Pro und Contra

Pro und Contra

Im Tourismus sind wir in unterschiedlichen Rollen (Gastgeber bzw. Gast) immer wieder mit neuen Erlebnissen und Ideen, aber auch mit Ärgernissen und Negativerfahrungen verschiedenster Art konfrontiert. Jedes Monat nehmen wir uns eines dieser kontroversen Themen vor und beleuchten dieses von der Pro- und Contra-Seite. Welche Meinung haben Sie zum jeweiligen Thema? Stimmen Sie ab!  

 

 

Pro & Contra im September: Events auf den Bergen

Egal ob im Sommer oder Winter - die Berge fungieren immer öfter als Event Locations und Kunsträume. Eine bereichernde Entwicklung oder entbehrlich?

Pro

Wenn ich mir einen klassischen Urlaub in den Bergen vorstelle, denke ich sofort an die gute Luft,  die Kühe, die Brettljause auf einer gemütlichen Almhütte und an das Wandern. Eine für mich erholsame Vorstellung von Urlaub, für andere jedoch nicht.  Dies gilt insbesondere für die jüngeren Zielgruppen.

Wenn ich mir heute die Generation Y (geboren zwischen 1980 und 2000) und Z (geboren zwischen 1995 und 2010) anschaue, glaube ich, dass ein Bergurlaub spannende Veränderungen braucht, um für diese Generationen abseits des Wintersports attraktiv zu sein und zu bleiben. Warum? Weil diese großen Wert auf soziale Netzwerke und persönliche Entwicklung legen. Zudem sind sie es schon von klein auf gewöhnt, immer wieder neue Eindrücke und Unterhaltung geboten zu bekommen. Gerade für diese Gruppe wären daher Events auf den Bergen genau das Richtige, um diese anzusprechen. Aber auch Musik- oder Kunstliebhaber, die vielleicht sonst nur wenig mit Bergurlaub anfangen können, könnte man mit entsprechenden Events in die Berge locken. Die Berge würden dadurch nicht mehr nur mit Kühen, Wandern, Wintersport und Alpenjause assoziiert, sondern bekämen ein neues Image als Event Locations oder Kunsträume. Das Image der Tourismusorte würde damit offener, moderner, vielfältiger und spannender werden.

Und das hat natürlich Vorteile für alle: Der Gast hat mehr Abwechslung, die Tourismusbranche profitiert von steigenden Nächtigungen in den Hotels, mehr Gästen in den Restaurants und auch mehr Umsatz für Klein-Unternehmer im Tourismus. Eine  win-win-Situation für alle. vcf

 

 

Contra

Es gab mal eine Zeit, da war man als Österreicher in der privilegierten Lage in der Vorsaison die Skier zu packen und auf leeren Pisten die ersten Spuren in den herrlichen Pulverschnee zu ziehen. Die Lifte und Hütten hatten gerade erst aufgesperrt und die Saison begann gemächlich anzulaufen. Alles strahlte eine gewisse Ruhe aus, bevor der erste Gästeansturm zu Weihnachten kam.

Seit einigen Jahren hat sich das Bild meiner Jugend drastisch verändert. Skiopening heißt das Zauberwort und ohne einen Top-Act aus der Welt des Pop oder Rock geht es gar nicht mehr. Und dabei spielt es mittlerweile keine Rolle mehr, ob Frau Holle überhaupt ihren Job erledigt hat, denn immer öfter finden diese Events bereits im Oktober oder November auf grünen oder meist braunen Pisten statt. Der Winter hält sich einfach nicht an die Eventkalender mancher Skiorte und das Skifahren wird zur Nebensache. Im Sommer macht sich ein anderer Trend auf den Berggipfeln bemerkbar: Kunstobjekte am Berg, sogenannte Kunsträume entstehen und ich frage mich dabei immer: Ist unsere Bergwelt nicht Kunst genug? Können wir nicht mehr staunend die Einzigartigkeit unserer Alpen bewundern? Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin kein Kunstbanause und schaue mir gerne entsprechende Exponate in dafür vorgesehenen Räumlichkeiten an.

Auf einem Berg brauche ich keinen Mehrwert. Inszenierung und Belebung der Vorsaison haben aus touristischer Sicht ihre Berechtigung, aber warum genügt uns Konsumenten nicht mehr das, was von Natur aus vorhanden ist? Unsere Bergwelt ist an sich das aufregendste Event und das größte Kunstwerk – lassen wir es dabei. gw

Pro
57 %
Contra
43 %

Pro & Contra im August: Fixe Essenszeiten im Hotel

"Frühstück gibt´s von 7.00 bis 9.00 Uhr". Wer kennt diesen Satz nicht und wer seufzt dabei nicht insgeheim, weil er auch im Urlaub nicht zu seinem wohlverdienten Schlaf kommt. Sind Sie für fixe Essenszeit oder für mehr laissez faire?

