Schweiz Winteraussichten

Schweiz: Winteraussichten 2020/21

Februar 2021: weitere Verschärfungen – Unbeschwertheit wird vermisst – Isolation und Einsamkeit – vor Abflug negativer PCR-Test nötig -– auch Angebote abseits der Piste gefragt – konkrete Informationen

Weitere Verschärfung der Maßnahmen

Aus Furcht vor einer dritten Welle durch die britische Virusvariante entschied sich der Bundesrat Mitte Jänner 2021 für weitere drastische Einschränkungen. Nicht nur wurde der Lockdown von Restaurants, Freizeit- und Kultureinrichtungen um weitere fünf Wochen bis Ende Februar verlängert. Wie schon im Frühling 2020 muss nun auch ein Teil der Läden wieder schließen und das Arbeiten im Homeoffice wird obligatorisch. Jene Kantone, die ihren Skigebieten über die Weihnachtsfeiertage vorsichtshalber keine Betriebsbewilligung erteilten, erlaubten bereits kurz danach eine Öffnung. Nachweislich gibt es keinen signifikanten Anstieg an Ansteckungen oder Engpässen bei Krankenhausbetten durch diesen Schritt. Die zweite Welle drückt viel stärker auf die wahrgenommene Stimmungslage als die erste. Die Sorge vor sozialer Isolation und Einsamkeit steigt. Im alljährlich erscheinenden Sorgenbarometer der Credit Suisse gibt über die Hälfte der Befragten an, dass ihnen das Virus und seine Folgen am meisten Sorgen bereiten. In der Liste folgen die Altersvorsorge und die Arbeitslosigkeit. Eine aktuelle Studie von Sotomo zeigt, dass die Schweizerinnen und Schweizer vor allem die „allgemeine Unbeschwertheit“ vermissen.

Die Restriktionen im internationalen Reiseverkehr gelten nach wie vor: Auf der Risikoliste der Schweiz landen Staaten oder Gebiete von Nachbarländern, deren 14-Tage-Inzidenz um mehr als 60 höher als in der Schweiz liegt. Seit 1. Februar 2021 zählt in Österreich das Bundesland Salzburg zu den Gebieten, die nach Rückkehr eine zehntägige Quarantäne erfordern. Neu ist seit dem 8. Februar, dass diese mit einem negativen Schnell- oder PCR-Test nach 7 Tagen beendet werden kann. Ebenfalls seit 8. Februar 2021 müssen sämtliche Flugpassagiere vor dem Abflug einen negativen PCR-Test vorweisen und sich alle Personen, die mit dem Flugzeug, Schiff, Bus oder Zug einreisen, online registrieren.

Beim Impfen setzt die Schweiz auf die Impfstoffe von Moderna (7,5 Millionen bestellte Dosen), AstraZeneca (5,3 Millionen Dosen) und BioNtech/Pfizer (3 Millionen Dosen). Die nationale Impfstrategie sieht vor, dass prioritär besonders gefährdete Personen geimpft werden: zuerst ältere Leute ab 75 Jahren sowie Personen mit chronischen Krankheiten, die das höchste Risiko haben. Anschließend Personen zwischen 65 und 74 und alle weiteren besonders gefährdeten Personen. Noch im Oktober herrschte eine regelrechte Impfskepsis und nur 16 % der Befragten einer Sotomo-Studie waren ohne Einschränkungen zu einer Impfung bereit. Diese Bereitschaft ist bis Mitte Jänner auf 41 % gestiegen.

Aktueller Lockdown hat wirtschaftliche Auswirkungen wie der erste

Laut Wirtschaftsmonitoring der Konjunkturforschungsstelle an der ETH Zürich dürfte es bereits in der zweiten Hälfte des Jahres 2020 zu einer gegenüber den ersten Prognosen positiveren Entwicklung der Wirtschaft gekommen sein. Eine Konkurswelle blieb vorerst aus. Die Aussichten am Arbeitsmarkt bleiben jedoch trübe: Es werden weniger Jobs ausgeschrieben, die Arbeitslosigkeit liegt bei 3,3 % und wird aller Voraussicht nach weiterhin ansteigen. Mit dem neuerlichen Maßnahmenpaket gegen die Ausbreitung des Virus wurden zusätzliche Gelder für Härtefälle bereitgestellt. Laut Prognosen (Seco, Dezember) schrumpft die Schweizer Wirtschaft 2020 um 3,3 %. Das vergleichsweise glimpfliche Davonkommen liegt an mehreren Faktoren: kein zweiter landesweiter harter Lockdown im Herbst, geringere Abhängigkeit vom Tourismus, Einsatz der hohen Kaufkraft vermehrt im Inland, krisenresistenter Finanz- und Versicherungssektor sowie eine Pharmaindustrie, die von der Pandemie sogar profitiert. Mit dem zweiten Lockdown seit 18. Jänner 2021 wird sich die Wirtschaftsrezession in der Schweiz jedoch vertiefen. Aufgrund der Ladenschließungen ist der Alltagskonsum der Bevölkerung um 25 % eingebrochen und fällt damit ähnlich stark aus wie beim ersten Lockdown im Frühling 2020. Währenddessen stieg die Sparquote im Jahr 2020 um 26,6 % – Einkommen, das nicht in Restaurantbesuche, Einkäufe oder Reisen geflossen ist. Absolut sind dies 130 Milliarden Franken statt wie in üblichen Jahren 100 Milliarden. Geld sparen konnten aber nicht alle Teile der Gesellschaft.

