Kuscheltiere auf Reisen schicken

Es gibt inzwischen mehrere Reiseveranstalter, die „Abenteuer- und Erholungsurlaube für unternehmungslustige Kuscheltiere“ anbieten. Während ihrer Reisen haben die Plüschtiere Gelegenheit,  verschiedene Urlaubsaktivitäten auszuprobieren. Entsprechende Erinnerungsfotos werden dann den stolzen Kuscheltier-Eltern ausgehändigt. Als Inspiration für diese Geschäftsidee diente der Film „Die fabelhafte Welt der Amelie“, in dem ein Gartenzwerg auf Weltreise geht. Was halten Sie von dieser Idee? Ist das nur etwas für Leute, die vor lauter Langeweile nicht mehr wissen, was sie mit ihrem Geld anfangen sollen oder handelt es sich dabei einfach um eine witzige Idee, die einem im stressigen Alltag ein Schmunzeln entlockt?

Bild: Agentur Toy Traveling

Pro

Ja, ich gebe ihnen Recht: „Teddy Paul“ zum Skifahren oder ans Meer zu schicken ist dekadent, völlig sinnfrei, absurd und das Geld könnte man wesentlich sinnvoller an diverse Hilfsorganisationen spenden. Und doch kann ich mich nicht ganz dem Reiz dieser Idee entziehen: Die Beweisfotos nebeneinander aufgehängt, haben doch etwas von einem Kunstprojekt, oder? Paul am Strand, Paul auf Safari, Paul am Fjord, Paul beim Tauchen, Paul beim Heurigen, Paul am Sessellift. Und wie sagt man so schön: In der Kunst ist alles erlaubt. Also warum soll Paul nicht zum Kunstprojekt avancieren und den Fotobetrachter (also mich) täglich zum Schmunzeln bringen. Und sooo teuer ist das Ganze auch nicht: Eine Städtetrip kostet z.B. 90 Euro.

Eine ähnliche Aktion hat übrigens auch ein weltweit agierendes Marktforschungsunternehmen ins Leben gerufen: Dieses hat ihren Mitarbeitern eine Plastik-Giraffe ausgehändigt und gebeten, diese auf ihren Reisen mitzunehmen und ein nettes Erinnerungsfoto für die Firmenzeitung zu schießen. Die Mitarbeiter haben sich mit sehr viel Kreativität dabei überboten, die Giraffe passend gekleidet vor den jeweiligen Reiseland-Highlights zu inszenieren. Giraffe „Greta“ war beispielsweise mit Haube, Skibrille und Skiern bekleidet auf Österreichs Pisten unterwegs. Bei jedem Bild sieht man, wie viel Liebe, Zeit und Spaß in die Gestaltung des Fotos gesteckt wurde. Eine einfache, aber überaus effektvolle Art ganz nebenbei auch gleich die Corporate Identity zu stärken. Und das Beste: "Greta" musste nicht alleine reisen, auch ihre Besitzerin konnte ein paar wunderbare Tage in der traumhaften Winterkulisse Österreichs verbringen.

Wäre das nicht auch eine Idee für unsere Gäste? Welches Murmel(Plüsch)tier hatte den schönsten Aufenthalt in Österreich? Beweisfotos bitte an mich! mm

Contra

„Ich soll WAS machen?“ Ich war völlig verblüfft, als ich das das erste Mal hörte. Ja freilich, ich hatte auch den Film „Die fabelhafte Welt der Amelie“ gesehen – war eine witzige Idee, die Sache mit dem Gartenzwerg. Und aus der Geschichte der Österreich Werbung heraus betrachtet klingt es ja gar nicht so abstrus. Wir haben auch eine Zeitlang Pinguine auf Reisen geschickt und wir waren froh, als sie schließlich wieder in Österreich landeten. Aber in meinem Kinderbett lagen weder Gartenzwerge noch Pinguine mit lackierten Flossen, sondern echte Kuscheltiere.

Ich hatte zu ihnen eine ausgesprochen gute Beziehung und habe es geschafft, jedes Jahr mein Lieblingsstofftier irgendwie unauffällig in das Familiengepäck zu schleusen, damit es mich auf meiner Urlaubsreise begleiten konnte. Das war gar nicht so einfach, denn es handelte sich um ein ca. 1 Meter langes undefinierbares Kuscheltier mit riesigem Kopf. Ich habe es auch immer zumindest einmal an den Strand mitgenommen, damit es das Meer rauschen hören kann, denn – wie gesagt – ich hatte eine ausgesprochen gute Beziehung zu ihm. Und ich habe es heute noch.

Aber mein Kuscheltier auf Reisen schicken – OHNE MICH? Fällt mir ja nicht im Traum ein. Nicht, dass es heute noch in meinem Bett läge, aber alleine die Strapazen für dieses arme, mittlerweile schon sehr fragile Stoffgeschöpf wären verantwortungslos. Und ich möchte mich ja auch mit ihm austauschen können. Was habe ich davon, wenn mein Stofftier mir von Orten erzählt, die ich gar nicht kenne. Dann müsste ich erst recht dorthin reisen, damit wir uns darüber unterhalten können und dann kann ich es ja auch mitnehmen und wir unternehmen die Reise gleich gemeinsam. Aber ich könnte eines der weniger geliebten Stofftiere meines Sohnes auf Reisen schicken. Das tut niemandem weh und witzig ist es allemal. rr

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