Lieber SKI als SCHI

Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, ob Sie die Schreibweise SCHI oder SKI  bevorzugen? Beide sind inzwischen so geläufig, dass oftmals ein und dieselbe Person beide Varianten anwendet. Das glauben Sie nicht? Dann durchforsten Sie doch mal Ihre Website – wir haben einige Homepages, aber auch Angebote gefunden, die sich beider Schreibweisen bedienen. Sind Sie ein traditioneller SCHIfahrer oder ein internationaler SKIfahrer? Stimmen Sie ab!

Pro

In meiner Kindheit bin ich SCHI gefahren. Das weiß ich deshalb so genau, weil ich bei einer Ansage SCHI mit „ie“ geschrieben habe. Das "i" zieht sich beim Sprechen so schön in die Länge und klingt wie ein "ie". Ich habe mich damals schon gewundert, wie so ein kurzes Wort so hinterhältig sein kann. Als Jugendliche haben wir dann das Aprés-SKI entdeckt und immer öfter hat sich zum SCHIfahren das SKIfahren geschlichen. Als Twen war es für mich dann klar: SKIfahren, SKIspringen, Aprés-SKI, SKIER. Es bleibt beim SKI.

Die nächsten 15 Jahre habe ich auf die Schreibweise nicht mehr so stark geachtet, bis meine Kollegin systematisch alle SKI- in SCHI-Texte verwandelt hat. Auf die Bitte, doch die bei uns gängige Schreibweise SKI zu verwenden, stieß ich nur auf Unverständnis. Also musste der gute alte (bzw. ständige modernisierte) Duden her. Und was steht da drin? BEIDES. Aber: Der Duden empfiehlt SKI, mit dem Hinweis, dass SCHI eher in Österreich und im süddeutschen Raum verwendet wird. Also doch SCHIfahren?

Fragen wir sicherheitshalber noch bei Google nach: SKIfahren = rund 2 Mio. Einträge, SCHIfahren = 31 Mio. Einträge. An the winner is (also doch): SCHIfahren??? Na ganz so einfach ist es nicht. Denn wenn man sich in Google nicht die Einträge der Websitebetreiber sondern die Suchwörter der Nutzer ansieht, dann suchen diese zu 90 % nach SKIfahren.  Klar, denn die meisten SCHIfahr-Websites stammen aus Österreich, die meisten Anfragen kommen aber aus dem Ausland (Schweiz, Deutschland, Niederlande) und die schreiben nun mal SKI. Also finaly the winner is: SKIfahren!

Machen wir es uns doch nicht so kompliziert (allen nostalgischen und nationalen Heimatgefühlen zum Trotz): Wenn man international SKI schreibt und der Gast nach SKI sucht, dann bleiben wir doch auch gleich dabei. Schließlich sollen unsere Angebote doch auch gefunden werden. mm

Contra

Mein 5-Jähriger fragte mich: „Warum muss ich Schifahren lernen?“ Meine Antwort war: „Weilst ein Österreicher bist!“ Ich bin sonst nicht so, wirklich nicht. Weder zwinge ich Kinder zu Unternehmungen, die sie nicht machen wollen, noch habe ich in übertriebenem Maße das, was man Nationalstolz nennt. Ich bin gerne Österreicherin und gerne Europäerin und ich lebe gerne auf dieser Welt. Aber beim Schifahren verstehe ich keinen Spaß. Immerhin sind wir DIE Schifahrernation. Wir können alle Schifahren. Wir kommen praktisch mit Brettln an den Füssen auf die Welt. Na gut, vielleicht nicht die Wiener und Burgenländer. Aber die bemühen sich zumindest den Rest ihres Lebens dieses Manko aufzuholen.

Und warum ist das so? Weil diese elegante und doch so originelle Fortbewegungsart in Österreich entstanden und auch gleich perfektioniert worden ist. Weil wir einen Hang dazu haben. Weil es einfach zu uns Österreichern gehört. Und deshalb frage ich mich schon seit Jahren, weshalb um alles in der Welt wir ausgerechnet das Wort, das unser – wenn schon nicht unser ganzes Dasein ausmacht, doch zumindest einen überaus wichtigen Teil unseres Selbstverständnisses darstellt – dass wir also ausgerechnet die Beschreibung, die uns gar so treffend charakterisiert, in einer ans Englische angelehnten Schreibweise niederbringen müssen. Ich verstehe es einfach nicht. Ich habe nichts gegen Anglizismen. Warum auch?! Sie machen unser Leben einfacher, vor allem wenn man ab und zu im „international English“ parlieren muss. Ich habe da meistens auch Mitleid mit Franzosen, die dann aus einem „ordinateur“ mühsam einen „Computer“ machen müssen. Noch dazu haben wir Österreicher sowieso eine nahezu unterhaltsame Affinität zu – nennen wir es – englisch klingenden Ausdrücken. Und wenn wir modern sein wollen, gibt es kein Halten mehr. Aber ausgerechnet Schifahren?

Bitte, werten Sie selbst: „Weu i wü schifoan!“ oder „Weu i wü Ski foan!“ Mehr ist dazu wohl nicht zu schreiben. rr

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