Pro

Ich verstehe, dass viele Urlauber flexible Essenszeiten bevorzugen. Wer will das nicht? Sich keine Gedanken um den Alltag machen zu müssen und einfach essen zu gehen, wann man möchte. Herrlich!

Aber wie sieht dies für die Hoteliers aus? Ist es fair, von den Gastgebern diese Flexibilität einzufordern? Denken wir das mal durch: Wenn man erweiterte bzw. keine fixe Essenszeiten hätte, wie würde es dann aussehen? Von 6.00 bis 11:00 Uhr Frühstück, von 11:30 bis 16:00 Mittagessen und von 17:00 bis 23:00 Uhr Abendessen? Oder überhaupt durchgehend warme Küche? Würde das nicht bedeuten, dass die Betriebe entsprechend mehr Personal beschäftigen bzw. Angestellte längere Arbeitszeiten haben müssten? Können die Betriebe dann noch eine gute Auswahl an Speisen und qualitativ hochwertige Lebensmittel anbieten? Und wenn ja, wer würde dafür bezahlen? Die Hotels müssten selbstverständlich die Preise erhöhen, um kostendeckend arbeiten zu können (mehr Speisen, mehr Personal in Küche und Service). Ist der Gast überhaupt bereit, für flexiblere Essenszeiten mehr zu bezahlen? Ich kann nur für mich sprechen:  Nein, mir fehlt diese Bereitschaft.  Ich bin gerne bereit, mehr für das Essen zu zahlen, aber das gilt für die Qualität der Lebensmittel und nicht für deren ständige Verfügbarkeit.

Ich bin mit den vorgegebenen Zeiträumen zufrieden. Und wenn ich im Urlaub ausschlafen möchte und mir die vorgegebenen Essenszeiten nicht passen, dann buche ich meinen Urlaub ohne Frühstück oder wähle eine Ferienwohnung. So kann ich meinen Urlaub so flexibel gestalten wie ich will und das auch noch zu einem guten Preis. vcf

 

 

Contra

Für viele von uns besteht ihr Alltag großteils aus einer Aneinanderreihung von Terminen. Wir sind ständig gefordert, alle Bereiche unseres Lebens bestmöglich unter einen Hut zu bringen. Oftmals finden wir uns dadurch in einem durchgetakteten Tagesablauf wieder, der einer minutiös geplanten Meeting-Agenda Konkurrenz machen könnte:

  • ab 06:00h Wecker läutet alle 5 Minuten
  • 06:30h aufstehen
  • 06:35-06:55h Kinder aufwecken und Morgentoilette
  • 07:00-07:15h Frühstück
  • 07:30h Abfahrt Richtung Kindergarten/Schule/Büro
  • 08:00h Ankunft im Büro und Arbeitsbeginn

So oder so ähnlich laufen bei vielen wahrscheinlich schon allein die ersten 2 Stunden des Tages ab. Durch die vielen Verpflichtungen und Erledigungen haben wir im Alltag oftmals nicht die Gelegenheit, unser eigenes Tempo zu fahren und so unserem individuellen Biorhythmus gerecht zu werden. Genau dafür nutzen viele dann ihren Urlaub. Endlich einmal tun, was man möchte und vor allem, wann man es möchte! Sei es schlafen, essen oder sonstige Aktivitäten – gerade diese gefühlte Freiheit und Selbstbestimmtheit ist es, die wir gerade im Urlaub oftmals ganz besonders genießen.

Wenn ich mir allerdings den Wecker stellen muss, um es rechtzeitig zum Frühstück zu schaffen, und mich dann hastig am Buffet bedienen muss, weil das Servicepersonal bereits beginnt, dieses abzuräumen, ist es schnell vorbei mit der Selbstbestimmtheit. Flexible oder zumindest sehr großzügig bemessene Essenszeiten in den Hotels sind daher für mich essentiell, um den Urlaub als das zu empfinden, was er aus meiner Sicht auch sein soll: eine entspannende Auszeit vom Alltag. ap

Pro
53 %
Contra
47 %

Pro & Contra im Juli: "Killer"kühe auf Almwanderwegen

Im Sommer mehren sich die Meldungen von unschönen Begegnungen zwischen Wanderern und Kühen, die für erstere nicht immer glimpflich ausgehen. Sollten Wanderer und Kühe daher besser voneinander getrennt werden, um Verletzungen zu vermeiden?