Diese Faktoren bestimmen das Wintergeschäft

Anfang Jänner fiel eine erste Zwischenbilanz der bisherigen Wintersaison unter den gegebenen Umständen positiv aus. Zwar konnten die Schweizer die ausbleibenden ausländischen Gäste nicht kompensieren. Destinationen, die traditionellerweise auf den einheimischen Gast setzen, kamen bisher mit einem blauen Auge davon. Beispielsweise spricht man bei den Bergbahnen in Graubünden von einem Besucherminus von rund 17 %. Das Wallis, der zweite große Ferienkanton, ist wesentlich internationaler ausgerichtet. Hier blieb schätzungsweise rund ein Drittel der Besucher aus. Viel wurde getan, um einen sicheren und trotz allem halbwegs normalen Winterurlaub zu ermöglichen und zu propagieren. Die Seilbahnen Schweiz lancierten die Initiative „Die Schweiz fährt Ski!“ und vermittelten dabei, dass eine sichere und schöne Skisaison in den Schweizer Bergen möglich ist.

Schweiz Tourismus folgte mit einer Adaptierung der bestehenden Kampagne „Ich brauch Schweiz“ auf „Ich brauch ein erstes Mal“ und präsentierte eine inspirierende Sammlung von 100 einzigartigen Erlebnissen für ein persönliches erstes Mal. Im Fokus stehen dabei viele Aktivitäten in der freien Natur und abseits der Skipiste: Winterwandern, Schneeschuhgehen, Schlittenfahren, Langlaufen, Skitourengehen. Vereinzelt kam es zu größeren Menschenansammlungen auf diversen Schweizer Berggipfeln und an den Seilbahnstationen. Einige Skigebiete führten daraufhin Kapazitätsbeschränkungen bei den Bergbahnen ein: Beispielsweise ist in Gstaad die Zahl der Tagespässe auf 5.000 pro Tag limitiert und die „Weisse Arena Gruppe“ (Flims/Laax/Falera) verkauft Tages- und Halbtagespässe nur mehr online und kontingentiert. Zu einer Schließung aller Skigebiete in der Schweiz über die Weihnachtsfeiertage, wie von vielen gefordert, kam es allerdings nicht. Der Bundesrat übertrug die Entscheidung an die Kantone. Laut der bereits zitierten Sotomo-Studie spricht sich eine deutliche Mehrheit der Schweizer Bevölkerung gegen eine generelle Schließung der Skigebiete aus. Für die weitere Wintersaison wird die Bevölkerung aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheiten eher vorsichtig und kurzfristig entscheiden.

Es ist mit einer erhöhten Nachfrage nach Ferienwohnungen und dem Wunsch nach flexiblen Stornobedingungen zu rechnen. Und nicht zuletzt sind für die Wintersaison – unabhängig von Corona – seit jeher auch das Wetter und die Schneelage entscheidend.  

Britische Virusvariante soll im März in der Schweiz dominieren

Österreich ist nach seiner anfänglichen Rolle als Musterschüler während der Sommermonate in den Augen der Schweizer durch zu viel Lockerheit bzw. durch zu laschen Umgang mit den gesetzten Maßnahmen aufgefallen. Zum Start der Wintersaison kursierten Bilder von dicht gedrängten Menschenansammlungen vor der Seilbahnstation in den sozialen Medien. Ähnliche Bilder gab es auch von Zermatt und Verbier bzw. Anfang Jänner von mehreren Skigebieten in der Schweiz. Zur Wiederherstellung des Vertrauens sind die konsequente Einhaltung der getroffenen Maßnahmen und zurückgehende Ansteckungszahlen vonnöten. Die Schweiz selbst ist zuletzt international mit negativer Berichterstattung aufgepoppt. Einerseits wegen der im Vergleich lockeren Restriktionen und der zahlreichen Todesfälle. Andererseits sorgte Verbier mit letztendlich falschen Nachrichten über „quarantäneflüchtige“ Briten für Schlagzeilen. Die Skigebiete Wengen, Arosa und St. Moritz wurden zu neuen Corona-Hotspots, vor allem wegen der neuen Virusvariante aus Großbritannien. In St. Moritz mussten zwei Fünfsternehotels unter Quarantäne gestellt werden.

Für Reisen zu Ostern sind aktuell noch keine Voraussagen möglich. Einerseits wird – zumindest in der Schweiz – vorhergesagt, dass im März die ansteckendere britische Virusvariante dominieren wird. Andererseits müssen angesichts der Lieferengpässe bei den Impfstoffherstellern Impfstrategien auf beiden Seiten der Grenze angepasst werden. Da Fernreisen diesen Sommer aus heutiger Sicht kaum gemacht werden und Schweizer wieder ins Ausland reisen werden wollen, hat Österreich – wie die meisten europäischen Länder – gute Chancen, hier zu profitieren.

Kommunikationsempfehlungen

Unabhängig davon, ob Winterurlaub in Österreich in dieser Saison noch möglich ist oder bereits die Lust auf Sommerurlaub ins Zentrum der Kommunikation gestellt wird: Es bleibt wichtig, einfache und nach Möglichkeit einheitliche Regelungen zu definieren und klare Aussagen zu den geplanten Maßnahmen zu tätigen. Die jeweils gültigen Informationen sollen leicht auffindbar sein, eine service- und userfreundliche Aufbereitung und eine ständige Aktualisierung der Inhalte sind notwendig. Besondere Bedeutung wird nebst inspirierenden Inhalten vermehrt konkreten Informationen zu den Sicherheitsmaßnahmen zukommen.