Italien Winteraussichten

Italien: Winteraussichten 2020/21

November 2020: Vorsicht und Umsicht - Home-Office ist Alltag - regional verschiedene Regelungen - Wohlbefinden im Fokus - neue Tourismusprodukte

Non ancora – nicht schon wieder

Nur kurz währte die Freude darüber, dass sich die Disziplin der Bevölkerung während des harten Lockdowns im heurigen Frühjahr ausgezahlt hat. Vorsicht und Umsicht sind nach wie vor die wichtigste Disziplin im Umgang mit der Pandemie, dennoch steigen aktuell die Ansteckungszahlen und damit einhergehend auch der Pegel an Sorge und Frust. Wohl niemand hat eine so rasante Entwicklung einer zweiten Welle vorhergesehen. Zuversicht schafft einzig, dass man schon einmal eine Welle gemeistert hat. Premierminister Giuseppe Conte hat die aktuellen Restriktionen am 24. Oktober so verkündet: „Seien wir jetzt äußerst diszipliniert, dann können noch angenehme Weihnachtstage möglich sein.“  Es bedarf einer besonderen Energieleistung aller, damit dies gelingt.  

Sorge um den gesellschaftlichen Zusammenhalt, fehlende Geduld, steigende Unsicherheit und sinkendes Vertrauen

Seit Monaten ist COVID-19 ein Dauerthema in der Öffentlichkeit, im privaten Rahmen, aber vor allem in den italienischen TV-Stationen. Häufig sind dort die Debatten emotional sehr geladen und zeigen die Furcht vor wirtschaftlichen Verlusten und persönlichen sozialen Einbußen. Wir erinnern uns an die Bilder von singenden Menschen auf den Balkonen, an die Beschwörung einer gemeinsamen nationalen Anstrengung, aber auch an die vielen positiven Erfahrungen mit Smart Working. Diese Bilder fehlen im Moment und die Arbeit im Homeoffice ist quasi zum Alltag geworden. Eine beträchtliche Anzahl großer Unternehmen arbeiten bereits seit März (!) in diesem Modus und die Anzahl der Kurzarbeiter ist weiterhin hoch. Man sorgt sich besonders um den stark bröckelnden sozialen Kitt unter den Generationen und das fehlende Verantwortungsbewusstsein speziell der Teenager. Zudem sinkt das Vertrauen, dass die verschärften Maßnahmen von Erfolg beschieden sein werden. In den bisherigen sieben Monaten mit COVID-19 haben sich die Menschen aufgrund von nicht realisierbaren Plänen oder Verschiebungen dieser eine Art Ad-hoc-Modus angeeignet. Sogar die Italiener mit ihrer quasi angeborenen Spontanität tun sich schwer, aus der Not eine Tugend zu machen. Hinzu kommt, dass im Winter aufgrund der kürzeren Tage die Möglichkeiten, sich im Freien abzulenken oder Sport zu treiben, merklich geringer sind. Dass die Situation überall in Europa ähnlich prekär ist, motiviert ebenfalls die Suche nach Orientierung und Wohlbefinden sowie die Hoffnung auf fröhliche Weihnachten.

Zu viele verschiedene Regelungen

Aufgrund des Wechsels von nationalen zu regionalen COVID-19-Regeln scheint ein Stück weit auch die Orientierung im Umgang mit der Pandemie verloren gegangen zu sein. Die Vielzahl an Informationen und Regeln macht müde, ebenso wie dies die Ängste um eine mögliche Ansteckung in der Familie und die Einschränkungen von sozialen Kontakten tun. Zudem fehlen klare positive Perspektiven. Wann es eine Verbesserung der Situation oder einen Impfstoff geben wird, kann niemand konkret beantworten. 

Neues Herangehen an Wohlbefinden, neue Tourismusprodukte

Auf die Gesundheit zu achten, Kraft zu tanken und eine bereichernde Abwechslung in den Alltag zu bringen hat im Moment oberste Priorität. Gesundheit gilt heute als höchstes Gut, das es zu bewahren und zu fördern gilt. Wellness wird zur Gesundheitspflege im weitesten Sinn des Wortes, am besten als Resultat eines medizinisch-wissenschaftlichen Zuganges, der geeignet ist, für jede Person das richtige Programm zur Pflege der Gesundheit zu liefern. Es sind also individuelle Programme gefragt, die vor allem auch psychologische und emotionelle Aspekte beinhalten. Mentales Wohlbefinden wird als Basis für körperliches Wohlbefinden und für die Gesundheit als Ganzes wahrgenommen.

Glücklich zu sein wird als „mentaler Zustand“ dargestellt, der durch Training und Neuprogrammierung der eigenen Denkweise und Lebenseinstellung erreicht werden kann. In dieses neue Wellnesskonzept ordnen sich auch verschiedene touristische Produkte ein: Aufenthalte mit medizinischem Zugang und neuen Technologien zur Lösung von spezifischen Problemen, Klinik-Hotels mit Longevity-Programmen, Medical Wellness, Urban Spas.

Die Menschen werden Reisen und - auch längere - Aufenthalte suchen, um sich zu regenerieren und sich einen Lebensstil anzueignen, der auch nach der Rückkehr aus dem Urlaub beibehalten werden soll. Urlaub wird nicht mehr als Ausbruch aus dem Gewohnten gesehen, sondern als Maßnahme für eine gute Gesundheit!