Niederlande Winteraussichten

Niederlande: Winteraussichten 2020/21

November 2020: Nur absolut notwendige Reisen möglich - Unterstützung der Maßnahmen durch die Bevölkerung - Wirtschaft pessimistisch - RV: Buchungen weit hinter Vorjahreszahlen - Thema Stornobedingungen - tagesaktuelle Informationen

Leichter Rückgang bei Neuinfektionen gepaart mit zusätzlichen Maßnahmen

Das Land befindet sich seit 13. Oktober in einem Teil-Lockdown. Trotz eines Rückgangs der Zahl der Neuinfektionen traten mit 4. November zusätzliche Maßnahmen in Kraft, um weiterhin ausreichende Kapazitäten in den Krankenhäusern zu gewährleisten. Zu diesen Maßnahmen zählt unter anderem eine Kontaktbeschränkung (es dürfen sich maximal zwei Personen aus verschiedenen Haushalten im Innen- oder Außenbereich treffen). Zudem forderte die niederländische Regierung die Bevölkerung auf, bis Mitte Jänner keine Auslandsreisen zu buchen und zu unternehmen. Dies gilt für alle Länder weltweit (außer die niederländische Karibik).

Eine Ausnahme stellen absolut notwendige Reisen dar. Touristische Reisen und Familienbesuche gelten nicht als notwendige Reisen. Dabei handelt es sich de facto um kein Verbot, sondern um eine dringende Empfehlung der Regierung. Weitere Maßnahmen sind unter anderem das Arbeiten im Homeoffice, es sei denn, es gibt keine andere Möglichkeit; das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ab dem 13. Lebensjahr in öffentlichen Innenräumen und Verkehrsmitteln; das Schließen aller Museen, Theater, Clubs, Casinos, Kinos, Vergnügungsparks, Tierparks, Schwimmbäder und Bibliotheken.

Vorsichtig und abwartend

Mit der Einführung der zusätzlichen Maßnahmen und aufgrund des weiterhin bestehenden Reisehinweises „Code Orange“ (zehntägige Heimquarantäne nach der Einreise) der niederländischen Regierung für ganz Österreich ist die positive Stimmung in den Niederlanden getrübt. Die Niederländer bleiben deshalb weiterhin vorsichtig und abwartend, auch in ihren Reiseentscheidungen. Die überwiegende Mehrheit (75 %) der niederländischen Einwohner unterstützt nach wie vor den Ansatz der niederländischen Regierung zur Bekämpfung des Coronavirus. Geht es jedoch um spezifische Maßnahmen, sind die Niederländer stärker gespalten. Es werden die Sinnhaftigkeit der Corona-Maßnahmen und die Verhältnismäßigkeit von spezifischen Maßnahmen infrage gestellt. In öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes bereits Pflicht. Die Abstandsempfehlung von 1,5 Metern wird zumeist eingehalten.

Zwei Wirtschaftsszenarien

Die niederländische Wirtschaft werde in diesem Jahr um 6 % schrumpfen. Nächstes Jahr werde die Wirtschaft anziehen und ein Wachstum von 4,1 % verzeichnen, prognostiziert die Economist Intelligence Unit. Um die Probleme rund um die Arbeitslosigkeit und die Liquidität von Unternehmen und Privaten zu reduzieren, stellt die Regierung Corona-Hilfsmaßnahmen in Höhe von ca. 120 Mrd. Euro in Form von direkten Zuschüssen, Steuerstundungen, Steuerreduktion und Kreditgarantien bereit. Lag die Arbeitslosenrate in den Niederlanden 2019 noch bei 3,4 %, so dürfte sie 2020 jedoch auf 4,6 % steigen und im Jahr 2021 auf 5,5 %. Eine Erholung des Arbeitsmarktes sei erst 2022 zu erwarten: Dieses relativ optimistische Szenario ging davon aus, dass es aufgrund der Corona-Entwicklung keine neuen Lockdowns in großem Maßstab geben wird. Da es immer noch sehr ungewiss ist, wie sich die Pandemie entwickeln wird, hat das niederländische Forschungsinstitut „CPB Netherlands Bureau for Economic Policy Analysis“ ein „Szenario der zweiten Welle“ ausgearbeitet, welches aufgrund des aktuellen Teil-Lockdowns, der erneuten Ausbreitung der Krankheit und der Kontaktbeschränkungen die Wahrscheinlichkeit des Eintretens erhöht. Laut diesem Szenario wird die Wirtschaft in diesem Jahr um 8,4 % und im nächsten Jahr um nicht weniger als 11,1 % schrumpfen. Die Arbeitslosigkeit wird in diesem „Doom-Szenario“ auf 10 % steigen. In diesem Fall wird die Staatsverschuldung bis zu 73 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erreichen, was jedoch laut CPB immer noch kein alarmierend hohes Niveau darstellt.