Pro

Ja, in der Natur lässt sich der Urlaub so richtig genießen. Und ja, in der Natur gibt es Tiere. Aber nicht alle sind süß, flauschig und wollen von Touristen gefüttert und gestreichelt werden oder für das obligatorische Selfie posieren. Wir alle wollen Bio Milchprodukte und Milch von glücklichen Kühen. Irgendwo müssen dann diese Kühe aber auch Platz haben um glücklich zu sein. Im Idealfall grasen sie also den Sommer über auf Almwiesen und freuen sich ihres Lebens.

Wenn nun Touristen, womöglich noch mit nicht angeleinten Hunden, über diese Almen spazieren und sich die lieben, süßen Muhkulis aus der Nähe ansehen wollen, wird diese Idylle schon mal gestört. Werden die Tiere einfach in Ruhe gelassen und man geht mit respektvollem Abstand seiner Wege, gibt es keine Probleme. Aber: „Ach schau wie lieb, und die ist ja gar nicht lila“; „Herwig Junior, da kannst du mal eine richtige, echte Kuh streicheln“ oder im schlimmsten Fall: „Oh wie süß, ein Kuhbaby! Kuschel es doch mal, ich mach ein Foto für die Oma“ und: „Moi, der Lumpi will mit der Kuh fangen spielen“ können dazu führen, dass sich das liebe Rindsvieh mit ihren durchschnittlich 700kg zur Wehr setzt.

Also ich sage: Ja bitte eine Trennung von Urlaubern und vermeintlichen Killerkühen ist wünschenswert. Allerdings weniger zum Schutz der Touristen als viel mehr zum Schutz der Tiere. Nicht alle Urlauber wissen wie man sich den Weidekühen gegenüber korrekt verhält und Wanderer können schließlich auch problemlos um die Almen herumgehen und trotzdem unsere wunderschöne Natur genießen. ta

Contra

Was ich ja nicht verstehe bei dieser Debatte: Wie kommt man als Wanderer unabsichtlich in die unmittelbare Nähe von Kühen und wird dann überrascht von deren Reaktion?

Ich könnte mir dafür nur zwei Szenarien vorstellen: Jemand sucht die Nähe der Kühe (und Kälber) – dann muss er aber auch wissen, worauf er sich einlässt und kann sich nachher nicht darüber beschweren, dass sie sich unflätig verhalten hätten. Oder aber dieser jemand ist so in Gedanken versunken, dass er, nachdem er gedankenverloren über Zäune geklettert ist, plötzlich einer Kuh vor sich gewahr wird – dann ist aber Wandern per se für so jemanden gefährlich, egal ob man dabei einer Kuh begegnet, in Felsspalten stolpert, neben den Stein direkt in den Bach tritt oder unvermutet gegen einen Bienenschwarm stößt. In diesem Falle bin ich dafür, demjenigen ein ungefährliches Picknick auf der Wiese hinter dem Haus vorzuschlagen, wo er maximal eine Steinnelke umknicken kann. Anders kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, einer Kuh zu begegnen.

Wenn sich diese Debatte um Killerameisen oder gefährliche Blattläuse drehen würde, ließe ich mit mir reden. Die kann man schon einmal übersehen. Eine Kuh zu übersehen ist selbst mir noch nie gelungen. Aber ich habe Erkundigungen eingeholt, wie diese Unfälle mit den bösartigen Kühen vor sich gehen und siehe da, der Hund ist schuld. Also bitte nicht mühsam Wanderer und Kühe trennen, sondern den Menschen einfach erklären, wie man sich Kühen mit Kälbern gegenüber benimmt, so man einen bellenden Hund bei sich hat. rr

Pro
35 %
Contra
65 %

Pro & Contra im Juni: Mit Flipflops auf den Gipfel

"Nur mit trittsicherem Schuhwerk!" Diese oder ähnliche Warnungen findet man bei so mancher Wanderroute angemerkt. Übertrieben oder ein absolutes Muss, um unsere Gäste vor ihrem eigenen Leichtsinn zu schützen?

Pro

Ich finde: übertrieben. Mein Argument: Mündigkeit. Es gibt natürlich Menschen, die nicht mündig sind und die man schützen muss. Kinder zum Beispiel. Es muss eine Pflicht für Kindersitze in Autos geben. Dieser Leichtsinn ist nicht Privatsache. Auch überall wo der Leichtsinn nicht mit gesundem Menschenverstand ersichtlich ist, soll es Pflichten geben. Oder wo der eigene Leichtsinn große Auswirkungen auf andere hat. Die Pflicht zum Halten vor roten Ampeln ist solch ein Beispiel. Aber mit Flipflops auf den Gipfel? Jeder Mensch weiß, dass das leichtsinnig, riskant, ja sogar blödsinnig ist. Deshalb wird es auch niemand tun. Und wenn der Surfer Phil aus Australien trotzdem mit Flipflops hinauf will, weil die Flipflops mit ihm quasi schon verwachsen sind, dann darf er das. Er wird ohnehin den Aufstieg nicht schaffen. Wir haben keinen Erziehungsauftrag für erwachsene Surfer. Wenn er unbedingt will, darf er sogar barfuß auf den Gipfel.

