Italien Winteraussichten

Italien: Winteraussichten 2020/21

Februar 2021: Impfung läuft – Sehnsucht nach Frühling – Freunde zu besuchen ist starkes Reisemotiv – Vorfreude auf mögliche Urlaube zu Ostern und im Sommer – Wohlfühlpausen geplant

Trotz hoher Impfrate macht sich Ungeduld breit

Die Pandemie-Lage scheint unter Kontrolle, die Zahl der Ansteckungen und auch die Zahl der Intensiv-Patienten gehen zurück – aber es geht den meisten Menschen nicht schnell genug. Ungeduld macht sich breit. Bis April 2021, so das Ziel der Regierung, sollen mindestens 10 idealerweise 15 Millionen Italiener geimpft werden. Laut einer Umfrage des „Istituto Superiore di Sanità“ (ISS), also der obersten italienischen Gesundheitsbehörde, wollen sich zwei von drei Italienern (67 Prozent) impfen lassen. In Italien wurden bis 26. Jänner 2021 1,38 Millionen Menschen geimpft. Die zügige Impfung in Italien dürfte an der Priorisierung der Impfkandidaten liegen: Vorrangig werden derzeit Gesundheits- und Sozialarbeiter sowie Bewohner und Mitarbeiter von Altenheimen geimpft. Derzeit weist Italien nach Deutschland  die zweithöchste Anzahl an bereits absolvierten Impfungen in der EU auf, trotzdem empfindet die Bevölkerung die Impfgeschwindigkeit als zu langsam.  

Befürchtete Kündigungswelle soll abgefedert werden 

Letztendlich haben die politischen Machtspiele zum Kollaps der Regierung "Conte II" geführt. Seit 13.02.2021 gibt es eine neue Regierung unter Ministerpräsident Mario Draghi, die von allen Parteien außer den rechts-nationalen "Fratelli Italia" unterstützt wird. Die Regierung setzt sich aus einer Mischung von ExpertenInnen und PolitikerInnen zusammen und der Tourismus erhielt ein eigenes Ministerium, das den Restart der Branche, die  13 % zum BIP beiträgt, effizient unterstützen soll.

Bis Ende März genießen alle Arbeiter und Angestellten einen Kündigungsschutz. Speziell die Gewerkschaften fordern eine Klärung der weiteren Vorgangsweise, um gegebenenfalls eine zu erwartende Kündigungswelle abzufedern. Zukunftsweisende Entscheidungen sind nun zu treffen: Laut nationalem Industrieverband Confindustria geht es darum, dass die EU-Mittel auch richtig und zukunftsorientiert eingesetzt werden, nämlich für Innovation, den grünen Wandel, die digitale Wende, Automatisierung, vereinfachende Reformen und Bürokratieabbau. 

Die Sehnsucht nach dem Frühling und der Verlagerung des Lebens nach draußen kann bald gestillt werden. Die Temperaturen vor allem im Süden Italiens sind bei Sonnenschein sehr angenehm, die Tage werden länger. Das steigert die Lust auf mehr soziale Kontakte im Freien und merklich auch die Lust, wieder Urlaub zu machen.

Nahmärkte beim Urlaub im Vorteil 

Der italienische Bankenverband ABI berichtet von einem starken Wachstum der Bankeinlagen (plus 8 %), was auf die Unsicherheit über die zukünftige Situation zurückzuführen sei. Trotzdem zeigt sich auch in Italien, dass die Schere zwischen Arm und Reich in Pandemie-Zeiten weiter aufgegangen ist.

Italien selbst plant einen Neustart der Tourismuswirtschaft rund um die Osterferien. Die Skigebiete bleiben bis vorerst 5. März 2021 in ganz Italien geschlossen. Die Lust auf Reisen ist ungebrochen hoch. Es ändern sich jedoch die Vorstellungen, wohin man in diesem Jahr reisen kann und will. Jüngere Menschen stehen Flugreisen deutlich positiver gegenüber als ältere.

Generell wird davon ausgegangen, dass Destinationen, die mit dem Auto erreichbar sind, dieses Jahr klar im Vorteil sein werden. Familien und Eltern, deren Kinder bereits ausgezogen sind, wollen vorrangig im Inland Urlaub machen. Zudem besteht der klar formulierte Wunsch danach, Freunde zu besuchen, insbesondere im Rahmen von Kurzreisen.

