Ukraine Winteraussichten

Ukraine: Winteraussichten 2020/21

November 2020: Sicherheit wird zu Hause gesucht - leichtes Wachstum 2021 erwartet - Einkaufsgewohnheiten und Urlaubspläne unverändert

Informelle Normen

Sicherheit bedeutet für die Ukrainer ihre Familienrunde und ihr Zuhause, die im Gegensatz zum Staat als Garantie für Gesundheit und Wohlfühlen gelten. Sowohl die Familienmitglieder als auch treue Freunde werden als sicher wahrgenommen, die Investition in gemeinsame Zeit scheint vorteilhaft. Private Besuche (u. a. unter der jüngeren Generation) sind derzeit besonders beliebt. Viele COVID-19-Erkrankte bevorzugen es, daheim behandelt zu werden und nicht in Krankenhäusern, da nur zu Hause ihr Grundbedürfnis nach Sicherheit befriedigt werden kann. Informelle Normen sind in Kraft getreten, da es kein Grundvertrauen in offizielle Datenquellen gibt. Dies führt unter anderem dazu, dass auch Gerüchten getraut wird. Je privater man angesprochen wird, desto mehr Aufmerksamkeit bekommt die Nachricht: Diese wird als „Insiderinformation“ wahrgenommen.

Parallel zu den strengen und wechselhaften Richtlinien der Regierung gibt es in der Realität viele Anzeichen, dass sich das Leben im Land wieder stabilisiert hat und es sich nicht ändern wird, auch wenn es wieder zum Lockdown kommt. Obwohl an den Türen von Friseursalons und Cafés Geschlossen-Schilder hängen, sind manche Lokalitäten voll besetzt. Eine neue Routine hat sich etabliert. Feiertage und andere Anlässe, zu denen die Menschen einander treffen, werden nie hinterfragt, denn sie zeigen den Ukrainern, dass das Leben weitergeht und kein Anlass zur Beunruhigung besteht. Trotz gewisser Einschränkungen strebt man nach außen, um die fehlende soziale Komponente des Lebens wieder zu spüren.

Nur schwaches Wachstum 2021

Die Weltbank prognostiziert für 2020 einen Rückgang des BIP der Ukraine um 5,5 % und für 2021 einen Anstieg um 1,5 %. Zu den positiv wirkenden Faktoren zählt z. B. die Umsiedlung der vielen IT-Mitarbeiter aus Weißrussland in die Ukraine, die dank ihrer überdurchschnittlichen Kaufkraft vom Staat stark gewünscht sind. Das Investitionsklima in Weißrussland hat sich letztens deutlich verschlechtert und diese Situation bietet wiederum eine Chance für die Ukraine. Der klar vorhersagbare negative Effekt, der stark mitspielen wird, ist, dass viele Ukrainer sofort nach der Grenzöffnung nach Europa fahren werden und nur wenige die heimische Wirtschaft auf die Beine stellen können.

Geld will ausgegeben werden

„Die Ukrainer sparen nicht mehr“, das ist die Grundaussage der heurigen Studie von GfK. Die Umfrage hat gezeigt, dass das Land im Vergleich zu den EU-Ländern ganz rasch die Panik-Phase überstanden hat und sich jetzt schon an die neue Realität gewohnt hat. Die Bevölkerung fühlt sich zwar unsicher, was das Gesundheitssystem und die Wirtschaftslage angeht, aber die Einkaufsgewohnheiten und Urlaubspläne werden von dieser Tatsache kaum beeinflusst. Der Nachfrage stehen vor allem die staatlichen Einreisebeschränkungen in den Zielorten im Weg.

Positive Einstellung zur Österreich-Urlaub

Am Image Österreichs hat sich für die Ukrainer nichts geändert. Die Berichte von ukrainischen Bloggern, die in Österreich als Emigranten wohnen, tragen zum positiven Bild bei. Zur gleichen Zeit entwickelt sich der lokale Mitbewerb ganz schnell und erzeugt viel Rauschen im Infofeld. Dies kann zu einer leichten Konkurrenzsteigerung am Markt führen.

Soziale Themen wichtiger

Die starke Ausbreitung von Trends wie Nachhaltigkeit, gesellschaftliche Verantwortung, Natur und Ehrlichkeit beeinflusst die Kommunikationslandschaft im Land. Nachgefragt wird einzigartiger Content, in dem auch auf soziale Themen eingegangen wird und der keinesfalls werblich wirkt.