Alleine auf Urlaub fahren

Knapp 10 % der Gäste sind jedes Jahr alleine in Österreich unterwegs und verbringen somit die schönste Zeit im Jahr fernab ihrer Lieben. Was sind die Motivatoren einen Urlaub alleine zu verbringen? Ist es eine Zeit des Rückzugs und des in sich Kehrens oder genau das Gegenteil: Die pure Abenteuerlust und die Möglichkeit, viele neue interessante Leute kennen zu lernen und neue Erfahrungen zu machen? Wie stehen Sie zum Alleinreisen?

Pro

Sind Sie schon einmal ganz alleine verreist? Damit meine ich jetzt nicht einen Auslandsaufenthalt während des Studiums oder eine Geschäftsreise. Nein, ich meine eine Urlaubsreise – sei es übers Wochenende in eine Therme oder auf einen 2-monatigen Abenteuertrip in den Dschungel. Ich nehme mir seit einigen Jahren regelmäßig ein paar Tage Auszeit und fahre ganz allein weg. Warum?

Ein Urlaub allein ist für mich der Inbegriff von Luxus. Nicht finanzieller Natur (auch wenn manche Betriebe leider immer noch hohe Einzelzimmerzuschläge verlangen), sondern weil das ein Maximum an persönlicher Freiheit bedeutet. Das Leben besteht oft genug aus Kompromissen – hier nicht! Ich kann alleine über mein Reiseziel entscheiden und auch vor Ort tun und lassen, was ich will. Niemand ist genervt, wenn ich lange schlafen möchte oder schon im Morgengrauen aufstehe. Niemand beschwert sich, wenn ich mich von Café zu Café treiben lasse und mich stundenlang meinem neuen Krimi widme. Niemand ist ungeduldig, wenn ich bei einem interessanten Fotomotiv länger stehen bleibe.

Aber nicht nur das: bei einem Urlaub alleine hat man wirklich einmal Zeit, sich ganz in Ruhe mit sich selbst auseinander zu setzen. Ein Urlaub alleine öffnet die Sinne. Man ist empfänglicher für Neues, tritt in intensiveren Kontakt mit Anderen und erfährt dadurch spannende Geschichten und neue Eindrücke. Man befindet sich bewusster in der Gegenwart und erlebt so den ganzen Aufenthalt viel intensiver. Und ich bin mir sicher: die vermeintlich mitleidigen Blicke der anderen Hotelgäste, die Ihnen beim Abendessen im Hotel zugeworfen werden, wenn Sie alleine am Tisch sitzen, sind insgeheim gar nicht mitleidig, sondern einfach nur neidisch. ap

Contra

Es ist ja nicht so, dass ich nicht wüsste wovon ich schreibe. Ich war schon alleine weg und ja, ich gestehe, ich habe es durchwegs genossen. Es ist wunderbar alleine durch eine Stadt zu spazieren, Ausstellungen zu besuchen und in einem Lokal sitzend das Treiben auf der Straße zu beobachten und seinen Gedanken nachhängen. Doch mit dem Lokal fängt es schon ein bisschen an. Ab und zu muss man auch etwas essen. Und in diesem Falle finde ich es – auch wenn das Essen noch so gut schmeckt – nicht mehr genussvoll. Ich will darüber reden. Sehr gutes Essen will ich von einem guten Gespräch begleitet wissen, sonst schmeckt es mir nicht und ich beginne mich zu langweilen.

Das ist überhaupt der Hauptpunkt. Ich kann tagelang alleine sein und es genießen, neue Menschen kennenlernen, frische Eindrücke sammeln, etc. aber irgendwann möchte ich darüber reden und ich möchte auch Antworten erhalten! Und ich möchte die Phasen einer Reise, die man immer dabei hat und die nun einmal nicht spannend sind, einfach mit ein wenig Plauderei aufpeppen. Zum Beispiel die An- und Abreise: Ich bin bei Reisen keineswegs der Vertreter von „Der Weg ist das Ziel.“ Bei mir ist schlicht und ergreifend das Ziel das Ziel. Und am Ziel selbst ist es wunderschön, zumindest einen anderen Menschen dabei zu haben, den man so gut kennt, dass man mit ihm schweigend nebeneinander sitzen kann und sich wohlfühlt. Denn wenn man wollte, dann könnte man ja auch reden, aber man muss nicht. Und deshalb liebe ich meine Reisebegleiter – alle. Denn sie machen die Ziele noch um ein Quäntchen schöner und spannender. rr

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