Italien ist ein Kulturland und der Kulturbetrieb steht auch hier seit September wieder still. Der Besuch von Konzerten, Opernaufführungen und Ausstellungen steht auf der Wunschliste ganz oben. Davon sollten auch die österreichischen Städtedestinationen – auch ob ihrer Erreichbarkeit per Bahn und Pkw – profitieren können.

In Anbetracht eines Szenarios, in dem die Einschränkungen des nationalen und internationalen Reiseverkehrs noch bis März andauern werden, wird für Ostern 2021 eine echte Erholung der touristischen Aktivitäten erwartet. Jeder zweite Italiener plant bereits die erste Reise im Jahr 2021. Die Pandemie hat die Prioritäten neu bestimmt: Nachhaltigkeit und Wohlbefinden (Sicherheit) werden unsere zukünftigen Reiseentscheidungen deutlich prägen. Laut expedia.com sieht man mehr Spontaneität beim Buchen: Touristen buchten im Jahr 2020 10 % mehr rückerstattungsfähige Tarife als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Dieser Trend wird sich in gleicher Weise fortsetzen.  

Sehnsucht nach Bewegung in der Natur 

Laut dem Urlaubsservice der Österreich Werbung ist die Reiselust der Touristen ungebrochen und das Image Österreichs scheint durch die Pandemie nicht beeinträchtigt worden zu sein, da es nach wie vor als sicheres Land wahrgenommen wird. Es besteht ein Bedarf an klaren Informationen bezüglich des Szenarios unmittelbar nach dem Lockdown. Auch in den sozialen Medien sieht man bei den Usern den Wunsch, wieder zu reisen. Es gibt eine wachsende Ungeduld mit der aktuellen Situation in Italien, da seit einigen Monaten Reisen zwischen den einzelnen Regionen zumindest noch bis zum 15. Februar untersagt sind. Die User teilen gerne Bilder, die mit den schönsten Erinnerungen an den Urlaub in Österreich zu tun haben, und träumen von Zeiten, wenn sie wieder in Österreich sein können. Einige User sahen jedoch die Wiedereröffnung der Skipisten in Österreich als eine Art Affront im Vergleich zur Schließung der Anlagen in anderen EU-Ländern, einschließlich Italien. Dieselben User laden andere User ein, die italienischen Gebiete, wie z. B. Südtirol, zu besuchen und es zu vermeiden, in Zukunft ins Ausland zu reisen. Einige User haben das Verhalten der österreichischen Regierung gegenüber Italien während der ersten Phase der Pandemie (März 2020) nicht verziehen. Diese damals fehlende Empathie löste Wut aus, man fühlte sich unerwünscht.

Im Allgemeinen hat sich die Einstellung zu Reisen nach Österreich nicht geändert. Im Gegenteil, das Pandemie-Management Österreichs und der hohe Standard der Gesundheitsversorgung und der Hilfsmaßnahmen (Kurzarbeit, Unternehmensstützungen etc.) werden als beispielhaft empfunden. Man geht auch davon aus, dass Österreich Gäste erst wieder empfangen wird, wenn es die pandemische Situation zulässt. Es bleibt zu hoffen, dass es hier zu einer akkordierten Vorgehensweise zwischen den Ländern kommen wird, um Missstimmungen wie im letzten Jahr zu vermeiden. Zu Ostern wählen die Italiener mit Vorliebe Österreichs Städte als Ziel. Der frühe Ostertermin lässt auch auf Wintersportgäste hoffen, die speziell die hochgelegenen und die Gletscher-Skigebiete schätzen. Für den Sommer erwartet man in Italien einen wahren Outdoor-Boom. Die Sehnsucht nach intakter Natur, Raum zum Durchatmen und genug Platz, um sich möglichst sicher bewegen und entspannen zu können, ist noch größer als im vergangenen Jahr. 

Kommunikation 

Eine gute Strategie für die Wiedereröffnung von Einrichtungen im Frühjahr ist essenziell. Wohlfühlpakete anzubieten, die sich auf die Stärkung der Gesundheit im Allgemeinen und des Immunsystems im Speziellen konzentrieren, verspricht Erfolg. Aber auch Outdoor-Aktivitäten wie Radfahren entsprechen dem Verlangen nach Gesundheit von Körper und Geist. Die Italiener planen für dieses Jahr häufige Wohlfühlpausen. Die Sehnsucht mit entsprechenden Bildern aufrechtzuerhalten ist sinnvoll, und zwar nach dem Motto: „Dort würde ich gerne sein, dort fühle ich mich wohl!“