Ungarn Winteraussichten

Ungarn: Winteraussichten 2020/21

November 2020: Mehrheit der Ungarn kooperativ - Wirtschaftsbranchen unterschiedlich stark betroffen - Sehnsucht nach Urlaub, aber Reisehemnisse - ev. Tagesausflüge in Nahskigebiete - Staumanagement? - Achtsamkeit beim Kommunizieren

Maßnahmen, um Lockdown wie im Frühling zu vermeiden

In Ungarn werden Entscheidungen getroffen und Maßnahmen gesetzt, um einen Lockdown wie im Frühling zu vermeiden. Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes (MNS) wird strenger kontrolliert, die Reisewarnung gilt jedoch leider auch für Österreich und bleibt bis 1. Dezember aufrecht. Seit 2. November gelten verschärfte MNS-Regeln: MNS-Pflicht in geschlossenen öffentlichen Räumen sowie überall, wo der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Lokale müssen um 23 Uhr zusperren, in den Schulen wird vor dem Eintreten die Temperatur gemessen. Das sind nur einige Beispiele für die Maßnahmen, die den Alltag der Ungarn nun prägen. Die Reaktion der Bevölkerung darauf zeigt ein buntes Bild: Die Mehrheit der Ungarn ist kooperativ, passt sich an und hält Vorschriften korrekt ein. Wie überall auf der Welt gibt es aber auch in Ungarn Menschen, die COVID-19 (auch trotz der leider zunehmenden Sterberate) als ein nicht ernstzunehmendes Problem sehen. Im Social-Media-Bereich sind die vielen Gespräche und Kommentare geprägt von einer Sehnsucht nach dem Leben vor COVID-19.

Wirtschaft, während und nach COVID-19

Laut Prognose der Wirtschaftsforscher des „Instituts Századvég Gazdaságkutató“ ist Ungarns Wirtschaft von der zweiten Pandemiewelle weniger betroffen als von der ersten im Frühling. Die Auswirkungen und Schäden sind in den diversen Sektoren unterschiedlich: Während der Tourismus, die Autoindustrie und die Unterhaltungsbranche sehr betroffen sind, stehen der Finanzsektor und die Informationskommunikation auf einer soliden Basis. Das Institut rechnet damit, dass das Volumen der Ausgaben der Haushalte 2020 stagniert, es dafür aber einen Zuwachs von 4 % im kommenden Jahr geben wird. Eine Analyse des IWF, die Ende August erstellt wurde, geht von einem Einbruch der ungarischen Wirtschaft aus und quantifiziert das Ausbleiben ausländischer Gäste mit einem Einnahmenausfall von ca. 1.500 Milliarden HUF (4,3 Milliarden Euro).

Wenn, dann Skiurlaub

Das Bedürfnis und die Sehnsucht nach Reisen sind spürbar vorhanden, die Realität wird jedoch vom aktuellen Pandemiegeschehen und den Reisehemmnissen bestimmt. Grundsätzlich gibt es Interesse an einem Winterurlaub, die Nachfrage nach Sonnendestinationen hält sich in Grenzen. Vor die Wahl zwischen Skiurlaub und Winterurlaub im Schnee (Genuss) gestellt, entscheiden sich die Ungarn für das Skifahren. Die Zielgruppe der Skifahrer gehört in Ungarn kaufkraftmäßig zur obersten Gesellschaftsschicht und kann wirtschaftliche Krisen finanziell gut überstehen. Ein gewisser Rückgang aus finanziellen Gründen ist beim Winterurlaub durchaus zu erwarten, ähnlich wie in der Wirtschaftskrise im Jahr 2008, als im Folgejahr die ungarischen Winterankünfte um 3 % gesunken sind. Kunden aus Ungarn werden sich das Preis-Leistungs-Verhältnis noch genauer anschauen, weil seit Corona am Monatsende weniger am Lohnzettel steht. Buchungen werden noch kurzfristiger werden. Eventuell werden Tagesausflüge in Nahskigebiete (NÖ) zunehmen, sofern es Schnee gibt. Kostenlose Stornierung sowie flexible Buchungs- und Stornomöglichkeiten sind mittlerweile Standard und werden von den Reisenden erwartet.

Social Distancing in den Gondeln sowie auf Adventmärkten

Gäste beschäftigt speziell in diesem Winter die Frage, wie Social Distancing auf Pisten, Skiliften, in Gondeln, Kabinen und natürlich in Hütten sowie auf Adventmärkten praktikabel eingehalten werden kann. Weiters stellen sich die Menschen die Frage, was passiert, wenn sich die Wetterlage in den Bergen kurzfristig ändert und alle schnell in die Hütte wollen, also wie das „Staumanagement“ funktionieren wird. Diese Fragestellungen haben aber keinerlei Auswirkungen auf das Image Österreichs, das nach wie vor unverändert gut ist.

Achtsame Kommunikation führen

Es sollte zurückhaltend und achtsam kommuniziert werden und der Fokus sollte dabei aufs Skifahren und auf Programme, die mit Schnee verbunden sind, wie z. B. Rodeln und Schneeschuhwandern, gelegt werden. Da im Moment eine generelle Reisewarnung nicht nur für Österreich, sondern auch für alle anderen Länder der Welt gilt, sollte eher Imagewerbung und keine Produktpromotion durchgeführt werden. Das Zeigen von Marktpräsenz und die Stärkung des Image sind momentan die markt- und zeitgerechten Kommunikationsziele. Primär sollte online kommuniziert werden. Der Offlinebereich (Wochenzeitschriften) sollte eine Ergänzung sein. Flexible Stornobedingungen, Geldrückerstattungsgarantien, Möglichkeiten zur Verschiebung oder Umbuchung sind die entscheidenden Faktoren für eine Buchung. Hygienemaßnahmen, Sauberkeit, Sicherheit und das gewisse Plus seitens der Gastgeber gehören unbedingt betont.