Bezahlen fürs WC

Immer mehr Raststätten, Tankstellen, Ausflugsziele, etc. verlangen für den Besuch ihrer Toiletten eine Gebühr – meist 50 Cent bzw. eine freiwillige Spende. Die Toilettengebühr gibt es natürlich schon seit vielen Jahren, allerdings gekoppelt an die Gewissheit, dass diese Toiletten besser betreut und sauber gehalten werden. Dies ist inzwischen aber nicht immer gewährleistet. Wie stehen sie zur Toilettengebühr? Gerechtfertigt oder nicht? Stimmen Sie ab!

Pro

Ich war zwar ein sehr unkompliziertes Kind, aber ich hatte eine Eigenschaft, die meine Eltern wahrscheinlich manchmal verzweifeln ließ. Laut ihren Erzählungen hatte ich als kleines Mädchen offenbar ein sehr ausgeprägtes ästhetisches Empfinden, was das Stille Örtchen betrifft. Eine fremde Toilette wurde vor der Benutzung zuerst einmal begutachtet und bewertet. War ich mit dem Gesamteindruck zufrieden, erhielt sie von mir das Prädikat „schönes Klo“ und der Tag war gerettet. Wehe aber, wenn das WC nicht sauber genug war oder sonst ein Manko aufzuweisen hatte: Dann weigerte ich mich strikt, es zu benutzen, was für meine Eltern – sie waren immer schon Individualreisende - sicherlich oft eine besondere Herausforderung war.

Mit zunehmendem Alter habe ich meine ästhetischen Ansprüche in punkto WC zwar nach unten geschraubt, im Kern sind sie aber noch erhalten, und deshalb bin ich gerne bereit, einen kleinen Obolus zu leisten, wenn ich dafür funktionierende, saubere und gepflegte öffentliche Sanitärräume vorfinde (das setze ich dann allerdings schon voraus!). Gerade im Sommer während einer längeren Fahrt zum oder vom Urlaubsort tut es doch gut, wenn man sich zwischendurch einmal kurz frisch machen, das Gesicht und Hände waschen kann. In einem kleinen, verschmutzten Verschlag, wo es vielleicht nicht einmal Seife und Papierhandtücher gibt, hält sich der Erholungseffekt eher in Grenzen. Gerade auch mit Kindern – selbst wenn sie weniger kritisch sind als ich es war – ist es angenehmer, nicht ständig darauf schauen zu müssen, dass sie nichts berühren und nirgends anstreifen.

Ich behaupte nicht, dass jedes kostenlos zugängliche öffentliche WC ungepflegt ist, aber ich glaube, die Chance  auf ein „schönes Klo“ ist ungleich höher, wenn ich dafür bezahle. Auf Autobahntankstellen bekommt man die 50 Cent ja außerdem in Form eines Gutscheins zurück – gleich ein guter Grund, um noch in einen Schokoriegel zu investieren. Ein doppelter Gewinn also. ap

Contra

Ich habe wirklich Verständnis für allerlei Veränderungen. Ich sträube mich selten gegen bahnbrechend Neues und bin im Gegenteil eher gespannt, wie die neue Errungenschaft wohl ist. Aber in letzter Zeit ist eine Unart aufgetaucht, die mich wirklich ärgert. Geld einheben für echte Bedürfnisse.

Ob ich Wasser oder Apfelsaft im Lokal konsumiere, kann ich selbst noch einigermaßen bestimmten und über meine Bedürfnisse herrschen, aber bitte, wann ich ein WC brauche übersteigt meine Körperbeherrschung. Ich wäre und bin ja auch bereit dafür zu zahlen, obwohl ich es nicht passend finde. Und ich verstehe, dass es vor allem in hochfrequentierten Lagen ausreichend Menschen gibt, die sich einfach ins Lokal „hineinschummeln“, die Toilette benutzen und dann wieder verschwinden. Das ist nicht korrekt, es ist damit Mehrarbeit für die Besitzer verbunden und es hat auch etwas Abwertendes dem Lokal gegenüber. Wenn also der eine oder andere Betreiber meint, er müsse dem mit Gebühreneinhebung entgegenwirken – bitte, möge er es tun. Es ist andererseits auch verständlich, dass sich die „normalen“ Gäste echauffieren dafür auch noch extra zahlen müssen.

Was mich aber mittlerweile wirklich, wirklich ärgert, ist dieses Gefoppe mit dem Gutschein. Ich weiß ja nicht, ob alle schon dieses erstaunlich verrückte Prinzip kennen: Wann auch immer man die Toilette benutzt, darf man zahlen und erhält dafür einen Toilettenbesuch „gratis“ und einen Gutschein, den man beim nächsten Besuch einlösen darf. Ich weiß schon, dass man damit genau dem obengenannten Ungleichgewicht: hier – zahlende Gäste, dort: blinde Passagiere in den WC-Anlagen – entgegenwirken will. Aber ganz ehrlich, wer hebt sich diesen Gutschein auf? Und wenn man es tut, dann sicher in einer anderen Tasche. Und wenn ich kein häufiger Besucher der Lokalität bin, habe ich nicht einmal die Aussicht darauf, den Gutschein jemals einlösen zu können. Und ein wirklicher Anreiz für einen Wiederbesuch ist so ein Toilettengutschein auch nicht, vor allem nicht bei den Autobahnraststationen. Ich plädiere also für einen Gratisbesuch oder ehrliches Zahlen, aber bitte kein Gefoppe mehr. rr

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