Schweiz Winteraussichten

Schweiz: Winteraussichten 2020/21

November 2020: Verschärfungen - keine Konkurswelle - auch Angebote abseits der Piste gefragt - einheitrliche Regelungen im Urlaub gewünscht

Die Schweiz entgeht vorerst einem neuerlichen Lockdown

Der dramatische Anstieg von Neuinfektionen im Oktober hatte zur Folge, dass sich der Bundesrat in Absprache mit den Kantonen für strengere Maßnahmen ohne zeitliche Beschränkung entschied. Ziel bleibt es, einen zweiten Lockdown – auch aus wirtschaftlichen Gründen – nach Möglichkeit zu vermeiden. Besonders betroffenen Kantonen steht es weiterhin frei, drastischere Regeln zu erlassen. Dies wird z. B. vom Kanton Wallis umgesetzt, der die touristische Wintersaison durch einen Circuit-Breaker retten möchte. Schweizweit gilt seit 29. Oktober für Restaurants und Bars eine Sperrstunde um 23 Uhr. Tanzlokale und Diskotheken mussten schließen. Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen sind verboten, private Treffen und Veranstaltungen drinnen wie draußen sind auf zehn Personen reduziert. In Innenräumen sind sportliche und kulturelle Freizeitaktivitäten mit bis maximal 15 Personen erlaubt. Die Maskenpflicht gilt nun auch in den Außenbereichen von Einrichtungen und Betrieben wie Läden, Restaurants und Bars, auf Wochen- und Weihnachtsmärkten sowie in belebten Fußgängerbereichen. An den Hochschulen gibt es Fernunterricht. Die zuletzt stark kritisierten Restriktionen im internationalen Reiseverkehr wurden angepasst. Es stehen jetzt nur noch Staaten oder Gebiete von Nachbarländern auf der Risikoliste, deren 14-Tage-Wert pro 100.000 Einwohner um mehr als 60 höher als in der Schweiz liegt. Damit sind seit 29. Oktober Reisen in alle Bundesländer Österreichs wieder ohne zehntätige Quarantäne nach der Rückkehr möglich.

Zweite Jahreshälfte: Erholung der Wirtschaft angenommen

Laut Wirtschaftsmonitoring der Konjunkturforschungsstelle an der ETH Zürich dürfte es bereits im Laufe der zweiten Hälfte des Jahres 2020 zu einer gegenüber den ersten Prognosen positiveren Entwicklung der Wirtschaft kommen. Die gesetzten Maßnahmen zeigen Wirkung, eine Konkurswelle blieb vorerst aus. Die Aussichten am Arbeitsmarkt bleiben jedoch trübe: Es werden weniger Jobs ausgeschrieben, die Arbeitslosigkeit liegt bei 3,3 % und wird aller Voraussicht nach weiterhin ansteigen. Mit dem neuerlichen Maßnahmenpaket gegen die Ausbreitung des Virus wurde die Kurzarbeitsentschädigung auf Mitarbeiter auf Abruf ausgeweitet.

Drei Faktoren bestimmen das Wintergeschäft

Wenn es um das bevorstehende Wintergeschäft geht, blicken die Schweizer aktuell besonders genau auf Österreich und die umliegenden Alpenländer. Die Seilbahnen Schweiz haben am 8. Oktober ihr Schutzkonzept für die Wintersaison 2020/1021 präsentiert und gleichzeitig die private Initiative „Die Schweiz fährt Ski!“ lanciert. Der Seilbahnverband wirbt gemeinsam mit den Bergbahnen, den Destinationen und Akteuren des Winter- und Schneesports mit einer breit angelegten Imagekampagne für eine sichere und schöne Skisaison in den Schweizer Bergen. Dabei soll vermittelt werden, dass Wintertouristen in der Schweiz in Sicherheit planen und buchen können und die Bergbahnen sämtliche Maßnahmen gegen Corona getroffen haben. Das Bedürfnis nach Winterurlaub ist nach wie vor gegeben – hier gibt es keine wesentlichen Veränderungen zu Vor-Corona-Zeiten.

Beim Winterurlaub im Schnee dominieren sportliche Aktivitäten: Neben Skifahren, Snowboarden und Langlaufen werden auch Angebote abseits der Piste und Loipe geschätzt (z. B. Schneeschuhwandern, Rodeln).

Drei Faktoren werden das kommende Wintergeschäft bestimmen.

  • Erstens sowohl die Entwicklung der Corona-Ansteckungen als auch die Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus – im Heimatland wie in Österreich. Die wichtige Zielgruppe der Familien wird vermutlich eher zurückhaltend agieren (auch bei einzelnen Leistungsbausteinen wie Skikursen).
  • Zweitens wird die Bevölkerung aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheiten eher vorsichtig und kurzfristig entscheiden.
  • Und drittens sind für die Wintersaison – unabhängig von Corona – seit jeher auch das Wetter und die Schneelage entscheidend.

Die Schweizer werden womöglich mehr Tagesausflüge machen und dafür im eigenen Land bleiben. Viele besitzen eine Ferienwohnung, die sie während des Lockdowns in Schuss gebracht haben. Auch über die Grenzen hinaus ist mit einer erhöhten Nachfrage nach Ferienwohnungen zu rechnen. Von noch kurzfristigeren Buchungen und dem Wunsch nach flexiblen Stornobedingungen ist auszugehen. Wie sich das Sun-and-Beach-Segment entwickelt, das in „normalen“ Jahren viele Schweizer in die Sonne, vor allem auf die Kanarischen Inseln, nach Ägypten, in die Vereinigten Arabischen Emirate und nach Asien, reisen lässt, ist schwer einzuschätzen.  

Zu viel Lockerheit bei Maßnahmenumsetzung

Ischgl war im Frühling medial ein großes Thema – und war es Anfang September in Zusammenhang mit dem Prozess und der Präsentation des Winterkonzeptes wieder. Ein „Ischgl-Bashing“ hat nicht stattgefunden, da den Schweizern bewusst war, dass es auch ihre eigenen Winter-Destinationen vermehrt hätte treffen können. Wesentlich gravierender ist der Umstand, dass Österreich nach seiner anfänglichen Rolle als Musterschüler während der letzten Monate in den Augen der Schweizer durch zu viel Lockerheit bzw. durch zu laschen Umgang mit den gesetzten Maßnahmen aufgefallen ist. Nicht förderlich für ein positives Image sind Bilder von dicht gedrängten Menschenansammlungen vor der Seilbahnstation, wie sie Mitte Oktober nicht nur in den sozialen Medien kursierten. Zur Wiederherstellung des Vertrauens ist die konsequente Einhaltung der getroffenen Maßnahmen vonnöten.

Kommunikationsempfehlungen

Wichtig ist es, für diesen Winter einfache und nach Möglichkeit einheitliche Regelungen zu definieren und klare Aussagen zu den geplanten Maßnahmen zu tätigen. Die jeweils gültigen Informationen sollen leicht auffindbar sind, eine service- und userfreundliche Aufbereitung und die ständige Aktualisierung der Inhalte sind notwendig. Besondere Bedeutung wird nebst inspirierenden Inhalten vermehrt konkreten Informationen zu den Sicherheitsmaßnahmen zukommen. Das Interesse an Wintersportaktivitäten auch abseits der Skipiste wird steigen, dies ist bei den Kommunikationsinhalten zu berücksichtigen.