Schweden Winteraussichten

Schweden: Winteraussichten 2020/21

Februar 2021: steigende Impfbereitschaft – Rezession nicht so schlimm wie befürchtet – „egoistische“ Auslandsreisende – mehr Outdoor-Aktivitäten im Urlaub – Präsenz zeigen – emotional kommunizieren

Spezielles Pandemiegesetz

Im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern wurde das öffentliche Leben in Schweden nur in geringem Umfang eingeschränkt. Die Schweden können sich uneingeschränkt im Land bewegen. Am 24. Dezember 2020 wurden Maßnahmen zur Corona-Bekämpfung verschärft, unter anderem mit einer Empfehlung zum Homeoffice, zur Vermeidung des Nahverkehrs und zum Fernunterricht. Von 10. Jänner bis voraussichtlich 30. September 2021 gilt ein spezielles Pandemiegesetz, das vorübergehend eingeführt wurde, um striktere Begrenzungen beschließen zu können. Seit dem 27. Jänner 2021 drohen bei Missachtung der Verbote Bußgelder in Höhe von 2.000 SEK. Die Meldung des Staats-Epidemiologen Anders Tegnell, dass das Skifahren in den schwedischen Skiorten bis jetzt nicht zu einer Erhöhung der Anzahl von COVID-19-Patienten geführt hat, haben viele zum Anlass genommen, wieder innerhalb von Schweden zu reisen.

Generell ist die Stimmungslage besser geworden, da viele mit Zuversicht auf den Impfstoff warten. Die Schweden sind gegenüber dem Impfen positiv gestimmt. 71 % geben an, sie werden sich impfen lassen (im November waren es nur 46 %). Nur 20 % geben an, dass sie unsicher sind. Damit die schwedische Bevölkerung Herdenimmunität erreicht, müssen sich
laut Anders Tegnell 70 % Schweden impfen lassen. Experten zufolge sollte dies kein Problem werden. Einziger Kritikpunkt im Land ist, dass das Verteilen des Impfstoffes zu lange dauert. Mit Bewunderung schaut man dem Nachbarland Dänemark zu, wo Ablauf viel schneller funktioniert.

Politische Kooperation in Wirtschaftsfragen

In Schweden werden die Wirtschaftsprognosen besser. Mit einer Rezession ist zwar zu rechnen, aber ihr Ausmaß wird nicht so groß sein wie befürchtet. So hat die Europäische Kommission notiert, dass Schweden in ihrer Herbstprognose den drittniedrigsten Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) 2020 in der gesamten Europäischen Union erreicht: minus 3,4 % gegenüber dem Vorjahr. In ihrer neuesten Wirtschaftsanalyse von Mitte Dezember geht die schwedische Regierung sogar von weniger als 3 % aus. Auch die Prognosen für den Export sehen optimistischer aus als am Anfang vermutet. Trotz eines abgeschwächten Außenhandels sind die Exporte um 11 % gestiegen (im Vergleich zum zweiten Quartal 2020). Die Arbeitslosenquote liegt bei 9 % und beträgt somit um 2 Prozentpunkte mehr als 2019. Die schwedische Regierung rechnet damit, dass das schwedische BIP und der Privatkonsum im Jahr 2022 auf Vorkrisenniveau zurückkehren werden. Die Regierung plant Maßnahmen und finanzielle Unterstützung für Unternehmen, um die prognostizierte Investitionsschwäche überwinden zu können. Zu den geplanten Maßnahmen gehören Vergünstigungen für Maschinenkäufe, eine Förderung von Forschung und Entwicklung, „grüne“ Staatsinvestitionen und eine Unterstützung für den Arbeitsmarkt, für Jobeinsteiger und das Wachstum von Kleinunternehmen. Bei den schwedischen Unternehmen herrscht trotz der schwierigen Lage Optimismus. Dies bestätigt der von der Swedbank erhobene „Purchasing Manager Index“ (PMI) im verarbeitenden Gewerbe. Nach einem Einbruch im Frühjahr 2020 wächst dieser seit Mai wieder kontinuierlich und lag im November weit über dem Vorjahreswert. Dies ist zum großen Teil der steigenden Auslandsnachfrage und dem Exportzuwachs zu verdanken.

Sehnsucht nach Urlaub

Zurzeit wird empfohlen, nicht ins Ausland zu reisen. Wer ins Ausland reist, gilt als unverantwortlich und egoistisch. Die Schweden werden primär ihre Winterferien im eigenen Land verbringen – entweder daheim oder in den schwedischen Skigebieten. Die Nachricht, dass alle Schweden bis zum Sommer geimpft werden sollen, hat zu einem Anstieg der Buchungen für den Sommer geführt. Dies melden große Reiseveranstalter wie TUI, Apollo und STS Alpresor. Die Meldung des Staats-Epidemiologen Anders Tegnell hat sich sehr positiv auf die Reisebranche ausgewirkt. Viele sehnen sich mehr denn je nach Reisen. STS Alpresor setzt auf Wanderungen, Yoga, Biken und Erlebnisse in der Alpenwelt. Das Interesse daran ist bei den Schweden groß.