Ich erinnere mich an den Aufstieg zum Teide auf Teneriffa, dem höchsten Berg Spaniens. Minusgrade. Von weitem war der Schnee erkennbar. Hinter uns eine kleine Gruppe Amerikaner. Achtung Klischeealarm: Kurze Hose, T-Shirt, Sandalen. Wir haben geschmunzelt, sie haben gezittert. Jeder um eine Urlaubserfahrung reicher.

Und noch eine ganz prinzipielle Gesellschaftskritik: Die stetig steigende Tendenz, erwachsene Menschen vor sich selbst schützen zu müssen, halte ich für fragwürdig und falsch. hs

 

Contra

Was mir von einem Urlaub auf Madeira vor einigen Jahren sehr eindrücklich in Erinnerung blieb, war eine Wanderung im Gebirge. Leider nicht aufgrund der eindrucksvollen Landschaft, sondern weil mir dort eine Gruppe asiatischer Touristinnen entgegen kam, von denen der Großteil mit völlig unpassendem Schuhwerk unterwegs war. Mit ihren paillettenbesetzten Stöckel-Flipflops hatten die Damen durchaus ihre Probleme, auf dem steinigen Untergrund Halt zu finden. Dass keine von ihnen eine Verletzung davon trug, war wohl nur dem geringen Schwierigkeitsgrad des Wanderwegs und einer Portion Glück zu verdanken.

In anderen Fällen geht es leider nicht so glimpflich aus. Oft genug lesen wir von Rettungseinsätzen, die erforderlich waren, weil Wanderer sich überschätzten oder mit unzureichender Ausrüstung unterwegs waren. Diese gefährden durch ihr Verhalten nicht nur sich selbst, sondern auch das Leben der Bergretter, die oftmals unter widrigen Bedingungen ausrücken müssen – ganz zu schweigen von den Kosten, die für diese Rettungseinsätze anfallen.

Für einen derartigen Leichtsinn fehlt mir absolut das Verständnis – vor allem, weil sich diese Zwischenfälle meistens sehr einfach vermeiden ließen. Die Rahmenbedingungen wären dafür geschaffen: mit einer guten Beschilderung, dem Angebot von geführten Wanderungen, Gastgebern, die gerne über die Verhältnisse auf dem Berg Auskunft geben und dem Sportfachhandel, mittels dem man vor Ort notfalls nachrüsten kann. Unsere Gäste hätten eigentlich nichts weiter zu tun, als diese Angebote anzunehmen. In diesem Fall geht Sicherheit einfach vor – ausnahmslos. ap

Pro
42 %
Contra
58 %

Pro & Contra im Mai: Unauthentische Events: Missbrauchtes Brauchtum?

Jodelabende im Dirndl für asiatische Gäste - immer mittwochs von 19.00 bis 20.00 Uhr. Verkommt Brauchtum zu einem kommerziellen Vermarktungsgag?

Pro

Ich weiß nicht wie Sie das sehen, aber wenn ich auf Urlaub ins Ausland fahre, dann will ich die Kultur des Landes kennen lernen. Ich möchte traditionelle Tänze und Rituale sehen und die Kultur vor Ort hautnah erleben. Ich will Musik auf althergebrachten Instrumenten inszeniert und traditionelle Lieder hören. Am interessantesten sind natürlich Kulturen, die sich von meiner stark unterscheiden. Am liebsten wäre ich der einzige Tourist, der sich wie ein Mäuschen unter das Volk mischt und alles unverfälscht erlebt.

Aber realistisch betrachtet ist das nun einmal nicht so leicht. Das Lichterfest in Thailand wird am Tag des Vollmonds im zwölften Monat des traditionellen Lunisolarkalenders gefeiert und das Farbenfest in Indien am ersten Vollmondtag des Monats Phalgun. Zu diesen großen Ereignissen wird das Urlaubziel ohnehin schon überströmt von Touristen, und trotzdem kann nicht jeder an diesem bestimmten Datum verreisen.

