Pro & Contra

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Hin und wieder begegnen einem faszinierende, humoristische oder merkwürdige Situationen, in deren Anschluss man sich die Fragen stellt: Finde das nur ich so toll, so skurril, so herzerwärmend und erfrischend oder sehen das auch andere so? Ist das vielleicht ein Erlebnis, ein Bedürfnis, ein Gästewunsch, den ich in mein touristisches Angebot mitaufnehmen sollte?

Wir wollen uns diesen Themen mit einem Augenzwinkern nähern und die eine oder andere sympathische oder befremdliche Beobachtung im Tourismus von der Pro und Contra-Seite beleuchten. Aber das ist noch nicht alles. Wir wollen auch wissen, zu welcher Seite Sie tendieren. Geben Sie uns Ihren Mausklick!

Pro und Contra im Dezember: Handgreifliche Schiachperchten

Jedes Jahr im Dezember mehren sich die Meldungen über handgreifliche Perchtenträger. Sind die Zuschauer zu zimperlich? Gehören ein paar Klapse zu dieser Art des Brauchtums einfach dazu? Was sagen Sie?

Pro

Ja, ein paar Klapse gehören zu dieser Art des Brauchtums dazu. Man darf die Schiachperchten nicht per se verurteilen, wie es heute anscheinend immer häufiger passiert. Wie immer im Leben kommt es auf das richtige Maß an und das gilt auch hier. Natürlich ist Gewalt bei Schiachperchten zu verurteilen. Wenn Alkohol im Spiel ist erst recht und die Kombination gehört bestraft. Aber bitte ein bisschen mehr Realismus: Ich sehe bei Perchtenläufen fast nur lachende Gesichter (oder zumindest fasziniert erstaunte).

Laut Wikipedia wird der Besuch von Perchten im Volksmund als glücksbringendes Omen hochgehalten. Die bösen Geister des Winters sollen ausgetrieben werden. Und Geisteraustreibung erscheint mir irgendwie erfolgsversprechender, wenn man ein wenig Angst einjagt. Mit freundlichen Gesten wird man wohl nicht weit kommen.

Und ganz prinzipiell halte ich nichts von diesem - auch in anderen Bereichen um sich greifenden - Empörungstrend. In Wahrheit geht es derzeit doch wohl weniger um Klapse durch Perchtenträger, sondern um die Empörung darüber. Jeder hat das Recht sich aufzuregen, aber heute schlägt die Empörung dank der un/sozialen Medien übertrieben hohe Wellen und leider ist die Presse auch nicht objektiver. In diesem Zusammenhang passt für mich der gute alte Ausdruck „die Kirche im Dorf lassen“ gut. hs

Contra

Brauchtum ist wertvoll und soll bewahrt und gepflegt werden. Ich bin absolut jemand, der das unterstützt. Und jetzt kommt das Aber.
So ein bisschen müssen Brauchtümer doch auch hinterfragt werden dürfen. In Österreich ist es seit 1989 verboten, seine Kinder körperlich zu strafen. Auf vorsätzliche Körperverletzung steht bis zu einem Jahr Freiheitsentzug, bei schwerer Körperverletzung erhöht sich der Strafrahmen auf bis zu fünf Jahre. Und dann soll es in Ordnung sein, wenn sich volltrunkene Männer angsterregende Masken aufsetzen, in Fellkostüme schlüpfen und im Dunklen auf alles einprügeln, was nicht schnell genug laufen kann? Das hat doch nichts mit Brauchtum zu tun.

Natürlich könnte man auch einfach zu Hause bleiben und Perchtenläufe meiden. Aber die Umzüge an sich, die kunstvoll geschnitzten Masken und handgearbeiteten Kostüme sind ja ein Spektakel, das man sich nicht entgehen lassen möchte. Sich ein bisschen zu gruseln, wenn die Umrisse der Perchten im Zwielicht erscheinen und mit schweren Schritten näher kommen. Das Kribbeln im Bauch, wenn man das Läuten der Kuhglocken und Rasseln der schweren Eisenketten in einer verschneiten Winternacht hört, das ist doch etwas Schönes. Nur bitte ohne Schläge. Auch auf einen kleinen Klaps kann ich gut verzichten. Das ist meiner Meinung nach nicht nötig um die, an sich schöne, Tradition der Perchtenläufe zu erleben und am Leben zu erhalten. ta

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