Wirtschaftliches Stimmungsbild

Im Oktober waren Unternehmer laut dem „Centraal Bureau voor de Statistiek“ (CBS) in den meisten verbraucherorientierten Branchen den dritten Monat in Folge pessimistischer in Bezug auf den erwarteten Umsatz, die Anzahl der Mitarbeiter und das Wirtschaftsklima. Die Ausnahme bildet der Einzelhandel, in dem die Unternehmer hinsichtlich des erwarteten Umsatzes noch optimistisch waren. Der Einzelhandelsumsatz war im September um fast 8 % höher als im September 2019. Das Verkaufsvolumen stieg um 5,5 %. Sowohl der Lebensmittelsektor als auch der Non-Food-Sektor erzielten höhere Umsätze. Darüber hinaus stieg der Online-Umsatz um 35 %. Negativ geblieben ist die Stimmung vor allem in Unterkünften, Restaurants und Cafés sowie Reisebüros. Die Konsumentenstimmung habe sich im Oktober leicht verschlechtert, berichtet das CBS. Die Verbraucher sahen das Wirtschaftsklima eher pessimistisch, jedoch die Kaufbereitschaft in Verbindung mit der finanziellen Situation in den nächsten zwölf Monaten etwas optimistischer. Die künftige Arbeitslosigkeit sahen die Verbraucher im Oktober pessimistischer als im September. Im Oktober erwarteten 92 % der Befragten einen Anstieg der Arbeitslosigkeit in den nächsten zwölf Monaten, während 5 % einen Rückgang prognostizierten.

Verunsicherung und Bedenken

Seit der Zunahme der Infektionszahlen und der Verschärfung der Reisehinweise für ganz Österreich auf „Code Orange“ haben sich große Verunsicherung und Bedenken breitgemacht.

Die großen Reiseveranstalter in den Niederlanden bestätigen die Verunsicherung und das abwartende und zurückhaltende Urlaubs- und Buchungsinteresse. Reiseveranstalter mit großzügigen Stornobedingungen verzeichnen Buchungen, die aber weit hinter der Buchungsanzahl aus „normalen“ Wintern liegen. Es zeigt sich aber, dass die Niederländer schon noch Interesse an Urlaub haben und sicherlich bei Entspannung der Lage und bei Wegfall der Reisehinweise bereit sind, einen Urlaub zu buchen. Es wird jedoch immer noch erwartet, dass zahlreiche Buchungen sehr kurzfristig erfolgen werden und der Markt ein Last-minute-Markt wird. Buchungen ein bis zwei Wochen vor Reiseantritt werden in dieser Saison die Regel sein.