Genauso ist es auch mit unseren Traditionen in Österreich: Kirtag, Almabtrieb, Erntedankfest usw. finden alle nur einmal im Jahr statt. Und nicht jeder ist mit fünf Wochen Jahresurlaub und freier Wahl, wann diese konsumiert werden, gesegnet. Also warum sollen unsere Gäste, die unser schönes Land mit seiner Kultur und seinen Traditionen erleben wollen nicht ein bisschen was geboten bekommen. Ich denke, wenn Menschen eine lange Anreise und meist auch hohe Kosten auf sich nehmen um ihren knapp bemessenen Urlaub bei uns zu verbringen, dann sollen sie doch jemandem zuhören dürfen, der im Dirndl die Zither spielt oder selbst in Lederhosen das Jodeln ausprobieren. ta

Contra

Ein häufig genanntes Motiv für Reisen ins Ausland ist das Kennenlernen anderer Kulturen sowie fremder Sitten und Bräuche. Diese bringen Tourismusdestinationen ihren Gästen gerne in Form inszenierter Events näher: vom vorgezogenen Almabtrieb über Jodel-Abende bis hin zu Sissi-Kostümierungen und „Sound of Music“-Gedenkfahrten findet sich so einiges im Veranstaltungsangebot. Auch wenn manches aus marketingtechnischer Sicht sicher seine Berechtigung hat, frage ich mich doch, welches Bild der österreichischen Alltagskultur unseren Gästen damit eigentlich vermittelt wird. Ich für meinen Teil bin zumindest für gewöhnlich eher nicht jodelnd und Apfelstrudel essend im Dirndl anzutreffen.

Auch bei mir selbst hat der Besuch derartiger Veranstaltungen im Auslandsurlaub oftmals einen schalen Beigeschmack hinterlassen und ich habe mich im Nachhinein gefragt, wie authentisch das Gebotene tatsächlich war. Ich hatte bei meiner letzten Fernreise das Glück, die Bekanntschaft einer ansässigen Familie zu machen und mit dieser zusammen einen Tag am Strand inmitten von selbst gekochten Speisen sowie improvisierter Musik und Tanz verbringen zu dürfen. An diesem Tag war die Seele dieses Landes und seiner Bewohner ganz deutlich zu spüren und das war für mich das eindrücklichste Erlebnis der gesamten Reise.

Man muss ja seine Gäste nicht gleich auf die eigene Hochzeit einladen, aber als Gastgeber solche persönlichen Begegnungen zu fördern, wäre doch ein schöner Weg, interessierten Urlaubern die österreichische Lebensart auf natürliche Weise näher zu bringen. Das schafft Eindrücke, die tatsächlich unvergesslich bleiben. ap

Pro
47 %
Contra
53 %

Pro & Contra im April: Autofreie Urlaubsregionen

In Zeiten der Nachhaltigkeit setzen immer mehr Regionen (viele davon in der Schweiz) auf den Verzicht des Autos am Urlaubsort. Eine tolle Sache oder einfach nur nervig für den Gast?

Pro

Das Auto, ein liebgewonnener Bestandteil unseres Alltags. Es ist ja auch bequem und praktisch, warm im Winter, kühl im Sommer durch die AC und dann kann man auch noch Unmengen an Einkäufen, Kind und Kegel hineinpacken.

Auch im Urlaub wollen es manche nicht missen, das ganze Gepäck findet Platz und man ist selbstbestimmt unterwegs. Und nun kommt das große Aber: Autos bedeuten Verkehr. Verkehr verursacht Stress. Nervige „55 km/h auf der linken Spur Fahrer“, Baustellen, fehlende oder irreführende Beschilderung, „stressige Drängler mit Bleifuß am Gaspedal“. Man kommt schon genervt am Urlaubsort an und findet sich in den unbekannten Gassen nicht zurecht oder wird vom Navi auf eine Kuhweide oder Skipiste dirigiert. Und der Umweltgedanke ist auch nicht außer Acht zu lassen. Autos hinterlassen leider einen nicht zu verachtenden ökologischen Fußabdruck.

Im Urlaub will man doch aus dem Alltag raus, das gilt jedenfalls für mich. Gerade Österreich steht für Naturerlebnisse und bietet so wundervolle Orte des Rückzugs und der Erholung. Im Winter einmal ganz ursprünglich mit dem Pferdeschlitten, warm eingepackt in warme Decken, durch die verschneite Landschaft fahren oder im Frühling mit dem Fahrrad die Gegend erkunden. Im Sommer die Wanderschuhe anziehen, den Rucksack umschnallen und ab auf den Berg. Oder im Herbst ein gemütlicher Spaziergang durch bunte Wälder. Das ist Urlaub. Das ist Erholung. Und so ganz nebenbei leistet man auch noch seinen Beitrag unsere Umwelt ein wenig zu schonen. Also wenn Sie mich fragen, wann sollte man auf das Auto verzichten, wenn nicht im Urlaub. ta

Contra

Autofrei schön und gut. Aber wie praktikabel und stressfrei ist nachhaltige Mobilität? Sehen wir uns diese Idee einmal anhand dreier Episoden eines klassischen Urlaubs an.

