Pro & Contra

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Hin und wieder begegnen einem faszinierende, humoristische oder merkwürdige Situationen, in deren Anschluss man sich die Fragen stellt: Finde das nur ich so toll, so skurril, so herzerwärmend und erfrischend oder sehen das auch andere so? Ist das vielleicht ein Erlebnis, ein Bedürfnis, ein Gästewunsch, den ich in mein touristisches Angebot mitaufnehmen sollte?

Wir wollen uns diesen Themen mit einem Augenzwinkern nähern und die eine oder andere sympathische oder befremdliche Beobachtung im Tourismus von der Pro und Contra-Seite beleuchten. Aber das ist noch nicht alles. Wir wollen auch wissen, zu welcher Seite Sie tendieren. Geben Sie uns Ihren Mausklick!

Pro und Contra im Oktober: Belebung der Nebensaison

Macht es Sinn, die Nebensaison mit vermehrten Freizeit-, Sport- und Kulturangeboten für die Gäste attraktiver zu machen? Oder soll sie lieber für nötige Reparaturen, kreative Ideenfindung und Durchschnaufen der Beschäftigten genutzt werden? Wie denken Sie darüber?

Pro

Ich starte mit einer Analogie. Die Zeiten waren einmal anders. Der Friseur hatte montags geschlossen. Die Geschäfte waren nur von neun bis sechs geöffnet und hatten dazwischen eine zweistündige Mittagspause. Das Wort „24/7“ kannte man nur von Urlauben in den USA. Samstags um vier dachte man an das Abendessen, aber nicht mehr daran, noch schnell einkaufen zu gehen. Das ging ja nicht. Die Zeiten haben sich zum Wohle des Kunden geändert. Heute muss ich mich nicht nach der Arbeit stressen, um noch einzukaufen und ich muss auch keinen Tag frei nehmen, um ein Beratungsgespräch im Möbelhaus wahrzunehmen. Alles ist flexibler geworden. Dazu hat auch die Konkurrenz des Internets beigetragen, das mir das Einkaufen immer und überall ermöglicht.

Und im österreichischen Tourismus? Hier scheint die Zeit noch stehengeblieben zu sein. Mein Reiseverhalten hat sich im Vergleich zu vor zwanzig Jahren geändert. Heute möchte ich mit meiner Familie auch im Oktober und im Mai einen kurzen Trip in die Berge unternehmen. Wir reisen heute öfter, aber nicht mehr so lang. Dieser Trend zeigt sich übergreifend in der Bevölkerung, nicht nur bei exotischen Zielgruppen. Nur leider hat der Tourismus noch nicht ausreichend darauf reagiert. Zwar finde ich ein Hotelzimmer, aber was bringt mir das Bett, wenn es kaum Aktivitäten am Urlaubsort gibt? Wenn ich im Internet beim Angebot der Gästekarten die Zeitauswahl auf z.B. November einschränke, sinkt das Angebot um mehr als die Hälfte. So stehe ich am 20. Oktober vor dem Klettergarten und meine Tochter schaut mich mit großen Augen an: „Leider geschlossen“. hs

Contra

Mein Mann und ich sind begeisterte außerhalb der Saison-Urlauber: Ein gutes (wenn auch nicht vollständiges) Angebot an Aktivitäten, Kulturangeboten, Gasthäusern/Hütten und keine Wartezeiten bei Sehenswürdigkeiten oder Liften lassen uns immer wieder eine Auszeit außerhalb der Hauptsaison in Österreich verbringen. Aber ja es stimmt, diese Idylle ist nicht die ganze Nebensaison über Realität. Geschlossene Weihnachtsmärkte Anfang Dezember, Sanierungsarbeiten im Wellnesshotel, Reparaturarbeiten an der Seilbahn oder geschlossene Berghütten schon im Oktober waren Negativ-Erfahrungen, die auch wir machen mussten.

Aber ist eine Belebung der Nebensaison wirklich realistisch? Es muss nun mal gebaut, renoviert und instandgesetzt werden und natürlich müssen sich Unternehmer und Personal auch mal erholen dürfen. Die Frage ist nur, wie man diese Zeit für den Urlauber dennoch attraktiv gestaltet. Eine Abstimmung der Betriebe einer Region, um die Bau- und Renovierungszeiten auf ein Minimum zu beschränken oder bei einer geschlossenen Hütte auszuhängen, wo die nächste offene Gastwirtschaft zu finden ist, wären zwei von vielen Möglichkeiten, keinen Frust beim Gast aufkommen zu lassen. Damit wären viele schon zufrieden und die Abseits-der-Massen-Touristen müssten nicht ins Ausland ausweichen. Denn sind wir Nebensaison-Urlauber mal ehrlich: Würde die Nebensaison all das bieten, das man von der Hauptsaison gewöhnt ist, wäre es mit der beschaulichen Ruhe schnell vorbei. mm

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