Man hofft auf eine Lockerung der Reisehinweise und auf aufkommende Buchungen für Jänner, Februar und die Spätsaison-Monate. Die Hochsaison sind die Monate Februar und März mit den Krokusferien. Zwei Drittel der Niederländer-Nächtigungen in der Wintersaison entfallen auf die Monate Februar und März. Entscheidend wird die COVID-19-Entwicklung der nächsten Wochen sein. Umfragen (z. B. auf der Plattform wintersport.nl der niederländischen Skivereinigung und den Plattformen skiinformatie.nl und snowplaza.nl) zeigen, dass eine große Mehrheit (72 %) an einem geplanten Wintersporturlaub festhalten möchte, 40 % der Befragten gaben an, bereits gebucht zu haben. Der Großteil der restlichen Befragten führte jedoch an, im Augenblick mit der Buchung abwarten zu wollen. Als Gründe für die abwartende Haltung führten die Befragten an: mögliche noch kommende Reisebeschränkungen (28 %, Abbruch der Reise, Quarantäne), Corona-Beschränkungen (26 %, obligatorische Maskenpflicht, kein Après-Ski), Angst vor Infektionen (16 %). Ebenso viele, also etwa 16 %, befürchten, dass sie ihre Anzahlungen bzw. Zahlungen nicht zurückerhalten, wenn die Reise abgesagt oder unterbrochen wird. Für 71 % der Befragten ist es bei der Auswahl des Skigebietes wichtig, dass die Anzahl der Skifahrer in einem Skigebiet oder Lift begrenzt ist. 67 % der Befragten halten auch eine Begrenzung der Anzahl der Personen in Restaurants und Hotels für wichtig. 72 % der Befragten gaben an, dass längere Öffnungszeiten der Skilifte zu begrüßen sind.

Flexible Stornobedingungen nötig

Ein großes Thema sind weiterhin Stornobedingungen: Um Planungs- und vor allem finanzielle Sicherheit zu haben, stehen flexible, großzügige und kulante Stornobedingungen an oberster Stelle der Konsumentenwunschliste. Reiseveranstalter reagieren mit Geld-zurück-Garantien für den Fall, dass es COVID-19-betreffende Änderungen bei Reisewarnungen gibt. Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis wird noch wichtiger, wobei die Qualitätsansprüche gleichbleibend hoch bleiben. Hinzu kommen die hohen Anforderungen an Sicherheit und Hygienestandards. Es besteht eine hohe Sensibilität für negative Corona-Nachrichten. Insgesamt steigt die Nachfrage nach Ferienwohnungen und -appartements sowie Chalets. Das Wintersportbudget bleibt gleich.

Kaum Änderung der Einstellung zu Österreich-Reisen, aber Zurückhaltung bei Buchung von Winterurlauben

Die niederländische Regierung hat in einer Pressekonferenz am 3. November die Bevölkerung aufgefordert, bis Mitte Jänner keine Auslandsreisen zu buchen und zu unternehmen. Dies gilt für alle Länder weltweit (außer für die Niederländische Karibik). Ausnahme: absolut notwendige Reisen. Die niederländische Regierung betonte dabei, dass touristische Reisen und Familienbesuche keine notwendigen Reisen darstellen. Die niederländische Regierung folgt hier dem Rat der Expertengruppe „Outbreak Management Team“ (OMT), die Auslandsreisen und explizit Wintersporturlaub als Risiko einstuft. Des Weiteren besteht weiterhin der Reisehinweis „Code Orange“ (zehntägige Heimquarantäne bei Einreise) der niederländischen Regierung für ganz Österreich. Die Wintersport-Affinität in den Niederlanden ist generell hoch. 20 % der niederländischen Auslandsurlauber sind aktive Skifahrer (in der Freizeit und/oder im Urlaub). In absoluten Zahlen entspricht dies 2,1 Mio. Personen. Ein großer Vorteil für Österreich ist die Tatsache, dass Österreich in den Niederlanden einen sehr hohen Stammgästeanteil hat (65 % der niederländischen Gäste wählen jedes Jahr bzw. regelmäßig die gleiche Region in Österreich; 87 % sind generell österreichtreu). Hier sind eine hohe Bekanntheit und Vertrautheit mit Österreich, mit der Region, ja auch mit dem Gastgeber vorhanden – Österreich punktet mehr denn je als sicheres, bekanntes und vertrautes Urlaubsland mit intakter, spektakulärer Natur, Berg- und Naturlandschaft sowie perfekter Skiinfrastruktur. Bei einer Onlineumfrage in den Niederlanden gaben zudem 81 % der Befragten bei der Frage, ob sie wegen des Coronavirus lieber nicht in ein bestimmtes Land fahren möchten, an, dass dies keinen Einfluss hat. Nur 2,9 % der Befragten gaben an, dass sie in der Wintersaison wegen des Virus nicht nach Österreich fahren.