Die Anreise: Das Auto ist noch immer DAS Nonplusultra für die Anreise zum Österreichurlaub – vor allem im Winter. So reisen 83% der deutschen Gäste mit dem PKW an. Ganz ehrlich: Wie soll es mit Skiausrüstung und Gepäck auch anders gehen? Dank Skigewand, Winterschuhen etc. kommt man auf drei Stück Gepäck pro Person – exklusive Ski, Stöcke oder Snowboard. Das ist wirklich nicht praktikabel für eine Zugreise! Oder wie angenehm ist eine 8-stündige Busreise im Sommer mit einem 4-jährigen Kind? Autofreie Anreise ist – mit der Ausnahme des Stadturlaubs – also etwas schwierig.

Die Anreise Teil 2, der letzte Kilometer. Ob Winter oder Sommer, gerade beim letzten Kilometer stehe ich ohne PKW oft schlecht da. Wie komme ich von der Busstation zum Hotel? Kann ich mein Gepäck vom Bahnsteig bis zum Taxi alleine tragen? Gerade beim letzten Abschnitt gibt es in Österreich noch viel Nachholbedarf. Nur wenige Regionen oder Betriebe bieten komfortable Gesamtkonzepte an.

Aber vielleicht schaut es ja vorort mit der Autofrei-Idee besser aus? Wie soll ich zu den einzelnen Urlaubserlebnissen, die rund um den See verstreut liegen, kommen? Wie komme ich vom Bergdorf in die 20 Minuten entfernte Therme? Auch hier brauche ich ein Auto. Solange es keine brauchbaren Mobilitätskonzepte für die gesamte Region gibt, macht die Anreise ohne PKW für mich einfach keinen Sinn. Leider. kb

Pro
40 %
Contra
60 %

Pro und Contra im März: Gästeehrungen

Es gibt sie noch oder inzwischen wieder: Die Ehrung der Stammgäste – inklusive kleinem Anerkennungsgeschenk. Nach wie vor ein toller Gästebindungsgag oder ein Relikt aus dem letzten Jahrhundert? Stimmen Sie ab!

Pro

Meine touristische Karriere begann ich mit 16 Jahren als Ferialpraktikantin im (damals noch) Fremdenverkehrsverein meines Heimatortes im Salzburgerland und eines meiner prägendsten Erlebnisse war die wöchentliche Gästeehrung derjenigen, die bereits 10, 15 oder gar 20 Jahre dort Urlaub machten. Ich kam mir reichlich deplatziert als Teenager vor, doch als ich die Tränen der Rührung in den Augen der meist deutschen Gäste sah, war ich echt ergriffen. Damals war die touristische Welt meines Dorfes noch in Ordnung, das Thema „Stammgäste halten“ war nicht so relevant, denn der Urlauber kam sowieso brav jedes Jahr. Doch die Zeiten haben sich überall geändert und es muss nun viel in die Anwerbung neuer Gäste investiert werden. Der treue Stammgast bleibt dabei ab und zu auf der Strecke. Warum also nicht mit Gästeehrungen Anerkennung zollen?

Auch ich suche jedes Jahr nach neuen Urlaubsdestinationen, doch im Winter bleibe ich seit mehr als 10 Jahren meinem Skiort und einem bestimmten Hotel treu. Somit bin auch ich in den Genuss einer Gästeehrung gekommen. Und hier merkte ich wieder, wie wichtig das Dazugehören für den Stammgast ist. Man ist bekannt, man ist schon fast Teil der Familie. Dieses Gefühl noch mit einer besonderen Ehrung zu unterstreichen, ist aus touristischer Sicht eine einfache und doch persönliche Geste, die mehr bewirkt als so mancher erahnt. Der Hotelier meines Lieblingshotels geht noch einen Schritt weiter und verewigt seine Stammgäste an einer eigenen Tafel und bedankt sich damit für ihre Treue. Mit Stolz steht man davor und freut sich dazu zu gehören. Müßig zu erwähnen, dass er sich einer großen Zahl an immer wiederkehrender Gästen erfreut. gw

Contra

Mir ist das in meinem ganzen – inzwischen auch nicht mehr so jungem – Leben noch nicht passiert: Dass ich als Gast geehrte wurde! Als mir eine Freundin davon erzählt hat, dachte ich zuerst, sie erzählt eine Geschichte von früher – ganz, ganz früher. Nein, das ist ihr letzten Sommer passiert und sie hat es genossen. So richtig mit Bürgermeister-Handschlag, Anstecknadel und allem was da halt anscheinend noch dazu gehört. Als sie mir das erzählt hat, hatte ich sofort die Piefke-Saga im Kopf - ein Relikt aus den 80ern.

