Russische Föderation Nachhaltigkeit

Russische Föderation: Nachhaltigkeit

  • Nationale und auch städtische Projekte sind der Nachhaltigkeit gewidmet.
  • Im Bewusstsein der russischen Bevölkerung hat dieses Thema allerdings einen geringen Stellenwert.
  • Mediale Aufmerksamkeit für Themen wie Mikroplastik oder Klimawandel ist relativ gering. Einige stoßen sogar weitgehend auf offene Ablehnung.

Diskrepanz Pläne der Verwaltung und Lebensrealität der Menschen

Wenngleich die urbane Mittel- und Oberschicht in Russland, die die Zielgruppe von Urlaub in Österreich darstellt, immer mehr für verschiedene Aspekte von Nachhaltigkeit sensibilisiert ist und wird, kommt dem Thema Nachhaltigkeit im Bewusstsein weiter Teile der russischen Bevölkerung heute ein nach wie vor eher geringer Stellenwert zu.

Ein bisweilen großer Unterschied besteht zwischen der Präsenz des Themas Nachhaltigkeit in staatlichen Entwicklungsprogrammen Russlands oder in Plänen der Verwaltungen einzelner Städte (allen voran Moskaus und St. Petersburgs) und der Lebensrealität vieler Menschen.

Bevölkerung

Oft sind nationale oder städtische Vorzeigeprojekte bereits der Nachhaltigkeit verschrieben (zum Beispiel der Sarjadje-Park im Zentrum Moskaus oder auch der „Eco-District“, ein 760 Hektar großes Parkareal nahe der Millionenstadt Kasan). Tendenziell sind auch hier Moskau und St. Petersburg Vorreiter bei vielen Entwicklungen. So etwa verfügt Moskau über ein dynamisch wachsendes Carsharing-Netz mit rund einer Million registrierten Benutzer*innen, 50 Millionen Fahrten jährlich und einem Wagenbestand von rund 30 000 Pkw.

Mülltrennung ist ein für Russland relativ neues Thema. So gibt es beispielsweise in Moskau in städtischen Wohnhäusern erst seit 2020 getrennte Behälter für den Hausmüll – einen, in den ohne weitere Trennung Karton, Plastik, Metall und Glas entsorgt werden können, und einen für Restmüll. In vielen Wohnhäusern wird der Müll allerdings nach wie vor unsortiert in den Müllschacht geworfen. Auch im Schulunterricht ist das Thema bis dato kaum angekommen.

Gesetzesinitiativen zur Verwertbarkeit von Lebensmitteln mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum werden aktuell diskutiert. Ein Verbot von Plastiktaschen oder Plastikstrohhalmen gibt es dagegen noch nicht, und selbst in vielen Öko-Supermärkten besteht vielfach Aufholbedarf, wenn es um Verpackungsmüll geht.

Die mediale Aufmerksamkeit für Themen wie Mikroplastik oder Klimawandel ist im Vergleich zu Österreich verhältnismäßig gering. Einige stoßen sogar weitgehend auf offene Ablehnung – wie etwa Greta Thunberg und die Fridays-for-Future-Bewegung, mit der sich nur wenige Russ*innen identifizieren können.

Treiber bei vielen Nachhaltigkeitsthemen sind vor allem die großen Megatrends, was Freizeit, Konsum, Mobilität und Ernährung angeht. Ein dynamisch wachsendes Angebot von E-Scooter- und Fahrradverleihen, vor allem im urbanen Raum, vegetarische oder vegane Ernährung und nachhaltig produzierte Kleidung erfreuen sich wachsender Zielgruppen.