Einschränkungen werden erwartet – der Konsument ist sich bewusst, dass dieser Winterurlaub anders sein wird. Beispielsweise wird erwartet, dass weniger Menschen gleichzeitig mit Skiliften bzw. Gondeln fahren dürfen, dass das Abstandhalten vermehrt als Regel eingeführt und auch eingehalten wird und sich der Besuch von Après-Ski-Bars und Restaurants ändern wird. Wichtig für den niederländischen Gast bleiben Gemeinschaftserlebnisse. Gemeinsam Zeit zu verbringen ist weiterhin eine wichtige Motivation für Winterurlaub in den Alpen – sei es mit der Familie und Familienverbänden, sei es in einer Mehrgenerationen-Konstellation oder mit Freunden, ersichtlich auch am hohen Familienanteil unter den Wintergästen. Damit verbunden ist die starke Nachfrage nach Ferienwohnungen/-appartements und Chalets – schon jetzt finden knapp 50 % aller niederländischen Winternächtigungen in Österreich in Ferienwohnungen, Appartements und Chalets statt. Diese Tendenz ist auch coronabedingt steigend, weil man mehr denn je die Urlaubszeit in der eigenen sozialen Blase verbringen möchte.

Zusätzlich ist die Erdgebundenheit ein erwähnenswerter Vorteil für Österreich in puncto Flexibilität, Einfachheit und kurzfristiger Erreichbarkeit. In den Niederlanden liegt die Autoanreise jetzt bereits bei über 80 %. Die Reiseveranstalter fokussieren sich deshalb noch mehr auf Selbstanreise. Auch in puncto Bahnanreise gibt es gesteigerte Sensibilität, mehr Nachfrage und daher wieder Angebote im kommenden Winter: aus Amsterdam die neue Nightjet-Verbindung nach Wien über Tirol; auch den sogenannten Alpenexpress soll es wieder zu ausgewählten Terminen geben.

Laufende Kommunikation über aktuelle Situation

Eine laufende Kommunikation über die Situation und eine tagesaktuelle Informationsweitergabe an die Reisebranche und die Gäste werden zusammen mit authentischer Kommunikation wichtiger denn je. Vertrauen und Zuversicht zu schaffen, Gesundheit, Hygiene und Sicherheit (Aufstellen und Kommunizieren von klaren Regeln) sowie Flexibilität zu zeigen sind Aspekte, die in der Kommunikation zudem einen wichtigen Stellenwert einnehmen, da sie auch als Auswahlkriterien bei der Suche nach der richtigen Feriendestination eine bedeutende Rolle spielen. Die niederländischen Gäste wünschen sich einen sicheren und erholsamen Winterurlaub in Österreich.

Es werden Einschränkungen erwartet – der Konsument ist sich bewusst, dass dieser Winterurlaub anders sein wird. Es besteht eine große Erwartungshaltung, dass diese Einschränkungen bzw. Maßnahmen hinsichtlich Sicherheitsvorschriften und Gesundheitsprotokollen klar und eindeutig kommuniziert werden. Hier besteht bei allen Gästen, auch bei den Stammgästen ein hoher Informationsbedarf. Einheitlicher Tenor in der Reisebranche: Die Information über die Situation in den Destinationen, über Hygiene- und Sicherheitsvorschriften ist zentral und wichtig, um das Vertrauen sowohl beim Konsumenten als auch bei der Reisebranche selbst zu stärken. In der Bildsprache sollten derzeit keine Bilder eingesetzt werden, die viele Menschen ohne Sicherheitsabstand zeigen.