Ich persönlich kann mit dieser Art der Kundenbindung nichts anfangen. Für mich wirkt das viel zu aufgesetzt. Echte Wertschätzung und ein über die Jahre immer vertrauter werdendes Verhältnis zum Gastgeber empfinde ich als wesentlich authentischer und sympathischer. Warum fahre ich immer in dieselbe Unterkunft? Weil das Rundum-Paket passt (natürlich inklusive Gastgeber) und das von Anfang an. Sonst würde ich ein bestimmtes Hotel ja kein zweites Mal aufsuchen. Die gegenseitige Wertschätzung findet also während jedes Besuches statt und braucht für mich kein spezielle Ehrung zum "Halbrunden" oder "Runden" oder gar das öffentliche Aushängen meines x-ten Besuches. Ein kleines Schnapserl, ein nettes Plauscherl, ein Nachfragen "Na, wie geht´s euch denn?" reicht da schon aus und ich fühle mich ein bisschen wie "ein Freund des Hauses".

„Es kommt auf echte Begegnungen an.“ Damit wirbt Österreich und das ist auch jenes Gefühl, das Urlauber auf ihren Reisen suchen. Mit Gästeehrungen, die nach dem Schema F ablaufen (egal ob vom Tourismusdirekter oder Hotelier) gelingt das aus meiner Sicht nicht. mm

Pro
54 %
Contra
46 %

Pro und Contra im Februar: Gemischte Sauna

Für die einen das Selbstverständlichste der Welt, für die anderen eine Quelle des Unbehagens (ob aus Gschamigkeit oder kulturellem Hintergrund): Gemischte Saunen. Wie mögen Sie’s: Unisex oder doch lieber getrennt?

Pro

Urlaub ist für mich Zeit mit dem Partner. Da versucht man, gemeinsam vom Alltag abzuschalten, die Hektik des Alltags hinter sich zu lassen. Für den einen ist das die Action auf der Piste, für den anderen ein feines Kulinarikerlebnis. Andere, und zu denen zähle ich mich auch, genießen gerne die wirklich einzigartigen Wellnessangebote, die es in Österreich gibt. Neben Massagen und anderen wohltuenden Behandlungen, ist für mich ein Saunabesuch beim Wellness unverzichtbar.

Nur, warum soll ich bei der Entspannung von meinem Partner getrennt sein? Mag sein, dass das eine oder andere Paar Entspannung eher getrennt findet, aber ich persönlich will das nicht. Ich will gerade im Urlaub Zeit mit meiner Partnerin verbringen. Und dazu gehört auch gemeinsames Saunieren, Schwitzen und Tratschen nach dem Saunagang.

Und gschamig muss man in der Sauna wirklich nicht sein. Gerade hier habe ich immer das Gefühl, dass die Toleranz der Menschen in Bezug auf den Körper viel höher ist als anderenorts. Das Schaulaufen und das Gemustert werden im Freibad oder im Fitnesscenter empfinde ich dagegen als wirklich unangenehm. Und vielleicht sollten wir statt über eine Geschlechtertrennung in der Sauna eher über den Körperwahn unserer Gesellschaft reden. Warum soll man sich für seinen eigenen Körper genieren? Warum soll der eigene Körper einer bestimmten Mode entsprechen? Wenn wir uns weniger Gedanken über unser Aussehen und das der anderen machen, bleibt mehr Zeit, entspannt das Leben zu genießen. Auch beim geschlechtergemischten Saunieren. kb

Contra

Ich gehöre nicht zu den beneidenswerten Menschen, deren Körper kein Gramm Fett ziert und die mit Topmodel-Maßen durchs Leben gehen. Aber im Laufe der Zeit und mit fortgeschrittenem Alter habe ich mich mit meiner Figur arrangiert und habe kein Problem damit. Und trotzdem gehe ich nicht gerne in gemischte Saunen.

Ich schwitze nicht gerne in Anwesenheit nackter Tatsachen in geballter männlicher Form. Denn Entspannung bedeutet für mich, dass ich mich einfach hinsetze oder -lege, ohne zu überlegen, ob ich den Bauch einziehen muss oder ob die Position ja vorteilhaft ist. Es könnte natürlich ein Gerücht sein, aber angeblich schauen sich Männer in gemischten Saunen sehr ausführlich die anwesenden Damen an und der Gedanke allein, wie ein Vieh am Markt gemustert zu werden, schreckt mich ab. Vor allem Männergruppen, die gemeinsam schwitzen möchten, sind manchmal nicht nur laut sondern auch nicht besonders subtil in ihrer Musterung. Deshalb mute ich meinen hochroten Kopf und die auflösende Frisur nur anderen Frauen zu. Gut, dass mein Lieblingshotel einen Lady-Spa-Bereich anbietet. Hier ist man unter sich, es herrscht wohltuende Stille und alles ist gut.

