Für Skitouren zahlen

Gut eine halbe Million Österreicherinnen und Österreicher unternehmen regelmäßig Skitouren. Finanzielle Nutznießer dieses Booms sind derzeit die Industrie und der Sportartikelhandel.  Da die Tourengeher verstärkt die präparierten Pisten zum Aufstieg nutzen und/oder kostenfrei hinunterwedeln, wollen nun auch immer mehr Liftbetreiber vom neuen Breitensport profitieren und heben Gebühren ein. Wie stehen Sie zu dieser Maßnahme? Stimmen Sie ab.

Pro

Öffentliches „outen“ ist ja meistens Politikern und Prominenten vorbehalten. Heute ist mir dieses Vergnügen vergönnt und ich habe Gelegenheit, etwas zu enthüllen: Ich habe noch nie eine Skitour gemacht! Bevor wir uns bei der Frage aufhalten, ob mich das disqualifiziert oder im Gegenteil dazu befähigt, meine Meinung abzugeben, kürzen wir die Sache lieber ab: „KISS“-en macht ja bekanntlich glücklich: Ich bin der Meinung, dass man für Skitouren einen Obolus entrichten sollte.

In Österreich verdoppelte sich die Anzahl der Skitourengeher innerhalb von 10 Jahren auf rund 500.000[1] (möglicherweise sind Anhänger der Lektüre „Slow down your life“ darunter). Sie kommen überwiegend mit dem Auto und müssen es natürlich auch parken. Das heißt, dieses Gut wird für die Skifahrer knapper. Und sie sind diejenigen, die nicht wenig Geld für Liftkarten ausgeben. Mancherorts ist es deswegen so, dass die Liftbetreiber Parkgebühren einheben und diese beim Kauf einer Liftkarte rückerstatten. Und dann ist da noch der Aufstieg. Auf oder am Rande einer Piste. Das setzt natürlich eine voraus, die präpariert und instandgehalten werden muss. Teilweise gibt es sogar eigene Skitourenspuren. Es geht also um die Nutzung von Infrastruktur und da ist es nur fair, einen Beitrag zu leisten.

Kürzlich war ich bei einer Winterwanderung in einer Hütte. Da sind 3 Tourengeher gekommen, scheint eine sehr sympathische Zielgruppe zu sein. Laut T-MONA[2] machen 3% aller Winterurlauber in Österreich auch Skitouren. Es sind etwas mehr Männer (55%) unter ihnen als Frauen und sie sind leicht jünger (41 Jahre) als die Winterurlauber im Schnitt. Die Gesamtzufriedenheit ist bei den Tourengehern mit 51%, die äußerst begeistert sind, höher als bei allen Wintergästen. Mit der Vielfalt und Qualität des Angebotes sowie der Gastronomie sind sie etwas weniger zufrieden. Mehr Informationen.

Säße ich nicht in Wien hinter dem Schreibtisch und wäre noch dort, wo ich angefangen habe, an der Basis, würde ich jetzt sagen: Um diese Zielgruppe bemühe ich mich! Um das stimmig anzugehen, müsste ich natürlich zuerst einmal eines machen: eine Skitour. bk


[1] www.skitourengehen.info

[2] Tourismus Monitor Austria

Contra

Skitouren zu gehen bedeutet für mich eins sein mit der Natur. Das wunderbare Gefühl, den Aufstieg mit eigener Kraft zu schaffen, Schritt für Schritt zur Ruhe finden, die Stille im Schnee genießen. Kein Wettkampf mit der Zeit, kein Kräftemessen. Und dann das erhebende Glücksgefühl am Gipfel zu stehen, Freiheit spüren und die Welt umarmen. Mit diesem Gefühl bin ich nicht allein. In Österreich schätzt man die Anzahl der Skitourengeher auf 500.000, diese hat sich in den letzten 10 Jahren verdoppelt. Der Deutsche Alpenverein spricht von etwa 300.000 Alpinisten, die mit eigener Kraft die Berge im Winter besteigen. Man könnte langsam aber sicher von einem Volksport sprechen. Wie eben auch das Wandern im Sommer.

Das Skitourengehen ist vergleichsweise ein günstiger Sport, zumal Kosten wie der Skipass und der schicke Designerskianzug wegfallen. Und da wären wir beim eigentlichen Thema. Wie das Amen im Gebet wird in regelmäßigen Abständen diskutiert, zahlen oder nicht zahlen. Nachvollziehbar, dass Interessensgruppen aufeinander prallen. Einerseits die Liftbetreiber und Parkplatzbesitzer und auf der anderen Seite die Tourengeher-/innen, die auf ihre „Wegefreiheit“ pochen. Für mich ist das Tourengehen wie das Wandern und Bergsteigen zu verstehen.  Da gibt es  „Spielregeln“ an die ich mich gerne halte. Umweltbewusstes Verhalten, andere Sportsfreunde nicht behindern, etc.  So halte ich es auch beim Tourengehen. Ob abseits oder auf der Piste. Für Schritt und Tritt in der Natur bezahlen? Nein. Wir leben in einem gesegneten Land mit atemberaubender Natur. Und diese soll Naturliebhaber-/innen individuell und kostenfrei zugänglich sein.  ht

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