Generell herrscht ein Verlangen nach mehr Outdoor-Aktivtäten und Urlaub im Freien. Dies hat SkiStar zum Anlass genommen, eine große Kampagne für Sommerurlaub in den schwedischen Bergen zu promoten. Dazu hat SkiStar große Sportler wie z. B. die Kallur-Schwestern als Botschafter engagiert. Laut Reiseveranstaltern, wie z. B. Langley und STS Alpresor, gibt es auch einen Bedarf nach Osterurlaub in Österreich. Aber die unsichere Lage und die Reiseinschränkungen seitens Österreich machen einen Verkauf fast unmöglich. Bei der Einreise nach Österreich aus Schweden gilt derzeit eine verpflichtende zehntägige Quarantäne. Frühestens ab dem 5. Tag nach der Einreise kann diese nach einem negativen PCR- oder Antigentest vorzeitig beendet werden. In den Winterferienwochen (KW 7, 8 und 9) bleiben die Schweden in Schweden zum Skifahren. Skistar meldet eine gute Buchungslage. Für die Schweden gibt es diesen Winter keine Alternative, als in den schwedischen Skigebieten zu bleiben. Und unsere Zielgruppe verzichtet ungern auf eine gemeinsame Woche Skifahren mit der Familie – selbst wenn es in Schweden genauso viel kostet (Liftkarte, Unterkunft, Essen).

Schwierige Buchungslage

Einschränkungen werden erwartet; der Konsument ist sich bewusst, dass dieser Winterurlaub anders sein wird. Beispielsweise wird erwartet, dass weniger Menschen gleichzeitig mit Skiliften bzw. Gondeln fahren dürfen, dass „Abstand halten“ vermehrt als Regel eingeführt und auch eingehalten wird. Man ist sich auch bewusst, dass es einige Restriktionen gibt, die man auch einhalten soll. Das Image ist eher „streng“, d. h., man weiß, dass diese Regeln auch wirklich gelten und dass dies auch kontrolliert wird. Man hat das Gefühl, es sei strenger als in Schweden und in den schwedischen Skigebieten, was die Corona-Regeln angeht. Dies ist aber nicht unbedingt negativ. Es schafft auch Vertrauen, dass alles richtig gemacht wird. Allerdings werden sich nur wenige Schweden mit FFP2-Masken anfreunden. Vor allem wenn man überlegt, dass die Schweden kaum einen Mund-Nasen-Schutz im eigenen Land tragen und dass Österreich vor nicht allzu langer Zeit darüber informiert hat, eine Bandana sei in den Liften in Österreich vollkommen ausreichend.

Die Schweden sehen Österreich prinzipiell als gemütliches, sicheres Winterurlaubsland, auch wenn die Ischgl-Causa sicherlich Spuren hinterlassen hat. Aber selbst, wenn viele Schweden diesen Winter im eigenen Land zum Skifahren bleiben, hat es vermutlich wenig mit der negativen Berichterstattung über Ischgl zu tun. Es liegt eher an der unsicheren Lage im Allgemeinen. Die Schweden schätzen die Sonne, Wärme und Gastfreundschaft und natürlich die österreichischen Berge. Daher ist nicht davon auszugehen, dass sich das Image im Vergleich zum Vorjahr groß geändert hat. Über den österreichischen Umgang mit der Coronakrise hat man in den schwedischen Medien nicht viel gehört. Dort stehen eher Länder wie die USA, Deutschland und Dänemark im Vordergrund. Im Moment ist nicht abzusehen, wie sich das Winter-Urlaubsverhalten entwickeln wird. Reiseveranstalter bestätigen, dass die Buchungslage schwierig ist und dass sich das Buchungsverhalten entsprechend der allgemeinen Lage ändern wird. Prinzipiell ist zu sagen, dass die Schweden sehr reisefreudig sind und sicher Reisen ins Ausland buchen werden, sobald wieder eine gewisse Stabilität gegeben ist. Es wird aber vermutlich nicht mehr so sein, dass sie durchschnittlich fünfmal im Jahr reisen werden. Österreich ist das beliebteste Winterurlaubsland zum Skifahren im Ausland. Es ist wichtig, weiterhin präsent zu sein, damit Unternehmen wie SkiStar keine weiteren Marktanteile erobern. Diese Saison ist SkiStar in der Haupturlaubszeit schon ausgebucht.

Emotionalität und Sehnsucht

Die Kommunikation in der Winterkampagne wurde komplett überarbeitet. Wir setzen auf Emotionalität, Sehnsucht und die Aufforderung: „Haltet durch. Haltet aus. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen in Österreich!“