Sieht man sich die Saunavorlieben unserer Gäste aus aller Welt an, so bin ich in manchen Ländern mit meiner Meinung nicht alleine. Denn für Dänen und Schweden sind gemischte Saunen undenkbar. Ab und zu verschlägt es auch mich in einen gemischten Nacktbereich und zwar in Begleitung meines Mannes. Dann bevorzuge ich aber das Dampfbad, denn der Wasserdampf verschleiert so manche Problemzone und erschwert damit die Musterung. gw

Pro
78 %
Contra
22 %

Pro und Contra im Jänner: Self-Check in

Hotels mit 24-Stunden-Self-Check-in werden nicht nur in den Städten immer mehr. Eine Erleichterung für den Gast oder ein weiterer Service-Verlust? Stimmen Sie ab!

Pro

Ich tue es beim Ikea, ich tue es beim Billa, ich tue es am Flughafen und ich würde es auch gerne in Hotels tun. Die Rede ist vom selbstständigen Bezahlen, Einchecken, Auschecken, etc. ohne Kontakt mit einem Verkäufer, Personal oder Rezeptionskraft.

Ich muss zugeben, als diese Möglichkeiten zum ersten Mal vor vielleicht zwei oder drei Jahren aufkamen, war ich natürlich skeptisch. Da will mal wieder jemand kräftig sparen und ich werde darunter leiden. Aber mittlerweile habe ich meine Meinung revidiert: Ich stehe in keiner Schlange, spare mir Zeit und Nerven. Ich brauche für diese einfachen Tätigkeiten keine Unterstützung und bin froh um die Minimierung meines Stresspegels. Wenn ich einen Ausflugstipp brauche, gibt es eh meist noch eine Auskunftsperson. Und eigentlich suche ich mir die Tipps über das Internet, brauche im Grunde also nicht einmal eine Rezeption. Das sehen auch viele andere - vor allem junge - Reisende so, deshalb funktioniert das Konzept.

Aufschrei: „Und die Gastgeberqualität? Das ist doch die Stärke Österreichs.“ Ja, stimmt schon. Das wird auch so bleiben. Aber die Erwartungen ändern sich und für einige Urlauber wird die Bedeutung auch überschätzt. Das südkoreanische Paar kann ganz gut ohne Rezeptionistin auskommen und erlebt die Gastfreundschaft dann im urigen Beisl und in Form des Guides im Naturpark. Oder die Einheimischen selbst werden zu Gastgebern und führen durch den Ort. Im Internet gibt es bereits mehrere Plattformen, die Urlauber mit Einheimischen zusammenbringen unter dem Motto „meet a local“.

Vieles verschiebt sich und Grenzen verschwimmen. Aber Self-Check-in zerstört nichts. hs

Contra

Immer mehr Firmen erwarten von uns Kunden, dass wir Service-Leistungen selbst übernehmen. Ein paar Beispiele: Daueraufträge einrichten, Fahrkarten buchen, Flug/Koffer einchecken oder Lebensmittel über die Kasse ziehen. Bislang habe ich darüber nicht besonders nachgedacht. Ist halt so und bietet ja auch eine Menge Vorteile. Als ich letztens auf der Post aber mein Paket aufgeben wollte und der Automat nicht funktionierte, habe ich mich ob des „mach-als-Kunde-alles-selbst-Gehabe“ erstmals so richtig geärgert. Wo wird das Ganze enden? Werde ich in ein paar Jahren in der Werkstatt eine Gebrauchsanweisung bekommen, um das 50.000 km-Service meines Autos selbst vorzunehmen?

„Self-was-auch-immer“ hat seine Vorteile - wenn es einwandfrei und selbsterklärend funktioniert. Aber wer hat nicht schon mal stundenlang mit dem Check-in des Flugs zugebracht, weil das System ständig abgestürzt ist? Das nervt! Schließlich ist mir meine Zeit mindestens so kostbar wie einem Unternehmen seine Personalkosten.

Letztens war ich in einem Hotel in Kärnten und wissen sie was mir da „Altmodisches“ passiert ist? Ich wurde ganz freundlich willkommen geheißen, in den Barbereich gebeten und bekam – einfach nur um in Ruhe anzukommen – Kaffee und Kuchen serviert. Ich war nach dieser halben Stunde trotz mehrstündiger Anreise sofort im Urlaubsmodus.

Ein Rezeptions-Check-in ist und bleibt für mich „warm“, „gemütlich“, „menschlich“, ein Self-Check-in empfinde ich als „grau“, „trost- und seelenlos“. Nein, so will ich meinen Urlaub nicht beginnen. mm

Pro
26 %
Contra
74 %