Schweden Winteraussichten

Schweden: Winteraussichten 2020/21

November 2020: allgemeine Ratschläge der Regierung - Haushaltsentwurf 2021 vorgestellt - Reiselust spürbar - durch Unsicherheit schwierige Buchungslage - Maßnahmen für sicheren Winterurlaub kommunizieren

Weitere Empfehlungen der Regierung

In Schweden steigt die Zahl der Neuinfizierten weiterhin stark an. In der dritten Oktoberwoche erreichte Schweden einen neuen Höchstwert von 9.165 registrierten Neuinfektionen. Das waren 70 % mehr als die Woche davor. Staatsepidemiologe Anders Tegnell betonte allerdings, dass die Situation nicht so schlimm wie im Frühjahr ist, man habe jetzt einfach bessere Kapazitäten zum Testen. Die 14-Tage-Inzidenz in Schweden ist noch niedriger als in anderen EU-Ländern und liegt bei 147,4. Angesichts der wachsenden Zahl der Neuinfektionen hat Schweden entsprechende Empfehlungen verschärft. Statt mit strikten Verboten appelliert die Regierung weiterhin mit Empfehlungen und Ratschlägen an die Vernunft der Bürger. In Skåne und Uppsala werden die Menschen vorläufig bis zum 17. November dazu angehalten, Kontakt mit Personen aus anderen Haushalten ebenso zu vermeiden wie den Nahverkehr und soziale Veranstaltungen wie Fußballspiele und anderen Sport. Es sind aber nur „allmänna råd“, allgemeine Ratschläge, verboten wird in Schweden eben nur ungern. In der Bevölkerung ist eine starke Corona-Müdigkeit zu bemerken. Es fällt den Schweden schwerer, sich an die Richtlinien und Empfehlungen zu halten. Die Solidarität vom Frühjahr hat in den letzten Wochen etwas gelitten.

Politische Kooperation in Wirtschaftsfragen

Ende September hat Schwedens Regierung den Haushaltsentwurf für 2021 vorgestellt. Zweifelsohne prägt die Coronakrise die Wirtschaftspolitik der schwedischen Regierung 2021 in hohem Maße. Dazu gehört der nach wie vor gültige Konsens der zwei Regierungsparteien (Sozialdemokraten und Grüne) mit den beiden bürgerlichen Unterstützungsparteien (Liberale und Zentrum) bei Haushaltsabstimmungen. Diese politische Kooperation bedeutet, dass die Minderheitsregierung auch Elemente bürgerlicher Wirtschaftspolitik in ihrem Haushalt berücksichtigen muss. Daher beinhaltet der schwedische Haushaltsentwurf „von allem etwas“ und lässt sich aufgrund der Corona-Unsicherheit qualitativ nur sehr schwer beurteilen. Offensichtlich ist, dass die Regierungsparteien keine größeren Rückschläge im Kampf gegen COVID-19 erwarten.

Konjunktur – sukzessive Erholung erwartet

Insgesamt sind für das nächste Haushaltsjahr zusätzliche Ausgabensteigerungen von über 105 Milliarden Kronen vorgesehen. Dies macht rund 2 % des schwedischen BIP aus. Die öffentliche Verschuldungsquote verändert sich zwar von 35,2 % des BIP 2019 auf über 42,6 % in diesem Jahr und auf 42,3 % im Jahr 2021, dies ist bei Schwedens fundamental starken Staatsfinanzen jedoch nicht furchterregend. Allerdings lässt sich nicht abschätzen, welche zusätzlichen Belastungen die Corona-Pandemie später noch für den Staatshaushalt bedeuten kann, und zwar weder auf der Ausgaben- noch auf der Einnahmenseite.

Reisesehnsucht

Die Schweden verspüren wieder Lust zu reisen. Das wird in Reisecommunitys spürbar. Dies ergab auch eine Umfrage, die wir gemeinsam mit freeride.se – Schwedens größter Skicommunity – durchgeführt haben. Fast 70 % der Befragten möchten diesen Winter nach Österreich, aber warten erst einmal die Corona-Lage ab (vgl. Blogbeitrag). Finanzielle Umstände scheinen nur eine geringe Rolle bei der Urlaubsentscheidung zu spielen. Es sind selten die Schweden mit den gut bezahlten Jobs, die von dieser Krise betroffen sind. Es wird erwartet, dass Buchungen kurzfristig erfolgen. Positiv ist, dass viele Schweden die Herbstferien in der letzten Oktoberwoche im Ausland verbrachten. Viele Reiseveranstalter melden, dass mehrere Angebote nach Spanien, Gran Canaria und Portugal ausverkauft waren. Dies soll an den flexiblen Buchungsbedingungen liegen. Dies bestätigt, dass viele Schweden coronamüde sind und Sehnsucht haben zu reisen.

Schwierige Buchungslage

Die Schweden sehen Österreich prinzipiell als gemütliches, sicheres Winterurlaubsland, auch wenn die Ischgl-Causa sicherlich Spuren hinterlassen hat. Aber selbst wenn viele Schweden diesen Winter in Schweden zum Skifahren bleiben, hat es vermutlich wenig mit der negativen Berichterstattung über Ischgl zu tun. Es liegt eher an der unsicheren Lage im Allgemeinen. Die Schweden schätzen die Sonne, Wärme und Gastfreundschaft und natürlich die österreichischen Berge, die sie nicht in Schweden erleben können. Daher ist nicht davon auszugehen, dass sich das Image im Vergleich zum Vorjahr groß geändert hat. Über den österreichischen Umgang mit der Coronakrise hat man in den schwedischen Medien nicht viel gehört. Dort stehen eher Länder wie die USA, Deutschland und Dänemark im Vordergrund. Im Moment ist nicht abzusehen, wie sich das Winter-Urlaubsverhalten entwickeln wird. Reiseveranstalter bestätigen, dass die Buchungslage schwierig ist und dass sich das Buchungsverhalten entsprechend der allgemeinen Lage ändern wird. Prinzipiell ist zu sagen, dass die Schweden sehr reisefreudig sind und sicher Reisen ins Ausland buchen werden, sobald wieder eine gewisse Stabilität gegeben ist. Es wird aber vermutlich nicht mehr so sein, dass sie durchschnittlich fünfmal im Jahr reisen werden. Österreich ist das beliebteste Winterurlaubsland zum Skifahren im Ausland. Es ist wichtig, weiterhin präsent zu sein, damit Unternehmen wie SkiStar keine weiteren Marktanteile erobern. Diese Saison sind SkiStar in der Haupturlaubszeit schon ausgebucht.

Sicheren Urlaub anbieten

Im Moment geht es darum, die Schweden zu inspirieren und darüber informieren, dass Österreich für die Wintersaison alles getan hat, um einen sicheren Winterurlaub anbieten zu können. Wesentlich ist auch eine klare Kommunikation der Stornobedingungen.