchen die manchmal etwas zu langen und weiten Ärmel in die Marmelade ein und streifen dann damit über die Käse- und Wurstplatten. Manchmal fällt auch noch ein Fluserl direkt in das Brotkörbchen, weil so ein Frotteemantel ja auch alles Mögliche an Fädchen und Bröserl anzieht, die sich dann irgendwann mal verselbständigen. Wenn sie zu ihrem Platz geschlurft sind, dann sitzen die an Röcke gewöhnten Damen zwar sittlich an ihrem Platz, die Männer machen es sich aber gewohnt breitbeinig bequem. Dann klaffen die Mäntel schon mal auseinander und geben den Blick auf die hoffentlich darunter befindliche Badehose frei.

Ich habe immer den Eindruck, dass der Bademantel dazu berechtigt, sich nicht zu frisieren, zu rasieren und vermutlich auch nicht zu waschen, "weil man ja dann eh gleich in den Pool hüpft". Muss das wirklich sein? Kann man zum Essen nicht etwas anderes (gerne Bequemes) anziehen? Vielleicht motiviert einen das ja dazu, doch die eine oder andere Spazierrunde zu drehen und den Urlaub nicht nur indoor am Pool, in der Sauna oder auf dem Massagetisch zu verbringen. mm

 

Pro
44 %
Contra
56 %